Du möchtest Theater spielen, aber ohne den Uni-Leistungsdruck und außerhalb der Kuwi-Bubble? Nicht nur für ein Projekt von wenigen Wochen, sondern gern auch für länger? Neue Leute kennenlernen, gemeinsam Tee trinken und Kekse essen, dich ausprobieren, deine eigenen Ideen einbringen?

Kennst du schon das TDT in Hildesheim?

 

Ein kurzer Einblick

Immer wieder passieren die Darsteller*innen die Bühne, eilen vorüber, ohne sich umzuschauen, stolpern, bleiben stehen. Sie begegnen einander; hin und wieder nehmen sie Kontakt zueinander auf. An anderer Stelle soll ein Grundstück verkauft werden, das Zuhause der kürzlich verstorbenen Eltern – die eine Schwester möchte es schnellstens loswerden, die andere möchte darin einziehen. Vor dem Spiegel üben sie ihre Monologe; was die jeweils andere denkt, erfahren sie nicht. Ein früherer Zeitpunkt, ein anderes Stück: Unmengen an Ordnern, Requisiten und Kostümen stapeln sich auf den Tischen; ein riesiger Berg an Briefumschlägen türmt sich in einer Ecke. Während zwei Personen versuchen, Ordnung in das Chaos zu bringen, stellt ein Darsteller skurrile Fragen an das Publikum, deren Antworten er sogleich in pseudowissenschaftlichen Grafiken und Zeichnungen festhält. Noch eine Szene, noch ein Stück: In ein leuchtendes Regencape gehüllt stopft sich eine Darstellerin verstohlen einen Schaumkuss nach dem anderen in den Mund. Unter Schmatzen gesteht sie: “Ich habe weder die Zeit, noch den Mut, etwas zu ändern” während nur wenige Meter weiter eine junge Frau schwitzend die Treppe rauf und runter sprintet, um sich in Form zu halten. Zum Publikum gerichtet die chorisch gestellte Frage: “Gibt es denn gar keine Grenzen mehr?” 

Tatsächlich sind die Grenzen beim TDT weit gefasst; sowohl thematisch als auch in Bezug auf die Darsteller*innen – denn Voraussetzungen gibt es nicht, um in der Theatergruppe mitzuspielen. Auch die übliche Trennung zwischen Zuschauerraum und Bühne ist bei den meisten Aufführungen nicht gegeben. Das TDT ist ein Ort des Sich-Ausprobierens; ein experimenteller Raum mit zahlreichen Möglichkeiten. Lediglich zwei Dinge dürfen hier niemals fehlen: Die Aufwärmübung “Schüttel, schüttel”, mit der jede Probe beendet wird und die seit vielen Jahren ein beständiges Ritual ist. Und Frau Samowar, das einzige noch aktive Gründungsmitglied, das die Spieler*innen in jeder Pause mit schwarzem Tee versorgt. 

Für mich bedeutet das TDT jede Menge Spaß, neue Anregungen, inspirierende Gespräche und neue Kontakte.

Ich finde es toll, mit unterschiedlichen Leuten außerhalb meines Freundeskreise Theater zu machen, Neues auszuprobieren, manchmal zu scheitern und manchmal ein kleines Erfolgserlebnis zu haben.

Kathi

Mitspielerin beim TDT seit 2019

Das TDT bedeutet für mich, Theater niederschwellig erproben zu können und dabei ganz unterschiedliche Menschen kennenlernen zu dürfen.

Ich mache beim TDT mit, weil ich Lust hatte und habe mich auf der Bühne auszuprobieren und gemeinsam mit anderen theaterbegeisterten Spieler*innen kreativ zu werden und ein Stück zu konzipieren.

Leona

Mitspielerin beim TDT seit 2019

Was ist das TDT?

Was macht das TDT aus? Wofür steht die Abkürzung? Und wer steckt dahinter?

Geschichte des TDT

Seit wann gibt es das TDT? Wie fing alles an? Und wie ging es dann weiter?

Arbeitsweise des TDT

Wie laufen die Proben ab? Was ist das Thema? Und was steht am Ende?

Mitmachen

Jede*r kann beim TDT mitmachen! Theatererfahrung ist keine Voraussetzung.
Was ist das TDT?

Bereits seit mehr als 30 Jahren ist das TDT in der freien Theaterszene Hildesheims aktiv. Das TDT ist ein transkulturelles und intergeneratives Theaterprojekt, das sich vor allem durch eine Idee auszeichnet: In gemeinschaftlicher Arbeit diverser Menschen mit unterschiedlichen sozialen Hintergründen, verschiedener Generationen und Nationalitäten soll durch die Entwicklung einer Performance Verständigung stattfinden.  Hier treffen sich Studierende, Arbeitnehmer*innen, Selbstständige, Renter*innen, Schüler*innen und alle, die Spaß am Theaterspielen haben und schaffen anhand ihrer persönlichen Geschichten und Erfahrungen eine Performance. So steht das Thema bereits zu Beginn der Proben fest; das Stück entsteht im gemeinsamen Prozess.

Das TDT besteht nicht aus einer festen Gruppe und auch die Anzahl an Spieler*innen ist nicht festgelegt. Ebenso wie die Darsteller*innen wechselt auch häufig das dreiköpfige Leitungsteam zu Beginn einer neuen Saison.

“TDT” stand ursprünglich für “türkisch-deutsches Theater”; dieser Name ist heute nicht mehr aktuell. Die Abkürzung ist allerdings geblieben.

Geschichte des TDT

Das “türkisch-deutsche Theater” wurde 1990 von Regisseur Sebastian Nübling  gegründet, um Integration aktiv zu gestalten und ein deutliches Zeichen gegen Fremdenhass zu setzen. Das TDT setzte sich zu Beginn vor allem mit dem Verhältnis von Einheimischen und Migrant*innen auseinander.

Zur Jahrhundertwende veränderte sich der Arbeitsmittelpunkt: Anstatt sich schwerpunktmäßig mit dem Thema Integration zu beschäftigen, wurde dieses nun implizierter Bestandteil der Theatergruppe und die Themenvielfalt  der Produktionen wuchs. Heute kommen die Spieler*innen nicht mehr nur aus der Türkei und aus Deutschland, sondern von überall her. Die Altersspanne liegt derzeit zwischen 17 und 65 Jahren.

Seit seiner Gründung hat das TDT insgesamt 23 Aufführungen hervorgebracht, die meist im Abstand von einem Jahr entstanden. 2020 wollte die Theatergruppe eigentlich ihr 30. Jubiläum feiern; doch die Corona-Pandemie machte dem TDT einen Strich durch die Rechnung. So mussten die für Juni 2020 geplanten Aufführungen in das Jahr 2021 verlegt werden.

Arbeitsweise des TDT

Einmal pro Woche treffen sich die Darsteller*innen, um gemeinsam zu proben. Die dreistündigen Treffen gliedern sich meist in drei Teile: Im ersten Teil gilt es, die Gruppendynamik zu fördern und eine gemeinsame Identität aufzubauen. Dafür werden Aufwärmübungen gemacht, Theaterspiele ausprobiert und Techniken des Improvisationstheaters geübt. Anschließend folgt eine Gruppenarbeit, in der die Teilnehmer*innen anhand eines Themas eine Szene entwickeln und einstudieren. Diese wird am Ende der Probe vorgestellt und durch ein Feedback wertgeschätzt. 

Das TDT ist dafür bekannt, ortsspezifische Inszenierungen zu entwickeln. So gibt es meist keine klassische Bühnensituation; stattdessen wird ein lebendiger Bühnenraum geschaffen, der vom Publikum betreten werden kann.

Das Projektziel der nächsten Spielzeit ist die Entwicklung eines “Dungeons of Mystery”, einer Art lebendiger Escape-Room. Das TDT wird sich mit der Erforschung von Rätselmechanismen, mit Gaming-Konzepten und deren Umsetzung auf Theaterbühnen sowie mit Rollenentwicklung durch Improvisationstheatertechniken auseinandersetzen und einen Rätseldungeon entwickeln, den die Zuschauer*innen begehen und erkunden können. Die Teilnehmer*innen werden das Thema des Rätseldungeons sowie ihre Rollen selbst erarbeiten.

   

möchtest du mitmachen?

Das TDT Hildesheim freut sich immer über neue Mitspieler*innen, die sich gemeinsam ausprobieren möchten. Die TDT-Saison beginnt meist am ersten Montag im November und endet im Frühjahr/Sommer mit meist zehn Aufführungen. Die Proben finden jeden Montag von 18 bis 21 Uhr in Hildesheim statt. Zusätzlich gibt es ab Januar mehrere Probenwochenenden und eine Intensivprobenzeit eine Woche, bevor die Aufführungen stattfinden. Du möchtest mitmachen, kannst aber erst ab einem späteren Zeitpunkt? Kein Problem; ein Einstieg ist meist auch später noch möglich. Weitere Informationen, aktuelle News und die Kontaktdaten des Leitungsteams findest du auf der Website des TDT.

Fotos: ©Julia Schendrikow, Mehmet Cetik und Mathilde Pernot

Ein Beitrag von Kristel Döhring