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Zungengewirr

  • 28. Juni 2026
  • Emilia Stemmler and Quynh Vy Dinh Dinh

PROSANOVA, das Festival für junge Gegenwartsliteratur, findet vom 3. bis 5. Juli zum achten Mal statt. Gemäß dem diesjährigen Motto „Zwischen Zungen“ haben wir die Künstlerische Leitung gefragt, wie so ein Festival zustande kommt und welche Zungen hörbar sein werden.

Von Quynh Vy Dinh Dinh und Emilia Stemmler

„Wir wünschen uns, dass Menschen sich Zwischen Zungen finden und suchen”

Gesprächsprotokoll zur inhaltlichen Konzeption des diesjährigen PROSANOVA-Festivals mit Emilia Jewgenija Klein

Bei der Mottosuche haben wir uns zuerst die letzten Ausgaben des PROSANOVA angeschaut und festgestellt, dass es gar nicht so einfach ist, etwas zu finden, das schön klingt, verständlich ist und unsere unterschiedlichen Vorstellungen abdeckt. Zu Beginn war uns als Team gar nicht klar, wie verschieden wir und auch unsere Wünsche sind. Das ist wahrscheinlich bei der Programmgestaltung besonders deutlich geworden. Aber umso schöner ist es jetzt zu sehen, dass wir einander gernhaben und meist eher nach Kompromissen suchen, als zu lange in einem Konflikt zu verharren.Es ist ja auch wichtig, dass wir das Motto gut genug finden, um über ein Jahr lang damit zu arbeiten. Nach unzähligen Gesprächen haben wir uns am Ende für Zwischen Zungen entschieden.

Im Englischen bedeutet Tongue sowohl Zunge als auch Sprache. Diese doppelte Übersetzungsmöglichkeit finden wir interessant, weil damit Sprache nicht nur als etwas beschrieben wird, das wir theoretisch erfassen, sondern auch als etwas, das wir körperlich erleben. Gleichzeitig denkt Zwischen Zungen die verschiedenen Arten von Literatur, Ausdrucksmöglichkeiten und Weisen, wie Texte funktionieren und verstanden werden, mit.

Dadurch sind wir auf die Idee gekommen, das Motto auch als Übersetzung zwischen künstlerischen Ausdrucksformen zu verstehen. Übersetzung findet ja nicht nur auf literarischer Ebene statt. Wir alle kennen Situationen im Alltag, bei denen man das, was man vermitteln möchte, noch einmal anpassen und gewissermaßen übersetzen muss. Deswegen haben wir uns auf den Übersetzungsaspekt fokussiert und neben der Literatur auch andere Kunstformen integriert.

Obwohl wir im Team unterschiedliche Schwerpunkte haben, haben wir festgestellt, dass uns einige Perspektiven fehlen. Wir dachten, dass es gut ist, noch weitere Personen oder Kollektive anzufragen, ob sie auch etwas kuratieren möchten. Wir haben zum Beispiel Abdalrahman Alqalaq angefragt. Er hat uns die zwei Lyrikerinnen Sam Zamrik und Dima Albitar Kalaji vorgeschlagen, die jetzt eine Lecture-Performance mit einem moderierten Nachgespräch von Simoné Goldschmidt-Lechner machen. Das wird sicher mega schön. Wir freuen uns natürlich genauso auf die Veranstaltungen von zwischentext, Lisa Tracy Michalik und dem Postmig Writers Collective.

So ähnlich haben wir uns das auch bei den zwei Open Calls gedacht, die über klassische Textformate hinausgehen. Es gab eine Ausschreibung zu Text und Film und eine zu Text als Audio. Die fertigen Projekte feiern beim Festival ihre Premiere, ich bin so neugierig, was daraus entstanden ist. Im Kinoraum werden die entstandenen Kurzfilme dann gezeigt. Für den Audio-Open-Call richten wir eine Hörstation ein, weil wir dachten, das ist vielleicht schön für Leute, die nicht die ganze Zeit in Lesungen sitzen möchten und trotzdem gern mit anderen Zeit verbringen wollen. Ein bisschen wie zuhause Podcasts oder Hörbücher hören.

Auf die ganzen Veranstaltungen beim Festival freu ich mich am meisten, es gibt so viel Auswahl! Wir starten jeden Tag um zwölf Uhr und die Veranstaltungen laufen bis etwa 21 oder 22 Uhr und danach gibt es Party bis halb 5. Am Freitag gibt es neben aufregenden Formaten wie einer Taschenlampenlesung mit Lilli Biller, Ivy Valerie Nuss und Musik von DJ Hajasi Sunil, zum Beispiel auch einen Talk mit den Lyrikerinnen Uljana Wolf, Ana Tcheishvili und Mazda Mehrgan in dem es um Mehrsprachigkeit, Selbstübersetzung und das Zungenreden in Träumen geht. Am Samstag freuen wir uns mit allen zusammen den Release der BELLA triste #75 zu feiern, oder beim FLINTA* DJ Workshop mit dem Qenem Kollektiv aus Hannover aufzulegen, und dann abends können wir uns bei DER GROßEN SHOW treffen und danach zusammen in die Party starten. Und am Sonntag geht es dann entspannt weiter mit Lesungen als Relaxed Performance, einer literarischen Autofahrt mit Sophia Merwald oder einem Einblick in die neuen Texte von Logan February. Abschließend können wir bei der legendären 60-Minuten-Party alles gemeinsam austanzen.

Ach, es gibt so viele Formate, und bei vielen sind mehrere Autor*innen auf der Bühne und alle sprechen, lesen, performen miteinander. Wir werden also wirklich Zwischen Zungen sein. Alles spielt sich in der Kulturfabrik Löseke Hildesheim (KuFa) ab, komplett mit fünf Bühnen, einem Kinoraum, einer Außenbühne, dem Kunstraum für Ausstellungen und den Audio-Open-Call-Projekten sowie dem Otto-Platz, den man auch ohne Festivalticket besuchen kann. Natürlich kann dabei die Angst entstehen, etwas zu verpassen, aber das ist auch okay, eigentlich verpassen wir alle alles, weil so vieles gleichzeitig ist und zum Glück ist unser gesamtes Programm großartig. 

Wir wünschen uns, dass Personen sich Zwischen Zungen finden und suchen. Dass sie Spaß beim Festival haben, Neues entdecken, diese Zwischenräume annehmen und neugierig erkunden. Uns ist außerdem wichtig, dass Menschen mit unterschiedlichen Zugängen zu Literatur das Festival genießen können. Vielleicht fühlen sich diejenigen, die keine 90-minütige Wasserglaslesung durchhalten, bei anderen Formaten wohler. Deswegen sind die meisten Veranstaltungen auf circa eine Stunde Länge angesetzt. So kann man über den Tag verteilt mehrere Dinge besuchen und zwischendurch Pausen machen.

Natürlich ist es immer ein großes Ideal, auch Menschen außerhalb der Literatur zu erreichen. Das versucht jedes PROSANOVA, aber es ist mit dem Rhythmus von 3 Jahren Abstand zur nächsten Ausgabe schwierig. Wir bauen kurzfristig eine Struktur, aber um die Stadtbevölkerung oder fachfremdes Publikum stärker einzubeziehen, braucht es eigentlich eine größere Regelmäßigkeit und dauerhafte Präsenz. Wir müssten länger vor Ort sein und Angebote schaffen, die einfach da sind und bleiben, bis sie auch angenommen werden. Ein bisschen haben wir das mit unseren Vorveranstaltungen versucht. Da sind tatsächlich Menschen gekommen, die nur durch Zufall davon gehört haben, aber dann so viel Spaß hatten, dass sie jetzt auch beim PROSANOVA vorbeischauen werden. Darüber haben wir uns sehr gefreut, weil das irgendwie so schön ist, wenn wir etwas machen, das auch außerhalb unserer Blubberblase gut aufgenommen wird.  

Bisher haben wir sehr viel positives Feedback bekommen. Viele Menschen fühlen sich eingeladen und haben Lust, dabei zu sein. Das freut mich besonders, weil genau dieses Einladende ein zentraler Teil des Festivalkonzepts ist. Dass sich das offenbar auch nach außen vermittelt, macht mir Mut und gibt mir das Gefühl, dass es funktionieren könnte.

Als wir vor einem Jahr nach einem Motto gesucht haben, war es kaum vorstellbar, wie dieses Festival aussehen würde. Es ist absurd, sich ein Motto für etwas auszudenken, das noch gar nicht existiert. Jetzt ist alles so real. Alle Artists sind angefragt, wir wissen, dass sie kommen werden, die Formate stehen fest. Jetzt überwiegen Aufregung und Neugier darauf, wie es werden wird.

Emilia Jewgenija Klein studiert im Master Literarisches Schreiben und Lektorieren in Hildesheim und beschäftigt sich in deren Schreiben damit, was wir verstehen und nicht-verstehen und wie es anders geht. Seit 2025 ist Emilia Teil der Künstlerischen Leitung des PROSANOVA26 und ist zusammen mit Fia Junge und Elsa Emanuel für die Finanzen verantwortlich. Außerdem betreut Emilia diverse andere Sachen, wie den Bereich Open Calls / Vorveranstaltungen / Festivalzeitung und ein Projektsemester am Kulturcampus.

„Ich hatte Lust, mich da reinzufuchsen“

Gesprächsprotokoll zur Finanzierung des diesjährigen PROSANOVA-Festivals mit Elsa Emanuel

Wir haben uns ganz am Anfang in verschiedene Ressorts aufgeteilt: Produktion, Finanzen, Infrastruktur, Kommunikation, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, und geschaut, woran wir Interesse haben. Ich komme nicht von den Finanzen, aber habe vorher schon mal in einem sehr viel kleineren Rahmen, mit einem viel kleineren Budget Finanzanträge für künstlerische Projekte gestellt. Ich hatte Lust darauf, mich da reinzufuchsen.

Ich glaube, dass es auch total hilfreich ist, wenn man im Kulturbetrieb oder Literaturbetrieb arbeiten möchte, diese Expertise zu haben: Wie stellt man überhaupt einen Kostenfinanzierungsplan auf? Wie schreibt man einen Förderantrag? Und was jetzt sehr groß ist, ist das Thema Buchhaltung und nach dem Festival die Abrechnung. Davor habe ich schon ein bisschen Angst. Man geht einmal zum Copyshop, druckt für 4,90 Euro und muss jede kleinste Ausgabe belegen vor den Förderinstitutionen. Das sind einfach riesig viele Ausgaben und Belege, die wir zusammensammeln müssen. 

Wir haben rund 20 Förderanträge geschrieben, zwei bis drei wurden abgelehnt. Wir haben Stand jetzt 18 Förderinstitutionen, die das PROSANOVA unterstützen. Vor allem sind das öffentliche Gelder vom Land und von der Stadt, aber auch private Stiftungen, Uni-Gelder, oder kleinere Stiftungen mit besonderem Schwerpunkt auf Sozialem oder interner Weiterbildung. Die uns zur Verfügung stehenden Gelder sind also auf sehr viele Förderinstitutionen aufgeteilt.

Ich finde es gar nicht mal so einfach über Finanzen zu sprechen, wir haben auf jeden Fall einen riesigen Kostenfinanzierungsplan. Bei dem haben wir uns sehr doll am letzten Festival und den Kosten orientiert, weil wir auch teilweise gar nicht so viel Ahnung haben, welche Dinge, wie viel kosten. Ein großer und wichtiger Teil sind natürlich Honorare, Unterkünfte, Reisekosten und Verpflegung für die Künstler*innen. Dann Ausgaben für Infrastruktur, also Miete für das Festivalgelände und unser Büro, um uns dort zu treffen und arbeiten zu können. Technik, Materialien und Transporte. Hinzu kommen noch Ausgaben im Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Druck von Programmheften, Flyern, Plakaten, Büromaterialien und dann auch Dinge wie GEMA oder KSK, wo man als veranstaltende Person einen gewissen Prozentsatz von Künstler*innen-Honoraren an die Künstlersozialkasse zahlen muss, und noch ein paar Aufwandsentschädigungen. Zum Beispiel für unsere Grafiker*innen und unseren Webdesigner, für Security, Technikpersonen, Awarenesspersonen, Steuerberatung. Und wir zahlen auch eine Aufwandsentschädigung für unsere Praktikant*innen und an uns selbst.

Dabei sind die Tickets unsere größte Einnahmequelle. Es gibt Festivalpässe und Tagestickets für Freitag, Samstag und Sonntag. Es wird wahrscheinlich auch noch Party-Tickets geben. Gerade gibt es alle Tickets in drei Preisstufen. Support haben wir das genannt, regulär und ermäßigt. Support ist für Menschen, die Bock haben, uns extra viel Geld zu geben, um das PROSANOVA finanziell zu unterstützen. Ermäßigungen gibt es für Studis, Auszubildende und so weiter. Und wir haben auf jeden Fall auch Begleitpersonen-Tickets für Menschen, die einen Schwerbehindertenausweis mit Merkzeichen B haben und kostenfrei eine Begleitperson mitnehmen können. Und wir haben Soli-Tickets! An drei unterschiedlichen Zeitpunkten geben wir ein kleines Kontingent an Soli-Tickets im Ticketshop frei. Das ist für Personen, die sich sonst das Festival-Ticket nicht leisten können. Das muss auch nicht nachgewiesen werden. Es stand schon von Anfang an fest, dass wir Soli-Tickets haben möchten. Wir haben im Team darüber gesprochen, wie man das möglichst niedrigschwellig anbieten kann, dass es genutzt wird, aber dass sie auch nicht schnell weg sind, da wir nur ein begrenztes Kontingent anbieten können. Von unseren vier Vorveranstaltungen, die wir gemacht haben, um das PROSANOVA anzuteasern, waren zwei kostenlos. Über eine Spendenkampagne bei GoFundMe, Sponsoring und Werbeanzeigen versuchen wir zusätzlich ein bisschen Geld zu machen. Aber im Vergleich zur Größe des Projekts sind das nicht wahnsinnig viele Einnahmequellen.

Das Festival würde auf jeden Fall nicht ohne die ganzen Fördergelder und Menschen, die bereit sind, sehr viele Stunden ehrenamtlicher Arbeit reinzustecken, funktionieren. Wenn du aufs Finanzielle schaust, lohnen sich die ehrenamtlichen Anstrengungen sehr klar nicht, weil wir jetzt eineinhalb Jahre an diesem Projekt gearbeitet haben und inzwischen fast Vollzeit. Dagegen ist die Aufwandsentschädigung, die wir am Ende bekommen, nichts. Viele von uns haben noch andere Nebenjobs, um sich zu finanzieren. Ich würde 2029 nicht nochmal das Festival mitorganisieren. Aber wenn ich die Zeit zurückdrehen würde, würde ich dieses Prosanova wieder angehen. Ja, es ist sehr viel Arbeit, aber es ist auch sehr schön.

Elsa Emanuel, geboren 1999 in Saarbrücken, aufgewachsen in Stuttgart, studiert im Master Literarisches Schreiben und Lektorieren in Hildesheim, schreibt Prosa. Sie war Mitherausgeberin verschiedener Anthologien und Zeitschriften und 2022 bis 2024 in der Initiative awareness*hildesheim aktiv. 2024 und 2025 hat sie das Fuchsbau Festival in Hannover mitorganisiert. Seit 2025 ist sie Teil der Künstlerischen Leitung des PROSANOVA26 und für die Finanzen zuständig.

„So ein bisschen rotzig war unser Wunsch“

Gesprächsprotokoll zur Kommunikation und visuellen Umsetzung des diesjährigen PROSANOVA-Festivals mit Alexandra Barth

Uns war von Anfang an klar, dass wir unterschiedliche Medien nutzen wollen und müssen, um Leute zu erreichen. Die Hauptkommunikationswege sind unsere Website und unser Insta-Account. Da kommen am regelmäßigsten geballte Infos, aber auch Einblicke in unsere Arbeit und Vision. Für Social Media haben wir Milena Benack angefragt, die auch mal in Hildesheim studiert hat und die tollen Reels für uns macht. Dann Johannes Schmoll, der für uns die Website gebaut und das ganze Tech-Stuff gemacht hat. Und Kathrin Baumgartner, die unsere umwerfende Grafik macht und für uns den PROSANOVA-Look entworfen hat. Das hätten wir auf jeden Fall nicht alleine machen können. Es ist eine große Erleichterung jemanden zu haben, der das blickt.

Wir haben am Anfang viel gebrainstormt, wie wir auftreten wollen, wer sich davon angesprochen fühlt. Wie wir Neues übermitteln und uns von Jahrgängen davor abgrenzen können. Das sind immer sehr große Entscheidungen, wie man in eine Öffentlichkeit tritt. Wir wussten, dass wir in eine bolde, punky Richtung wollen. Und Kathrin hatte ganz viele Ideen und hat dieses Farbschema mit uns zusammen entwickelt. Die Farbpalette ist orientiert an einer Wärmekarte, aber weniger in Blau und mehr in Richtung Pink. Also es sind sehr satte, knallige Farben. Wir drucken zum Beispiel unsere Printsachen auf Neonpapier. Und die Schrift, also ich habe diesen Grafiksprech nicht drauf, aber es ist einfach sehr bold ohne viele Schnörkel oder Serifen oder so. So ein bisschen rotzig war unser Wunsch. Dann gibt es natürlich die pinken Sterne, die überall auftauchen und immer wieder Münder und Zungen, die einen Wiedererkennungswert haben. Ich glaube, die Ästhetik, die wir gewählt haben, ist nicht so das, was klassisch mit Lesen verbunden wird. Aber ich glaube dadurch, dass es optisch ein krasser Blickfang ist, fallen wir vielen Leuten ins Auge, wenn sie durch Hildesheim laufen.

Das Digitale ist auf jeden Fall extrem wichtig, aber wir wollten im Vorhinein schon Leuten vermitteln, dass das PROSANOVA voll der schöne wirkliche Ort zum Zusammenkommen sein kann. Deswegen haben wir Vorveranstaltungen organisiert. Und Vermittlungsprogramme, bei denen zwei Leute von uns einen Workshop an der Grundschule Nordstadt gehalten haben, wo sie gemeinsam mit Schüler*innen geschrieben haben. Und dann haben wir noch eine Kooperation mit Dreaming Openly, die sehr viel mit ERASMUS+ arbeiten, wo internationale Studierende auf dem Festival ihre Projektergebnisse vorstellen.

Wir haben außerdem eine Buslesung gemacht, bei der wir mit zwei Autorinnen durch den Landkreis gefahren sind und sie im Bus gelesen haben. Und im Literaturhaus gab’s eine Live-Podcast-Aufnahme, um nochmal Publikum zu erreichen, das eben öfter ins St. Jakobi geht. Und dann zuletzt im Juni dieser FUTURESWAPPED-Mix aus Workshop, Lesung und Kleidertausch in Hannover. Zur Späti-Lesung in Leipzig haben wir auch unsere Zungen-Tattoos mitgenommen. Das sind Oblaten mit einem P drauf, das sich auf die Zunge abfärbt. Viele verbinden Kioske mit Kindheitssüßigkeiten und dadurch, dass es dann auch noch diese ganz offensichtliche Verbindung zur Zunge hat, fanden wir es cool, einfach PROSANOVA-Zungentattoos zu haben.

Wir haben aber noch mehr Printsachen. Ganz am Anfang haben wir auf DIY-Basis Zines gedruckt. Da haben wir uns so Bravo-Zeitschrift-mäßig einen Personality-Test ausgedacht, wo man rausfinden kann, welcher PROSANOVA-Typ man ist. Das war richtig sweet, weil voll viele Leute den gemacht haben. Dann haben wir angefangen mit Flyern und Stickern. Darauf steht „What if we kissed at PROSANOVA?“ Die Idee kam wahrscheinlich in einem unserer vielen Gespräche halb ernst auf und irgendwann dachten wir uns, wie toll wäre es eigentlich wirklich, wenn einfach alle Leute zum PROSANOVA kommen und dort ihre Love finden, zur Literatur, aber auch so. Beim Merch sind bislang Beutel und Feuerzeuge erhältlich. Jetzt ist gerade der restliche Merch auf dem Weg zu uns, der dann beim Festival gekauft werden kann. Es wird auch eine Festival-Zeitung geben. Um die kümmern sich zwei Praktipersonen mit richtig viel Hingabe. Sie wird am Morgen jedes Festival-Tages erst gedruckt, also ganz frisch wie eine Zeitung, die man sich im Kiosk morgens holt. Die reflektiert ein bisschen die Ereignisse und Events vom Vortag, aber enthält auch kleine Artikel und Tagestipps und ganz viele Fun-Formate, wo man zum Beispiel Sachen sammeln kann.

Das alles ist viel Arbeit im Hintergrund, die man auf dem Festival selbst gar nicht sieht. Der Teil vom Eisberg unter der Wasseroberfläche ist, dass wir uns seit anderthalb Jahren jede Woche treffen und täglich irgendwelche Dinge über Telegram absprechen. Wir haben von Anfang an eine Gruppe mit Channels für verschiedene Bereiche gehabt. Wir haben mit einem wöchentlichen großen Plenum gestartet, wo alle Mitglieder aus der kuratorischen Leitung da waren. Irgendwann haben wir es dann auf zwei Termine pro Woche erhöht, weil wir bemerkt haben, wir kommen überhaupt nicht mehr hinterher. Und seit unsere Praktis im Frühjahr dazugekommen sind, haben wir in größeren Abständen Großtreffen gehabt, bei denen alle 15 da sind, um Sachen zu besprechen. Und dann gibt es ressortintern auch noch wöchentliche Plenums oder Treffen von AGs. Also gerade habe ich auf jeden Fall mehrmals am Tag unterschiedliche Termine. Das Pensum an Absprachen hat sich einfach krass erhöht. Alles andere muss man ein bisschen schleifen lassen, auch Uni und irgendwie auch Freizeit. Wenn das PROSANOVA vorbei ist, will ich aber low-key alle immer noch jeden Tag sehen. Wir sind so doll zusammengewachsen und ich bin richtig, richtig froh, mich dafür entschieden zu haben, beim PROSANOVA mitzumachen. Es ist eine intensive Zeit gewesen und es wird auch noch immer intensiver, weil der Stress immer größer und realer wird. Aber es ist gleichzeitig voll das Glück, dass wir uns als Leitungsteam so gut verstehen. Egal wie gestresst ich bin und wie viele Termine ich an dem Tag schon hatte, ich freue mich immer richtig doll aufs Plenum, um alle wiederzusehen. Natürlich blicke ich auch mit Sorgen auf das Festival. Werden sich alle wohlfühlen? Funktioniert alles? Aber wir haben richtig viel Arbeit in dieses Projekt reingesteckt und ich denke, das werden Leute auch sehen. Und es ist richtig schön, diese Tradition weiterzuführen und zu zeigen, was so in Hildesheim entstehen kann.

Alexandra Barth ist in Rostock aufgewachsen und schreibt Lyrik und literarische Zwischenformen. 2022 erschien ein Text in der Lyrix-Anthologie IX, jetzt studiert sie Literarisches Schreiben in Hildesheim. Seit 2025 ist sie Teil der künstlerischen Leitung des PROSANOVA26 und für Presse und Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

Alle wichtigen Informationen rund um das PROSANOVA sowie die Möglichkeit Tickets zu erwerben, findet ihr hier: https://prosanova-festival.de/de

Wenn ihr keine Updates verpassen wollt, könnt ihr dem PROSANOVA auch auf Instagram folgen: @prosanovafestival

Emilia Stemmler

Quynh Vy Dinh Dinh

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