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  • Studentenwohnheim Blauer Kamp

Zwischen Sauna, Masterkey und Spitzenmiete: Willkommen im Blauen Kamp

  • 20. August 2026
  • Emelie Sieland

Das Studentenwohnheim Blauer Kamp wird von dem Studentenwerk Ost-Niedersachsen so smart beworben;

Die Wohnanlage Blauer Kamp liegt wunderschön an einem Waldgebiet und einem See, der im Sommer auch zum Baden lockt. Ein weiterer Vorteil: Die Universität ist zu Fuß locker in fünf Minuten zu erreichen. Das Wohnheim wurde 2021 bis 2023 saniert, dabei wurden alle WGs zu Einzelapartments umgebaut.

Natürlich wäre eine schöne Lage allein viel zu langweilig. Deshalb bietet das Wohnheim zusätzlich ein exklusives Erlebnisprogramm: Mietpreise, die das Budget bis an seine Grenzen ausreizen, für eine Gruppe Meschen, die sowieso schon an der Armutgrenze leben. Und ein innovatives Verständnis von Privatsphäre, bei dem Einsamkeit gar nicht erst aufkommen kann. So wird jeder Tag zu einem kleinen Abenteuer.

Willkommen im offenen Wohnkonzept

Ziehst du vielleicht das Erste Mal aus und vermisst, dass deine Mutter einfach, ohne zu klopfen in dein Zimmer platzt? Oder bist du vielleicht Erasmusstudent*in und möchtest gern möglichst unkompliziert neue Menschen kennenlernen? Natürlich total ungefragt, in deinem eigenen Apartment, versteht sich. Dann passt das Studentenwohnheim Blauer Kamp super zu dir! Privatsphäre wird dabei erfreulicherweise nicht als starre Regel, sondern eher als kreative Orientierungshilfe verstanden. Imagine this: Während andere Wohnheime mühsam versuchen, die Privatsphäre ihrer Bewohner*innen zu schützen, setzt der Blaue Kamp auf ein deutlich offeneres Wohnkonzept. Dank der Baugerüste erhalten Handwerker*innen einen exklusiven Panoramablick direkt durch die Fenster der Apartments.

Durch eine E-Mail angekündigt (wenn überhaupt) gab der Hausmeister sich selbst die Erlaubnis durch den Masterkey alle paar Monate in deine Wohnung zu gehen- auch mit wildfremden Handwerker*innen- weil hey kann ja sein, dass der Feuermelder dieses Mal kaputt ist, war er zwar schon die letzten zwei Male nicht, aber drei ist die magische Zahl. Du darfst weniges entscheiden, ob du dabei sein willst oder, ob er in deiner Abwesenheit einfach so in deine Wohnung geht. Ach, du bist nicht da, weil du als Student*in in die Uni gehst, oder du schläfst vielleicht noch um achtUhr morgens? Gar kein Problem. Selbstverständlich wird dir die größtmögliche Flexibilität geboten. Die Kontrolle findet einfach trotzdem statt. So musst du dir keine Gedanken darüber machen, deinen Terminplan an lästige Entscheidungen wie “Möchte ich fremde Menschen heute in meiner Wohnung haben?” anzupassen. Denn du hast dich mich dem Unterschreiben des Wohnvertrags damit verpflichtet, diese ungewollten Besuche zu erlauben.

Ein Sommer, den man nicht vergisst

Und apropos Bauarbeiten: Wer denkt, die Vorteile des Umbaus enden beim Kaffeekränzchen mit den Bauarbeiter*innen, hat die Rechnung ohne das innovative Raumklimakonzept gemacht. Auch hier beweist der Blaue Kamp, dass er seinen Bewohner*innen etwas ganz Besonderes bieten möchte. Das weiß selbstverständlich auch die Leitung des Studentenwohnheims, denn im Sommer verwandeln sich die Apartments in ein exklusives Wellnesserlebnis der besonderen Art. Und ich meine hier nicht, es ist Sommer es ist heiß, sondern die Wohnung bietet dir den Vorteil einer privaten Sauna- ganz kostenlos heiß. Zwar wären die Temperaturen in den Wohnungen eigentlich ein Zustand, der entsprechende Maßnahmen wie beispielsweise Klimaanlagen rechtfertigen würde, doch auch hier zeigt das Wohnheim seine besondere Fähigkeit zur langfristigen Planung. Schließlich wäre eine nachträgliche Lösung nicht nur teuer, sondern könnte auch die Möglichkeit beeinträchtigen, die verantwortliche Baufirma für die entstandenen Probleme zur Rechenschaft zu ziehen. Und wer würde schon eine so spannende juristische Option leichtfertig aufgeben für ein paar schwitzende Student*innen? Dass die Bewohner*innen währenddessen mit den Folgen dieser sorgfältigen Planung leben müssen, kann dabei beinahe, als zusätzliches Training betrachtet werden. Für den Klimawandel.

Arm studieren, teuer wohnen

Aber ein besonderes Feature sind natürlich die Preise des Studentenwohnheims, diese werden auf der Seite so angegeben:

13 m² – 26 m²

403,50 € – 674,50 €*

Ein wahres Schnäppchen also, so zahlt man für mickrige 13 m² 403,50 €! Das sind 31,04 €/m² für ein Studentenwohnheim, das Zuschüsse vom Land erhält! Zum Vergleich: Der allgemeine Mietmarkt, welcher selbstverständlich nicht gerade für seine niedrigen Preise bekannt ist, liegt in Hildesheim bereits bei hohen 9,51 €/m². Das Angebot des Studierendenwerks schafft es jedoch problemlos, diesen Wert mehr als zu verdreifachen- und die Möblierung der Wohnung ist dabei natürlich ein besonders überzeugendes Argument. Ein Schreibtisch und ein Bett rechtfertigt bekanntlich nahezu jede Preisgestaltung. So wird auch den Studierenden der Task geboten, einmal richtig zu üben, mit unnötig hohen Preisen umzugehen, fast wie in einer richtigen Großstadt.

Aber ist ein Studentenwohnheim nicht eigentlich dafür gedacht, Student*innen finanziell zu entlasten und ihnen bezahlbaren Wohnraum zu ermöglichen? Oder wurde hier möglicherweise ein neues Konzept entwickelt, bei dem genau diese Studierenden lernen sollen, ihre finanziellen Grenzen möglichst früh kennenzulernen? Immerhin arbeiten wir ja alle nicht genug.

Zusatzleistungen ohne Aufpreis

Weißt du, was glücklicherweise im Preis inbegriffen ist? 2 Waschmaschinen und 2 Trockner! Keine Sorge, davon ist auch immer nur mindestens ein Gerät kaputt und du teilst es dir ja auch nur mit den knapp 500 anderen Studierenden, die Ihre Wäsche waschen wollen. Ein spannendes Gemeinschaftserlebnis. Aber um 02:00Uhr nachts zu waschen, ist ja bestimmt nicht so schlimm, immerhin, hat man zu dieser Uhrzeit, bis auf Schlafen, sowieso nichts geplant. Wer hat als Student*in schon einen geregelten Schlafrhythmus? Total überbewertet, wenn du mich fragst. Ach, und bitte schmeiß keine Wäscheperlen oder so rein, genau deshalb ist nämlich immer eines der Geräte kaputt. Der verbleibende Waschmaschinengestank und der gelegentliche Duft nach alter Wäsche gehören schließlich zum authentischen Wohnheimerlebnis dazu. Und keine Sorge: Sollte eines der Geräte einmal ausfallen, bleibt immerhin noch die aufregende Möglichkeit, sich mit dem verbleibenden Gerät zu arrangieren.

Wenigstens bietet dir das Studentenwohnheim einen wunderschönen Ausblick. Also falls du ein Fenster in die Seerichtung hast und direkt nach dem Aufstehen den inoffiziellen FKK’lern dabei zuzusehen, wie sie Ihre Rentenzeit mit Yoga verbringen. Ganz ohne Eintrittskarte und vollkommen kostenlos, versteht sich. Ich mein hab dich nicht so, du prüdes Ding, sind doch nur nackte Körper. Immer. Jeden Tag. Bei jedem Wetter (lediglich Schnee scheint eine kleine Pause im Programm zu ermöglichen).

Am Ende bleibt festzuhalten: Der Blaue Kamp ist kein gewöhnliches Studentenwohnheim, sondern ein Erlebnispark mit Mietvertrag. Hier lernt man nicht nur, wie man studiert, sondern auch, wie man mit begrenzter Privatsphäre, unbegrenzter Wärme und sehr begrenztem Wohnraum zurechtkommt.

Ein Konzept, das eindrucksvoll zeigt: Wohnen muss nicht immer komfortabel sein.

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Quellen:

Blauer Kamp. Studierendenwerk Ost-Niedersachsen.

https://stw-on.de/hildesheim/wohnen/blauer-kamp#galerie

PWIB Wohnungs-Infobörse GmbH. Mietspiegel Hildesheim (Niedersachsen) 2026: aktuelle Mietpreise.

https://www.wohnungsboerse.net/mietspiegel-Hildesheim/4675

Emelie Sieland

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