Ihr habt’s verpasst? Wir nicht. Wir gehen auf Hildesheims Partys, damit ihr es nicht müsst.
Vorgeplänkel
Was soll ich sagen, es ist verdammt kalt geworden und vorhin habe ich mit meinem Fahrrad fast zwei Zwergpinscher geplättet, als die mir direkt vors Vorderrad gerannt sind. Nicht die optimalsten Bedingungen, um in den Abend zu starten. Aber: Im Thav soll ein Metal-DJ auflegen und ich bin extrem gespannt, wie das aussehen wird. Als ich dort ankomme, hört man schon dumpf die Bässe durch die Eingangstür wummern. Also rein da!
Währendgeplänkel
Drinnen reicht ein Blick und sofort ist klar: nix Disko! Das wird nur einfach ein weiterer Abend im Thav. Vor der Bühne steht einfach niemand, an einzelnen Tischen sitzen einige Leute über ihrem Bier, manche spielen Karten. Da im Hintergrund die Gitarren-Riffs brettern, führen die Leute ihre Gespräche schreiend. Der DJ sitzt auf der Bühne und hat vor sich zwei Computerbildschirme stehen, so als wäre er gerade nicht in einer Bar, sondern würde im Internet-Café sitzen. Während er an seinem Hefeweizen nippt, klimpern die Ketten und die restlichen Sachen, mit denen er behangen ist. Ich bin auch überrascht, dass es ihm gelingt, selbst zwischen den Pausen, wenn er sein Hefeweizen beim Nippen absetzt, nicht ein einziges Mal in den Zuschauerraum zu schauen. Als Auflegen kann das jedenfalls nicht durchgehen, denn das einzige, was dieser DJ macht, ist den einen Song auszufaden und dann zum nächsten Song zu springen. Nix mit Beat Matching oder so! Ich habe davor aber auch noch nie von einem Metal-DJ gelesen – ist das überhaupt ein Ding? Mehr Anti-Haltung geht jedenfalls gar nicht mehr! Ändert leider aber auch nichts daran, dass die gesamte Veranstaltung eine ziemlich hoffnungslose Angelegenheit ist.
Ich will aber nicht so schnell aufgeben und positioniere mich mit einem Bier in Beobachter-Position an der Bar. Immerhin: je später es wird, desto mehr füllt sich die Kneipe. Einige der Herren in schwarzen Bandshirts wagen sich sogar in Richtung Bühne, aber nicht, um zu tanzen, sondern vielmehr, um andächtig zu raunen, wenn ein Headbanging-Klassiker gespielt wird. Slayer, Iron Maiden, irgendwie scheint alles dabei zu sein an diesem Abend. Maschinengewehrhafte Drum-Beats peitschen durch meine Gehörgänge. Irgendwann fangen gefühlt alle zehn Metal-Heads, die heute Abend da sind, simultan an zu rauchen und bald gleicht das Thav lufttechnisch einer Shisha-Bar.
Nachgeplänkel
Keine Ahnung, wann ich genau die Biege gemacht habe. Die Straßen waren jedenfalls menschenleer, aber das hat in Hildesheim ja nichts zu bedeuten. Meinen Ohren tat eine Pause von so viel demonstrativ präsentierter Härte jedenfalls ganz gut.
Würde ich nochmal zum Metal-DJ gehen? Auf keinsten!
Text: Connor Endt.