Weshalb Leichte Sprache?

Hörbehinderte Menschen haben oft Probleme mit zu komplexen Texten. Denn nicht das Deutsche, sondern die Gebärdensprache ist ihre Muttersprache. Sie erlernen das Deutsche anhand des Schriftbildes und ohne die Kontrolle über das Ohr. Leichte Sprache hilft nicht nur diesen Menschen beim Verstehen von Texten. Auch Migrant_innen, Tourist_innen oder Nutzer_innen, die sich aus dem Ausland auf deutschsprachigen Seiten informieren möchten, sowie Menschen mit wenig Leseerfahrung profitieren von Leichter Sprache. Dies gilt gerade für Fachtexte, etwa aus den Bereichen Justiz oder Medizin, die eine extrem hohe Informationsdichte und in der Regel eine sehr komplexe Sprache aufweisen. Erst wenn sie in Leichter Sprache vorliegen, sind die entsprechenden Inhalte für Menschen mit Sinnesbehinderungen überhaupt zugänglich!

Damit eine barrierefreie Internetnutzung garantiert wird, gibt es Gesetze und Verordnungen auf Bundes- und Länderebene. Noch werden diese allerdings nicht flächendeckend umgesetzt. 2002 wurden die Behörden erstmals gesetzlich verpflichtet, „akustische und visuelle Informationsquellen und Kommunikationseinrichtungen“ (§4) barrierefrei zugänglich zu machen. 2006 legte die UN-Behindertenrechtskonvention fest, dass „der Zugang von Menschen mit Behinderungen zu den neuen Informations- und Kommunikationstechnologien und -systemen, einschließlich des Internets“ (Artikel 9) zu fördern sei. In Niedersachsen wurde 2007 das Behindertengleichstellungsgesetz verabschiedet, welches die Behörden ausdrücklich zur barrierefreien Gestaltung ihrer Internetauftritte verpflichtet (§9). Die Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV 2.0) ergänzt seit 2011 das Behindertengleichstellungsgesetz u. a. um Details zur barrierefreien Umsetzung von Internetangeboten. Hierbei sind vor allem die vier Prinzipien Wahrnehmbarkeit, Bedienbarkeit, Verständlichkeit und Robustheit zu beachten. Für den Punkt Verständlichkeit bietet sich ein Angebot in Leichter Sprache an. Mehr zu den sprachlichen Eigenschaften von Leichter Sprache lesen Sie im Punkt: