Fachtagung „Kultur inklusiv – Netzwerken! Partizipieren! Bilden!“

Mittwoch, 16. Oktober 2019 um 14:57 Uhr

Vom 13. bis 15. September fand im Roemer-Pelizaeus Museum in Hildesheim die Fachtagung „Kultur inklusiv“ statt. In vielen Vorträgen erhielten die Teilnehmenden spannende Informationen und Anregungen zu inklusiver Kulturarbeit in Museen sowie Einblick in die wissenschaftliche Arbeit an Hochschulen und Universitäten.

Ein Highlight der öffentlichen Auftaktveranstaltung am Freitag war ein Vortrag von Raúl Krauthausen. Der Aktivist und Mitbegründer des Vereins „Sozialhelden“ erzählte vom alltäglichen Umgang mit Menschen mit Behinderung und zeigte, dass auf dem Weg zur vollständigen Teilhabe noch viel zu tun ist. Seiner Ansicht nach sollten Inklusion und Barrierefreiheit die Regel sein und nicht nur zu besonderen Anlässen auf der Agenda stehen. Und noch wichtiger: Menschen ohne Behinderung hätten das Recht, Alltag, Kultur und Freizeit mit Menschen mit Behinderung gemeinsam zu erleben. Die weiteren Vorträge unterteilten sich thematisch in die Bereiche „Netzwerken“, „Partizipieren“ und „Bilden“ und umfassten verschiedene Stimmen aus der Praxis, Projektideen und Möglichkeiten der Vernetzung. Es ging um die Entwicklung von Netzwerken und die Frage, woher der Wille nach Veränderung des Status quo kommt: Von uns allen, den Menschen im Land, die für ein Thema brennen und anpacken wollen. Es ging auch um den Begriff „Inklusion“ und die Perspektive, dass der Weg das Ziel ist. Eine ganz andere Sichtweise lieferte Benjamin Rowles, der Themen der LGBTIQ-Community in den Fokus rückte und aufzeigte, dass hier noch sehr wenig Angebote in der Kulturvermittlung stattfinden.

Der Sonntag stand schließlich ganz im Zeichen der Universitäten und Hochschulen. Prof. Dr. Musenberg und Dr. Ruhlandt von der Universität Hildesheim hielten einen Vortrag, in dem es um den Umgang der Universitäten mit Menschen mit Behinderung ging. Prof. Tiedeken von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg stellte seine Dissertation zur inklusiven Musikpädagogik vor und zeigte die vielen Widersprüche der inklusiven Praxis auf.

Die Forschungsstelle Leichte Sprache war am Samstag und Sonntag mit einem Informationsstand auf der Tagung vertreten und informierte Interessierte über die Leichte Sprache und die eigene Arbeit.

Studierende des Masterstudiengangs Barrierefreie Kommunikation übersetzten im Rahmen des Projektseminars Leichte Sprache unter der Leitung von Dr. Isabel Rink die Tagungshefte in Leichte Sprache. Cornelia Schwarzer, Studentin des ersten Jahres, sagt: „Das war unser erstes Projekt zur Übersetzung in Leichte Sprache. Mir hat daran besonders gefallen, hinterher die Vorträge zu hören, in die man sich durch die Übersetzung schon reingelesen hatte.“