Flüssig bleiben: Wie finanziert ihr euer Studium?

Stipendien, BAföG, Studienkredite: Wer studiert, muss sich zwangsläufig mit der Studienfinanzierung auseinandersetzen. Wir haben drei Personen gefragt, wie sie ihr Studium finanzieren und wo dabei die Vor- und Nachteile liegen.

Julia Marx

Julia Marx studiert Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis mit der Fächerkombination Kunst und Literatur im zehnten Semester. Sie hält es für wichtig, sich parallel zum Studium beruflich oder ehrenamtlich zu engagieren; auch wenn es mitunter anstrengend sein kann, Job und Studium unter einen Hut zu bekommen.

Nitya Julia Pages

Nitya Pages studiert PKI im Master und befindet sich derzeit im zweiten Semester. Über die Möglichkeit, sich mit dem BAföG zu finanzieren, ist sie froh, obwohl die Antragsstellung zuweilen Probleme bereitet.

Annemarie Gareis

Anna studiert im vierten Semester Kulturvermittlung und befindet sich momentan in Portugal. Für die Möglichkeit, Auslands-BAföG in Anspruch zu nehmen, ist sie sehr dankbar.

Flüssig bleiben: Wie finanziert ihr euer Studium?

JULIA MARX

finanziert ihr Studium selbst

Julia Marx studiert Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis mit der Fächerkombination Kunst und Literatur im zehnten Semester. Sie hält es für wichtig, sich parallel zum Studium beruflich oder ehrenamtlich zu engagieren; auch wenn es mitunter anstrengend sein kann, Job und Studium unter einen Hut zu bekommen.

Wie finanzierst du dein Studium?

Bevor ich mich für ein Zweitstudium entschieden habe, habe ich Kommunikationsdesign in Hamburg studiert und viele Jahre als Art-Direktorin für Werbeagenturen und Verlage gearbeitet. Seit 2014 studiere ich berufsbegleitend, bin parallel als freie Grafikerin tätig, entwerfe Logos und Websites für Start-up Unternehmen, gestalte Flyer, Broschüren und Verpackungen.

Wie wirkt sich der Job auf dein Studium und deine Einstellung zum Studium aus?

Neugier, Kreativität und Offenheit für neue Erfahrungen sind meine Triebfedern für Beruf und Studium. Als Designerin arbeite ich kundenorientiert und mit engen Deadlines. Sich selbst strukturieren zu können, ist essentiell in einem Studiengang, der zig Wahlmöglichkeiten bietet. Die Experimentierfelder am Kulturcampus sind unerschöpflich; das Curriculum breit gefächert mit Verweisen zu Philosophie, Soziologie und Psychologie. Reichlich Gelegenheit, mich im nicht-linearen Denken und Perspektivwechsel zu üben…

Welche Vor- und Nachteile ergeben sich für dich dadurch, dass du nebenbei jobbst?

Es war eine bewusste und notwendige Entscheidung, meinen Beruf nicht komplett an den Nagel zu hängen, da ich mein Studium selbst finanziere und mir meinen Beruf auch zukünftig als Standbein erhalten möchte. In der Regel lässt sich der Beruf gut mit dem Studium verbinden. Es ist jedoch unvermeidbar, Opfer zu bringen beziehungsweise Prioritäten zu setzen. Was wiegt mehr: das Risiko, den Kunden durch eine Absage zu verlieren oder ein Seminar wiederholen zu müssen? Ein Balanceakt, der mit der Zeit immer besser funktioniert. Ein klarer Vorteil ist, dass ich dank meiner beruflichen Qualifikation keine unterbezahlten Aushilfstätigkeiten ausüben muss.

Inwiefern können dein Job und dein Studium voneinander profitieren?

In beiden Disziplinen geht es um inszenatorische Praktiken. Kreativität und Medienaffinität gehören zu den Schlüsselkompetenzen. Ein Heimspiel gab es, als im Seminar “Hildesheimer Rosenrouten” ein Logo und ein Flyer für einen Stadtrundgang per App entwickelt werden sollte. Umgekehrt habe ich im Studium meine Lese- und Schreibkompetenz so erweitert, dass ich heute professionelle Werbetexte selbst liefere und nicht nur redigiere und lektoriere. Dank der Persönlichkeitsentwicklung im Studium kann ich meine Interessen im Beruf heute besser vertreten.

Was würdest du anderen Studierenden raten, die sich in einer ähnlichen Situation befinden?

Vermutlich verfügen nur wenige Studierende über ein Erststudium und langjährige Berufserfahrung. Zweigleisig zu fahren ist ein Kraftakt, der Zugeständnisse in puncto Zeit oder Performance erfordert. Wer in einer ähnlichen Situation ist, dem rate ich geduldig mit sich selbst zu sein und sich nicht mit jüngeren Kommiliton*innen zu vergleichen. Diejenigen, die noch am Anfang der beruflichen Laufbahn stecken, sollten die Studienzeit unbedingt nutzen, das Gelernte in der Praxis anzuwenden. Im Beruf punktet nicht nur Fachwissen und Erfahrung, sondern vor allem Persönlichkeit. So oder so gilt das Credo: “Nicht schnell studieren, sondern nachhaltig.”

Ein Beitrag von Kristel Döhring