"Nach­hal­tig­keit symbo­li­siert für mich ein fried­volles, bewusstes Leben"

Alice Hiepko schil­dert in einem Inter­view ihre Sicht­weise auf die Verbin­dungen von Nach­hal­tig­keit mit den Kunst- und Kulturwissenschaften.

Welches Bild hast du vor Augen, wenn du an Nach­hal­tig­keit denkst?

Ich sehe eine Person in einem Garten, in dem ganz viele Kräuter wachsen und Obst und Gemüse ange­baut werden. Also einen Ort der Selbst­ver­sor­gung, sodass man sich selbst mit den Pflanzen ernähren kann, die man anbaut. Außerdem sehe ich viel Holz – wobei Holz auch ein schwie­riges Mate­rial ist; das habe ich letz­tens erst erfahren. Auf jeden Fall sehe ich an diesem Ort kein Plastik, sondern nach­hal­tige, ökolo­gi­sche Mate­ria­lien und viel­leicht auch ein selbst­ge­bautes Haus. Dieser Ort symbo­li­siert für mich ein fried­volles, bewusstes Leben.

Wo liegen aus deiner Perspek­tive Schnitt­stellen aus den Kultur­wis­sen­schaften und den Künsten an das Thema Nachhaltigkeit?

Zum Einen gibt es diese Verbin­dungen auf jeden Fall, weil man sich in der Kunst oder zum Beispiel im Theater meis­tens mit Themen beschäf­tigt, die gerade wichtig oder mögli­cher­weise auch proble­ma­tisch sind, die in der Gesell­schaft mehr Gehör bekommen sollten. Allein dadurch, dass man in der Kunst Themen aufgreifen kann, liegt darin die Chance bezie­hungs­weise das Poten­tial Nach­hal­tig­keit oder auch den Klima­wandel anzu­spre­chen. Letz­tens habe ich beispiels­weise online eine Thea­ter­in­sze­nie­rung über das Thema Klima­krise gesehen. Zum Anderen sehe ich die Schnitt­stellen darin, inwie­weit man sich in seiner Arbeit oder seinen Insze­nie­rungen um Nach­hal­tig­keit bemüht oder wie man mit Mate­ria­lien umgeht und so weiter.

Ein weiteres Beispiel: In dem Rahmen, in dem ich gerade bei Pengo arbeite, reden wir alle von Nach­hal­tig­keit, weil wir ein Netz­werk zwischen Kultur­schaf­fenden aus Uganda, Ruand und Deutsch­land bezie­hungs­weise Hildes­heim schaffen wollen. Ziel ist es nach­hal­tige Struk­turen und nach­hal­tige Bezie­hungen aufzu­bauen, trotzdem sind die Projekt­an­träge meis­tens nur auf bestimmte Zeiten beschränkt. Da könnte sich in der Projekt­fi­nan­zie­rung oder wie die künst­le­ri­sche Branche struk­tu­rell aufge­baut ist noch viel mehr in Rich­tung Nach­hal­tig­keit entwickeln.

Und hast du diese Verbin­dungs­li­nien schon vor Beginn deines Studiums gesehen oder hast du sie erst während deines Studiums wahrgenommen?

Gene­rell habe ich Verbin­dungen auch vorher schon wahr­ge­nommen, aber ich schätze eher unter­be­wusst. Beson­ders der Punkt, den ich auch gerade genannt habe, dass so viel über die Förde­rung nach­hal­tiger Struk­turen geredet wird und nach­hal­tige Bezie­hungen entstehen sollen, nehme ich erst seitdem ich studiere und bei Pengo mitar­beite, wahr. In diesem Kontext habe ich mit inter­na­tio­nalen Menschen zu tun und wir versu­chen, nach­hal­tige Struk­turen aufzu­bauen. Ich merke, wie schwierig das ist. Auch wie die Förder­land­schaft gestaltet ist, habe ich erst seit Beginn meines Studiums wirk­lich wahrgenommen.

Wir kennen uns ja von Students for Future, wo du dich auch enga­gierst. Hast du da etwas gelernt, was du auch wiederum im Studium anwenden oder einbringen kannst? Beispiels­weise im Projekt­se­mester in diesem Sommer?

Lusti­ger­weise ja – es ist die Frage, ob das was mit Nach­hal­tig­keit zu tun hat – aber alleine zu Beginn des Projekt­se­mes­ters haben wir sehr viel mitein­ander geredet, debat­tiert und philo­so­phiert. Beson­ders am Anfang wird in den Kultur­wis­sen­schaften viel offen gelassen, was erst einmal etwas sehr Schönes ist, dass man nicht von Anfang an genaue Vorgaben hat.

Trotzdem habe ich gemerkt – auch dadurch, dass ich bei Students for Future bin und das meine erste Plenaer­fah­rung ist – dass ich diese Vorge­hens­weise irgend­wann sehr anstren­gend fand. Das hat natür­lich auch etwas mit dem Online-Semester zu tun. Wir haben viele Stadt­spa­zier­gänge durch Hildes­heim gemacht und haben uns danach danach noch einmal online getroffen. Da habe ich immer gemerkt, es sind so viele Themen, die da mit rein­kommen und wir bringen irgendwie nichts zu Ende. Also passt es eigent­lich doch zu Nach­hal­tig­keit. Nach einer bestimmten Zeit habe ich einge­bracht, ob wir das nicht auch machen könnten mit einer Rede­lei­tung bezie­hungs­weise einer Person, die da durch­führt und einer Person, die dann Proto­koll schreibt. Ich hatte persön­lich das Gefühl, dass das sehr Vielen gut geholfen hat. Außerdem ging es dann auch darum, dass man abwech­selt und mal eine andere Person die Rede­lei­tung hat und nicht immer nur die Dozent*innen — oder die Dozenten bei uns in dem Fall. Das war tatsäch­lich ziem­lich ausschlag­ge­bend diese Art und Weise und ich habe das Gefühl, dass wir dadurch nach­hal­tiger arbeiten konnten, weil wir auch Sachen fest­ge­halten haben.

Was würdest du dir von den Kultur­wis­sen­schaften in Hinblick auf das Thema Nach­hal­tig­keit wünschen? Wo siehst du noch Verbes­se­rungs­be­darf, also Potentiale?

Gerade die Kultur­wis­sen­schaften in Hildes­heim bieten viele unter­schied­liche Veran­stal­tungen an und du kannst dein Studium frei gestalten. Es sollte dahin­ge­hend mehr Ange­bote geben, um sich mit dem Thema Nach­hal­tig­keit ausein­an­der­zu­setzen. Die Ring­vor­le­sung beispiels­weise, die wir als Students for Future geplant haben, kann ich mir über das Studium funda­men­tale anrechnen lassen, was einfach super cool ist. Die Kultur­wis­sen­schaften in Hildes­heim sind stark auf die Künste bezogen, aber an sich sind Kultur­wis­sen­schaften sehr sozio­lo­gisch, gesell­schaft­lich und poli­tisch. Da gibt es diese Poten­tiale auch das Thema Nach­hal­tig­keit mehr in die jewei­ligen Bereiche wie Theater, Musik, Kunst etc. einzu­bringen. Das fände ich ganz cool.

Ein Beitrag von Luci­enne Pilliger