Interview mit Ekaterina Trachsel

Könnten Sie sich den Studierenden vielleicht kurz vorstellen?

Mein Name ist Ekaterina Sophia Trachsel. Ich bin freie Theatermacherin und arbeite seit 2017 als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Hildesheim im Bereich Theater. Ich forsche zwischen Theorie und Praxis und befasse mich hierbei vor allem mit zwei Schwerpunkten: Mit der Produktions- und Rezeptionsästhetik des Verfahrens der (De-)Montage im Theater und mit der theatralen Inszenierung monströser Körper und Ordnungen.

In Hildesheim wird sich die Verknüpfung aus Theorie und Praxis stark auf die Fahne geschrieben, was bedeutet das konkret?

Für mich bedeutet das zum einen, immer wieder praktisch zu überprüfen, zu erforschen und zu befragen, was mich theoretisch interessiert. Und zum anderen: immer wieder von der Bühne, vom Arbeiten als und mit Künstler_innen zurück an den Schreibtisch zu gehen, zu lesen, zu verstehen, in welchem historischen und theoretischen Kontext, man sich gerade bewegt mit der eigenen künstlerischen Arbeit. Die Verknüpfung von Theorie und Praxis ist nicht nur ein „Spruch auf unserer Fahne“… Es ist eine ganz besondere Art des Arbeitens und es bedeutet sensibel, wach und neugierig zu bleiben – auch über die Studienjahre hinaus. Es ist eine Arbeitsweise – ja im Grunde sogar eine Haltung gegenüber Welt – und nicht nur eine Studienkonzept.

Wie wichtig ist Ihnen die eigene künstlerische Praxis für die Lehre?

Die künstlerische Praxis ist für mich unverzichtbar.

Sind Sie außerhalb der Universität selbst künstlerisch aktiv?
Mit welchen Projekten sind Sie aktuell künstlerisch aktiv?

Wie schon erwähnt, bin ich selbst Theatermacherin und arbeite derzeit sowohl mit dem in Hildesheim gegründeten Theaterkollektiv VOLL:MILCH als auch mit dem zwischen Berlin, Frankfurt, Niedersachsen und Rotterdam agierenden Künster_innenkollektiv MONSTER CONTROL DISTRICT (www.vollmilch.me). Letzteres arbeitet interdisziplinär und forscht an den Rändern der szenischen Künste. Neben kollektiv erarbeiteten Theaterperformances, bei denen ich u.a. auch selbst auf der Bühne stehe, arbeiten wir derzeit auch an der Entwicklung eines Computerprogramms zur digitalen Notation künstlerischer Montagepraxis und wurden mit unserem Filmessay „air time“ zur Woche der Kritik eingeladen.

Sind aktuelle Themen für Ihre Projektarbeit relevant?

Sowohl für meine wissenschaftliche wie auch für meine künstlerische Arbeit sind aktuelle und vor allem gesellschaftspolitische Themen enorm wichtig. Als Geisteswissenschaftler_innen lernen wir Zusammenhänge differenziert zu analysieren, Fragen zu stellen – auch unbequeme – und über komplexe Themen produktiv ins Gespräch zu kommen. Theaterwissenschaftler_innen sind unter anderem Spezialist_innen darin, Inszenierungen und Aufführungen zu beschreiben und differenziert zu analysieren. Dies sind Fähigkeiten, die uns in allen möglichen Bereichen des Alltags weiter helfen und anhand derer wir auch Einfluss nehmen können: Indem wir präzise beschreiben, Inszenierungsstrategien erkennen und diese forschend befragen und kritisch durchleuchten, pflegen wir eine Praxis, die heutzutage immer wichtiger wird. Wir schauen genauer hin und nehmen uns Zeit, zu differenzieren.

Was ist für Sie das Besondere am Studium an der Domäne aus Sicht des Dozenten?

Mir fällt es schwer, diese Frage zu beantworten: Ich war selbst Studentin hier und nun doziere ich… Meine Erfahrungen als Studentin prägen natürlich meine Wahrnehmung und mein Verhalten als Dozentin. Was ich aber aus beiden Perspektiven besonders finde ist, dass hier Theorie und Praxis auf eine Art zusammengedacht wird, wie ich es noch nirgendwo sonst erlebt habe. Denn hier denken wir nicht nur Theaterwissenschaft mit Theaterpraxis zusammen, sondern auch Medien-, Literatur- und Kunstwissenschaft, Philosophie, Populäre Kultur, Musik und Kulturpolitik… Jede/r Studierende wird hier mit einem je individuellen Profil aus dem Studium herausgehen, weil man viel Raum zum interdisziplinären Studieren erhält. Dies ist einzigartig und erlaubt den Studierenden ein eigenständiges Gestalten ihres Studienprofils und damit auch ihrer (Berufs-)Zukunft in Theorie und Praxis.

Wie empfinden Sie die Atmosphäre zwischen Studierenden und Dozentinnen und Dozenten?

Sehr freundlich und wenig hierarchisch. Anders als an größeren Universitäten, wissen die Dozierenden hier sehr rasch wirklich viele Namen von Studierenden, schauen zahlreiche studentische Projekte, debattieren, diskutieren und reflektieren über gemeinsam gesehenes. Selbstständiges und kritisches Denken ist immer willkommen und die Eigeninitiative wird sehr hoch geschätzt an unserem Campus. Die Studierenden gestalten unsere Studiengänge laufend mit.
Das heißt, Sie fühlen sich hier wohl?
Ja! Sonst wäre ich nicht geblieben nach meinem Studium!

Gibt es für Sie einen besonderen Ort an der Domäne?

Die Domäne an sich ist ein besonderer Ort. Vor allem im Sommer… Ein magischer Ort mit magischen Torten… Im Winter sitze ich am liebsten drüben in der Literatur am schönen Kamin vor dem „blauen Salon“.

Welchen Song verbinden Sie mit dem Lehren und Leben auf der Domäne?

Einen Song, den Kommilitonen von mir vor vielen Jahren selbst gedichtet haben – einen Song über Itzum… Er wurde nie aufgenommen – er kann nur von Mund zu Mund weiter gegeben werden. Er ist toll!

Haben Sie selbst einmal eine Eignungsprüfung machen müssen?

Ja – unter anderem hier in Hildesheim! Ich habe selbst Szenische Künste im Bachelor und später den Master Inszenierung der Künste und der Medien studiert… Eine Dramaturgin des Theaters an dem ich vor meinem Studium angestellt war, riet mir, einen Schnaps einzupacken für danach. Ich hatte nämlich am selben Tag die Aufnahmeprüfung in Hildesheim und Gießen! Ich war froh um den Schnaps… Aufnahmeprüfungen sind immer furchtbar!

Haben Sie noch einen Rat für die Bewerberinnen und Bewerber für die Eignungsprüfung?

Es geht nicht darum, was Sie uns zeigen! Es geht darum, wie wir gemeinsam darüber sprechen können. Und es geht darum, dass Sie sich ernsthaft Gedanken darüber gemacht haben, warum Sie an unserer Universität studieren möchten. Warum Sie neben der Praxis die Theorie reizt – oder umgekehrt. Ich selbst möchte bei Aufnahmeprüfungen immer gerne sehen, dass Sie zumindest ahnen, was auf Sie zukommt und dass Sie gute Gründe dafür haben, sich bei uns zu bewerben. Als Vorbereitung gehen Sie auch mal in Aufführungen jenseits der Stadt- und Staatstheater, schauen Sie mehr als sonst! Gehen Sie auch mal in Tanzstücke, in Performances und in Filme, die nicht in den großen Kinos laufen. Fordern Sie Ihre eigenen Sehgewohnheiten heraus! Und fragen Sie sich in der Vorbereitung auf die Aufnahmeprüfung, was Sie daran „aufregend“ fanden, was inspirierend, was verwirrend, toll, furchtbar, glänzend… Befragen Sie ihre eigenen Beschreibungskategorien und erweitern Sie ihren Horizont! Und last but not least: Überlegen Sie, ob Sie auch Fragen an uns haben. Denn auch dafür die ist die Aufnahmeprüfung da: auch Sie müssen entscheiden, ob Sie hierher zu uns möchten oder nicht. Wir freuen uns darauf, Sie kennen zu lernen!

Ekaterina Trachsel
Institut für Theater – Medien und Populäre Kultur

Forschungsschwerpunkte
◣ Forschung zwischen Theorie und Praxis
◣ Produktions- und Rezeptionsästhetik des Verfahrens der (De-)Montage im Theater
◣ Theatrale Inszenierung monströser Körper und Ordnungen

Außerdem
Johannes Ismaiel-Wendt ist an der Universität Hildesheim einer der Ansprechpartner für von sexualisierter Belästigung, Diskriminierung und Gewalt Betroffene.

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