Gebärdensprache lernen: Geschichten erzählen mit dem Körper

Mittwoch, 12. Oktober 2016  / Alter: 2 Jahre

Gestern, heute, morgen: Wer am Gebärdensprachkurs an der Universität teilnimmt, kann Geschichten in verschiedenen Zeitformen erzählen. Studierende aller Fachbereiche können an den Kursen teilnehmen. In den Sprachkursen sind noch wenige Plätze frei. Wer sich dafür interessiert, kann sich bis zum 13. Oktober 2016 anmelden.

Die eine Geste bedeutet Arzt, die andere, je nach Kontext „halb" oder „Hälfte". Marieke Einheuser studiert an der Universität Hildesheim „Medientext und Medienübersetzen" und spezialisiert sich auf barrierefreie Kommunikation. Sie nimmt ab November ein Jahr lang an einem Gebärdensprachkurs in der Uni teil. Fotos: Isa Lange/Uni Hildesheim

Marieke Einheuser lernt Sprachen. Nach Spanisch und Englisch arbeitet sich die 29-Jährige in den nächsten 12 Monaten in die Grammatik der Gebärdensprache ein. Das ist möglich, da Studentinnen und Studenten an der Universität Hildesheim die Gebärdensprache erlernen können. Marieke Einheuser, die in Hildesheim „Medientext und Medienübersetzen" studiert und auf barrierefreie Kommunikation spezialisiert, nimmt ab November ein Jahr lang an dem Sprachkurs teil, eine wichtige Erfahrung, hofft sie. Es ist so, als würde man eine neue Fremdsprache erlernen, nur dass man stetig den Blickkontakt halten muss, da sonst wichtige Informationen fehlen. „Ich möchte die Grundlagen der Gebärdensprache erlernen, um mit Gehörlosen ohne große Hemmungen kommunizieren zu können. Man erwartet immer, dass jemand, der nicht hören kann, sich durch die Schriftsprache wurschtelt oder von den Lippen abliest", sagt Marieke Einheuser. Sie möchte sich den Nuancen der Sprache annähern und „genau hingucken".

„Die Studierenden können die Gebärdensprache von erfahrenen, gehörlosen Gebärdensprachdozenten erlernen", sagt Professorin Christiane Maaß. Es gibt erstmals fünf Kurse, darunter vier Anfängerkurse, an denen Studierende ohne Vorkenntnisse teilnehmen können, sowie einen Aufbaukurs. Besonders sinnvoll ist der Sprachkurs für alle Studiengänge, die etwas mit dem Thema Sprachen oder Inklusion zu tun haben, sagt die Medienlinguistin. Lehramtsstudierende können fünf Punkte erwerben, aber auch Studentinnen und Studenten aus anderen Fächern sind willkommen und können sich die Teilnahme attestieren lassen, so Maaß. „Wir wollen diese Kurse dauerhaft an der Universität installieren." Nachdem in den Vorjahren die Anfragen weit über den vorhandenen Kursplätzen lagen (auf 15 Plätze kamen über 110 Einschreibwünsche), bietet die Universität nun erstmals fünf Kurse parallel an: 64 Plätze für Einsteiger und 16 Plätze im Aufbaukurs.

Im Anfänger-Kurs lernen Studierende die Deutsche Gebärdensprache samt Gehörlosenkultur und Geschichte kennen, sagt Isabel Rink, die am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Hildesheimer Uni arbeitet. Sie lernen das Fingeralphabet und „enorm viel Vokabular in Form von Gebärden", so Rink. Wer erfolgreich teilnimmt, kann kürzere Gespräche darüber führen, wer man ist, woher man kommt und wo man die Sprache gelernt hat. Außerdem beschäftigen sich die Studierenden mit Sprache; sie lernen zum Beispiel Possessivpronomen, Satzstellung, Aufbau von Geschichten und Idiome kennen, so Isabel Rink. „Im Fortgeschrittenen-Kurs lernen Studierende die Monate und Uhrzeiten, machen mit der Bildbeschreibung weiter, wo was platziert ist – links, rechts, gegenüber. Sie können ganze Bildergeschichten erzählen mit Zeitform – gestern, heute, morgen – und zum Beispiel berichten, wie reichhaltig ein Frühstückstisch gedeckt ist oder was es alles in einem Kaufhaus gibt, samt Inventar wie Mode, Herrenanzug, Krawatte, Restaurant. Und man kann sagen, wie man wohnt, ob im Haus der Eltern, in der eigenen Wohnung oder WG."

Die Universität arbeitet mit dem Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte in Hildesheim zusammen. Die Dozenten Dana Apel und Jörg Apel leiten die Gebärdensprachkurse. Das Landesbildungszentrum ist eine bilinguale Schule, der Unterricht erfolgt durchgängig zweisprachig in deutscher Sprache und deutscher Gebärdensprache. Am Ende des Gebärdensprachkurses werden die Studierenden ihre Fertigkeiten im Landesbildungszentrum erproben können.

Bisher nahmen unter anderem Studierende aus den Studiengängen „Medientext und Medienübersetzung", „Internationales Informationsmanagement", „Internationale Kommunikation und Übersetzen", „Erziehungswissenschaften“ sowie „Sozial- und Organisationspädagogik" an den Kursen teil. Für die Medienstudierenden ist der wöchentliche Gebärdensprachkurs Teil des Schwerpunkts „Barrierefreie Kommunikation". Aber auch Studierende aller anderen Studiengänge und Fachrichtungen  können teilnehmen.

Jetzt anmelden: Gebärdensprache erlernen

Der Kurs geht über zwei Semester (DGS1 + DGS2) und umfasst je 2 Semesterwochenstunden. Der Anmeldeschluss ist am 13. Oktober 2016, es sind noch Plätze frei. Wer an einem der Kurse teilnehmen möchte, kann sich über das übliche Anmeldeverfahren des LSF anmelden. Das Startdatum der Kurse wird den Teilnehmern nach Anmeldeschluss mitgeteilt. Für Fragen steht Marieke Einheuser (einheuse@uni-hildesheim.de) zur Verfügung, die die Kurse koordiniert. Die Gebärdensprachkurse sind ein universitätsübergreifendes Angebot, das aus zentralen Studienqualitätsmitteln finanziert wird.  Studierende können sich an die jeweilige Fachstudienberatung wenden, um die Anerkennungsmodalitäten zu besprechen.

Von: Pressestelle, Isa Lange

Die eine Geste bedeutet Arzt, die andere, je nach Kontext „halb" oder „Hälfte". Marieke Einheuser studiert an der Universität Hildesheim „Medientext und Medienübersetzen" und spezialisiert sich auf barrierefreie Kommunikation. Sie nimmt ab November ein Jahr lang an einem Gebärdensprachkurs in der Uni teil. Fotos: Isa Lange/Uni Hildesheim