Rückblick: Fachtagung in Hannover

Mittwoch, 07. Dezember 2016 um 12:40 Uhr

„Damit wir uns besser verstehen: Mit „Leichter Sprache“ mehr Beteiligung ermöglichen“ – das war der Leitgedanke der Fachtagung zu Leichter Sprache, die am 16.11.2016 in Hannover stattfand. Initiator war die Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung. Mit über 100 Teilnehmern aus Politik, Wirtschaft, Verbänden und Gewerkschaften zeigte sich deutlich: Eine vereinfachte Sprache wird dringend und vor allem in vielen Bereichen gebraucht.

Leichte Sprache ist schon seit längerer Zeit ein – teilweise brisantes und vieldiskutiertes – Thema in der Gesellschaft. Im Fokus der Diskussionen steht aber meistens die Ablehnung oder zumindest die kritische Einstellung gegenüber dem Konzept. Dabei wird allzu leicht übersehen, welches Potenzial Leichte Sprache aufweist. Die Fachtagung „Damit wir uns besser verstehen: Mit Leichter Sprache mehr Beteiligung ermöglichen!“ der Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung, die am 16.11.2016 in Hannover stattfand, schob die Bedenken beiseite und zeigte: Wir brauchen Leichte Sprache.

Die Veranstaltung wurde mit einleitenden Worten von den Organisatoren eröffnet, die mit Berichten aus der Praxis und dem Verweis auf die hohe Zahl von Menschen mit Leseschwierigkeiten in Deutschland den Zuhörern eine Kontextualisierung lieferten. Als erste Referentin berichtete dann Gabriele Lösekrug-Möller, parlamentarische Staatssekretärin des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales sowie Schirmherrin der Tagung, über den Abbau sprachlicher Barrieren im Behördenbereich. Vor dem Hintergrund der Gesetzesnovelle des BGG nimmt diese alle Bundesbehörden in die Pflicht und schreibt zum Beispiel vor, dass ab dem Jahr 2018 Behördenbescheide in Leichter Sprache vorzuliegen haben. Dass dies zu begrüßen ist, steht außer Frage, doch zugleich kritisierte Lösekrug-Möller, dass die Wirtschaft weiterhin von einer „Leichte-Sprache-Pflicht“ befreit ist, obwohl es sich damit um einen Bereich handele, der viel näher an der Lebenswelt der Zielgruppe von Leichter Sprache sei und genau deshalb von größerer Bedeutung für diese ist.

Die weiteren Vorträge gingen auf die Rahmenbedingungen von Leichter Sprache ein und diskutierten ihr Potenzial für Weiterbildung und Arbeit. So ist zum Beispiel Leichte Sprache zunehmend ein interessantes Kommunikationsinstrument für Betriebsräte, um bei Problemfällen im Unternehmen das Verständnis zu sichern, aber auch in Sachen Integration kann das Konzept eine wichtige Rolle spielen.

Nach der Mittagspause wurde es praktisch; In Lerncafés haben Verlage, Institutionen sowie Übersetzungsbüros ihre Produkte und Arbeit vorgestellt. Der 1-stündige Programmpunkt bot darüber hinaus Gelegenheit zum Austausch mit dem Publikum. Auch die Forschungsstelle Leichte Sprache stellte sich und ihre Leichte-Sprache-Materialien vor.

Den Abschluss der Fachtagung bildete der Vortrag von Ulla Bohmann. Die Schwedin berichtete über das Konzept in ihrem Land. Im Gegensatz zu Deutschland ist Leichte Sprache in Schweden seit Jahrzehnten etabliert und gesetzlich verankert. Das spiegelt sich auch in zahlreichen Angeboten wider: So gibt es unter anderem eine Tageszeitung in Leichter Sprache, auch werden Gesetzestexte mit Zusammenfassungen in Leichter Sprache flankiert und die Zahl übersetzter bzw. eigens in Leichter Sprache verfasster Romane geht über die 1 000 hinaus. Auch sieht sich das Konzept weniger Kritikern gegenüber als es hier in Deutschland der Fall ist; es wird vielmehr akzeptiert.

Der Fachtag bot alles in allem einen Einblick in Leichte Sprache für Interessierte und zeigte deren Einsatzmöglichkeiten auf. Der Bericht von Ulla Bohmann macht Hoffnung, dass Leichte Sprache auch in Deutschland eine solche Entwicklung erleben wird.

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