Über Philosophie und philosophische Praxis können wir in einem Seminar stundenlang sprechen – aber was passiert, wenn man in ein Mikrofon sprechen muss? Das PhilRadio Hildesheim versucht genau das zu erkunden. In unterschiedlichen Formaten wird dort Philosophie zum Hören angeboten. Das Produkt ist am Ende nur die Spitze des Eisbergs. Wie konzipiere ich ein Podcast? Welche Fragen sollte ich (lieber nicht) stellen? Wie habe ich mir beigebracht einigermaßen sauber aufzunehmen und zu schneiden?
Wie alles anfing
Zufälle und Gelegenheiten
Irgendwie beginnt alles. Meine Podcast-Idee begann mit meinem Hiwi-Job, der leider auslief. Als studentische Hilfskraft im Master habe ich zusammen mit einer anderen Studentin (Greta Langenbach) die Professorin (Prof. Dr. Katrin Wille) für die Einführungsveranstaltungen der politischen Philosophie für Lehramtsstudierende unterstützt. Politische Philosophie hat bei vielen Studis den Ruf langweilig zu sein. Um zu zeigen, dass politische Philosophie – ganz im Gegenteil! – nicht auf das Wolkenschloss der analytischen Spinnereien reduziert ist, sondern politische Philosophie auch konkret unsere Lebenswelt betrachtet und Probleme behandelt, die tatsächlich jemand hat, mussten wir nicht nur tolle Texte raussuchen, sondern auch die Form des Seminars spannend gestalten.
Wir haben die Seminarteilnehmenden eingeladen, nicht nur inhaltlich, sondern auch auf Formebene auszuwählen, was sie anspricht und zu experimentieren. Das hieß dann nicht nur, dass man sich (und wichtigen Projekten und Akteur*innen) auf symbolischer Ebene Gehör verschafft, sondern auch auf tatsächlicher Ebene – über das Medium Podcast. Diese Impulse haben uns (das Lehrteam) inspiriert, selber einen Podcast über die Herangehensweisen unserer Lehre zu machen. Das hat so viel Spaß gemacht, dass uns noch etliche Ideen kamen, worüber man noch einen Podcast machen könnte. Diese Ideenfülle und die liebe Chance das auch tatsächlich durchzuziehen, haben mich überzeugt: Ich entwerfe ein Konzept für einen Philosophie-Podcast für das Institut in Hildesheim. Aber erstmal brauche ich dafür Equipment – aber was genau?
Hörgeräte und Schneidescheren
Was es braucht? Zuerst einmal Fördergelder! Für Philosophierende (übrigens auch wegen anderen Projekten) kann man mal auf der Website von Soziokultur Niedersachsen schauen. Sind die Fördergelder erstmal da, sollten sie auch ausgegeben werden – wofür? Das ist generell nicht so gut zu bestimmen – je nach Qualität und Aufwand, gibt es da ganz unterschiedliche Anforderungen. Ich wusste erst gar nicht wonach ich suchen sollte, aber zum Glück habe ich einen Freund, der mal bei Radio Tonkuhle angestellt war und voll den Plan hat, was Sound angeht. Er hat mir erklärt, dass ich ein Aufnahmegerät brauche. Okay, das hätte ich mir denken können. Ich hab gedacht ein Aufnahmegerät ist einfach ein anderer Name für Mikrofon. Das ist es grundsätzlich auch, aber es sieht auch ganz anders aus. Tatsächlich kann ein paar Sachen, die andere Mikros nicht können, nämlich Hintergrundgeräusche direkt filtern und es ist flexibler für unterschiedliche Aufnahmesituationen (im Raum mit Anderen, Interviewformate, etwas alleine einsprechen geht alles). Ich hab mir für rund 100€ das Zoom H1N gekauft und mir hier angeschaut, wie das so funktioniert: YouTube-Link hier.
Außerdem hatte ich noch von einem anderen Projekt ein USB-Mikrofon (SC 420 USB von Thomann (60 €)), das für’s Einsprechen sehr gut geeignet ist, aber bei Interviews nicht so gut ist. Eigentlich reicht das H1N.
Ansonsten lässt sich solches Equipment auch immer im Medienverleih leihen oder beim LitRadio, die (finde ich) richtig einen Plan haben von allem, was Podcast angeht.
Dann brauchte ich dafür noch ein günstiges Schnittprogramm und da gibt es unterschiedliche Empfehlungen und da ich wirklich nur Fades eingebettet habe, was wirklich jedes Programm kann, bin ich nicht der richtige Ansprechpartner. Zur Transparenz: Ich habe Audacity verwendet. Eine gute Anleitung wie man mit Audacity umgeht, findet ihr hier. Das Programm ist kostenlos und liefert alle basics der Audiogestaltung.
Was man alles braucht
Was man Philosoph*innen fragen kann
Fragen über Fragen
Eigentlich freuen sich Leute darüber, in einem Podcast zu sprechen. Wenn es dann etwas gibt, was ihnen wichtig ist und was die Hörer*innen kennenlernen sollen, dann lohnt es sich dieses Thema in den Fokus zu nehmen. Um dieses Thema – z.B. eine Neuerscheinung – die Fragen zu bauen scheint mir sinnvoll. Ein paar Fragen zur Person sind natürlich auch immer interessant, aber bei mir lag der Fokus eher auf das, wofür der Gast selbst auch Leidenschaft aufbringt. Hast du nun so ein Thema gefunden, richte die Frage (entweder im Gespräch oder in einer E-Mail) mit diesem Thema im Fokus an deinen künftigen Gast.
Die Vorbereitung der Fragen ist für mich der zeitintensivste Teil beim Produzieren des Podcasts. Es ist weder pauschal zu sagen, wie viel Fragen ich brauche, noch wie tief die Fragen gehen können. In dem Gespräch mit Prof. Dr. Rolf Elberfeld und Prof. Dr. Anke Graneß hatte ich das Vergnügen mit zwei sehr erfahrenen Philosoph*innen zu sprechen, die sich auch gegenseitig zu fortführenden Antworten angeregt haben. Einerseits war dann nach meiner ersten Frage zugleich die restlichen fünf Fragen beantwortet, andererseits musste ich auch gar nicht so viele Fragen stellen, um das Pensum an interessanten Antworten zu erreichen, die mich und die Hörer*innen interessieren. Bei anderen Gesprächen habe ich gemerkt, dass wir uns erstmal warm-reden müssen und damit haben wir dann auch angefangen – erstmal über Gott und die Welt (das kann dann ja einfach rausgeschnitten werden) und dann über das Thema.
Was bedeutet es einen philosophischen Podcast zu machen? Es heißt glaube ich auch, dass man sich damit begnügen muss Fragen als Antworten auf Fragen zu bekommen. Auch wenn die Gäste unterschiedlich ergebniszentriert und suchend gesprochen haben, ist der Podcast kein Interview an dem man sich abarbeitet. Die Fragen, wie sie in der Vorbereitung formuliert worden sind, werden am Ende nochmal ganz anders aussehen. Wichtig scheint mir zu sein, dass man versucht nicht selber doll wirken zu wollen, sondern fragen zu stellen, die Leute tatsächlich haben – wenn zum Beispiel eine kontroverse Formulierung oder eine steile These behauptet wird, scheint es mir ratsam sie nicht einfach einzustecken, als wäre das schon völlig klar, sondern darüber ins Gespräch zu kommen. Ich hatte immer das Gefühl, wenn ich sowas gefunden habe, auch wirklich davon eingenommen zu sein. Sicher ist man nicht immer in jedes Detail interessiert, aber Fragen zu stellen, die einen (und somit wahrscheinlich auch einige Hörende) interessieren, macht das Zuhören direkt viel packender, denn es liegt Spannung in der Luft, wird der*dem Podcaster*in eine Antwort entgegengebracht, die sie*ihn zufriedenstellt? Wenn man nicht durchsteigt, lohnt es sich immer weitere Fragen zu stellen. Es ist jedoch wichtig, sich nicht zu sehr zu verrennen. Manchmal kann auch ein Themensprung hilfreich sein, um das Gespräch voranzubringen.
Und raus damit
Jetzt heißt es nur noch das schön geschliffene Programm zu veröffentlichen. Das geht natürlich auf jeder Plattform die Podcasts anbietet. Ich benutze Spotify for Podcasters, das sogar kostenfrei ist. Da muss man dann noch ein paar Entscheidungen treffen: Welchen Titel gebe ich dem Podcast? Beim PhilRadio gibt es die Reihe „Gespräch“ und die Reihe „Vorlesung“, so eine Kategorisierung habe ich direkt im Titel auch eingebaut, damit man schon mal direkt weiß was da so ganz grob passiert. Eine Schwierigkeit ist dann noch das Titelbild. Ich sag’s offen: Ein Bild von den Gästen wäre natürlich top, aber ich sag’s wie es ist: Ich bin zu schüchtern, um die Gesprächspartner*innen auch noch zu fragen, ob ich von ihnen ein Foto machen kann. Nehmt’s nicht als Vorbild, ich glaube, das ist voll fine ein Foto zu schießen, manche freuen sich sicher auch mit ihrem Gesicht im Beitragsbild zu sehen zu sein. Ansonsten könnte man einfach urheberrechtsfreie Fotos von pixabay oder Unsplash oder so nehmen. Ein kleiner, knackiger Text mit wichtigen Verlinkungen in die Beschreibung und den Button „Datei hochladen“ klicken, dann habt ist es geschafft. Ist dann alles hochgeladen, könnt ihr natürlich noch Werbung machen und nett wäre es natürlich auch die Gäste zu informieren, dass deren Gespräch jetzt online ist.
Wie man den Upload macht
Aufnahme läuft!
Wenn ihr noch Fragen habt, schreibt’s in die Kommentare, gebt dem PhilRadio Hildesheim 5 Sterne auf Spotify und abonniert den Kanal (lol, wollte ich schon immer mal sagen). Am Kulturcampus gibt es einige richtige Soundprofis, die man alle mal besuchen kann. Dr. Oliver Voss gibt mit seiner Soundwerkstatt zum Beispiel die super Möglichkeit sich mit eigenen Projekten (etwa mit einem Podcast-Projekt) gradlinig weiterzubilden.
Das Mikro wartet nur darauf spannende Gespräche aufzunehmen, also sucht euch spannende Gesprächspartner*innen und drückt auf Start!
https://open.spotify.com/show/6IujwvNkehGlHoSgkdkUFE?si=1cd5167dd7004fd3
Ein Beitrag von Phabio Freiboth, veröffentlicht am 05.03.2024