“Das war das Paradies” – Programm zu religiösen Verheißungen, Migration und Popkultur

1. Mit dem Schriftsteller Senthuran Varatharajah im Dommuseum Hildesheim

Wer in der gegenwärtigen deutschsprachigen Literatur nach Positionen sucht, die offensichtlich christlich geprägt sind, wird nicht sehr viele Autor*innen finden – Religion ist höchstens im Thriller ein Bestseller-Thema. Interessanter Weise können die Texte des in Jaffna (Sri Lanka) geborenen Senthuran Varatharajah derzeit wohl als die tiefstgehendsten Auseinandersetzung mit christlichen Vorstellungen gelesen werden. Varatharajah hat unter Jehovas Zeugen die deutsche Sprache entlang von Bibelübersetzungen gelernt und später evangelische Theologie und Philosophie studiert. Wir besuchen mit ihm die Leiterin des Hildesheimer Dommuseums, Prof. Dr. Claudia Höhl. Die Kunsthistorikerin und der Schriftsteller tauschen sich entlang von drei Objekten, aus der Sammlung des Dommuseums über religiöse Verheißungen, Vorstellungen von Anfang, Ende und dem Nichts, Erlösung und Schuld, Handels- und Kolonialgeschichte und nebenbei über die Serie Twilight aus. Das funktioniert hervorragend: mit fast tausendjährigen Objekten sowie mit zeitgenössischer Kunst. 

Über das Handgeschriebene, Jesus Biographie als literarische Gattung, Übersetzungen und das Zulassen subjektiver Wahrheiten

Über Anfänge und Enden in Literatur, die Bibel als erster und letzter Text des Literaten.

Zu den Fragen: Was kommt nach dem Ende? Werden wir mit langen Fingernägeln und Haaren auferstehen? Über Verwesung, Kanibalismus und den vielleicht missverstandenen Ruf „Haut ab!“

Ewiges Leben ist die Hölle – siehe Twilight

Über technische Paradiesversprechen und Begriffe wie „Gläubiger“ und „Erlös“, als die Sprache der Ökonomie.

Vom Garten Eden, gestalteter Natur der Fürsorgepflicht des Menschen, dem Paradies als Regression und das Ziel der Heiligen Stadt.

Über die Erfindung der unterschiedlichen Ein-Gott-Religionen, Übersetzung als nautische Dimension und der geerbten Schuld des Kolonialismus

2. „PopUpGott und die Welt“ – There Can Be Only One (Hartmut El Kurdi)

Hartmut El Kurdi hat im vom Corona-Virus-bestimmten Jahr 2020 eine Mini-Youtube-Lese-Serie produziert, in der er über das Aufwachsen mit den Lehren von Jehovas Zeugen und über Parallelen zu aktuellen Verschwörungserzählungen reflektiert. 

https://www.youtube.com/watch?v=0NROBOlW7uE

 3. „Manchmal sind es gerade die Verheißungen, an die wir nicht mehr ‚einfach glauben‘ können, mit denen wir uns ein Leben lang auseinandersetzen.“ – ein interaktives Schreibformat

EINLADUNG ZUM MITSCHREIBEN:

„Das war das Paradies“

Rio Reiser singt in einem Ton Steine Scherben Lied: „Der Traum ist aus, aber ich werde alles geben, dass er Wirklichkeit wird.“ Manchmal sind es gerade die Verheißungen, an die wir nicht mehr ‚einfach glauben‘ können, mit denen wir uns aber doch ein Leben lang auseinandersetzen.

Angeregt vom Austausch in unseren aufgezeichneten Talkformaten, die auf unserer Website nachzuschauen sind,  laden wir Euch/ Sie ein, einen kleinen Text (max. 500 Wörter), über Ihre/ Eure verlorenen Paradiese oder Verheißungen zu verfassen, an die Du/Sie nicht mehr einfach so glauben kannst/können oder willst/wollen. Wohin richtest/richten Du/Sie dich/sich heute aus? Was ist Ihre/ Eure Orientierung im Blick auf das Jenseits heute? Die Form, das Genre… sind dabei frei zu wählen!

Der Text soll hier auf der Seite „cryptpad“ veröffentlicht werden (vgl. untenstehender Link). Es handelt sich hierbei um ein Online-Format (ähnlich wie google.docs) bei dem alle Menschen, die Zugang zu dem Link haben, am Dokument mitwirken können. Es kann Bezug auf Texte anderer genommen werden oder ein ganz eigener Text verfasst werden. Den Link ist offen zugänglich (mit Hinweisen zu Netiquette etc.) Das Schreibportal bleibt nur für eine begrenzte Zeit geöffnet.

https://cryptpad.fr/pad/#/2/pad/edit/upulAZa57nCfFOKGhcuJk42i/

 4. Pop und Paradies: Sonntag, den 4. Juli 2021 um 14h 

Einladung zum Talk

Am Sonntag, den 04.07.2021 um 14.00 Uhr gestalten wir einen Talk, der online über Zoom übertragen wird. Der Autor, Theatermacher und Musiker Hartmut El Kurdi, der Schriftsteller Senthuran Varatharajah und der Hildesheimer Professor für Musikwissenschaften Dr. Johannes Ismaiel-Wendt treffen sich im Gespräch (oder einer sonntäglichen Predigt?) über das Aufwachsen in strengen Religionsgemeinschaften, den glitzernden Verlockungen Populärer Kultur, vor denen sie mit Recht gewarnt wurden, und den Einfluss all dessen auf ihr heutiges Pop-geprägtes Tun.

Wir freuen uns auch über Ihre eigenen Erfahrungen mit Paradies-Versprechen und Verheißungen aller Art, die möglicherweise keine mehr sind und hoffen auf eine rege Beteiligung aller Teilnehmenden am Gespräch: Bringen Sie sich ein – live im Erwartezimmer auf der Domäne Marienburg in Hildesheim oder online!

Moderation: Eva Ranz und Sandra Kirchhoff-Wolff