Die alte Schule in der Kesslerstraße in der vor kurzem noch gefeiert und gelesen wurde ist wieder menschenleer und ausgeschreddert hat es sich für dieses Jahr auch. Das Semester kommt zum Ende und die Studierenden grübeln über ihre Modulabschlüsse oder packen ihre Taschen und verlassen Hildesheim mal länger und mal kürzer für den Sommer. Und während alle ihre wohlverdienten Ferien und Abstand vom Unialltag nehmen, packt eine Gruppe an Studierenden die Laptops, Tablets, Tabellen, Kalender, Programmideen, Raumkonzepte, Finanzübersichten und Snacks aus und legt los.
Denn der Auftakt des Wintersemesters 2023/24 muss ausreichend geplant werden: Das State Of The Art 15 – symposia findet zwischen dem 26. – 28.10. 2023 statt.
Doch bevor wir uns anschauen, was uns beim State15 erwarten wird, lasst uns einen kleinen Ausflug machen zu den Anfängen des Festivals.
Was ist das State Of The Art?
Ursprünglich war das State im Jahr 2009 als Theaterfestival gegründet worden. Doch schon drei Jahre danach öffnete das Team, die Teilnahme auch für alle anderen Institute des Kulturcampus. So entstand das erste und bis heute einzige interdisziplinäre Kunstfestival von Studierenden in Hildesheim. Von Beginn an, ist das State ein Diskursfestival, welches sich mit den drängenden Fragen der Studierendenschaft und deren Stand der Kunst auseinandersetzt. Somit verbindet es, wie auf der Domäne üblich, die eigene Praxis mit Theorie und Vermittlung.
Die Durchführung des Festivals ist dabei standardmäßig Studierenden des Fachbereichs Kulturwissenschaften und Ästhetische Kommunikation überlassen. Dem sogenannten State Team.
Doch wie kommt man eigentlich ins State Team?
Das Festival wird jedes Jahr vom ehemaligen State Team an das nächste übergeben. Normalerweise wird eine Mail versendet, in der ein Treffen für Interessierte angekündigt wird. Dies passiert bereits Anfang des Kalenderjahres, denn so ein Festival braucht einiges an Vorlaufzeit. Bei dieser Gelegenheit werden dann intern genutzte Strukturen, Erfahrungen und daraus resultierende Ratschläge weitergegeben. Wir als State Team fangen also nicht bei 0 an, sondern können auf gesammeltes Wissen zurückgreifen und die ehemaligen State Menschen zudem jederzeit nach Rat fragen. Außerdem wird jedem Team ein*e Mentor*in (meist eine an der Domäne dozierende Person) zur Seite gestellt, die sich in den Unistrukturen auskennt und das State begleitet.
Hier sei noch kurz erwähnt, dass es für die Leitung des Festivals keine Credits und kein Geld gibt, man kann es sich aber als Praktikum anrechnen lassen. Aus meiner Perspektive wären da auf jeden Fall ein paar Credits drin, denn das Wissen, welches man während der Planung generiert, entspricht dem von mehreren Seminaren und der Arbeitsaufwand neben der Uni wäre stressfreier zu bewältigen, könnte man dafür ein paar Teilmodule weniger belegen.
Wie kann ich mir die Arbeit im State Team vorstellen?
Unser State Team besteht aus 16 Menschen und ist in verschiedene Zuständigkeitsbereiche gegliedert, die sich Departments nennen. Das heißt nicht alle machen alles, sondern es gibt klare Verantwortungen:
Kernteam
Es gibt das Kernteam, welches für die Kommunikation innerhalb des Teams verantwortlich ist, Abläufe festhält, Treffen plant und den Überblick über die Organisation behalten muss. Das Kernteam hat eine Moderations- und Managementrolle inne, ist der Kleber, der das State Team zusammenhält.
Finanzdepartment
Das Finanzdepartment ist für all things money zuständig. Es ist das Department, welches am frühsten mit der Arbeit beginnt, denn es ist dafür zuständig Förderungsanträge zu schreiben. Zudem stellt es des Kostenfinanzierungsplan auf, hat also die Einnahmen und Ausgaben fest im Blick und arbeitet eng mit dem Finanzdekanat der Universität zusammen, damit bei der Abrechnung alles mit rechten Dingen zu geht.
Programm
Wie der Name es schon verrät, ist dieses Department für die Festsetzung des Programms zuständig. Sie bereiten Ausschreibungen vor, sorgen für die Betreuung der Künstler*innen, stellen den Timetable des Festivals zusammen und treffen in Absprache mit dem gesamten Team die Auswahl der Acts.
Infrastruktur
Die Infra-Menschen kümmern sich um die Raumbuchungen, die Busshuttle, die Verpflegung sowie um eine möglichst barrierearme Gestaltung des Festivalgeländes. Neben diesen Aufgaben, gehört auch die Einarbeitung der Helping Hands und die Ausstattung der Räume kurz vor (und während) des Festivals in ihren Zuständigkeitsbereich.
Öffentlichkeitsarbeit
Für die Außenwirkung des Festivals ist das Department ÖA zuständig. Sie sorgen dafür, dass Menschen aufmerksam werden auf das State, sowohl als Künstler*innen als auch als Teilnehmende im Oktober. Sie sind für das Design des State15 zuständig, drucken Plakate, planen öffentlichkeitswirksame Aktionen und bespielen den Instagram Account des Festivals.
Technik
Das Technikdepartment sorgt dafür, dass das Festival im besten Licht erscheint. Sie unterstützen die Acts bei Fragen, besorgen das notwendige Equipment und sind ebenfalls für die Ausstattung des Geländes zuständig. Sie haben einen Überblick über die technischen Möglichkeiten in den Räumen und organisieren Menschen, die während des Festivals mit Ton- und/oder Lichtschein aushelfen können.
Ich bewege mich dabei in den beiden Departments Kernteam und Finanzen. Solche doppelten Zugehörigkeiten, gibt es einige im Team. Sie helfen uns die Kommunikation zwischen den Untergruppen zu erleichtern, sind aber auch einfach extrem spannend. Dinge, die ich im Kernteam lerne, kann ich in abgewandelter Form auch bei den Finanzen einbringen und umgekehrt. Generell führt es zu einer größeren Handlungsmacht, was manchmal cool, manchmal scary, meistens eine gute Mischung aus beidem ist. Die Verantwortung, die mit der Planung einhergeht, hat mich schon einiges gelehrt und das nicht nur im guten Sinne. Wenn die Förderung kleiner ausfällt als erwartet oder gleich ganz wegfällt dann muss man schon erstmal schlucken. Aber durch unsere Struktur sind wir ja auch nie alleine und rappeln uns dann auch schnell wieder auf. Letztendlich wollen wir ja ein schönes Festival organisieren, das einen Annäherungsraum für uns Studierende schafft.

Denn in unserer bisherigen Planung konnten wir beobachten, dass es durch die Corona Pandemie zu Einschnitten in den studentischen Gremien gekommen ist. Das Stupa war lange nicht beschlussfähig, weil keine neuen Menschen mehr nachkamen, jetzt leidet der Asta unter fehlenden Mitgliedern. Die Initiativen in Hildesheim schrumpfen immer weiter und die Domäne und der Hauptcampus könnten distanzierter nicht sein. Mal ganz davon abgesehen, was an der HAWK so geht.
Entwicklungen, die nicht nur das State15, sondern wir alle spüren. Entwicklungen, denen wir gerne entgegenwirken möchten.
Angelehnt an den griechischen Begriff “Symposium”, welcher Gastmahl, gesellige Zusammenkunft oder auch wissenschaftliche Diskussionsveranstaltung bedeutet, möchten wir mit dem diesjährigen State den Diskurs und die Vernetzung zwischen den Studierenden Hildesheims in den Vordergrund stellen. Wir wünschen und sehnen uns nach einem Ort der Zusammenkunft, an dem studentische Kunst und Belange gemeinsam erlebt, diskutiert und reflektiert werden können.
Wir erweitern den Begriff Symposium und verstehen seine Mehrzahl, symposia, als eine Vielfalt an künstlerischen Diskursen unterschiedlichster Disziplinen und als einen Proberaum zwischen Utopie und Alltag, an dem Kunst, Party und Austausch aufeinandertreffen.
Für das State15 Team bedeutet symposia also vor allem eins: Ein Festival mit viel Platz für euch. Jede*n einzelne*n von euch. Aus diesem Grund würden wir uns freuen, wenn ihr das State mit euren Ideen und Meinungen bereichert. Sei es in Form von künstlerischen sowie vermittelnden Beiträgen, durch eure Diskursfreude, eure kritische Reflexionsgabe oder euren wilden Dancemoves.
Bis dahin greifen wir nach den Domänesternen, realisieren symposante Räume, futtern den ein oder anderen Snack und sind voller Vorfreude bis es im Herbst endlich so weit ist.
Wer bis dahin nicht mehr warten möchte, kommt über den Button zum offiziellen Instagram Account und kann sich da mit Updates versorgen lassen.
Ein Beitrag von Luca Ruppert, veröffentlicht am 26. Juli 2023