Einblicke

Als Redak­tion haben wir einen Blick hinter die Projekte geworfen. In unseren kurzen Einbli­cken werden einzelne Kurse detail­liert beleuchtet und vorge­stellt und Projekt-Präsen­ta­tionen zusammengefasst.

Wie kann man es noch leichter sagen? Theater, einfache Sprache und kriti­sche Reflexionen

Grafik: Hoa Nguyen, Fachschaft Philosophie
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VON VALENTIN BRENDLER

Hildes­heim. – Sich klar auszu­drü­cken ist nicht leicht. Viel­leicht ist es sogar schwerer, als in super­kom­pli­zierten, sehr langen Sätzen einen Sach­ver­halt darzu­stellen. Dem versucht momentan das Projekt­se­mes­ter­se­minar „Brid­ging the Mind(z) – Theater, leichte Sprache und seine kriti­schen Freund*innen“, bestehend aus 10 Studie­renden und den Dozie­renden Steven Solbrig und Isabel Schwenk, auf den Grund zu gehen. Neben der kriti­schen Arbeit zum Thema inklu­siver Thea­ter­ar­beit und der Rolle von Leichter Sprache in künst­le­ri­schen Prozessen soll auch noch eine Insze­nie­rung mit der Thea­ter­gruppe „Theater in Leichter Sprache“ des tfn (Theater für Nieder­sachsen) entstehen, in welcher neben zwei Studie­renden vor allem Menschen mit Lern­schwäche spielen.

Also gibt es gleich zwei Aufgaben: Einer­seits ein Thea­ter­stück auf die Beine zu stellen und ande­rer­seits die Reflek­tion dieser Arbeit. So haben sich die zehn Studie­renden in zwei fünfer Konstel­la­tionen aufge­teilt. Die „Szeni­schen Freund*innen“ bereiten die gemein­samen Proben vor und erar­beiten somit auch die Werk­schau, während die „Kriti­schen Freund*innen“ dies in Proto­kollen, Gesprä­chen, Beob­ach­tungen kritisch hinter­fragen, reflek­tieren und archivieren.

„Wir wollten nicht selbst Szenen mitbringen und diese dann nur vorsetzen“, meinte Moritz Waldthaler, welcher Teil der „Szeni­schen Freund*innen“ ist. Statt­dessen sollte die Thea­ter­gruppe „Theater in Leichte Sprache“ selbst ein Stück erar­beiten. Zuerst gab es eine Übung, bei der die Gruppe Stand­bilder erstellte, beschrieb er. Danach wurden aus diesen Schlag­worten Asso­zia­tionen gesam­melt, die den Betei­ligten einge­fallen sind. Basie­rend auf diesen Asso­zia­tionen und Schlag­worten rund um das Thema „Lücke“ sind dann Szenen und Texte entstanden. „Ein paar Szenen stehen schon“, erklärt Waldthaler. Am 8. Juni ist bereits die Präsen­ta­tion auf der Probe­bühne des tfn. Diese wird jedoch nur für die Verwandten und Freunde der Betei­ligten sein und nicht öffentlich.

Außerdem werden auch Plätze für die „Thea­ter­freun­dinnen“ reser­viert sein. Das ist eine Gruppe aus zehn bis zwölf Personen mit Lern­schwie­rig­keiten, welche in der Lebens­hilfe arbeiten. Diese ist rein rezep­to­risch tätigt. Also einfa­cher gesagt: Sie schauen sich teil­weise den Prozess und vor allem die Werk­schau an und sagen, was ihr Eindruck ist. Beson­ders inter­es­siert daran sind dann wiederum die „Kriti­schen Freund*innen“, wie der Studie­rende und Grup­pen­mit­glied Tamino Wein­gärtner erklärte. Denn der Auftritt ist zwar ein Höhe­punkt des Projektes, die gemein­same Beant­wor­tung der verschie­denen Forschungs­fragen beginnt aller­dings erst danach. Funk­tio­niert die Werk­schau? (Über)trägt sich die Leichte Sprache? Ist sie hinsicht­lich ihrer Barrie­re­frei­heit geprüft? Was sagen die „Thea­ter­freun­dinnen“ der Lebens­hilfe dazu?

Am Ende soll aus dieser kriti­schen Arbeit eine Publi­ka­tion entstehen. „Damit Menschen, die Theater machen, von unseren Eindrü­cken und Erfah­rungen profi­tieren können“, erklärt Wein­gärtner. Dafür müssen jedoch jede Menge Proto­kolle, Notizen und Refle­xionen zusam­men­ge­tragen werden. „Wir doku­men­tieren alles“, erklärte er. Die Publi­ka­tion wird Ende des Semes­ters erscheinen – es bleibt also span­nend.

 

Lücken hören 

Grafik: Hoa Nguyen, Fachschaft Philosophie
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Von Alina Tonn

Nicht Film, sondern Audio ab! hieß es bei dem Projekt „Lücken hören“: Kurz vor dem Finale des Projekt­se­mes­ters traf sich die Gruppe mit acht Test­hö­renden für eine Gene­ral­probe ihres Audiow­alks vor der Kultur­fa­brik Löseke. Nachdem dieje­nigen versorgt waren, die Smart­phone oder Kopf­hörer vergessen hatten, ging es auch schon los – auf eins, zwei, drei wurde der Play-Button gedrückt und wir star­teten einen Spazier­gang durch Hildes­heim, der uns die Gegend rund um den Mari­en­friedhof aus einer ganz neuen Perspek­tive zeigte.

Dem Thema „Lücken“ nähert sich das Projekt hierbei auf eine subtile Art und Weise. So erzählte eine Teil­neh­merin, dass es in dem Audiowalk viel um Kontraste gehe, die während des Spazier­gangs beleuchtet würden.

Zu den ersten Ideen bezüg­lich des Konzepts berich­tete eine Teil­neh­merin, dass das Projekt — nach einem Input der Künst­lerin Verena Ries über die viel­fäl­tigen Möglich­keiten des Formats — rasch Vorstel­lungen entwi­ckelte, wie der eigene Audiowalk aussehen soll: „Wir wussten ziem­lich schnell, was wir nicht wollen.“ Gemeint ist eine sehr klas­si­sche Stadtführung.

Statt­dessen ist das Ergebnis ein atmo­sphä­ri­scher Spazier­gang, der alle Sinne anspricht und die Hörenden gewis­ser­maßen in eine andere Welt eintau­chen lässt.

Zum Arbeits­pro­zess erzählte eine weitere Teil­neh­merin, dass dieser von „viel Auspro­bieren und Verwerfen“ geprägt gewesen sei. Beispiels­weise sei ursprüng­lich ein ganz anderer Weg durch die gesamte Stadt geplant gewesen, der dann jedoch redu­ziert worden sei, um beispiels­weise Hinder­nisse wie Ampeln zu umgehen – denn der Audiowalk ist zeit­lich sehr fein auf die Umge­bung abgestimmt.

Nach dem Test-Walk gab es eine Feed­back­runde, in der von den Test­hö­renden fast durchweg posi­tive Rück­mel­dungen zu hören waren. Ledig­lich ein Fein­schliff muss noch erfolgen, damit das Ergebnis in der Präsen­ta­ti­ons­woche gezeigt werden kann. Das Projekt wird am 09.07. und am 14.07. jeweils drei Durch­läufe anbieten, bei denen der Audiowalk erlebt werden kann. Hierfür ist eine Anmel­dung erfor­der­lich. Außerdem müssen Kopf­hörer und ein inter­net­fä­higes Smart­phone mitge­bracht werden.

 

 

 

 

 

Wenn der Semi­nar­raum zum Foto­labor wird

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Von Alina Tonn

Es war ein wolken­loser, warmer Sommer­abend, als das Projekt „the photo­gra­phic gap“ in die Molt­ke­straße einlud. Die Fenster waren verdun­kelt, die Chemie stand bereit, Getränke wurden kalt gestellt und das Buffet eröffnet – dem Start der zweiten Hildes­heimer Dunkel­kam­mer­nacht stand also nichts mehr im Weg!

Während im Garten hinter der Fazze, der Fahr­rad­selbst­hil­fe­werk­statt, bereits die ersten Fotos entstanden, wurde auch im Semi­nar­raum, der heute zum Foto­labor wurde, und in der eigent­li­chen Dunkel­kammer an den künst­le­ri­schen Projekten gear­beitet.
Anknüp­fend an die Arbeiten der Künst­lerin Sophie Thun, die gemeinsam mit Dr. Torsten Scheid und Christin Müller das Projekt leitet, erfor­schen die Studie­renden im Projekt „the photo­gra­phic gap“ die Lücke zwischen der Kame­ra­fo­to­grafie und kame­ra­losen Tech­niken, wie zum Beispiel dem Foto­gramm, bei welchem der Schatten eines Objekts abge­bildet wird.

Neben der Arbeit an der eigenen künst­le­ri­schen Forschung unter­stützten die Projektteilnehmer*innen bei der Dunkel­kam­mer­nacht Besucher*innen beim Anfer­tigen foto­gra­fi­scher Versuche. So konnten Pflanzen-Foto­gramme mittels des Cyano­typie erstellt werden – ein foto­gra­fi­sches Verfahren, das aus den 1840er Jahren stammt. Durch Licht­ein­wir­kung auf das beschich­tete Papier und das Entwi­ckeln in Wasser entstehen hierbei die charak­te­ris­ti­schen blau-weißen Bilder.
Auch Spiegel-Selfies wurden gemacht – aber heute mal anders: Mit einer Groß­for­mat­ka­mera konnten Besucher*innen vor einem Spiegel, der im Garten aufge­baut war, Selbst­por­träts anfer­tigen, die dann im nächsten Schritt im Labor entwi­ckelt und anschlie­ßend in Posi­tive umge­wan­delt wurden. Projekt­teil­neh­mende Nina erklärte, dass diese Station direkt an ihr Forschungs­pro­jekt anknüpft, in welchem sie sich mit eben solchen Selbst­por­träts beschäf­tigt. Heute gab sie jedoch den Auslöser aus der Hand und ließ sich von anderen Besucher*innen vor dem Spiegel plat­zieren und ablichten. Damit machte sie eine neue Ebene in diesem ohnehin so konstru­ierten Genre auf.

Als die Sonne allmäh­lich hinter den Dächern der Oststadt verschwand und es im Garten zu dunkel für Cyano­typie und Groß­for­mat­ka­mera wurde, stand dann eher die eigene Forschung der Teil­neh­menden und das gesel­lige Mitein­ander im Fokus.
Die Ergeb­nisse und Zwischen­stände zeigt das Projekt am Ende des Semes­ters in einer Ausstel­lung. Es bleibt also span­nend, was bis dahin noch in der Molt­ke­straße entstehen wird.

Veran­stal­tungs­tipp: Die Ausstel­lung mit den Arbeiten von Sophie Thun, an die das Projekt anknüpft, ist noch bis zum 17. Juli 2022 im Kunst­verein in Hildes­heim zu sehen.

Ein Dorf schreiben

Grafik: ASSITEJ e.V.
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Von Tilman Rasmus Busch

Wallen­s­tedt. – Es hat ange­nehme 23 Grad im Schatten und ein laues Lüft­chen lässt die Blätter der alten Linde rascheln. Unter der alten Linde, im Garten des Brun­not­teschen Hofes, sitzen die Studie­renden des Projektes „Hohle Grund 2 – Ein Dorf schreiben“ und disku­tieren fleißig über eigene Texte, die im Laufe des Semes­ters entstanden sind. Der Brun­not­te­sche Hof ist eines der ältesten erhal­tenen Fach­werk­bau­ern­häuser in Südnie­der­sachsen und steht mitten in Wallen­s­tedt. Das Knapp-300-Seelen-Dorf liegt ca. 20 km südwest­lich von Hildes­heim und feiert 2022 sein 1000-jähriges Jubi­läum. Im Zuge dieses Geburts­tages haben die Wallenstedter*innen Studie­rende des Kultur­campus einge­laden, die Aufgaben des*der Stadtschreiber*in neu auszu­ge­stalten und eine indi­vi­du­elle Dorf­chronik zu verfassen.
„Die Dorf­ge­mein­schaft hat uns mit offenen Armen empfangen, wir hatten zahl­reiche inten­sive und produk­tive Begeg­nungen, und über soziale und histo­ri­sche Themen wurde ganz offen mit uns disku­tiert“, sagt Annette Pehnt, die das Projekt zusammen mit Guido Graf leitet. Diese Gast­freund­schaft der Wallenstedter*innen, die Recher­che­lust und die künst­le­ri­schen Bestre­bungen der Studie­renden haben unter­schied­lichste Annä­he­rungen an Wallen­s­tedt ermög­licht und werden in einer Buch­pu­bli­ka­tion kreativ mani­fes­tiert. Zwar stand der lite­ra­ri­sche Schaf­fens­pro­zess für die meisten entstan­denen Werke im Vorder­grund, dennoch wurde sich nicht nur auf das geschrie­bene Wort beschränkt. So sind neben zahl­rei­chen Texten, auch Collagen, eine Graphic Novel und sogar ein Film über die Arbeit der Studie­renden entstanden. Am 20. Juli sollen all diese Erzeug­nisse in Wallen­s­tedt einer inter­es­sierten Öffent­lich­keit vorge­stellt werden. Die Teilnehmer*innen des Projektes orga­ni­sieren zusammen mit den Dorfbewohner*innen einen „bunten Abend“, mit Lesungen, Ausstel­lungen, Film­vor­füh­rung und Gesprächs­runden über die gemein­same Zeit im Dorf.

Zwei Gruppen + zwei Tage die Woche = fünf Tage Ausstel­lung auf der Documenta

Grafik: Hoa Nguyen, Fachschaft Philosophie
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Von Valentin Brendler

Hildes­heim. – Am vergan­genen Donnerstag, 16. Juni, wurden direkt im Herzen der Domäne im Raum 002 des Hauses 31 die letzten Über­le­gungen des Projekt­se­mes­ter­kurses „Surplus, oder 2+2=7“ notiert, die letzten Konzepte fein­po­liert und die endgül­tigen Drucke fertig­ge­stellt. Eine gewisse Priese Stress war laut der Teil­neh­merin Mirna Schip­pers auch mit dabei, denn am Abend „müssen wir die fertigen Bilder hier liegen haben“, wie sie am Mittag berich­tete. Schließ­lich werden die Drucke am Donnerstag nächste Woche, 23. Juni, nach Kassel gebracht.
Dort werden sie dann auf der großen, bekannten Docu­menta ausge­stellt werden. In den Schau­fens­tern einer kleinen Galerie „Print+Rahmen“ werden sie ab dem 23. Juni in der Straße „Königstor 52“ in Kassel für fünf Tage zu finden sein. Man wird auch die Kursteilnehmer*innen und den Lehr­be­auf­tragten Martin Dege auf der Messe finden können.
„Wir über­nachten dort in einer Kommune, in einem Grup­pen­raum“, berichtet Dege. Deswegen müssen die Studie­renden auch alle Schlaf­säcke einpa­cken. „Das entspricht dem Grup­pen­ge­danken“, glaubt Dege, außerdem, was viel schwerer wiegt: „kostet es nur 18 Euro pro Person, pro Nacht.“ In der Docu­menta Woche in Kassel ein unschlag­bares Angebot.
Der Höhe­punkt wird aber die eigene Ausstel­lung sein. „Viele Künstler*innen kämpfen um Ausstel­lungs­plätze“, weiß Schip­pers. „Ich glaube, es ist eine super­coole Möglich­keit“.
Ausge­stellt wird unter einem Grup­pen­namen, der wahr­schein­lich entweder „Mind The Gap“ oder „Surplus, oder 2+2=7“ lauten wird. Die Bilder sind in zwei Gruppen entstanden. Eine Gruppe unter dem Motto „Kitsch“ und eine unter dem Motto „Home And Society“, wobei beide unter dem Über­thema „Kapi­ta­lismus“ stehen. Alle mussten einen Druck herstellen. „Dabei hatten alle verschie­dene Motive, von Feen­glitzer, über Torten bis zu Renais­sance­bil­dern“, berichtet die Studie­rende. Daraufhin wurden immer drei Motive zusam­men­ge­packt, welche am besten alle in unter­schied­li­chen Farben waren: Diese bilden nun ein Werk. Die Bilder werden mit einer sehr kompli­zierten Aqua­tin­ta­technik herge­stellt, wobei, sehr grob verkürzt, durch Säure Farben in den Druck geätzt werden.

 

„Erschüt­tert“ von Robinson Crusoe und trotzdem kommt das Stück auf die Bühne

Grafik: ASSITEJ e.V.
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Von der Redaktion

"Freitag"/Robinson“ ist ein Thea­ter­pro­jekt, das sich mit dem Roman Robinson Crusoe von Daniel Defoe aus dem Jahr 1719 ausein­an­der­setzt. Ein mitt­ler­weile sehr alter Roman, welcher jedoch in der Popkultur weiter Beach­tung erhält. In diesem Projekt­se­mes­ter­kurs steht die eine Frage an erster Stelle: Wie geht man mit solch einem kontro­versem Buch um?
Die meisten der neun Projektteilnehmer*innen hatten schon einmal von Robinson Crusoe gehört. Gelesen hatte den Roman bis dahin noch keine*r. Das Zentrum der Recher­chen ist eine Figur, die der schiff­brü­chige Robinson Crusoe „Freitag“ nennt. Robinson ist auf einer einsamen Insel gestrandet, die im weiteren Verlauf der Hand­lung des Romans auch Ort des Kontakts dieser beiden Figuren ist. Der Kontakt und die Bezie­hung zwischen ihnen wird von den Kurs­teil­neh­mern als exem­pla­ri­sche Kolo­nia­li­sie­rung gelesen und finden nicht auf einer Augen­höhe statt. „Nach der Lektüre waren wir erschüt­tert wie viel kolo­niales Gedan­kengut dieser Roman enthält und dass dieses in aktu­ellen Bear­bei­tungen des Stoffes oft einfach entschärft, oder repro­du­ziert wird“, berichtet der Kurs.
Dementspre­chend führte die Teil­nehmer ein Teil ihrer Recher­che­reise zu unter­schied­lichsten Bear­bei­tungen des Romans. Dazu gehören Bücher, Filme, Computer- und Brett­spiele, Survival-Vloggs und touris­ti­sche Ange­bote. Um diese kritisch zu hinter­fragen, beschäf­tigten sich die Studie­renden unter anderem mit post­ko­lo­nialer Theorie, kriti­schen Stimmen aus der Entste­hungs­zeit des Romans und auch ausführ­lich mit dem Bild der Natur in der Geschichte, welche von Crusoe auch kolo­nia­li­siert wird.
Die großen Fragen sind: Wie geht man mit dieser Roman­figur um, die nur aus der Perspek­tive Robin­sons erzählt wird? Wie kann man sie auf die Bühne bringen ohne die kolo­niale Gewalt des Romans zu repro­du­zieren?
Ziel ist es eine gemein­same Perfor­mance mit dem Titel '“TitelkommtFreitag.docx'' auf die Bühne zubringen. Diese wird am 8. Juli um 20.00 Uhr im Burg­theater Premiere feiern. Bis dahin wird der Kurs bereits erar­bei­tete Szenen ausar­beiten und noch offene szeni­sche Ideen austesten. Geplant sind außerdem weitere Proben auf der Bühne, das Ausge­stalten des Bühnen­bilds, das Fest­legen von Abläufen und die Klärung tech­ni­scher Fragen.

…in between…

Grafik: Hoa Nguyen, Fachschaft Philosophie
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Von Alina Tonn

Die Mittags­pause ist gerade vorbei. Als die Tür des Semi­nar­raums aufschwingt, sind direkt Studie­rende zu sehen, die zu einem rhyth­mi­schen Beat tanzen.

Wir befinden uns hier bei einer Probe des Projekts „…inbet­ween…“, das unter der Leitung von Jan Hellwig die Lücke der Impro­vi­sa­tions-Musik erforscht. Das Projekt arbeitet hierbei als Kollektiv – Ideen werden in die Runde gebracht, mit allen gemeinsam disku­tiert, weiter gesponnen und verworfen.

„Es geht darum, den Konflikt zu suchen“, sagt eine teil­neh­mende Person, worauf eine andere lachend „Das können wir gut!“ antwortet. Zwischen den Reibungen, die bei der Kollek­tiv­ar­beit entstehen, und trotz der großen Unter­schiede zwischen den Teil­neh­menden, habe sich jedoch schnell heraus­kris­tal­li­siert, dass es einen roten Faden gibt, der die Gruppe immer wieder zusam­men­bringt: das gemein­same Musi­zieren. In Impro­vi­sa­tions-Sessions finden die Teil­neh­menden wieder zuein­ander und hören einander beson­ders aufmerksam zu. „Wir werden wieder klarer“, sagt eine teil­neh­mende Person hierzu. Die „Flucht in die Musik“ kann aber auch durchaus kritisch betrachtet werden. So entgegnet eine teil­neh­mende Person, dass durch das Musi­zieren, auf das immer Verlass war, Konflikte auch teils unaus­ge­spro­chen blieben, obwohl es hier ein konkretes Benennen gebraucht hätte.

Dennoch hat das Impro­vi­sieren, das für manche hinsicht­lich der Größe der Gruppe eine neue Erfah­rung war, den Studie­renden viele posi­tive Erkennt­nisse gebracht. So schil­dert eine Person, dass sie durch die Impro­vi­sa­tion wieder zurück zur Musik gefunden habe. Eine andere sagt, dass sie mit dem Impro­vi­sieren das eigene Musik­in­stru­ment noch einmal ganz neu kennen­ge­lernt habe. Außerdem habe die Gruppe durch das viele gemein­same Musi­zieren bereits einen eigenen Klang entwickelt.

Diese gemein­same musi­ka­li­sche Errun­gen­schaft präsen­tiert das Projekt in der Präsen­ta­ti­ons­woche in vier „Multi­me­dialen Impro Perfor­mances“ an verschie­denen Orten, die gezielt ausge­wählt wurden und in Kontrast zuein­ander stehen. Hierbei wird die jewei­lige Impro-Session an jedem Ort neu gedacht und medial von einer Video­in­stal­la­tion begleitet, auch die hat das Projekt erarbeitet.

 

Den Zeit­sprung filmen: Rückblicke

Grafik: Hoa Nguyen, Fachschaft Philosophie
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Von Marci Friebe und Anna Küper

Hinter der Blende verbergen sich komplexe Geschichten über das Jetzt und Früher, über verges­sene Erzäh­lungen und verbor­gene Momente, die unsere Zukunft verän­dern könnten. Als Zeit­rei­sende haben die Teil­neh­menden des Projekt­se­mi­nars „Den Zeit­sprung filmen: Rück­blicke“ den Blick durch das Objektiv gewagt. So entstehen im Sommer­se­mester 2022 fünf Kurz­filme, die sich auf unter­schied­liche Weise mit der Frage beschäf­tigen, wie Zeit­lich­keit und ihre Lücken filmisch bear­beitet werden können. Auf dem Kultur­praxis Blog geben die Studie­renden Einblicke in ihre aktu­ellen Arbeits­stände und teilen Moment­auf­nahmen in Wort und Bild; ein kurzer Moment des Einhal­tens, des Fest­hal­tens, ehe die (Vorlesungs-)zeit weiterläuft.

Franka Szagun, Nina Isaacs, Jacob Voges: »memory cards«

Wie erin­nerst du? Erin­nerst du wie ich? Wie sehen Erin­ne­rungen aus? In unserer kollek­tiven Arbeit versu­chen wir uns diesen Fragen anhand von Inter­views und Found-Footage-Mate­rial zu nähern. Es wird nach Verknüp­fungen, Fehlern und Verschrän­kungen in unseren Erin­ne­rungen sowie im Bild- und Video­ma­te­rial gesucht, es inspi­ziert und infrage gestellt. Ziel ist es, das Gefun­dene in einem inter­sub­jek­tiven Erin­ne­rungs­strom zu verbinden, um eine mögliche Form und einen mögli­chen Ablauf einer Erin­ne­rung zu visualisieren.

 

Felix Bartsch: »Peter und dein Papa kennen die noch«

Der Schul­flur, die Bäckerei im Dorf, das erste Auto: Wie hat es an diesen Orten gero­chen und welche Erin­ne­rungen kommen dir bei diesen Gerü­chen noch? Ausge­hend von den Geschichten meiner Groß­mutter werde ich mich inner­halb des Projektes mit der Frage beschäf­tigen, wie bestimmte Faktoren unser Erin­nern beein­flussen. In einem Inter­view werde ich mit ihr in ihre Kind­heit und die Flucht von Polen nach Deutsch­land zur Zeit des Zweiten Welt­krieges und danach eintau­chen. Dabei wird es um die kleinen Dinge gehen, die unser Erin­nern prägen. Woran erin­nert man sich gern und was vergisst man lieber?

 

Anton Pfundt: »Mauer­fall | Wiedervereinigung«

Ich möchte in meinem Projekt die Zeit zwischen dem Mauer­fall und der Wieder­ver­ei­ni­gung in
Ostbran­den­burg anhand von Indi­vi­du­ellen Erfah­rungen darstellen. Dazu inter­viewe ich meine Eltern. Mein Vater hat zu der Zeit noch in Ostdeutsch­land gewohnt und als Kran­fahrer im EKO Stahl­werk gear­beitet, während meine Mutter bereits in den Westen ausge­wan­dert war. Als erstes führe ich das Inter­view, das ich anhand eigener Fragen und Bild­ma­te­rial von meinen Eltern struk­tu­riere. Danach suche ich Archiv­ma­te­rial zu den erwähnten histo­ri­schen Ereig­nissen heraus, um die Erzäh­lungen zu unter­malen. Wenn ich es zeit­lich schaffe, möchte ich die Orte filmen, die im Inter­view erwähnt werden.

 

Jana Schütze: Will Remember

„Was hast du vergessen?“
„Ich weiß es nicht, aber ich weiß, dass ich vergessen habe.“

Die Dinge, die heute noch untrennbar zu meinem Jetzt gehören, werden sich im Lauf der Zeit von mir lösen. Ich werde vergessen haben. Also beginne ich damit, im Jetzt, einen Teil, den hörbaren einzu­fangen. Gegen das Vergessen, das sowieso passiert. Für das Erin­nern, das zumin­dest unter­stützt werden kann: Will Remember, ein räum­lich-akus­ti­sches Film­por­trät eines Zuhauses.

 

Paris Scholtz: »Morgen steht in den Sternen«

Von einer Stern­warte aus beob­achtet kreis­kunst die eigene Zeit. kreis­kunst sucht danach, Zeit greifbar, messbar, verortbar zu machen und steht schließ­lich wieder am Anfang. In einer auf digi­talem Zellu­loid gebrannten Reise zwischen Mond- und Sonnen­linie erin­nert kreis­kunst die Zukunft. Während die Cloud den Blick zu verne­beln droht, schaut kreis­kunst Licht­jahre in die Vergan­gen­heit. Immer in der Hoff­nung, dort dieses fragile Mate­rial zu finden, aus dem das Morgen gemacht sein könnte.

Verfalle ich dem Wunsch, nach dem Tod etwas zu hinter­lassen — ein Wunsch, der genauso mensch­lich ist, wie die Zerstö­rungswut, mit der die humane Hybris um sich greift?