NIGHT OF THE LIVING DEAD

ZOMBIEPANIK IM BLEISTIFT

Wir sind gefangen im Wahnsinn. Wir wissen nicht ob wir es lebend hier heraus schaffen. Ich bin einer von denen die im Projekt “Night of the Living Dead” bei Dr. Volker Wortmann um ihr Überleben kämpfen. Die nun folgenden Einträge sind Zeuge dieses Kampfes.

Startschuss und Einzug

 

Der Wahnsinn beginnt. Neues Semester. Neues Glück. Und dieses Mal sogar: Neues Gebäude. Um ehrlich zu sein neues altes Gebäude. Wir ziehen in das Bleistift Gebäude, ein Abriss würdiges, ungepflegtes, leer stehendes Haus. Lange leere Flure mit flackerndem Licht, zusammengewürfelte Ausstattung, Stromausfälle, abblätternde Tapete und vollgemalte Toiletten. Kein Ort würde besser zu einem Projekt wie unserem passen! Wir tragen Paletten und Sofas in die leeren Räume und verkleben die Fenster zu unserem Kino Raum mit Pappen, die Post Apokalypse ist in Hildesheim angekommen.

Aller Anfang ist der Tod

 

Wir sind jetzt schon einige Wochen hier. Der Tatendrang ist groß, die Aufgaben nicht. Das erste Drittel des Semesters verbringen wir mit Diskussionen. Um sich dem Genre des Zombie Films und vor allem dem Klassiker  “Night of the Living Dead” von George Romero aus dem Jahr 1968 zu nähern, forschen wir in Kleingruppen zu verschiedenen Themen. Unter anderem erklären wir uns gegenseitig, was die Darstellung von Gewalt mit uns macht, wie spezielle Pilze Ameisen befallen und ein Zombie ähnliches Verhalten auslösen, wie 1968 die Grenze zwischen Leben und Tod durch die erste Herztransplantation neu verschoben wurde, wie Zombies dargestellt werden und wie sie als Methode zur Aufarbeitung gesellschaftlicher Traumata verstanden werden können.

Kino der Toten

 

Wir waren in der Außenwelt! Paletten und Sofas finden ihren Platz im verdunkelten Kinoraum. Wir bauen einen postapokalyptischen Kinosaal. An der Wand hängt eine Karte von Hildeheim. An der Tafel Studien über Zombies, ihre Anatomie und ihr Verhalten. Ein Kalender vermerkt verschiedene Ereignisse unseres Parallel Universums. An der Wand hängen Brecheisen und Morgenstern. Einzelne Lichtstrahlen fallen durch die verklebten Fenster. Auf der leeren Leinwand-Wand jagen Untote wild schreiend Überlebenden nach. Ab jetzt öffnen wir unser “Kino der Toten” für den Rest des Hauses jeden Mittwoch und zeigen Filme des Genres.

Bergfest

 

Das Bergfest markiert die Hälfte der Projektzeit. Ein Gedanke der ähnlichen Horror auslöst wie die Filme die wir sehen. Denn ob wir überleben wissen wir noch lange nicht. Zum Bergfest bieten wir in unseren Räumen alles was es braucht um zum Untoten zu werden oder im besten Fall die Apokalypse zu überleben. Beim Zombieschminken werden die Studierenden mit Wunden übersät und können danach das Gehirne essen mit den selbstgemachten Gehirncupcakes üben. Zum Überleben stellen wir unsere Waffenkammer vor, in der von Papierzwille über Bratpfanne und Axt bis Gewehr alles vertreten ist. Im Kinoraum läuft “Night of the Living Dead” in Dauerschleife.

Videos und Texte von Finn Baeßler