Statement zu Rassismus auf dem 32. Bundes.Festival.Film.

 

von den studentischen Organisator*innen der Stiftung Universität Hildesheim

 

Vom 21. bis 23. Juni 2019 gastierte das 32. Bundes.Festival.Film. in Hildesheim. Im Rahmen des Festivals kam es, bei einer von uns als Studierende der Universität Hildesheim organisierten Veranstaltung, zu der Reproduktion von Rassismen. Dies ist der Anlass für den folgenden Text.

Das Bundes.Festival.Film. versteht sich als generationenübergreifendes Filmforum und wechselt alle zwei bis drei Jahre seinen Veranstaltungsort. Dabei geht es Kooperationen mit Institutionen aus den Bereichen Filmkultur und Medienpädagogik ein. Eine solche Kooperation hat es in den vergangen zwei Jahren auch mit dem Institut für Medien, Theater und Populäre Kultur der Stiftung Universität Hildesheim gegeben.

Im Rahmen eines Seminars bereiteten wir über ein Semester die Durchführung des Festivals vor und übernahmen Aufgaben wie die Organisation des Rahmenprogramms, die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in Hildesheim, die Bewerbung über Social Media und den Einbezug der Hildesheimer Stadtgesellschaft in das Festivalgeschehen. Teil unserer Arbeit am Festival war die Planung und Umsetzung von drei Gesprächspaneln, die den Besucher*innen eine vertiefende Auseinandersetzung mit Themen rund um das Filmemachen ermöglichen sollte. Im Rahmen des Panels „Wer spricht (für wen)?“ wollten wir die Perspektive und Position von Filmschaffenden thematisieren und damit Machtstrukturen hinterfragen. Hierbei sollte es auch einen Themenschwerpunkt zu rassismuskritischem Filmemachen, der Frage nach Deutungshoheiten und dem reflektierten Umgang mit Privilegien gehen.

In der Konzeption und Durchführung haben wir diese Machtstrukturen jedoch nicht mitgedacht. Während des Panels kam es so unter Anderem zu rassistischen Fremdbezeichnungen auf der Bühne. In der Zusammensetzung der Panelteilnehmer*innen haben wir nicht den nötigen Raum geschaffen um Rassismus und Privilegien machtkritisch besprechen zu können, stattdessen haben wir diese reproduziert.
Darunter fiel der Raum auf dem Panel selbst aber auch das Abholen von Besucher*innen im Zuschauerraum, beispielsweise über eine thematische Einführung.

Die anwesenden BIPOC (s. Fußnote 1) waren Rassismen ausgesetzt, ohne die Möglichkeit eines Schutzraumes. Dafür möchten wir uns aufrichtig entschuldigen.

Als weiß (s. Fußnote 2) positionierte Seminargruppe sehen wir die Vorfälle als dringenden Anlass uns über unsere verinnerlichten und reproduzierten Rassismen bewusst zu werden und eine kontinuierliche Weiterbildung zu Rassismus zu beginnen. Als ersten Schritt bemühen wir uns zurzeit, einen Workshop zum Thema antirassistisches Veranstalten auf die Beine zu stellen, an dem wir im nächsten Semester als Seminargruppe teilnehmen können. Ziel ist es unter Anderem die Reproduktion von Rassismen in der Konzeption und Planung des Festivals noch tiefgreifender verstehen zu können, um zukünftig bereits in diesen Bereichen reflektierter und sensibler zu handeln. Auch das Unterstützen von BIPOC Expert*innen im Bereich Antirassismus, die Unterstützung von BIPOC-Empowerment-Räumen, in Form von energetischen als auch finanziellen Ressourcen, sollte Teil einer gängigen kulturellen Praxis sein.

Bereits im Schreiben dieser Stellungnahme wird uns unserer Wissensdefizit und mangelnde Expertise bewusst. Dies ist ein Produkt unserer weißdominierenden Gesellschaft (s. Fußnote 3). Umsomehr sehen wir es als wichtig und notwendig an, die Reproduktion von Rassismen sichtbar zu machen, die Vorfälle zu reflektieren und uns für sie zu verantworten.

Unterzeichnende der Seminargruppe:

Mara Börjesson, Malene Düvell, Marie-Luise Hohenadel, Jana Maraya Kraft, Lara Maibaum, Leonora Johanna Marissal, Lea Schütte

 Fußnote 1- BIPOC
Black and Indigenous People of Color
“Eine politische Eigenbezeichnung von und für Menschen, die nicht weiß sind. Das Konzept “People/Person of Colour” bekräftigt solidarische Zusammenschlüsse zwischen Menschen, die über einige gemeinsame Erfahrungen in der weißdominierten Gesellschaft verfügen.”
(Noah Sow, Deutschland Schwarz Weiss, BoD-Books on Demand, Norderstedt, 2018, S.26)

Fußnote 2 – weiß
Kursiv und klein geschrieben, um die Konstruktion des Begriffes hervorzuheben. Es handelt sich um keine Hautfarbe, sondern um Privilegien, die mit der Hauptfarbe einher gehen.
(https://missy-magazine.de/sprache/ Stand 31.07.2019)

Fußnote 3 –
Der Zugang zu rassismuskritischem Wissen von deutschen BIPOC Autor*innen wie Noah Sow und Tupoka Ogette ist sehr niedrigschwellig. Da wir, als weiß positionierte Personen von weißen Privilegien und Rassismus direkt profitieren, haben wir gegenüber diesem Wissen stark verinnerlichte Abwehrhaltungen. Antirassistische Bildung ist selten Teil weißdominanter Bildungsinstitutionen, wie Schulen und Universitäten, was diese zu strukturellen Stützen des rassistischen Systems macht.
(Wissen erlernt von der rassismuskritischen Arbeit von u.A. Noa Sow und Tupoka Ogette)

Grundlagenliteratur- Rassismus in Deutschland:
Deutschland Schwarz Weiss – Noah Sow
exit RACISM: rassismuskritisch denken – Tupoka Ogette

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