SEXKINO // SEXTHEATER

Die 1968er Bewegung schlägt Wellen in der gesamten westlichen Welt und schwappt letztendlich auch in unsere Schlafzimmer über. Die Sexuelle Revolution legt damals den Grundstein für ein bis heute andauerndes, offenes Gespräch darüber wie wir miteinander sein und lieben wollen. Ein Nebeneffekt davon ist auch die Befreiung in Kunst, Medien und Kultur, wie z.B. Valie Exports ,,Tapp- und Tastkino“ von 1968 und die zunehmende Verfügbarkeit von Pornographie und allem was dazugehört.
Heute, 50 Jahre später, wollen 15 Menschen im Bleistiftgebäude ergründen wie es von da zu jetzt kam. Von der endlich gewonnen Sichtbarkeit zur Pornosucht, von sexueller Befreiung zur Hypersexualisierung, ect. Kurz: Projekt SEXKINO.
Über der Tür hängt ein Penis, eine Vulva und ein Sternchen, an den Wänden verschiedene Varianten von Erotikfotografie und Filme und Performances in beiden Räumen gezeigt und gespielt . Außerdem gibt es feste Regeln, unter anderem die, dass jeder ungefragt den Raum verlassen darf, ohne sich rechtfertigen zu müssen, denn auch das Recht auf Ablehnung gehört zur modernen Freiheit. Außerdem sind die Mitglieder dieses Projektes auch für jegliche Fragen offen und reden gerne über Probleme, aber auch Erfahrungen sexueller Art. Es wird in lockerer Stimmung diskutiert, gelacht, überlegt und vor allem kreiert. Am Ende werden die Ergebnisse des Projektes vorgestellt: die neuen und befreienden Sichtbarmachungen von Sex und Sexualität, die während der Werkschau gezeigt werden in den Räumen, die bis dahin zum Sexkino umgebaut wurden. Es gibt alles von Performance bis Film und vielleicht sogar Antworten auf die Fragen, die 1968 zum ersten Mal gestellt wurden……

Also lassen Sie sich entführen und genießen sie das volle Programm des Projekts SEXKINO, welches auch noch unter dem Titel des “G-Punkt-Festival im ehemaligen Haarem 2” steht, und erleben sie Sex und Sexualität auf eine ganz anderen Art!

Doch was ist den dieses ,,G Punkt Festival im ehemaligen Haarem 2″ denn Festival? Das wird Ihnen Timo Pluns mit seinem selbst geschriebenen Text erklären:

G-PUNKT-FESTIVAL

Es war ein ruhiger, sonniger Tag im Mittsommer 2001, als Olaf G., ein damals 46-jähriger Malergeselle, “nur mal kurz Kippen und wat zu mampfen” holen ging und dabei für immer spurlos verschwand. Die städtische Polizei, sofort von den Malerkollegen alarmiert und über Olafs (als Mittagspausen getarnten) “Wursthobeleien” gründlichst informiert, durchsuchte umgehend die Räumlichkeiten des Edelfilm-Amüsierbetriebs “Haarem 2” – leider ohne durchschlagenden Erfolg. Zu ihrem einstigen Stammkunden befragt, verwiesen die beiden brüderlichen Besitzer, nicht ohne Bitterkeit in der Stimme, auf das sogenannte Internet. Dort, so beklagten sie, gebe es neuerdings einige, über einen Browser spielendleicht erreichbare, Netzseiten, die sich der kostenlosen Bereitstellung hardcore-pornografischen Videomaterials verpflichtet hätten. Aus eben diesem Grund dürfe nicht ausgeschlossen werden, dass sich Olaf G. womöglich einen Heim-Computer zugelegt, oder aber, sofern er sich diesen nicht leisten könne, eine “dieser zur Zeit wie Unkraut ausm Boden schießenden Internet-Caféterien” aufgesucht habe. Wenn er nicht Zuhause sei und auch nicht bei “Mutti aufm Land”, dann solle die Polizei mal im “@extra” nachfragen, vielleicht sogar im “_Unterstrich”; auf jeden Fall bei der “jungen, hippen Konkurrenz”, wie die Beiden Zähneknirrschend anmerkten und sich sofort darin einig wurden, dass: “der Olaf jetzt zwar mit der Mode” gehe, letzten Endes aber in seinen geliebten roten Sessel zurückkehren werde.
Siebzehn Jahre später scheint diese Hoffnung längst verblasst. Das “Haarem 2” ist mehrfach umgezogen, zuletzt in eine ehemalige Pommesbude hinterm Bahnhof, und die klassischen roten Kinosessel auf die nächstbeste Müllhalde. Heinzi und Wilfried, Freunde von früher, glauben aber immernoch an Olafs Rückkehr. Ihm zu Ehren veranstalten sie alljährlich im Juli, dem Monat seines Verschwindens, das sogenannte G-Punkt-Festival. Junge Künstlerinnen und Künstler stellen dort ihre Fotografien aus, ihre Filme und Malereien, sie performen, sie tanzen, sie lesen vor – und all das in einem dem alten Sexkino nachempfundenen Raum und natürlich auch im Gedenken an Olaf. Denn, wie Wilfried so schön sagt: Wenn der Berg nur laut genug schreit – vielleicht kommt der Prophet ja zurück.