Könnten Sie sich den Studierenden vielleicht kurz vorstellen?

Gerne: ich arbeite seit 2011 am Fachbereich und habe hier die Professur für Kulturwissenschaft und Populäre Kultur inne. Ich habe in den neunziger Jahren Kulturpädagogik in Hildesheim studiert, bin auch hier promoviert und hatte dann nach zehn Jahren im sehr sexy aber auch sehr armen Berlin das Glück, auf eine Professur für Deutsche und Europäische Kulturstudien an eine Universität in Norwegen berufen zu werden.

Hildesheim wirbt damit, dass die Verknüpfung aus Theorie und Praxis stark im Fokus stehe, was bedeutet das konkret?

Das bedeutet konkret, dass wir uns in unseren kulturwissenschaftlichen Perspektiven sowohl von der Theorie als auch von der Praxis leiten lassen. Eine Probensituation auf dem Theater, eine Anordnung von Objekten im Raum können zu Fragen führen, die der wissenschaftliche Diskurs noch nicht gestellt hat – oder nicht auf diese Weise stellt. Insofern arbeiten wir in Hildesheim immer auch an unterschiedlichen Arten der Wissenserzeugung.

Wie wichtig ist Ihnen die eigene künstlerische Praxis für die Lehre?

Ästhetische Praxis ist ein wiederkehrender Teil meiner Lehrveranstaltungen: ob in Theorieseminaren mit angeschlossener Praxis, im Projektsemester oder auf Exkursionen, die immer auch einen praktischen Teil beinhalten.

Sind Sie außerhalb der Universität selbst künstlerisch aktiv?

Ich kann ziemlich gut Obstbäume beschneiden.

Mit welchen Projekten sind Sie aktuell künstlerisch aktiv?

Ich konzipiere eine Ausstellung zu den Dingen in der Populären Kultur. Eine Intervention dazu hat bereits stattgefunden: gemeinsam mit einem Seminar haben wir eine laufende ethnologische Ausstellung im Roemer- und Pelizaeus-Museum in Hildesheim um acht Populäre Dinge – zwischen Disco-Kugel und Tamagotchi – erweitert. Die Ausstellung ist im Moment noch zu sehen, glaube ich.

Sind aktuelle Themen für Ihre Projektarbeit relevant?

Es interessiert mich gegenwärtig die Frage, inwieweit symbolische Politik, ein Kernfeld der Kulturwissenschaften, Realpolitik ist, bzw. gerade nicht – und ob wir hier nicht eine gewisse Justierung vornehmen müssten. Unter Umständen verhindert die immer kleinteiligere symbolische Politik genau das, was sie erreichen möchte: Allgemeinheit, Toleranz, Solidarität.

Was ist für Sie das Besondere am Studium an der Domäne aus Sicht des/der Dozent*in?

Das Besondere war schon immer – und bleibt hoffentlich trotz aller notwendigen und überflüssigen Verregelungen – die Freiheit, mit der Sie hier ihr Studium in die Hand nehmen können und müssen.

Wie empfinden Sie die Atmosphäre zwischen Studierenden und Dozentinnen und Dozenten?

Als zugewandt und respektvoll im gegenseitigen Umgang. Als produktiv. Wir sind alle daran interessiert, das Projekt Theorie und Praxis der Kulturwissenschaften weiter zu entwickeln.

Gibt es für Sie einen besonderen Ort an der Domäne?

Nach dem Hochwasser aus dem Sommer 2017 muss ich sagen: alle Orte im ersten Stock und höher.

Welchen Song verbinden Sie mit dem Lehren und Leben auf der Domäne?

Den Titelsong zu Bonanza.

Haben Sie selbst einmal eine Eignungsprüfung machen müssen?

Ja. In einem Büro auf dem Hauptcampus. Ich sang Lieder von Hanns Eisler und die Prüfer haben es ausgehalten.

Haben Sie noch einen Rat für die Bewerberinnen und Bewerber für die Eignungsprüfung?

Thomas Klupp hat in seinem Roman Paradiso einen gar nicht so versteckten Rat gegeben: „Man kann dort wirklich anstellen, was man will – Kresseskulpturen züchten, sich bei der Achselenthaarung filmen oder im Chor die Emails der Exfreundinnen von der Bühne brüllen –, solange man hinterher auch nur drei halbwegs gerade Sätze darüber schreibt, regnet es Punkte wie Frösche in Magnolia“. Ich wünsche viel Vergnügen dabei.

Vielen Dank.

 

Dieses Interview entstand 2019 im Rahmen eines Newsletters des Fachbereichs 2 – Kulturwissenschaften und Ästhetische Kommunikation – an der Stiftung Universität Hildesheim mit Informationen rund um die Eignungsprüfungen und die Bewerbung in den Bachelorstudiengängen.

Prof. Dr. Stefan Krankenhagen
Institut für Medien, Theater und Populäre Kultur, Abteilung Populäre Kultur

Vita

ab 2011: Professor für Kulturwissenschaft mit dem Schwerpunkt Populäre Kultur an der Stiftung Universität Hildesheim

2010: Research Fellowship am Center for Advanced Studies, Ludwig-Maximilians-Universität München.

2005-2011: Associate Professor an der NTNU, Universität in Trondheim, Norwegen. Institut für moderne Fremdsprachen, ver­antwortlich für Deutsche und Europäische Kulturstudien.

2002-2005: Lehrbeauftragter am Institut für Kulturwissenschaft sowie dem Institut für Europäische Ethnologie der Humboldt Universität Berlin.

1998: Fellow am German American Academic Council in Washington, D.C., USA.

1998-2001: Gast am Graduiertenkolleg „Authentizität als Darstellung“ an der Universität Hildesheim.

1997-2001: Promotion mit einer Arbeit zu Darstellungs- und Rezeptionsgeschichte des Holocaust. Universität Hildesheim und Georgetown University, Washington, D.C.

1991-1996: Studium Kulturwissenschaft und Ästhetische Praxis an der Universität Hildesheim.

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