Text von und über
Prof. Dr. Johannes Salim Ismaiel-Wendt

Ich heiße Johannes Salim Ismaiel-Wendt wie es scheint…

Ich werde zwar seit meiner Geburt von allen (auch meinen Eltern) Johannes mit Vornamen genannt, habe aber erst als ich meinen eigenen Personalausweis als Jugendlicher bekam, festgestellt, dass mein offizieller Vorname „Salim“ ist. „Johannes“ steht jetzt als Künstlername in meinem Ausweis.

Damit bin ich Künstler – wie es scheint… Ich bin Musiker – wie es scheint… Seit meiner frühen Jugend bin ich E-Basist und seit über 20 Jahren Percussionist. Ich spiele seit jeher in Bands, habe immer wieder Instrumentalunterricht gehabt und jahrelang selbst unterrichtet. Seit etwa sieben Jahren bin ich allerdings im Sinne des Ursprungs des Amateurbegriffs mit und aus Freude Drum-Machinist.

Meine künstlerische Praxis in den letzten Jahren sehe ich vor allem in Kontexten der Entwicklung von Konzepten mit Bezug auf Musik- und Sound-Aufführungen. Am Haus der Kulturen der Welt in Berlin habe ich in den Jahren 2009-2011 z.B. an der Konzeption eines Projekts mit Namen „Translating HipHop“ gearbeitet.
Zur Zeit versuche ich mich an einem kuratorischen Konzept für ChronUtopische Klanginstallationen für Museen und diverse Perfomances. Ich arbeite an so etwas nie alleine. Nur die wissenschaftliche Arbeit im engeren Sinne, die ich immer auch als ästhetische Praxis verstehe und betreibe, die bestreite ich oft allein. Die Formung von Texten und Vorträgen verstehe ich als intensive ästhetische Praxis und ich versuche immer wieder diverse sinnliche Formen der Erkenntnisgenese und -vermittlung zu finden – z. B. in sogenannten Soundlectures, die eine Art live Mixing und Editing mit MusikmachDingen und Lesung sind.

Seit 2012 bin ich Juniorprofessor für Systematische Musikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Musiksoziologie – wie es scheint… Studiert habe ich Kulturwissenschaft, Soziologie und Musikwissenschaft und auf meiner offiziellen Abschlussurkunde steht „M.A. Kulturwissenschaftler“. Meinen Dr. phil.-Titel habe ich u. a. durch die Betreuung von zwei Literaturwissenschaftler*innen/Amerikanist*innen mit meiner Arbeit über Populäre Musik und Postkoloniale Studien verliehen bekommen. Für mich als Kulturwissenschaftler ist es sehr wichtig, meinen Platz in der Systematischen Musikwissenschaft zu behaupten, weil ich die konzentrierte und ernsthafte Analyse von Klanggeschehen (insbesondere Populärer Musik) mehr in den
Mittelpunkt der (Musik-)Wissenschaft rücken und Methoden dazu aufzeigen möchte. Gleichzeitig ist es wahrscheinlich auch so, dass ich etwas ganz anderes unter Systematischer Musikwissenschaft verstehe, als das traditionell im Fach gemeint wird.

Wie mir scheint, gibt es wohl kaum einen Ort, an dem jemand wie ich besser aufgehoben sein könnte als an der Domäne Marienburg, wo die Verknüpfung aus Theorie und Praxis auf den Fahnen geschrieben steht. Mir scheint dieses Aushängeschild aber auch ein problematisches zu sein, weil wir so vielleicht selbst einen Dualismus „Theorie und Praxis“ reproduzieren, den wir eigentlich hinterfragen. Sicher ist die Bezeichnung „Kulturcampus“ nicht präzise. Es müsste „KulturWissenschaftsCampus“ heißen, sonst wirkt es so, als hätten z. B. die Menschen auf dem Hauptcampus der Universität Hildesheim keine Kultur – und auch dort gibt es selbstverständlich eine ausgeprägte Wissenschaftskultur. Weil die vermeintliche Praxis so attraktiv scheint, lege ich in der Lehre auf der Domäne Marienburg einen besonderen Schwerpunkt auf ausdruckslos scheinende Theorielektüre und -diskussion. Und dann begebe ich mich mit den Studierenden auf die Suche nach der Erotik dieser scheinbar trockenen Materie und wir tasten, schmecken, hören die versteckten Formen in dem, was uns alltäglich kaum mehr auffällt. Ja, wir haben auch schon Theorie gekocht und gegessen, in Jam Sessions erspielt, usw.

Jemandem, die*der sich auf einen Studienplatz im Fachbereich Kulturwissenschaften und ästhetische Kommunikation bewirbt, empfehle ich für die Eignungsprüfung genau das zu reflektieren: Es ist nicht so bedeutsam, wie Sie und womit Sie erscheinen, sondern wissen Sie warum Sie so und mit so etwas erscheinen möchten? Stellen Sie sich vor, Sie sind ein Mitglied der Auswahlkommission: Was würde dieses Mitglied in Ihre Erscheinung hineinhören und hineinlesen können?

 

Dieser Text entstand 2017 im Rahmen eines Newsletters des Fachbereichs 2 – Kulturwissenschaften und Ästhetische Kommunikation – an der Stiftung Universität Hildesheim mit Informationen rund um die Eignungsprüfungen und die Bewerbung in den Bachelorstudiengängen.

Prof. Dr. Johannes Ismaiel-Wendt
Institut für Musik und Musikwissenschaft

Forschungsschwerpunkte
◣ Systematische Musikwissenschaft
◣ Musiksoziologie

Außerdem
Johannes Ismaiel-Wendt ist an der Universität Hildesheim einer der Ansprechpartner für von sexualisierter Belästigung, Diskriminierung und Gewalt Betroffene.

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