Interview mit DR. ALAN FABIAN

Könnten Sie sich den Studierenden vielleicht kurz vorstellen?

Seit 2011 bin ich als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Musik und Musikwissenschaft angestellt und dort zuständig für den Bereich Musik und Medien. Kurz vorher hatte ich den Promotionsstudiengang der Musikhochschule in Köln mit einer musik- und medienwissenschatlichen Doktorarbeit zur Computermusik der 1950/60er Jahre abgeschlossen. In den 1990er und 0er Jahren habe ich die Studiengänge Instrumentalkomposition an der Musikhochschule in Würzburg und Elektronische Komposition an der Musikhochschule in Köln abgeschlossen, an der Musikhochschule in Den Haag/Niederlande und Paris Computermusik studiert und dann bis Mitte der 0er Jahre als Komponist gearbeitet. Da habe ich vor Allem Live-Elektronische Musiken auf die Bühne komponiert, u.a. Verschiedenes beim Ensemble Modern in Frankfurt a. M.

Hildesheim wirbt damit, dass die Verknüpfung aus Theorie und Praxis stark im Fokus stehe, was bedeutet das konkret?

In den kulturwissenschaftlichen Fächern geht es zumeist um ästhetische Gegenstände, d.h. um solche, die mit ganz bestimmten kulturell eingeübten Wahrnehmungsformen unserer Sinne zu tun haben. Am Beispiel von Musik: Wann Klang Musik ist oder nicht, ist abhängig von kulturellen Bedingtheiten. Erforschen lassen sich diese Bedingtheiten dann aber nicht nur vor dem Hintergrund kulturwissenschaftlicher Theorien, sondern auch mit dem Wissen darum, was Musikmachen bedeutet. Und da kommt die äshetische Praxis als eigene Erfahrung dazu.

Wie wichtig ist Ihnen die eigene künstlerische Praxis für die Lehre?

Ganz entscheidend wichtig! Ohne zu wissen, was es bedeutet, Musik zu machen, ohne zu wissen, wie sich das anfühlt selber musikalische Töne und Sounds zu erfinden hätte ich gar kein Interesse an Musik- und Medienwissenschaft. Dazu kommt, dass ich zu musikmedialen Praktiken in der elektronischen Musik forsche und lehre, das würde gar nicht gehen, ohne das selber praktisch nachvollziehen zu können.

Sind Sie außerhalb der Universität selbst künstlerisch aktiv?

Ja klar! “Alle Jahre wieder, wenn die großen Semesterferien kommen…” Leider habe ich zum Komponieren im Moment nur wenig Zeit, aber wenn, dann gibt es immer auch eine Aufführung. Auch Klavier und Posaune würde ich gerne regelmäßiger spielen, das geht aber im Moment zeitlich einfach nicht.

Mit welchen Projekten sind Sie aktuell künstlerisch aktiv?

Zur Zeit interessiere ich mich für Möglichkeiten interaktive Musikapps zu programmieren, die musikalische Klänge in Echtzeit generieren…

Sind aktuelle Themen für Ihre Projektarbeit relevant?

In meinen Foschungsansätzen geht es verstärkt um Machtverhhältnisse in Bezug auf symbolische, analoge und digitale Musikmedien (Musiknotation, Synthesizer, Musiksoftware, Musik-Apps etc.) in der Musikerfindung und -produktion. Da ich das für aktuell halte, ja.

Was ist für Sie das Besondere am Studium an der Domäne aus Sicht des Dozenten?

Der Ort „Domäne“ und die kulturwissenschaftlichen Studiengänge. Die Domäne, also der Kulturcampus ist ein Idyll, Sommer wie Winter, es ist ein Ort der Muße, hier ist viel Platz für wissenschaftliche Gedanken in Seminaren und hier kann Musik in jeder Form und Lautstärke zu (fast!) jeder Tages- und Nachtzeit gemacht werden. Am Musikinstitut kann man so viele Facetten von Musik studieren, und das praktisch wie wissenschaftlich, d.h. man kann seine wissenschaftlichen Gegenstände in der künstlerischen Praxis selbst erleben. Und dann sind da drumherum auf dem Kulturcampus noch all die anderen Fächer, von Kunst über Theater bis Medien. Wer für das kulturwissenschaftliche Studium nach Hildesheim kommt, fordert sich selbst heraus. Dass die Hildesheimer Uni diese Möglichkeit des sich selbst Herausforderns bieten kann, finde ich ist was ganz Besonderes.

Wie empfinden Sie die Atmosphäre zwischen Studierenden und Dozentinnen und Dozenten?

Jede Dozentin/jeder Dozent hat seine eigene Lehrkultur und kennen tue ich nur meine eigene. Aber grundsätzlich sind die Hierarchien hier flach, die Wege sind kurz, die Zahl der Studierenden in den Lehrveranstaltungen ist überschaubar, so dass ich auf die Fragen und Wünsche der Studierenden individuell eingehen kann; das finde ich vor Allem für die Betreuung von Studienabschlussarbeiten ganz wichtig.

Gibt es für Sie einen besonderen Ort an der Domäne?

Meinen Schreibtischplatz im Büro. Dort habe ich einen schönen Ausblick auf den Park, und das ist der Ort, an dem ich mit Studierenden und Kollegen im Gespräch bin, und dort sortiere ich mich und meine Kabel vor und nach den Lehrveranstaltungen…

Welchen Song verbinden Sie mit dem Lehren und Leben auf der Domäne?

Keinen Song, aber einen Sound: das Knarzen der alten Holztreppen im Musikinstitut auf der Domäne.

Haben Sie selbst einmal eine Eignungsprüfung machen müssen?

Oh ja! Ich habe noch während meiner Schulzeit die Aufnahmeprüfung im künstlerischen Studienfach Posaune gemacht und bestanden. Dann als Vollstudent dort habe ich bald einen Wechsel in das Studienfach Komposition gemacht und da gab es dann wieder eine Aufnahmeprüfung. Für den Promotionsstudiengang in Köln dann übrigens auch wieder.

Haben Sie noch einen Rat für die Bewerberinnen und Bewerber für die Eignungsprüfung?

Das “Merkblatt zur Eignungsprüfung” lesen und damit wissen, was auf einen zukommt, dann ist die Prüfung schon so gut wie bestanden!

 

DR. ALAN FABIAN
Institut für Musik und Musikwissenschaft

LEHRE UND FORSCHUNG

Seminare/Übungen im Bereich Musik und Medien:

Medientheorien in der Musikwissenschaft, Geschichte der elektroakustischen Musik/Computermusik, Musik und Gender, Sound Studies, Kulturwissenschaftliche Musikwissenschaft

Forschung z.Zt. in den Bereichen:

◣ Wissens- und Medienarchäologie in der Musikwissenschaft (Musiknotationen 2000 bis 900, musikapparative Schaltungen und Computermusikprogramme der 1950/60er Jahre)
◣ Gender in der elektroakustischen Kunstmusik

 

STUDIUM

02/2011 Disputation, Abschluss der Promotion mit Auszeichnung (summa cum laude)

11/2007-11/2010 Doktorarbeit (siehe Monographie), musikwissenschaftliche Promotion an der Musikhochschule Köln (Aufbaustudiengang historische Musikwissenschaft, Musikpädagogik) und an der  Universität zu Köln (Medienwissenschaften), Betreuung durch Prof. Annette Kreutziger-Herr und Prof. Wolfgang Ernst (Humboldt Universität Berlin), gefördert durch ein dreijähriges Promotionsstipendium der Konrad-Adenauer-Stiftung
04/2000-07/2003 Staatliches Diplom (Aufbaustudium) Elektronische Musik an der Musikhochschule Köln
1999-2000 One-Year-Course (Aufbaustudium) Sonologie (Computermusik, digitale Signalverarbeitung, Psychoakustik etc.) am Institut für Sonolgie (Königliches Konservatorium Den Haag/Niederlande)
10/1999 Stage d’Informatique Musicale (IRCAM/Paris)
04/1994-07/1999 Staatliches Diplom Instrumentalkomposition an der Musikhochschule Würzburg

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