Ist Leichte Sprache nicht Kindersprache?

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Die Regeln dafür, was Sprache und Texte leichter verständlich macht, haben universale Züge. Sie gelten entsprechend auch für alle möglichen Zielgruppen, die Bedarf an leichteren Texten haben. Von den Personenkreisen, die leichter verständliche Texte benötigen, sind die Kinder in unserem Alltag besonders präsent. Entsprechend sind uns auch die entsprechenden Textangebote eher bekannt als Angebote für andere Zielgruppen, die nicht so prominent im öffentlichen Diskurs erscheinen. Mit Leichter Sprache etabliert sich nun eine neue Praxis von verständlichkeitsoptimierten Texten, die in der Öffentlichkeit mehr und mehr wahrgenommen wird. Von allen Textangeboten, die wir kennen, ist da die Ähnlichkeit mit für Kinder optimierten Texten am größten, deshalb nehmen viele eine Ähnlichkeit wahr.

Die Ähnlichkeit ist aber weniger groß, als man zunächst denken könnte: In rein sprachlicher Hinsicht sind Leichte-Sprache-Texte viel leichter als Texte für Kinder. Die meisten Kinder haben keine Kommunikationsbehinderung und haben darum im Allgemeinen auch keine Probleme mit Nebensätzen oder einer Wiederaufnahme mit Personalpronomen der dritten Person („der Nachbar“ > „er“), mit Präteritum, Konjunktiv oder Genitiv. Folglich finden sich solche sprachlichen Strukturen bereits in Büchern, die sich an relativ kleine Kinder richten.

Auch die Form der Adressierung ist anders: Leichte-Sprache-Leser_innen sind in der Regel erwachsene Menschen und sollten auch so angesprochen werden. Sie sollten gesiezt werden; die Handlungsoptionen, die ihnen eröffnet werden, sollten sich an den Möglichkeiten Erwachsener orientieren. Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt.