Wieso Secondhand?
Themen wie der Klimawandel, das Massenaussterben, Ressourcenverknappung und globale Ungerechtigkeit sind von so hoher Brisanz und Dringlichkeit, wie selten zuvor in unserer Geschichte. WissenschaftlerInnen bestätigen weltweit, in welcher katastrophalen Lage sich unser Planet befindet und auch in der Zivilbevölkerung bildet sich ein wachsender Widerstand gegen eine ausbeuterische, die planetaren Belastungsgrenzen missachtende Politik und Wirtschaft und fordert umweltschonende, nachhaltige Alternativen und die Einhaltung von Richtlinien und Grenzwerten.
Dieses ganz Themenfeld betrifft auch den gesamten Bereich Konsum, beispielsweise den von Kleidung. Ein Großteil der Modeketten kann man mit dem Begriff “Fast Fashion” labeln – die oftmals unter prekären Umständen produzierte Massenmode wird zu unangemessen günstigen Preisen verkauft, die Konsumenten werfen einen Großteil nach kurzer Nutzung weg. Um Kleidung so billig zu verkaufen, wie es bei den Fast Fashion-Anbietern der Fall ist, werden katastrophale Sicherheits- und Arbeitsbedingungen auf den Baumwollfeldern und in den Nähereien der Billiglohnländer wie Bangladesh, China oder der Türkei sowie enorme Umweltschäden in Kauf genommen.
Über 70 % unserer Kleidung wird aus Synthetikfasern hergestellt, deren Produktion hochgradig schädlich ist. Flüchtige organische Verbindungen emittieren, Gewässer werden verschmutzt und der Energiebedarf ist sehr hoch. Der Einsatz von Pestiziden auf Baumwollfeldern und von Chemikalien auf den Textilien schadet der Umwelt, den Arbeitern und auch den Konsument_Innen, die die in der Kleidung enthaltenen Chemikalien über die Haut aufnehmen.
Für den Anbau von Baumwolle, egal ob konventionell oder biologisch, werden große Mengen an Wasser verbraucht, gerade in Gebieten mit Wassermangel. So ist der Baumwollanbau mitunter verantwortlich für die Austrocknung des Aralsees. Circa 200 Badewannen Wasser werden für den Gewinn von einem Kilogramm Bauwolle benötigt. Zusätzlich werden gerade im konventionellen Baumwollanbau große Mengen an Pestiziden und Düngemitteln eingesetzt.
Beim Kauf von Baumwolltextilien auf Bio-Qualität („organic cotton“) zu achten, kann ein Schritt sein, der Umweltzerstörung und -verschmutzung entgegenzuwirken.Etwa ein Kilogramm Chemikalien wird für die Herstellung von einem Kilogramm Textil eingesetzt. Die zum Teil schwer abbaubaren Stoffe können in den Kläranlagen nur bedingt herausgefiltert werden. In Ländern wie Indien oder China gelangen diese Stoffe häufig in Flüsse, da die Abwasserbehandlung oftmals unzureichend oder gar nicht vorhanden ist.
Doch es gibt Wege sich gegen “Fast Fashion” zu entscheiden und beim Kauf von Textilien auf soziale, ökologische und ökonomische Produktionsbedingungen zu achten. Ein Schritt, sich gegen die Überproduktion und den Massenkonsum zu stellen, kann die Nutzung von Secondhandläden sein. Das ist natürlich auch in Hildesheim möglich. Im Folgenden findet Ihr eine Zusammenstellung der Secondhandläden in der Kreisstadt.
ProLaden
Der ProLaden ist eine Tochter der Diakonie Himmelsthür, welche Mitglied im Diakonischen Werk der Ev.-Luth. Landeskirche Hannovers e. V. ist. ProLaden ist der erste Second Hand Shop in Hildesheim, wo man nach Kilopreis bezahlt, es gibt aber auch jede Menge Hemden und Blusen als Einzelstücke für – sage und schreibe – einen Euro zu erwerben. Auf 350 Quadratmeter wird einem alles geboten, was man sich wünschen kann: Herren-, Damen-, und Kindermode bis das Auge reicht. Aber auch Bücher, Haushaltswaren und Kindermode lassen sich hier finden. Zudem gibt es für die Essensliebhaber und grünen Daumen unter euch auch eigenproduzierte Bio-Produkte und Pflanzen. Und ihr könnt euch sogar in dem Café-Eck wieder stärken, nachdem ihr fleißig geshoppt habt. Ihr habt jeden Tag von Montag bis Freitag von 10-18 Uhr die Möglichkeit vorbeizuschauen.
Goldstück – Die Second Hand Boutique
Das Goldstück findet ihr ganz zentral in der Schuhstraße. Beim Angebot der Damenmode werden große Marken wie Hilfiger, Replay und Zara genannt. Auch für Kinder gibts hier wieder ein tolles Angebot in den Größen 86 bis 164. Auch Accessoires kommen hier nicht zu kurz. Der Laden wirbt mit seinen einzigartigen Stücken, wie zum Beispiel Handtaschen. Aber es gibt auch Ketten zwischen 1,50 und 3 Euro. Schaut hier Dienstags bis Samstags mal vorbei, um ein bisschen zu stöbern. Montags ist leider Ruhetag. Falls ihr selber Ware habt, die ihr loswerden wollt, könnt ihr dies nach Terminabsprache machen, dementsprechende Kontaktdaten gibt’s auf der Internetseite.
Das Faserwerk
Die Kulturfabrik Löseke kennen die meisten von euch wahrscheinlich nur als Ort zum Feiern. Aber wusstet ihr auch, dass die Kulturfabrik das Faserwerk gegründet hat, um für mehr Nachhaltigkeit in Hildesheim zu sorgen? Nein? Guter Grund mal dort vorbei zu schauen. Der Second Hand-Shop des Faserwerks hat immer montags und donnerstags von 15-19 Uhr für euch seine Türen offen. Das Sortiment soll bald auch auf selber gemachte Kleidung ausgebreitet werden. Wer also seine Fashion-Design-Künste unter Beweis stellen möchte, kann dies dort bald tun. Die Arbeitsräume und die Nähstube darf von nämlich von jedem genutzt werden. Falls ihr mal ein Teil habt, was noch nicht so ganz passt: Die Änderungsschneiderin Leila nimmt Aufträge von euch entgegen. Und natürlich darf auch hier Kaffee und Kuchen nicht fehlen! Am 14.12.19 findet hier ein Winterfloh- und Kunstmarkt statt: Falls ihr also noch einen schönen Winterpulli oder Deko sucht, ist das wohl der richtige Ort.
Ein Beitrag von Miriam Obuz und Katharina Schulenburg