Interview mit KARL MÖLLERS

Könnten Sie sich den Studierenden vielleicht kurz vorstellen?

Ich heiße Karl Möllers und bin Bildender Künstler. Ursprünglich bin ich Goldschmiedemeister, dann habe ich in Braunschweig Kunst studiert und mit dem „Meisterschüler“ bei Prof. Roland Dörfler abgeschlossen. Seit ungefähr 14 Jahren nehme ich hier Lehraufträge in den Bereichen „Raum“ und „Farbe“ am Institut für Bildende Kunst und Kunstwissenschaft wahr.

Wie wichtig ist Ihnen die eigene künstlerische Praxis für die Lehre?

Sehr wichtig! Ohne meine eigene Praxis könnte ich keine Lehre machen. Ich bin freischaffender Künstler und arbeite permanent künstlerisch.

Sind Sie außerhalb der Universität selbst künstlerisch aktiv?

Ja.

Mit welchen Projekten sind Sie aktuell künstlerisch aktiv?

Es gibt in meiner Arbeit in dem Sinne keine „Projekte“, sondern ich arbeite stetig an Bildern und entwickele meine Malerei weiter.

Ich habe gerade eine große Ausstellung in Hannover in der städtischen Galerie KUBUS und in der Galerie, die unter dem KUBUS liegt – Die Galerie vom Zufall und vom Glück –, zwei Institutionen, die in diesem Fall zusammenarbeiten.

Sind aktuelle Themen für Ihre Projektarbeit relevant?

Nein, aktuelle Themen sind für meine Arbeit weniger relevant. Ich setze mich mehr mit der Kunstgeschichte auseinander, mit der menschlichen Wahrnehmung, mit Aspekten des Raums und mit meiner persönlichen Existenz. Darüber versuche ich Strategien zu entwickeln, neue Bilder zu erfinden, was ja nicht so einfach ist. Man kann in der jetzigen Ausstellung in Hannover gut verfolgen, wie ich das bisher gemacht habe. Das ist eine Retrospektive über 30 Jahre, die das ganz gut veranschaulicht. Die Ausstellung läuft noch bis zum 13. Mai, falls die Bewerber*innen daran interessiert sein sollten.

Was ist für Sie das Besondere am Studium an der Domäne aus Sicht des Dozenten?

Bis jetzt ist es so, dass wir in unseren Räumen eine große Freiheit haben, weil ich mit meinen Gruppen hauptsächlich das Gebäude 48 bespiele. Das sind alte Räume, die noch nicht renoviert sind und das ist für uns sehr ideal, weil wir weitgehend machen können, was wir wollen. Wir müssen keine Rücksicht auf Denkmalschutz, auf Sauberkeit, usw. nehmen. Wir können hier künstlerisch arbeiten ohne ständig von solchen Zwängen behindert zu werden.

Dann haben wir ja zudem noch ein schönes neues Atelier bekommen, was jetzt auch bald wieder intakt ist nach dem Hochwasser im letzten Jahr. Das ist sehr schön konzipiert, aber hier ist die Möglichkeit zur Arbeit nicht mehr so weitgehend gegeben, wie es in den alten Räumen der Fall ist. Das ist eben ein Raum, der zum Teil unter Denkmalschutz steht, worauf man natürlich Rücksicht nehmen muss.

Wie empfinden Sie die Atmosphäre zwischen Studierenden und Dozentinnen und Dozenten?

Die finde ich prima. Die Atmosphäre ist locker und entspannt, gut für die Lehre. Auch das Ensemble der alten Gebäude hier ist schön und inspirierend.

Gibt es für Sie einen besonderen Ort an der Domäne?

Naja, das ist der ‚furchtbare’ Raum 006 im Geb. 48, den alle schrecklich finden. Ich liebe ihn, weil er eine abgeschlossene Schachtel ist, mit guten Proportionen und nur sehr kleinen Fenstern im oberen Bereich, in dem sehr konzentriert gearbeitet werden kann. Die Studierenden lieben ihn nicht so, weil sie ihn als klaustrophobisch und ein bisschen abgewrackt empfinden. Für mich ist es ein ganz wichtiger und ganz besonderer Raum.

Welchen Song verbinden Sie mit dem Lehren und Leben auf der Domäne?

Da fallen mir für dieses Projektsemester sofort zwei Songs ein. Das ist einmal „If you go to San Francisco“, der Song der Hippie-Bewegung von 1967. Der andere Song ist „Street Fighting Man“ von den Stones von 1968. Wir untersuchen in diesem Projektsemester mit den Studierenden das Phänomen Pop und die beiden Songs markieren ganz schön zwei Eckpunkte dieses Phänomens.

Haben Sie selbst einmal eine Eignungsprüfung machen müssen?

Ja, an der Kunsthochschule in Braunschweig für den Studiengang Freie Kunst / Malerei. Man brauchte hier kein Abitur, sondern man musste eine Eignungsprüfung machen.

Haben Sie noch einen Rat für die Bewerberinnen und Bewerber für die Eignungsprüfung?

Da ich hier an der Uni Hildesheim noch nie an den Eignungsprüfungen teilgenommen habe, kann ich das gar nicht so genau sagen. Grundsätzlich würde ich aber sagen: Handzeichnung, Handzeichnung, Handzeichnung! Sich vor Dinge setzen und diese zeichnen ist immer gut. Das war zu meiner Zeit gut und ich bin sicher es ist immer noch gut. In der Handzeichnung kann man meiner Meinung nach am ehesten künstlerisches Potential d.h. Kraft, Originalität, Sensibilität und Energie der einzelnen Prüflinge erkennen.

KARL MÖLLERS
Institut für Bildende Kunst und Kunstwissenschaft

Vita
1953 in Rheine / Westfalen geboren
1970-79 Ausbildung zum Goldschmiedemeister
◣ 1980-86 Studium an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig bei Hermann Albert und Roland Dörfler
1986 Meisterschüler bei R. Dörfler
Arbeitsstipendium der Stadt Üelzen
Preis des Kunstvereins Hannover
Reisestipendium des Alexander Dorner Kreises, Hannover
1989 Nachwuchsstipendium des Landes Niedersachsen
Arbeitsstipendium des Kunstfonds e.V., Bonn
Verwaltung einer Professsur für die Grundlehre an der HBK Braunschweig ( bis Ende 91)
1991 Stipendium der Cite´International des Arts, Paris
1996 -2005 verschiedene Lehraufträge an der Fachhochschule Hildesheim
seit 2013 Lehrauftrag an der Universität Hildesheim

UNIVERSITÄT HILDESHEIM

Kulturcampus Domäne Marienburg
 Domänenstraße 52
31141 Hildesheim

dekanat2@uni-hildesheim.de
Telefon 05121-883-21122

KULTURPRAXIS REDAKTION

Redaktion
redaktion-kulturpraxis@uni-hildesheim.de

UNIVERSITÄT HILDESHEIM

Kulturcampus Domäne Marienburg
Haus 52, Domänenstraße 52
31141 Hildesheim

dekanat2@uni-hildesheim.de
Telefon 05121-883-21122

KULTURPRAXIS REDAKTION

Redaktion
redaktion-kulturpraxis@uni-hildesheim.de

X
X