Informationsguide für Geflüchtete

  • Wo stelle ich einen Asylantrag?
  • Wo kann ich Deutsch lernen?
  • Ich bin krank. Wer hilft mir?

Auf diese und andere relevante Fragen, mit denen Geflüchtete konfrontiert sind, haben Studierende der Universität Hildesheim im Wintersemester 2015/16 zusammen mit der Forschungsstelle Leichte Sprache Antworten in Leichter Sprache verfasst. In dem Praxisprojekt in Kooperation mit dem NDR ist eine Online-Informationsplattform in Leichter Sprache entstanden. Die Texte sollen Geflüchteten in Norddeutschland als Informationsquelle für eine erste Orientierung dienen.

Projektziel:

Mit dem Informationsangebot „Herzlich willkommen in Norddeutschland“ reagierte der NDR auf die Flüchtlingswelle 2015. Mit dem Ergebnis bietet die Rundfunkanstalt seitdem eine Informationsquelle für eine spezifische Zielgruppe in einer spezifischen Situation. Die große Zahl der geflüchteten Menschen, die als Asylbewerber in Deutschland eintrafen und noch immer eintreffen, ist nicht nur zu einer politischen Herausforderung geworden. Auch aus pragmatisch-bürokratischer Perspektive hat die Ausnahmesituation viele Behörden und Akteure überfordert, nicht zuletzt auch aufgrund von Kultur- und Sprachbarrieren. Diese Barrieren machen ein effizientes Handeln für alle Beteiligten schwierig und verursachen immer wieder Missverständnisse und Fehlinformationen in dem komplexen Prozess der Asyl-Antragstellung. Ergänzend zur englischen und standarddeutschen Version wurde das Informationsangebot für Geflüchtete von Studierenden der Universität Hildesheim in Leichte Sprache übersetzt. Das Projekt versucht damit, relevante Informationen für die Zielgruppe zu bündeln sowie einfach und verständlich zugänglich zu machen.

Für die Studierenden zielte das Kooperationsprojekt auf den Gewinn von Praxiserfahrung und auf die Festigung der Übersetzungskompetenzen im Bereich der intralingualen Übersetzung von Standarddeutsch in Leichte Sprache. Der Lehrstoff „Leichte Sprache“ wurde in einem engen Theorie-Praxis-Bezug unter professioneller Leitung vermittelt. Auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse erlernten die Seminarteilnehmer die Regeln der Leichten Sprache. Im Zentrum des Seminars stand die Förderung der sprachlichen Kreativität im Rahmen des Regelwerks sowie einer problemorientierten Textanalyse mit Blick auf die spezifische Zielgruppe und die medialen Anforderungen des Auftraggebers.

Übersetzungsprozess:

Im Seminar erfolgte zunächst eine Analyse der standardsprachlichen Ausgangstexte, die sich mit den vier norddeutschen Bundesländern Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg auseinandersetzten. Anschließend wurde eine strukturelle Konzeption der Zieltexte vorgenommen sowie die medialen Herausforderungen diskutiert. So entstand ein Einzeltext übergreifendes, einheitliches Strukturgerüst in Form von thematisch vorgegebenen Textabschnitten. Die Studierenden arbeiteten in kleinen Übersetzerteams bestehend aus 2-4 Studierenden. Jedem Team wurden konkrete Themenabschnitte zugeteilt. So erarbeiteten sie übergeordnete Musterlösungen für die einzelnen Abschnitte, die im Anschluss auf die verschiedenen Bundesländer angepasst und zu individuellen Texten zusammengesetzt werden konnten.

Wissenschaftlich geprüft und redigiert wurden die Texte von der Seminarleitung Isabel Rink und Mitarbeiterinnen der Forschungsstelle Leichte Sprache.