ein musikalisches Abenteuer für Groß und Klein: Student*innen werden zu rostigen Ritter*innen
An einem ganz normalen Abend, in einer (fast) ganz normalen WG entsteht eine Idee, von der keine*r der Beteiligten ahnt, wie große Wellen sie schlagen wird. Als einige Studierende gemeinsam in Kindheitserinnerungen schwelgen, sind sich schnell alle einig: Ritter Rost war ein nicht unwesentlicher Teil ihre Kindheit. Folglich lässt diese Erkenntnis nur eine Möglichkeit für die Studierenden offen – Ritter Rost soll auf die Bühne gebracht werden!
Doch wie lässt sich die Kindererzählungen für alle Altersklassen interessant gestalten? Und wie kann man so ein Projekt neben dem Unialltag realisieren? Werfen wir gemeinsam einen Blick hinter die Kulissen.
Aus Nostalgie wird Rostalgie
Um was geht es:
Gemeinsam mit Burgfräulein Bö und dem Drachen Koks lebt der Ritter Rost auf seiner eisernen Burg im Schrottland. Eines Tages bekommt unser Ritter ein Nachricht von der Königin Bleifuß. Ihm soll das Ritterpatent entzogen werden, wenn er das siebte mal in Folge ein Ritterturnier verliert. Daraufhin zieht Ritter Rost gemeinsam mit dem Burgfräulein Bö los, um ein solches Turnier zu organisieren. Währenddessen bleibt der Drache Koks allein zu Haus und hat wie immer nur Blödsinn im Kopf. Koks genießt sein sturmfrei, bis er plötzlich dem Gespenst begegnet.
Ob es dem Ritter Rost gelingt sein Ritterpatent zu erneuern, welchen Unfug der Drache Koks treibt und was es eigentlich mit dem Gespenst auf sich hat, könnt ihr am 03.04. (19 Uhr) zur Premiere, sowie am 12.04. und 14.04. um 15 Uhr im Audimax der Universität Hildesheim erfahren.
Herzlich Willkommen sind insbesondere Kinder und Jugendliche, aber auch alle, die sich gemeinsam mit anderen der Rostalgie hingeben möchten. Bis dahin könnt ihr die Produktion der knapp vierzig Studierenden und ihre Proben auf dem verlinkten Instagram-Profil verfolgen.
Von Castings im November, über Proben im März, bis hin zu einem lustigen Musical: das von Musik- und Theaterstudierenden geplante und aufgeführte Projekt „Rostalgie“ wächst stetig. Durch Mundpropaganda und Aufrufe innerhalb des Domäne-Kosmos finden sich immer mehr Freiwillige, die Teil dieser einzigartigen Produktion sein wollen. Die anfängliche Gruppe der fünf Mitglieder des besagten WG Abends hat sich seit August auf knapp vierzig Personen erweitert. Alle Beteiligten dieses Projektes studieren im Fachbereich II der Kulturwissenschaften und Ästhetischen Kommunikation der Universität Hildesheim. Ob Kulturwissenschaftler*innen, Musiker*innen oder Kunststudent*innen – ein Musical bietet für jeden Studiengang den richtigen Platz.
Für die Hildesheimer*innen ist das Musical die perfekte Möglichkeit im Studium erlernte Qualifikationen am praktischen Beispiel zu üben. Fehler machen ist erlaubt, niemand erwartet Perfektion. Im Endeffekt steht Ausprobieren, Spaß und das gemeinsame meistern von Stresssituationen im Vordergrund.
Das Projekt Rostalgie geht schon längst weit über den universitären Kontext hinaus.
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„Wir wollen Kompetenzen und Expertisen, die wir im Studium erlernen, durch das Projekt weiter verfeinern und verbessern. Gemeinsam wollen wir ein bekanntes Werk auf die Bühne bringen, das unsere Kindheit sehr geprägt hat. In diesem Sinne wollen wir ebenfalls Erinnerungen aus unserer Kindheit weiter vermitteln.“
– die Rostigen Ritter*innen über ihr Projekt
Übrigens: nachdem das Projekt vom Theaterinstitut leider abgelehnt wurde, weil es nicht experimentell genug wäre, wird es nun vom Musikinstitut der Universität Hildesheim unterstützt. Auch wenn das Musikinstitut mit Rat und Tat zur Seite steht, bleibt die Musicalproduktion in studentischer Eigeninitiative.
Nachhaltiger Schrott
Was für den einen Schrott ist, ist für den anderen seine ganze Welt.
Arbeit am Helm des Ritter Rosts.
Die rostigen Ritter*innen haben es sich zum Ziel gesetzt, besonders nachhaltig zu agieren. Für Kleidung wird nach dem eigenen Kleiderschrank der Secondhandmarkt durchforstet. Dann wird genäht, geleimt und gemalt. Jede*r kann sich ausprobieren und frei nach den eigenen Fähigkeiten mitgestalten.
Gemeinsam begeben sich die Mitglieder des Szenografie-Teams auf die Suche nach den nachhaltigen Schnäppchen. Auch die Bühnenteile bestehen überwiegend aus auf der Straße und in Trödelmärkten gefundenen Schätzen, ergänzt durch jede Menge Pappe. Schließlich wird auch das gesamte Bühnenbild in mühevoller Handarbeit vom Szenografie-Team entwickelt.
Um das Musical möglichst Kinderfreundlich zu halten, sollen die Figuren nah am Original gestaltet werden. Alles wird Fantasievoll kinngerecht umgesetzt, um auch bei den geplanten Kindervorstellungen das Publikum zu verzaubern.
Phaedra spielt Koks den Drache.
Doch nicht nur die Szenografie wurde zum Gemeinschaftsprojekt. Weil sich leider keine verantwortliche Person für die Tontechnik gefunden hat, mussten alle mitdenken. Bei einem Musical sicherlich eine besondere Herausforderung die das Team zu meistern hat.
Proben und studieren?
Im Unialltag mit der Nase zwischen all den Büchern hinterlässt die Vorstellung, dass alles irgendwann mal praktisch umsetzen zu müssen, ein mulmiges Bauchgefühl. Bin ich gut genug vorbereitet, um auch in der Welt da draußen Kunst zu machen?
Nina Karina Isaacs, Produktionsleitung und Szenografie.
Frei nach dem Motto „learning by doing“, entwickelt sich das Projekt unter der Leitung von Lina Jung, Lotta Funke, Nina Isaacs, Mirna Schippers und Jannis Kantner. Schritt für Schritt proben sich die rostigen Ritter*innen im Arbeitsalltag und das parallel zu Uni und Nebenjob.
„Ein paar von uns gehen zwischendurch in die [Bibliothek] oder schreiben im Audimax wenn sie gerade Zeit dafür haben“, sagt die Künstlerische Leitung. Lina Jung hat sich in weiser Voraussicht das Semester frei gehalten und sich mit Herz und Seele dem Projekt verschrieben.
Zitat von Mirna Schippers, Produktionsleitung.
„Ich bin sehr stolz darauf, dass wir es aus einer kleinen Gruppe heraus geschafft haben, so viele Menschen zusammenzubringen, die aus reiner Motivation und Freude bei diesem Projekt dabei sind. Außerdem hoffen wir, damit ein gutes Beispiel für zukünftige Projekte zu setzen und zu zeigen, dass auch solche großen Projekt außerhalb der Uni möglich sind und wir damit auch in die Stadt strahlen können.“
– Lina Jung, Künstlerische Leitung
Derzeit ist das Team in der Endprobenwoche und befindet sich von morgens 10 Uhr bis abends 20 Uhr im Audimax zum proben. Auch an Kostüm und Bühnenbild wird der letzte Schliff vorgenommen. Während der Probezeiten gibt es trotz Übermüdung viel zu lachen und auch darüber hinaus sitzen die rostigen Ritter*innen noch gern beisammen.
Seid ihr auch schon so gespannt wie ich?
Ein Beitrag von: Michelle Reimann, veröffentlicht am 10.04.2024