trans­eu­ropa [X] —

euro­pean festival for pandemic arts?

Unter dem Titel ENTER THE COLLECTIVE VISION findet das trans­eu­ropa Festival dieses Jahr zum zehnten Mal statt. Seit seiner Grün­dung vor 27 Jahren steht das Festival für neue Perspek­tiven auf zeit­ge­nös­si­sche perfor­ma­tive Künste wie Tanz und Theater, sowie die Förde­rung von Nachwuchskünstler*innen. Unter der Leitung eines fünf­köp­figen Kollek­tives wird das Festival vom 25. bis 30. Mai 2021 vier­zehn inter­na­tio­nale Künstler*innen und Künstler*innen-Gruppen in Live-Streams, Videos, Social Media-Formaten und Work­shops zeigen. Verbunden sind die Stücke durch ihre Suche nach Träumen, Visionen und manchmal viel­leicht auch wahn­haften Vorstel­lungen von Gesell­schaft und Zusammengehörigkeit.

Und dann kam Corona

Als die WHO im Früh­ling des letzten Jahres Corona als Pandemie einstufte, war sich das Leitungs­kol­lektiv des trans­eu­ropa [X] noch sicher, dass Corona bis zum Mai des Folge­jahres kein Thema mehr sein würde. Doch als die Folgen von Corona auf Mensch und Kultur auch Monate später noch mindes­tens ebenso rele­vant waren, musste das Team sich auf eine neue Form des bewährten Festi­vals einstellen.

Somit wurde das Hildes­heim gebun­dene Festival zu einem digi­talen Hybrid-Festival. Damit soll das Festival zu Teilen online statt­finden, sowie in einigen Instal­la­tionen und Stücken auch vor Ort in Hildes­heim für ein vermut­lich kleines Publikum. Durch Streams und Vor-Aufzeich­nungen wird das Festi­val­fe­e­ling aber auch mit dem Rest der Welt geteilt.

Was der Umzug ins Digi­tale mit der Planung und dem Festival gemacht hat, erzählt Eva Bode, Teil des Leitungs­kol­lek­tives: „Für mich ist es super anstren­gend, solche tech­nisch und gedank­lich aufwän­digen Anpas­sungen zu managen. Plötz­lich sind wir als Leitungs­kol­lektiv auch in einer kopro­du­zie­renden Rolle und bringen gemeinsam mit den Künstler*innen die pande­mie­taug­liche Version ihres Werks auf den Weg.“ Doch das fünf­köp­fige Leitungs­kol­lektiv bleibt opti­mis­tisch. Beson­ders die Tatsache, dass zumin­dest einige Künstler*innen nach Hildes­heim kommen können, stei­gert die Stimmung.

Zwischen Visionen und Dysto­pien:
Das Programm des trans­eu­ropa [X]

Die offen­sicht­lichste Folge von Corona findet sich im Festi­val­pro­gramm: Viele Stücke werden vorauf­ge­zeichnet oder finden als Live­stream statt wie das Stück der lettisch-estni­schen Künst­lerin Jette Loona Hermanis „Torque Vulnerati“ oder „Arri­ving, Now“ von der Künst­lerin Chantel Foo. Aber auch inter­ak­tive Formen von Theater und Tanz werden ihren Weg ins Festival finden. So wird die Video­in­stal­la­tion „Marie Antoi­nette Walks Down An Elegant Hallway Knowing That Ever­yone Hates Her” von Alyssa Dillard im Hildes­heimer Magda­le­nen­garten einen vorauf­ge­zeich­neten Film über Lein­wände präsen­tieren und gleich­zeitig über Insta­gram die Perfor­menden in Prag mit dem Publikum in Hildes­heim in Kontakt bringen.

Zugäng­lich­keit im Netz

Ein Anspruch des trans­eu­ropas an sich selbst ist seit jeher seine Zugäng­lich­keit. Das Festival soll ein offener Ort für alle sein unab­hängig von Einkommen oder sozialem Hinter­grund. Bei einem digi­talen Festival wird dieser Ansatz auf die Probe gestellt. Denn Inter­net­zu­gang und elek­tro­ni­sche Geräte sind nicht für alle zugäng­lich, somit wird Digi­ta­lität zum exklu­die­renden Faktor. Um mögli­chen Teil­nah­me­hürden entgegen zu wirken gibt es neben digi­talen Veran­stal­tungen auch Instal­la­tionen im Hildes­heimer Stadt­raum und Frei­luft­kino mit allen Videos auf der Domäne Mari­en­burg, um das Festi­val­er­lebnis in die Stadt zu tragen und möglichst viele daran teil­haben zu lassen.

Gegen finan­zi­elle Hürden soll aber auch die Koope­ra­tion mit dem Verein Kultur­Leben Hildes­heim e.V. arbeiten, durch die beispiels­weise kosten­freie Tickets an Inter­es­sierte mit gerin­geren finan­zi­ellen Möglich­keiten verteilt werden. Auch das soli­da­ri­sche Ticke­ting­system möchte die Zugäng­lich­keit im digi­talen Raum erweitern.

Alle Infos zu Tickets und Programm sind auf der Website des Festi­vals zu finden. Das trans­eu­ropa [X] gibt es auch auf Insta­gram, Face­book und Tele­gram (@transeuropa2021), wo Updates und Hinter­gründe zu den Perfor­mances geteilt werden.

Ein Beitrag von Anna Volme­ring
Grafik: Juliane Gutschmidt