Kulturpraxis Kulturpraxis

kulturcampus.hi

Willkommen am Kulturcampus der @unihildesheim! 🫶🌈🏰

Folge uns auf Instagram
  • Veranstaltungen
  • Kulturcampus
    • Kuwicloud
    • FAQs
    • Campus
    • Über uns
  • Themenbereiche
    • Leben in Hildesheim
    • Studieren an der Domäne
    • Unser Kulturcampus
    • Wirken und Werken
  • Projektsemester
Wo wir sind:

Größere Karte anzeigen
Kulturpraxis Kulturpraxis
Veranstaltung eintragen
Kulturpraxis Kulturpraxis Kulturpraxis
  • Veranstaltungen
  • Kulturcampus
    • Kuwicloud
    • FAQs
    • Campus
    • Über uns
  • Themenbereiche
    • Leben in Hildesheim
    • Studieren an der Domäne
    • Unser Kulturcampus
    • Wirken und Werken
  • Projektsemester
  • Banner
  • Kulturcampus
  • Leben in Hildesheim
  • Theater

POST APPLAUSE CLARITY

  • 6. Juli 2026
  • Carolin Chantal Schaefer

Wie sich alle 11 Minuten wer verliebt, alle 85 Sekunden die Welt anders untergeht oder where Hinge ends, we begin, but what if there is no goddamn beginning after the fucking end honey??!?

Von Caro Schaefer

Opening Question: „Habt ihr schonmal Melodica gespielt?“ Vier von fünf Köpfen schütteln sich. Vor der Stuhlreihe, wo wir fünf Platz genommen haben, steht ein kleines Podest mit einem Mikro, mehreren Blättern Musiknoten, einer Blockflöte und eine Melodica. Das geschulte Auge könnte sicherlich noch zwei kastige Boxen, die mit dem Mikro verbunden sind und ab und zu blinken, als Stimmverzerrer und Loopmaschine identifizieren. Ich schließe darauf erst später bei ihrem Einsatz und dem hörbaren Effekt.

„Bei der Melodica muss man nach der Benutzung die Spucke aus dem Gerät saugen.“, ergänzt die Stimme, die auch gefragt hat. Ein Ighhitt im Chor. Fünf von fünf Münder kichern. Das Licht löscht sich.

[mostly] harmless, ein Theaterkollektiv aus Bochum, bestehend aus Anna-Luise Binder, Mira-Alina Schmidt und wie das Kollektiv auf der eigenen Webseite beschreibt „eine[r] Gang größtenteils harmloser Projektpartner*innen“, lässt uns bei ENDE SCHLUCKT ALLES – Eine Untersuchung über den Untergang in einem dunklen Bühnenraum des Theaterhaus Hildesheim sitzen. Nichts da zum Schlucken. Sowohl nicht die Spucke aus der Melodica, die man nach der Benutzung raussaugen muss, als irgendwas auf der Bühne. Dann taucht ein Countdown in der rechten Ecke der Bühne auf. Auf schwarzen Molton projiziert sich eine absteigende 85. 85 Sekunden sehe ich dabei zu wie 85 Sekunden ablaufen. Was wird passieren?

Unter dieser Frage untersuchen die drei Performer*innen Anna-Luise Binder, Ben Petersen und Mira-Alina Schmidt in immer wiederkehrenden 85 Sekunden das Ende der Welt. Was geht vonstatten, wenn der Untergang da ist?

#wischyouwerehere

Black. Im dunklen Bühnenraum hört man wie Menschen auftreten und etwas aufbauen. Ein LED-Panel steht an der Bühnenkante und blickt grell auf. URKNALL läuft in kleinen Punkten über die Anzeige. URKNALL taucht auf einer Seite auf, verschwindet auf der anderen wieder, läuft ein zweites Mal über das Panel. Das Panel geht aus. In der Mitte der Bühne auf einer runden Scheibe, unter der mehrere Rollen montiert sind, steht eine Mikrowelle. Durch das beleuchtet Fenster sieht man ein Ei, das sich im Kreis dreht. Der Countdown zählt runter. Es knallt laut. Das Ei platzt in der Mikrowelle, die zuverlässig weiter brummt, bis 85 Sekunden abgelaufen sind.

Ich muss an mein letztes Date denken, bei dem mir auch was über Urknalltheorien erzählt wurde. Ich frag mich, ob mein Date diese Interpretation des Urknalls lustig gefunden hätte.

Black. Umbau. Es rödelt auf der dunklen Bühne. Licht in der Mitte der Bühne, wo sich nun die runde Scheibe dreht. Erneut der projizierte Countdown. Auf der Scheibe steht die geöffnete Mikrowelle mit dem geplatzten Ei, dessen Geruch sich im Raum verteilt. Es stinkt 85 Sekunden. Der Countdown läuft ab.

Drehbühne find ich ja immer richtig sexy.

Black. Umbau im Dunklen. Ein laufendes Wort über das LED-Panel, wie eine Überschrift für die nächsten 85 Sekunden.  

Ich frage mich, wie viele Profile auf meiner Dating-App ich wohl in 85 Sekunden durchswipen könnte.

Titanic, Schnecken, Sintflut, Kakerlaken, Utopie, Völlerei, Knutschen, Meteorit, Schreien, Vulkanausbruch, Embryo.

Dies ist nur eine kleine Auswahl, der ganzen 85-Sekunden-Szenarien, die unterschiedliche Weltuntergangvorstellungen mal sehr wörtlich, mal sehr bildlich, manchmal sehr sprachlich und manchmal sehr körperlich skizzieren und ein schluckendes Ende der Welt pathetisch, ironisch und erschreckend realistisch untersuchen.

Die Konsequenz dieser Performance durch den gleichbleibenden Ablauf der Szenen (Black, Überschrift auf LED-Panel, Start des 85-Sekunden-Countdowns, Licht auf der kleinen Drehscheibe mit szenischer Übersetzung der Überschrift für 85 Sekunden) lässt mich das Spielprinzip schnell verstehen. Es setzt dem Unkontrollierbaren eine Kontrolle gegenüber. Selbst das Ende des Stückes wird mit Countdown runtergezählt, sodass kein Missverständnis entsteht und der Applaus perfekt gesetzt werden kann. Erstmal ziemlich befriedigend. In dieser Form bleibt allerdings die Spannungskurve auf der Strecke. Nur innerhalb der Kleinstszene ist eine Spannungsgewinnung möglich, die sich nicht immer einlöst. Entweder durch Timingprobleme und teilweise gar nicht zustande kommt durch die fehlende Steigerung der einzelnen Szenen in ihrer Abfolge. Speziell die sprachlichen Interpretationen, wie der innerer Monolog einer Kakerlake, verblassen neben den starken bildlichen Aufbauten. Viele Theatermagiemomente werden durch Bühnenelemente, wie die Drehbühne sowie durch amateurhafte Konstruktionen mit u.a. Haushaltsgeräten kreiert. Dabei changiert die Konnotation der Szenen zwischen Komik und Tragik.

Das TITANIK-Szenario wird durch zwei Performer*innen, einen Fön und ein Stieleis auf der Drehscheibe verkörpert. Das Eis wird geföhnt und schmilzt davon, während die dritte Performerin zur Blockflöte am Podest im Publikum greift und „My Heart Will Go On“ von Celine Dion in das Mikrofon quietscht. Ein Moment, der etwas lächerlich dreinschaut und für ein Kichern sorgt, schwingt im nächsten Moment der SINTFLUT in schwerertragbare Tragik um. Die drei Performer*innen  stehen mit dem Rücken zueinander, Schulter an Schulter auf der drehenden Scheibe und trinken alle etwas Wasser aus einer Plastikflasche. Sie legen ihre Köpfe in den Nacken, gurgeln und glucksen, stoßen mit einem Schlucken eine Wasserfontäne aus ihren Mündern, abstrahieren den Überlebenskampf vor dem Ertrinken.

Inspired by real life

Ich muss beim Schreiben des Textes an die Benutzer*innenoberfläche aktueller Dating-Apps denken, die durch ihre einheitliche Swipe-Funktion so allen Nutzer*innen schnell zugänglich ist, die sich schonmal auf einer Dating-App befunden haben. In dieser Form wische ich mit absoluter Brutalität in meiner Freizeit durch Dating-Profile. Ich schlucke unwiderruflich und werde unwiderrufbar geschluckt und das mit einem einzigen Fingerwischen. Das braucht manchmal nicht mal 85 Sekunden –

ENDE SCHLUCKT ALLES erzeugt in mir das Gefühl persönliche High- und Lowlights des Weltuntergangs abchecken zu dürfen. Durch seine starkgesetzte Form wird ein so loses und übermächtiges Thema wie das Ende der Welt plötzlich so handhabend. Zumindest täuscht es mir das vor. Ich verliere mich durch die weirde aber sehr benutzer*innenfreundliche Struktur im Versuch, ein Match mit der Apokalypse zu finden. Öffnet sich einmal eine Szene, verschwindet sie nach 85 Sekunden mit einer Brutalität des unwiderruflichen Wegswipens. Und zwar jedes Mal. Manchmal ist das sehr heart-breaking und manchmal sehr nerve-racking.

Über das LED-Panel läuft das Wort NEBEL. Ich schlucke. Ein 85-Skeunden-Timer geht an, während ich auf die neue, ungeöffnete Nachricht von meinem Match starre. Ich steh wohl auf kleine Drehbühnen und auf Nebelmaschinen, die eine dichte Wolke in die ausgeleuchtete Bühnenmitte bläst. Ich drehe mich auf der Stelle und manchmal vermisse ich Spannungsbögen bei ersten Dates. Nachdem ich bei meinem letzten Date Urknalltheorien erklärt bekommen habe, gab es einige Timingprobleme zwischen uns für ein zweites Date. Es läuft „Total Eclipse of a Heart“ von Bonnie Tyler. Ich öffne die Nachricht. „Vielleicht muss ich nochmal meine Datingabsichten überdenken.“, schreibt die Person. Das ist sehr fair. Wir verabschieden uns einvernehmlich ins Nichts des Datingkosmos. Designed to be deleted. Dein Match wurde aufgelöst.

Und während ich nicht mehr genau weiß, wann und ob bei ENDE SCHLUCKT ALLES Melodica gespielt wurde und nun jemand die Spucke raussaugen muss, schreibe ich eine neue Opening Question in mein Dating-Profil: Wenn du ein Weltuntergangsszenario wärst, welches wärst du?

Carolin Chantal Schaefer

Related Topics
  • Caro Schaefer
  • Liebe
  • Rezension
  • Theater
  • Theaterhaus Hildesheim
  • Theaterkritik
  • Weltuntergang
Voriger Artikel
  • Banner
  • Kulturcampus
  • Wirken und Werken

Zungengewirr

  • 28. Juni 2026
  • Emilia Stemmler and Quynh Vy Dinh Dinh
Weiterlesen
Nächster Artikel
  • Kulturcampus
  • Literatur
  • Studieren an der Domäne
  • Wirken und Werken

„In diesem System wird der Trichter bis zur Buchveröffentlichung immer enger“

  • 12. Juli 2026
  • Thekla Eschemann
Weiterlesen
Dir könnte auch gefallen
Weiterlesen
  • Kulturcampus
  • Literatur
  • Studieren an der Domäne
  • Wirken und Werken

„In diesem System wird der Trichter bis zur Buchveröffentlichung immer enger“

  • Thekla Eschemann
  • 12. Juli 2026
Weiterlesen
  • Banner
  • Kulturcampus
  • Wirken und Werken

Zungengewirr

  • Emilia Stemmler and Quynh Vy Dinh Dinh
  • 28. Juni 2026
Weiterlesen
  • Banner
  • Kulturcampus
  • Leben in Hildesheim

„Wenn ich mir in den Kopf setze, einen CSD in Hildesheim zu organisieren, dann mache ich das!“

  • Bente Schwichtenberg
  • 27. Juni 2026
Weiterlesen
  • Banner
  • Kulturcampus
  • Studieren an der Domäne

Unterwegs zwischen Wissen und Alltag: Das Pendeln zur Uni

  • Vivienne Wachowski
  • 23. Juli 2025
Weiterlesen
  • Theater
  • Wirken und Werken

Das transeuropa festival 2024

  • Salomé Priebe
  • 5. September 2024
Weiterlesen
  • Kulturcampus
  • Studieren an der Domäne

Auslandssemester und was nun? Über das Ankommen in Hildesheim

  • Hermine Warnatz
  • 23. August 2024
Weiterlesen
  • Kulturcampus
  • Studieren an der Domäne

Ich bin einsam.

  • Fynn Koch
  • 15. August 2024
Weiterlesen
  • Kulturcampus
  • Leben in Hildesheim

Geschichte Hildesheims, die • feminin

  • Franziska Bausch and Marie Bromberger
  • 22. Juli 2024

Schreibe einen Kommentar Antwort abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Kulturpraxis
  • Datenschutzerklärung
  • Impressum
  • Kulturcampus
  • Instagram
  • YouTube
transeuropa
litradio

Gib dein Suchwort ein und drücke Enter.