„Studieren ist wie arbeitslos sein. Nur, dass die Eltern stolz sind“
Ein ziemlich übelriechender Spruch, der sicherlich humorvoll gemeint ist und dem einen oder anderen ein Lachen entlocken soll. Von außen betrachtet lässt sich das Studieren leicht kleinreden, denn das Studium ist ja keine Arbeit, oder? Nur ein wenig in Büchern herumblättern und zu Prüfungen erscheinen. Doch wer einmal studiert hat, weiß, mit wie viel mehr das Studium verbunden ist und was erfolgreiches Studieren einem abverlangen und eröffnen kann. Womit genau haben Studierende zu kämpfen?
Foto von: Janette Paul
Als ersten Schritt für ein erfolgreiches Studium gilt es, die eigenen Verpflichtungen unter einen Hut zu bekommen. Diese sind zumeist sehr individuell. Doch vor allen Dingen müssen sich Studierende nicht nur Gedanken um gute Leistungen im Studium machen, sondern zugleich ist es wichtig, eine lückenlose Finanzierung des Studiums gewährleisten zu können. An dieser Stelle sieht natürlich jede Lebenssituation anders aus. Einige sind auf starke finanzielle Unterstützung der Eltern angewiesen, für andere wiederum ist diese Unterstützung vielleicht gar nicht möglich. Um sich das Studium leisten zu können, greifen sicher einige von euch auf einen Studienkredit zurück oder nutzen ihr Erspartes, denn wir wissen, wie hoch die Semestergebühren sind und dass es deshalb manchmal einfach nicht anders geht.
Tatsache ist: Nur die wenigsten können es sich leisten, das Studium ohne jegliche finanzielle Unterstützung anzugehen und sorgenfrei zu absolvieren. Umso beruhigender der Umstand, dass Studierende einen Großteil der Kosten durch einen BAföG-Anspruch decken können (wohlgemerkt, soweit sie einen Anspruch haben). Doch wenn wir mal ehrlich sind, dann reicht allein das BAföG nicht aus, um die aufkommenden Kosten der Studierenden zu begleichen. Und die Inflation setzt noch einen oben drauf. In dieser Hinsicht ist es nicht verwunderlich, dass die meisten Studierenden neben dem Studium noch einer Tätigkeit nachgehen, um ihr Einkommen etwas aufzubessern. Ein Nebenjob ist meistens nicht wegzudenken, denn es kommt schließlich nicht nur darauf an, seine Miete, den Strom und die Semestergebühren bezahlen zu können. Es geht nicht nur darum, nur mal gerade so über die Runden zu kommen. Es geht in erster Linie eher darum, sich neben all den Fixkosten auch die eigene Freizeit leisten zu können. Freizeit scheint irgendwie nicht so richtig in den Kontext des Studierens hineinpassen zu wollen, da es viel zu viel Lernstoff und viele andere Verantwortungen gibt, denen man an dieser Stelle lieber Zeit widmet. Aber Freizeit ist ein unentbehrlicher Bestandteil des Studiums. Das mögen nun viele von euch vielleicht anders sehen, doch ich glaube, dass Studieren auf Dauer sehr viel von einem abverlangen kann, und deshalb sollte man sich selbst und seiner Gesundheit den Gefallen tun, sich eine Pause zu gönnen und den Blick auf etwas anderes, etwas ebenso Wichtiges zu werfen, unter anderem die sozialen Kontakte. Außerdem ist es gleichsam von Bedeutung, den eigenen Bedürfnissen genügend Aufmerksamkeit zu schenken und sich auch mal die Zeit nur für sich selbst und den eigenen Wünschen zu nehmen.
Wir sehen, studieren ist mit viel mehr verbunden, als lediglichem Lernen, denn Lernen und Vorbereiten für die Kurse kann, keine Frage, anstrengend und zeitaufwendig sein. Doch wie wir gesehen haben, müssen Studierende sich auch darum kümmern, die Möglichkeit des Studierens für sich finanziell aufrechtzuerhalten, und das geht in vielen Fällen auch nur durch einen Nebenjob, der noch mehr Zeit in Anspruch nimmt.
Inmitten all dieser Verpflichtungen kommt die eigene Freizeit und damit das eigene Wohlbefinden oft zu kurz. Dabei ist durchdachtes Zeitmanagement wichtig, aber leider nicht immer der Schlüssel zum erfolgreichen Studium. Als „erfolgreich“ definiere ich dabei nicht nur die zu erbringenden Leistungen eines Studierenden, sondern auch das Zusammenspiel von Leistungen, Nebenjob und Freizeit ohne negative Auswirkungen auf die körperliche und mentale Gesundheit. Denn es kommt leider oft vor, dass Studierende im Studium unter all den Verantwortungen und Erwartungen leiden, gestresst und ausgelaugt sind. Das ist keine Seltenheit: Die Studie „Gesundheit Studierender in Deutschland 2017“ einer Kooperation des DZHW, der Freien Universität Berlin und der TK bestätigt, dass ein Viertel der befragten Studierenden sich als gestresst durch das Studium äußerten. Ein großer Teil gab auch an, bereits stärkere Beschwerden zu haben, die denen eines Burnouts gleichen würden. Stress, Erschöpfung, Zweifel und Überforderung sind Zustände, die bei Studierenden häufig vorkommen. Auch wenn diese Zustände nicht von Dauer sein müssen, haben bestimmt die meisten von euch die eine oder andere derartige Erfahrung gemacht.
Stress im Studium – Inwiefern spielt die Fachrichtung eine Rolle?
Natürlich könnte man hier nun einwenden, dass die erwähnte Studie bereits aus dem Jahr 2017 stammt und somit möglicherweise nicht mehr uneingeschränkt auf die aktuelle Situation übertragbar ist. Allerdings lässt sich angesichts der letzten Jahre, in denen das Studium aufgrund der Covid-19-Pandemie noch schwieriger geworden ist und der soziale Kontakt stark eingeschränkt war, wohl kaum bestreiten, dass die Zahl der gestressten Studierenden heute eindeutig höher sein dürfte. Zudem kommen finanzielle Belastungen hinzu, die durch die Inflation noch verstärkt werden und Studierenden zusätzlichen Stress bereiten. Zwar plant der Staat, den Studierenden durch Maßnahmen wie der kommenden Energiepreispauschale unter die Arme zu greifen und ihnen bei der Bewältigung der hohen Energiekosten zu helfen, dennoch bleibt die finanzielle Belastung bestehen.
Aufgrund früherer Erkenntnisse ist das Studium nicht nur mit dem Streben nach guten Leistungen verbunden, sondern umfasst auch Arbeit und Freizeit. Wer neben dem Studium arbeitet, weiß sicherlich, dass es nicht so einfach ist, Tage zu finden, an denen man arbeiten kann, ohne einen Kurs zu verpassen. Ein gutes Zeitmanagement und eine sorgfältige Planung sind hier gefragt, und manchmal bedeutet dies, sich ein oder zwei Tage freizuhalten, um arbeiten zu können. Es wird deutlich, dass Studierende gelegentlich Entscheidungen treffen müssen, die sich auf ihr Studium auswirken, denn ohne den Job können sie sich ihr Studium finanziell nicht leisten. Solche schwierigen Entscheidungen sind nur noch ein weiterer Stressfaktor im Leben eines Studierenden.
Im Allgemeinen lässt sich sagen, dass Studierende mit mehreren Stressfaktoren umgehen müssen, die sich auf ihre Gesundheit und natürlich auch auf ihr Studium auswirken können. Aber gibt es Studiengänge, in denen der Stresspegel im Vergleich zu anderen geringer ausfällt? Tatsächlich gibt es je nach Fachrichtung Unterschiede im Stressempfinden der Studierenden. Laut der zuvor bereits erwähnten Studie „Gesundheit Studierender in Deutschland 2017“ haben vor allem Studierende der Fachrichtung Sprach- und Kulturwissenschaften sowie Geisteswissenschaften größere Probleme mit aufkommendem Stress. Unter anderem wurden zu etwa je 20% Angststörungen und Depressionen genannt. Kann es tatsächlich sein, dass die Studienwahl einen Einfluss auf den Stresspegel hat? Allgemeine Faktoren wie die Finanzierung des Studiums einschließlich Nebenjob können für die Unterschiede im Stresslevel nicht verantwortlich sein, da sie sich nicht innerhalb der Studiengänge unterscheiden. Die Inhalte der Studiengänge müssen also eine entscheidende Rolle spielen.
Wenn wir uns auf die kultur-, sprach- und geisteswissenschaftlichen Studiengänge konzentrieren, wäre meine Vermutung, dass dieser Bereich viel mit Theorien arbeitet und es nicht immer eine richtige Antwort gibt, die es zu erlernen gilt. Stattdessen müssen Studierende dieser Bereiche komplexe Denkprozesse durchlaufen und sich tiefer in die Materie einarbeiten, um sich selbst ein Bild zu machen. Es geht also nicht nur darum, etwas auswendig zu lernen und es wiederzugeben, sondern darum, eigene Gedanken auf der Grundlage von Denkanstößen zu entwickeln. Außerdem ist es wichtig, gerade in diesen Bereichen auf die Möglichkeiten der deutschen (oder englischen) Sprache aufmerksam zu machen und zu lernen, alle ihre Ebenen angemessen zu nutzen. Eine angemessene Sprachwahl und das Bewusstsein für Metaebenen sind also gefragt, besonders wenn es darum geht, Hausarbeiten zu verfassen. Nach Gesprächen mit einigen meiner Mitstudierenden, die auch Erfahrungen in anderen Fächern wie Politik gesammelt haben, ergibt sich das Gefühl, dass in diesen Fachbereichen viel mehr Wert auf die richtige Sprachwahl gelegt wird als in anderen Bereichen.
Jedes Studium kann unabhängig vom Fachbereich wirklich stressig werden und nicht nur das Lernen erschweren. Studienbedingter Stress kann sich sowohl negativ auf die Psyche als auch das Sozialleben auswirken. Dass man neben dem Studium arbeiten muss, um sich finanziell abzusichern, macht die Situation nicht gerade einfacher. Besonders dann, wenn Leistungs- und Erwartungsdruck, finanzielle Sorgen und Zeitmanagementprobleme aufeinandertreffen, sollte man jedoch nicht aus den Augen verlieren, wie wichtig es ist, sich Zeit für sich selbst zu nehmen und zu entspannen. Viele Studierende kämpfen mit Stress, einige mehr, einige weniger. Es gibt viele verschiedene Methoden, um mit Stress umzugehen. Natürlich ist nicht jede dieser Methoden effektiv für alle. Unten finden sich einige dieser Methoden, die ihr ausprobieren könnt. Vielleicht fallen euch ja noch weitere ein, die euch persönlich geholfen haben. Wenn ja, schreibt sie gerne in die Kommentare!
Besonders interessant fand ich, dass sich viele Studierende aus dem kultur-, sprach- und geisteswissenschaftlichen Bereich über Stress im Studium beschweren. Geht es euch in eurem Studium auch so, dass ihr kaum Zeit für euch selbst findet und alles manchmal zu viel erscheint? Stress muss kein Dauerzustand sein. Gibt es für euch konkrete Situationen oder Umstände, die euch stressen? Und vor allem: Könnt ihr eine Verbindung zu eurer Studienwahl herstellen?
Methoden zur Stressbewältigung
– To-Do Listen
– Belohnungssysteme
– Zeitpläne
– Meditation
– Entspannung (z.B. Schlaf, Hobbies)
– regelmäßige Pausen
– Sport
– soziale Kontakte
Ein Beitrag von Janette Paul, veröffentlicht am 13. März 2023