BK-Med

Barrierefreie Medizinkommunikation

In Deutschland steigt seit Jahrzehnten die durchschnittliche Lebenserwartung an. Die Gesundheitsversorgung erreicht ein sehr hohes Niveau, gleichzeitig jedoch auch die Komplexität der Informationen, mittels derer medizinische Entscheidungen oder Behandlungspläne kommuniziert werden. In ihrer Studie zur Gesundheitskompetenz in Deutschland legen Schaeffer et al. (2016) offen, wie niedrig die Gesundheitskompetenz insbesondere vulnerabler Gruppen tatsächlich ist. Diese Gruppen korrelieren mit der Adressatenschaft barrierefreier Kommunikation, die in Deutschland mehr als 15 Millionen Personen mit und ohne Behinderung umfasst (s. leo.-Studie, Grotlüschen et al. 2018, Alpha-Level 1-4). Hieraus ergibt sich ein dringender Handlungsbedarf mit Bezug auf die Medizinkommunikation als fachexterne Kommunikation, denn Gesundheitskompetenz erfordert offenkundig barrierefreie Gesundheitsinformation (Maaß/Rink 2017). Barrierefrei ist Gesundheitskommunikation, wenn sie auffindbar, wahrnehmbar, verständlich, verknüpfungsfähig und akzeptabel ist (Maaß/Rink 2019). Nur dann ist sie auch handlungsleitend und ermöglicht informierte Entscheidungen über den eigenen Körper bzw. die Adhärenz mit Bezug auf Behandlungspläne und Medikationen oder gesundheitsförderliches Verhalten zur Prävention von Erkrankungen. 

Die Forschungsstelle Leichte Sprache beschäftigt sich seit Jahren mit der Möglichkeit, insbesondere fachliche Kommunikation barrierefrei aufzubereiten und damit Handlungsorientierung zu ermöglichen (zur Neuausrichtung der Übersetzungswissenschaft auf die Barrierefreie Kommunikation s. Hansen-Schirra/Maaß 2019). Seit 2015 ist barrierefreie Medizinkommunikation einer der Gegenstände unserer Forschung und unserer Übersetzungspraxis. Aktuell führen wir ein großangelegtes Übersetzungsprojekt mit dem Wort & Bild Verlag durch, innerhalb dessen mehr als 200 Informationstexte der Medizinkommunikation in Leichte und Einfache Sprache gebracht werden („Leichte Sprache Plus“). Dieses Übersetzungsprojekt ist mit umfangreicher Begleitforschung flankiert, die einerseits die Rezipenten und andererseits die Translatoren in den Blick nimmt und im Rahmen von Rezeptions- und Produktionsstudien die Möglichkeiten der Erstellung gelingender Medizinkommunikation eruiert.

Um den Bedarfen der Nutzer(innen) in ihrer Diversität mit Bezug auf Alter, sprachliche Herkunft oder ggf. Art der Behinderung gerecht zu werden, muss auch die Medialität der Texte und die durch die Nutzer(innen) präferierte Zugriffsweise berücksichtigt werden: Welche Kanäle und Plattformen nutzen sie? Wie müssen die Texte bezüglich ihrer Wahrnehmbarkeit und Verständlichkeit aufbereitet werden? Wie müssen sie gestaltet sein, damit sie für die Nutzer(innen) akzeptabel sind? Aktuell ist an der Forschungsstelle Leichte Sprache ein Team junger Forscher(innen) damit befasst, derartigen Fragestellungen nachzugehen: Barrierefreie Medizinkommunikation (BK-Med).

Zitierte Literatur

Grotlüschen, Anke et al. 2019: LEO 2018 - Leben mit geringer Literalität. Pressebroschüre, Hamburg, Online unter: http:\\blogs.epb.uni-hamburg.de\leo

Hansen-Schirra, Silvia/Maaß, Christiane 2019:Translation proper: Kommunikationsbarrieren abbauen. Uni Hildesheim. https://doi.org/10.25528/015

Maaß, Christiane/Rink, Isabel 2017: Leichte Sprache: Verständlichkeit ermöglicht Gesundheitskompetenz, in: Public Health Forum, 25/1, 50-53.

Maaß, Christiane/Rink, Isabel 2018: „Das nennt Ihr Arzt: Rigor.“ Medizinische Fachtexte in Leichter Sprache und der Ansatz der Situated Translation. In: Susanne Jekat / Martin Kappus / Klaus Schubert (Hrsg.): Barrieren abbauen, Sprache gestalten. Winterthur: ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (Working Papers in Applied Linguistics 14), S. 24-38.

Maaß, Christiane/Rink, Isabel 2019: Über das Handbuch Barrierefreie Kommunikation, in: Maaß, Christiane/Rink, Isabel: Handbuch Barrierefreie Kommunikation, Berlin: Frank & Timme, 17-25.

Rink 2019: Rechtskommunikation und Barrierefreiheit. Zur Übersetzung juristischer Informations- und Interaktionstexte in Leichte Sprache. Frank & Timme.

Schaeffer, Doris/Vogt, Dominique/Berens, Eva-Maria/Hurrelmann, Klaus 2016: Gesundheitskompetenz der Bevölkerung in Deutschland. Ergebnisbericht. Universität Bielefeld, Fakultät für Gesundheitswissenschaften. Bielefeld, Dezember 2016

Die BK-Med-Gruppe besteht aus folgenden Personen:

Prof. Dr. Christiane Maaß
Wissenschaftliche Leitung

Dr. Isabel Rink
Wissenschaftliche Leitung

Sarah Ahrens
Beantragung eines Pflegegrades: Evaluierung bestehender Textangebote

Janina Kröger
Was macht Gesundheitsinformation verständlich? Eine korpusgestützte Analyse am Beispiel des Projekts „medizinische Ratgebertexte in Einfacher Sprache“

Rebecca Schulz
Medizinkommunikation in Einfacher Sprache: Eine empirische Studie zum Verstehen und Behalten medizinischer Fachinformationen

Sergio Hernández Garrido
Comunicación Accesible en Colombia aplicada al campo de la medicina

Loraine Keller
Verständlichkeitsoptimierte Medizinkommunikation: Akzeptabilität und Akzeptanz von Texten in Einfacher und Leichter Sprache