Sampling 68: Alte Lieder vom neuen Menschen

Um ein Projekt zu beschreiben oder einen Einblick in ein Projekt zu gewähren helfen am besten persönliche Meinungen der involvierten Personen. Dazu hier ein Interview mit Anne Rünz, einer Projektteilnehmerin dieses Projekts:

Ein Interview mit Projektteilnehmerin Anne Rünz

I: 
Was war für dich im Endeffekt ausschlaggebend, dieses Projekt zu wählen?

AR: Zunächst habe ich es deshalb gewählt, weil ich gerne in ein Musikprojekt gehen wollte und dachte, dass wir sehr viel Musik machen. Das hat sich dann in den ersten Wochen etwas gewandelt, da wir auch sehr viel Literatur gelesen haben und unser Projektleiter sehr daran interessiert ist, sich mit Dadaismus und der Neuen Musik zu beschäftigen, aber ich glaube, dass wir letztendlich eine sehr gute Mischung zwischen all dem gefunden haben. Das heißt, dass sowohl der Wunsch Musik zu machen, befriedigt wird, als auch der, mehr über die Zeit zu lernen. Wir gehen in alle Richtungen und das ist toll, weil man in alle Richtungen Erfahrungen macht.

I. Wie sahen deine konkreten Erwartungen an das Projekt aus?

AR: Erstmal die Erwartungen an die Gruppe, dass man eben einen Raum bekommt, in dem man zusammen arbeiten kann und keine Angst hat, Neues auszuprobieren. Diese Erwartungen wurden auch schnell erfüllt. Die Gruppe ist sehr schnell zusammengewachsen und es ist eine gute Dynamik entstanden. Ansonsten, glaube ich, hatte ich relativ wenige Erwartungen und habe es eher auf mich zukommen lassen und das ist, glaube ich, auch ganz gut, weil man dann offen für alles war, was in den Raum geworfen wurde.

I: Was bedeutet für dich „Samplen“?

AR: Puh. Das ist eine wahnsinnig schwierige Frage und ich glaube, dass hat sich auch während des Projekts verändert. Ich glaube, Samplen ist aus allem, was man irgendwie wahrnehmen kann, etwas Besonderes, Neues zu erschaffen. Ich habe auch gelernt, dass der Zufall eine ganz große Rolle dabei spielt und dass es spannend ist, Zufall und Intention beim Samplen zu vermischen. Irgendwie spielt das alles eine Rolle. Ich kann wirklich keine genaue Definition für das Wort treffen.

I: Inwiefern spiegelt sich für dich das Thema deines Projekts im Hauptthema des Projektsemesters „Phänomen 1968 – Die Enkel der 68er blicken zurück und nach vorn“ wider?

AR: Ich habe manchmal das Gefühl, dass die Zeit damals ein einziges Sample war, aus ganz vielen verschiedenen Dingen, was mir vorher auch nicht so bewusst war, aber dadurch, dass wir viel über Studentenbewegungen, Studentenproteste gemacht haben, zu der Frage „Was ist eigentlich Revolution?“ und „Wie wurde das von vorangegangenen Generationen empfunden und von der Generation, die mittendrin gesteckt hat?“, hat man gemerkt, dass man super schnell den Überblick verlieren kann und dass das damals ein einziges Durcheinander war, aber wenn man anfängt sich auf einzelne Aspekte zu konzentrieren und feststellt, dass vieles Sinn hatte und dass Dinge absichtlich gerade dort passiert, wo sie passieren und man merkt, dass alles ein einziges riesiges Sample ist.

I: Vielen Dank, Anne, für das Gespräch und die offenen Worte!

Doch auditive Mitschnitte der allwöchentlichen Sitzungen schaden auch nicht, um sich ein plastisches Bild von einem Musik-basierten Projekt zu machen:
Und um den Einblick in dieses Projekt abzurunden, sagen nun auch ein paar Bilder mehr als tausende weitere Worte:
Text, Bild & Tonschnitt: Anna Zirr