Die Forschungsstelle zu Gast beim NDR

Montag, 08. April 2019 um 18:23 Uhr

Ende März war die Forschungsstelle Leichte Sprache zu Gast beim NDR in Hamburg. In einem spannenden neuen Projekt soll eine Variante der Tagesschau in Einfacher Sprache entstehen.

„Es ist 20 Uhr, hier ist das Erste Deutsche Fernsehen mit der Tagesschau.“ Für viele Menschen gehören diese Worte zum allabendlichen Programm. Was passiert gerade in Deutschland und der Welt? Welche neuen Entwicklungen gibt es beim Brexit? In nur 15 Minuten erhalten die Zuschauerinnen und Zuschauer die wichtigsten Informationen des Tages.

Doch betrachtet man die Sendung aus sprachlicher Sicht, kann sie Menschen vor große Barrieren stellen: Lange Sätze und komplizierte grammatikalische Konstruktionen sollen Sachverhalte darstellen, die auch inhaltlich nicht immer leicht zu durchdringen sind. Es braucht teilweise auch einiges Vorwissen, um die aktuellen Nachrichten vollständig einordnen zu können.

In einem gemeinsamen Projekt des NDR und der Forschungsstelle Leichte Sprache soll es deshalb darum gehen, die Tagesschau für alle in Einfacher Sprache aufzubereiten. Ziel ist es, die Nachrichten für alle Menschen besser verständlich zu machen.

Zu einem ersten Ideenaustausch war die FLS zusammen mit einigen Studierenden der Universität Hildesheim beim NDR in Hamburg zu Gast. Beispielhaft wurde eine Ausgabe der Tagesschau in eine einfachere Sprachform gebracht und dann auch direkt mit Sprecherin Stella Jürgensen und Sprecher Tarek Youzbachi aufgenommen. Dabei war vor allem interessant zu sehen, dass bestimmte Formulierungen nur als geschriebener Text funktionieren, in mündlicher Form jedoch nicht. Dies kann insbesondere bei der Nutzung von Pronomen wie „ich“ und „wir“ zu Problemen führen, wenn der Urheber der Aussage nicht eindeutig ist.

In der Diskussion zeigte sich schließlich die große Motivation für das Projekt, bei dem aber noch viele Fragen offen bleiben: Soll die Version in Einfacher Sprache sehr nah am bestehenden Tagesschau-Format bleiben und z. B. auf das vorhandene Bildmaterial zurückgreifen oder lässt man der neuen Version mehr Raum sich zu entfalten? Wie können die Informationen trotz Vereinfachung redaktionell korrekt bleiben? Und wie soll mit O-Tönen von PolitikerInnen, ExpertInnen usw. umgegangen werden?

Diese und weitere Überlegungen werden nun weiter verfolgt. Es bleibt auf jeden Fall spannend!

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