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Beitragsbild zu Tourismus an der Domäne Marienburg
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Tourismus an der Domäne: Es könnte schöner sein

  • 18. September 2023
  • Jan Dickhaut

Die Domäne Marienburg, eine mittelalterliche Wasserburg, ist nicht nur ein Campus der Universität Hildesheim, sondern auch ein denkmalgeschütztes Objekt und damit ein Tourismus-Spot. Eigentlich sind die Voraussetzungen ganz gut: Die Marienburg ist umgeben von schöner Landschaft mit Hügeln und Feldern, Gewässern und Wiesen. Außerdem ist die Burg gut erreichbar: Es fahren einige Busse in die Nähe, einige Radwege führen ebenfalls zur Domäne oder wer mit dem PKW kommt, kann ebenfalls kostenlos vor Ort parken und auch barrierefrei das Gelände betreten. Sogar für die Verpflegung gibt es das Hofcafé. Wenngleich der Universitätscampus alltäglich von vielen Studierenden genutzt wird, wären Begehungen oder Führungen am Wochenende sicherlich möglich. Doch wie steht es um entsprechende touristische Konzepte und was wird angeboten?

Hinweistafeln im Ort Marienburg

Glasvitrine auf dem Campus mit Poster

SELBSTSTÄNDIGES ERKUNDEN

Die Domäne Marienburg kann natürlich selbst erkundet werden. Doch ohne Kenntnisse stehen Besucher*innen eigentlich nur vor alten, aber schönen Gemäuern. Zwei Hinweistafeln stehen im Ort Marienburg am Innerste-Radweg. Die erste Hinweistafel gibt einen kurzen Überblick über die Gründung der Burg und den geschichtlichen Verlauf bis heute und verweist auch auf das Hofcafé, um die Tourist*innen anzulocken. Die andere Hinweistafel erzählt etwas über eine lokale Saga an der Innerste, bei der Zwerge in nahegelegenen Höhlen, sogenannten „Zwergslöchern“ oder „Twärgeslock“, hausten. Dort gruben sie nach Edelsteinen und Gold.

So interessant und hilfreich diese Hinweistafeln sind, so ungeschickt ist ihr Standort gewählt: Sie stehen nicht am Eingang zum Campus, sondern im Ort Marienburg, sodass diese eigentlich nur von Besucher*innen mit Fahrrad gesehen werden, wenn diese nicht über den Domäne Radweg sondern aus Richtung Marienburg kommen.

Am Eingang der Marienburg ist rechts eine Stele zu sehen, die die einzelnen Gebäude benennt. Diese Namen dienen allerdings nur den Studierenden und bezeichnen die universitären Raumnummern.

Auf dem Hof vor der Steinscheune können Besucher*innen immerhin das bronzene Abbild der Marienburg sehen, oder mithilfe von Brailleschrift (Blindenschrift) erfühlen. Gegenüber in einer Glasvitrine hängt ein Poster über allgemeinere Informationen rund um den Campus: Welche Events stattfinden, was hier studiert wird und immerhin in einem Nebensatz, dass es sich um Gebäude handelt, die zum Teil über 650 Jahre alt sind.

Und Achtung, jetzt kommt mein Highlight: Das war alles!?! Natürlich dient die Marienburg seit 2003 vorwiegend als Campus der Universität Hildesheim und nicht als Attraktion für ein geschichtsinteressiertes Publikum. Allerdings wäre sicherlich etwas mehr zu bieten als ein paar abgelegene Hinweisschilder oder ein Poster.

TOURISTISCHE FÜHRUNGEN

Vielleicht haben die ein oder anderen von Euch schon einmal mitbekommen, dass es touristische Führungen auf dem Campus gibt. Doch beim Recherchieren im Internet findet man dazu nichts. Die Suche nach den Führungen gestaltet sich nicht besonders einfach: Die Hildesheimer Marketing GmbH bietet auf ihrer Website allerhand Führungen an. Doch eine Führung zur Domäne Marienburg ist nicht zu finden.

Auch im Sekretariat unseres Campus ist eine Organisation von touristischen Führungen nicht bekannt. Vermutet wird auch, dass die Stadt Hildesheim diese Führungen organisiert. Verwiesen werde ich an die Stabsstelle für Kommunikation und Medien der Universität Hildesheim, dort keine Rückmeldung.

Letztendlich telefoniere ich von A nach B, bis ich von der Hildesheimer Marketing GmbH erfahre, dass dort Führungen an der Domäne angeboten werden. Allerdings werden diese nicht öffentlich beworben, da lediglich zwei Gästeführerinnen diese in ihrem Repertoire haben. Eine Führung kann also nur privat gebucht werden und kostet dann 75 Euro für 1,5 Stunden.

Radtouristen an der Domäne Marienburg

„Wir lernen im Studium etwas über Tourismus und kulturelle Vermittlung und wenden diese noch nicht einmal bei uns an. Wieso fällt das niemandem auf?“

Besucher*innen auf der Domäne Marienburg (Foto: Nils Thanksler, Mittsommernacht 2015)

ZEIT FÜR HOFFNUNG

Nachdem ich nun allerhand Hindernisse überwunden habe und mehr oder weniger entsetzt darüber bin, dass das touristische Angebot in Schulnoten nahezu ungenügend ist, frage ich mich, ob ich eine falsche Einschätzung hatte.

Ist die touristische Nachfrage gar nicht wirklich vorhanden? Oder ist die Nachfrage nur nicht vorhanden, weil kein Angebot da ist? Ist die historische Anlage einfach nicht interessant? So langsam frustriert mich das Thema, überall Hindernisse, wenig Kooperation.

Was kann verbessert werden und was könnte sich träumen lassen? Um den Tourismus an der Domäne zu fördern, braucht es eine Kombination aus Marketing, Infrastruktur und Verlässlichkeit.

Marketing kann man aktiv gestalten, indem Plakate in Bussen hängen oder in der Zeitung Werbung geschalten wird. Die Hildesheim Marketing GmbH könnte die Führungen öffentlich auf ihrer Website anbieten oder um ganz salopp Werbung zu machen: Lasst uns die Domäne Marienburg ins alltägliche bringen: Es sollte eine Bushaltestelle mitsamt Buslinie geben, die „Domäne Marienburg“ heißt. Vorteil für alle: Wir kommen leichter zur Uni und die Busse werden auch von Besucher*innen genutzt.

Die Infrastruktur zur Domäne ist bereits angesprochen, hier besteht dringender Verbesserungsbedarf: Die Busse sind definitiv ein Problem. Es braucht aber nicht nur eine Transport-Infrastruktur, sondern auch die entsprechende Infrastruktur für Tourist*innen: Wir brauchen Hinweistafeln, vielleicht noch eine öffentliche Ausstellung mit studentischen Werken. Wie wäre es mit Studierenden, die selbst Führungen machen?

Und zu guter Letzt braucht es Verlässlichkeit: Den Tourist*innen muss etwas geboten werden und eine nachhaltige Mundpropaganda entsteht. Natürlich entsteht das alles nicht aus dem nichts, es braucht Ressourcen und Fleiß.

GEGENSEITIGER PROFIT

Die Studierenden haben direkten Kontakt zu den Bürger*innen der Stadt, eine sinnvolle Kooperation entsteht und der Ruf der Kulturwissenschaften bei der Bevölkerung könnte steigen. Des Weiteren wäre der Campus ein Ort der Zusammenkünfte zwischen verschiedenen Menschen und Generationen, auch dadurch entsteht Diskurs und gegenseitiger Profit.

Auch die Universität könnte von zusätzlichen Geldern durch Eintritte oder Fördergelder profitieren, Gebäude könnten erneuert werden… Wie wäre es zum Beispiel damit, dass im ehemaligen Brauhaus eine Ausstellung stattfindet? Das Gebäude wird universitär aktuell nicht genutzt und könnte daher anderweitig sinnvoll sein. Außerdem lassen sich dort noch Zeugnisse von der ehemaligen Eisfabrik erkennen.

Alles in allem ist das derzeitige touristische Bild der Domäne Marienburg sehr schlecht. Es gibt keine Konzepte, keine Versuche zur Verbesserung und das, obwohl die Anlage definitiv einen Besuch wert wäre.

Deshalb frage ich Euch: Wünscht ihr euch Tourismus an der Domäne und habt ihr weitere Ideen, um diesen in Gang zu bringen? Schreib doch einen Kommentar!

Und wenn dich mehr zur Geschichte der Domäne Marienburg interessiert, klick doch auf meinen anderen Blogbeitrag:

BLOG: GESCHICHTE DER MARIENBURG

Ein Beitrag von: Jan Dickhaut, veröffentlicht am 18.09.2023

Jan Dickhaut

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