Der Automat der Haikus

ABC-Interview mit Pascal Bovée,

studiert im Master Literarisches Schreiben und Lektorieren

2017 Writer in Residence in Essen

2015 Bochumer Versprechen, ein Audiowalk

2014 Hörspielstipendium der Film- und Medienstiftung NRW

Am Anfang des Automaten stand eine Idee, oder kanntest du bereits ähnliche Apparate?
Bevor ich den ersten Prototypen für eine Ausstellung in Düsseldorf gebaut habe, kannte ich noch keine Poesieautomaten.

Computerkenntnisse besitzt du selber, oder hast du ein IT-Helferlein?
Dabei hat mir ein befreundeter Programmierer geholfen, Marc Löhe. Ich habe gemerkt, dass es sinnvoll ist, wenn man die Einstellungen der Maschine und die Art, wie sie dichtet, ohne technischen Support ändern kann. Deshalb nutzt sie jetzt eine allgemein verständliche grafische Bedienoberfläche, in der man Satzbau, Wortschatz etc. anpassen kann.

Ein Semester studierst du bereits ‘offen-für-alles’ oder ‘nur-auf-dein-Masterprojekt-konzentriert’ Literarisches Schreiben und Lektorieren?
Für mehr als ein Projekt offen zu sein, ist mir, glaube ich, eingeschrieben und auch wenn ich mich stark auf mein Masterprojekt konzentrieren will, sprudeln seit ich hier bin die Ideen nur so los, und das will ich gar nicht bremsen.

Gehört die poetische Zukunft den Maschinen? & Hast du eine Antwort parat für Menschen die sagen: “Computerlyrik ist was für Nerds und Schreiber die zu faul sind, um selbst zu dichten.”
Ich bin eigentlich sehr pessimistisch gegenüber einer computerisierten Zukunft und sehe den Automaten eher als eine Inspirationshilfe zum gemeinsamen Dichten. Seine Funktion ist gehört zu werden, von einem menschlichen Gegenüber, auch wenn sich vielleicht eines Tages Computer gegenseitig zuhören.
Jalousie ist so ein Wort, das könnte der Automat in einer Zeile verwenden, mir würde es aber in dem Zusammenhang, in den er es stellt, vermutlich nicht einfallen, und dadurch regt er mich zum Dichten an, dazu Lyrik in etwas noch Rohem zu sehen.

Querdenker zu sein hilft dir, oder gehst du immer nach Plan A vor?
Richtig als Querdenker fühle ich mich gar nicht, auch wenn ich oft so gesehen werde, und mir ist es schon wichtig, nicht an Plänen und Denkmustern zu kleben, aber ich finde Querdenken und Pläne geht zusammen, vielleicht ist es dann ein Plan Q.

Schreibst du gerade an etwas?
Tatsächlich schreibe ich immer an irgendetwas, häufig auch erst Mal nur in meinem Kopf.

Unendlicher Spaß – was hast du mit deinem Automaten noch vor?
Versuche machen ist das, wofür ich ihn gebaut habe und ich glaube, dass er für mich nie etwas Fertiges sein wird, dass er sich mit mir verändert, und was ich weiterhin mit dem Automaten machen möchte, sind Versuche und Performances im öffentlichen Raum, denn Poesie lebt auch von den Zuhörenden.

Was möchtest du noch loswerden?
XYZ, eine poetische Kurvendiskussion.

Krass’ Seminar ‘Der Würfel des Alphabets’ inspirierte dich weshalb dazu, den Automaten weiterzuentwickeln?
Lange stand der Automat verwaist herum und durch die Art, wie wir im Seminar über experimentelle literarische Formen gesprochen haben, die Beiträge der Seminarteilnehmer*innen, all das half mir zu schärfen, wo ich mit dem Automaten hin will, auch im Kontrast zu anderer Computerlyrik und so habe ich beispielsweise den Wortschatz verändert.

Magie vs Wissenschaft, wo steckt der Zauber in deiner Erfindung?
Nicht so sehr in der Magie wie in der Illusion derselben, die durch Wissenschaft entstehen kann, und das ist mir auch wichtig.

Ordnung vs Chaos, welches Umfeld umgibt dich beim kreativen arbeiten?
Prinzipiell bin ich zum Ordnungsanhänger geworden, auch Lyrik liegt ja eine Struktur zu Grunde, und wenn ich ein neues Projekt beginne, ist es ein wichtiger Schritt, mir zunächst eine darauf maßgeschneiderte Ordnung zu schaffen, dekonstruieren kann man sie dann immer noch.

Das ABC-Interview führte Monika Schuster.

Pascal Bovée nahm im Wintersemester 2017/18 am Seminar ‘Der Würfel des Alphabets’ von Stephan Krass teil. Währenddessen entwickelte er seinen Poesieautomaten weiter. Am 20. Juni 2018 performt er mit seinem goldenen Würfel auf dem Lyrikfest Gegenstrophen im Literaturhaus Hannover.