Der Zahn des Löwen
Geschichten, Poesie und Rezepte
Dabei ist der Löwenzahn, der zur Familie der Korbblütler (so wie z.B. Gänseblümchen, Ringelblume oder Sonnenblume) gehört, alles andere als „gewöhnlich“: nicht nur von der Blüte bis zur Wurzel schmackhaft, sondern auch gesund für Verdauung, Galle, Leber, Blase und enthält wichtige Vitamine und Nährstoffe. Dabei findet man dieses Wunderkraut hierzulande an jeder Straßenecke, fast das ganze Jahr hindurch!
LÖWENZAHN ~ ein Gedicht
Fliegen im Juni auf weißer Bahn
flimmernde Monde von Löwenzahn,
liegst du versunken im Wiesenschaum,
löschend der Monde flockenden Flaum.
Wenn du sie hauchend im Winde drehst,
Kugel auf Kugel sich weiß zerbläst,
Lampen, die stäubend im Sommer stehen,
wo die Dochte noch wolliger wehn.
Leise segelt das Löwenzahnlicht
über dein weißes Wiesengesicht,
segelt wie eine Wimper blaß
in das zottige wogende Gras.
Monde um Monde wehten ins Jahr,
wehten wie Schnee auf Wange und Haar.
Zeitlose Stunde, die mich verließ,
da sich der Löwenzahn weiß verblies.
von Peter Huchel
Schriftlich findet der Löwenzahn erstmals Erwähnung bei Ibn Sina, einem persischen Mediziner und Universalgelehrten aus dem 11. Jh., der in Europa unter dem Namen Avicenna bekannt war. Bis der Löwenzahn aber in medizinischen, europäischen Schriften Popularität erlangt, sollte es noch weitere 500 Jahre dauern.
Der Löwenzahn kommt aus dem westlichen Asien und Europa. Durch menschliche Einflussnahme verbreitete er sich über die ganze Nordhalbkugel, sodass man ihn heutzutage auch auf dem Norden des amerikanischen Kontinents findet. In der traditionellen Volksheilkunde ist vor allem die harntreibende Wirkung von Löwenzahn bekannt, wodurch er den frechen Beiname „Pissnelke“ bekam.
Nicht nur wurde der Löwenzahn zur Nacht vor Allerheiligen („All Hallows Eve“, Halloween) für druidische, magische Zeremonien genutzt, die hängengebliebenen Stängel an der Pusteblume sollen auch die restlichen Lebensjahre der Person anzeigen, welche ihren Atem über die Blume hat gleiten lassen.
Während der goldene Korbblütler im Frühjahr unsere Wiesen schmückt, dabei den Bienen einige Leckerbissen bereithält, ist mittlerweile auch die Wissenschaft neugierig auf das natürliche Heilmittel geworden. Ob als Tee, Salat, Smoothie, Honig, Kaffee, Wein, Gemüse, Saft oder Supper: zu erkunden gibt es eine Menge an dem L Ö W E N Z A H N
- Sesquiterpenlacton-Bitterstoffe (Eudesmanolid Tetrahydroiridentin B und Germacranolid Ainsliosid).
- Der Bitterstoff Taraxacin.
- Das Triterpen Taraxasterol.
- Sterole (Cumarine und Flavonoide sowie Sitosterol).
- Vitamine (Cholin, Vitamin A, B1, B2, B6, C und D).
- Mineralstoffe (besonders Kalium).
- Schleimstoffe.
- Cholin.
- Inulin (vor allem in der Wurzel).
- Die Blätter können optimal im April und Mai geerntet werden.
- Blüten: April bis Juni (Hauptblüte) und August, September (Nachblüte).
- Samen: Mai bis Juni oder im September.
- Wurzeln: Frühjahr oder Frühherbst.
Geerntet werden kann der Löwenzahn aber während seiner ganzen Vegetationszeit. Beachte nur: je später du erntest, desto bitterer werden die Pflanzenteile!
Dafür benötigst du:
2 handvoll offene Blüten (in 250 ml Wasser ~ Ist auch als Gesichtswasser zu verwenden!)
oder getrocknete Blätter (2 – 3 Teelöffel)
oder ein frisches, zerkleinertes Blatt
für eine Tasse Tee.
Zubereitung:
Wasser aufkochen, Blüten hineingeben ~ Tee genießen.
Du benötigst:
Getrocknete Wurzeln vom Löwenzahn. Entweder liegen lassen bis sie von selbst trocknen oder im Backofen ein wenig nachhelfen. Vor der Blüte sind die Wurzeln weniger bitter!
Zubereitung:
1. Zerkleinern.
2. In der Pfanne ein wenig anbraten ~ Optional ein wenig Zucker darüber, das neutralisiert die Bitterstoffe ein wenig.
3. Mahlen.
4. Pro Tasse einen Teelöffel des fertigen Pulvers verwenden. Eine Minute ziehen lassen, absieben uuuuund …
5. Den fertigen LöwenzahnKaffee genießen.
Dafür benötigst du:
Löwenzahnblätter ~ am zartesten sind sie im Mai, Juni! Einfach waschen oder in Salzlake legen und damit jeden Salat verfeinern.
Wenn dein Magen noch nicht so vertraut mit den Stoffen vom Löwenzahn ist, beginne langsam mit wenigen Blättern. Später kannst du dann mehr hinzufügen oder ~ je nachdem wie du es verträgst ~ einen ganzen Löwenzahnsalat essen. Da im weißen Milchsaft (welcher nicht giftig ist!) Bitterstofe, Triterpene und Harze vorhanden sind, kann man die Blätter vom Stiel auch einfach entfernen und man verträgt größere Mengen.
Wie immer gilt: jeder Körper reagiert unterschiedlich.