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Leeuwarden-Friesland 2018

  • 30. August 2018
  • Kulturpraxis

Ein reisendes Seminar – nach Leeuwarden-Friesland im Norden der Niederlande, eine der beiden Kulturhauptstädte Europas 2018. Wir erkunden sowohl die Stadt als auch den ländlichen Raum, um mit Organisator*innen, Bewohner*innen und Teilnehmenden über dieses besondere Jahr ins Gespräch zu kommen. Und wir nehmen jede Menge offene Fragen mit für die Bewerbung Hildesheims um den Titel 2025.

Eine etwas andere Exkursionsdoku von Lea Schütte und Kristin Elsner mit Fotos von Rebecca Viertel

UND JETZT? Während wir in Leeuwarden sind, können wir nicht aufhören an Hildesheim und die Bewerbung zu denken. Wir lernen, diese in einem anderen Licht zu sehen, erkennen Strukturen, die nicht nur die Verantwortlichen in Hildesheim aufgreifen und weiterentwickeln können und machen uns Gedanken, was wir eigentlich mit nach Hildesheim nehmen. Wir als Exkursionsteilnehmer*innen und für ein Wochenende zusammengewürfelte Gruppe fragen uns nach unserer Rolle, denn wir sind Tourist*innen und Forschende gleichermaßen. Und während sich einige einem Projekt gegenüber begeistert zeigen, sind es andere nicht. Wie können wir den Menschen auf Augenhöhe begegnen, die uns bereitwillig einladen und herzlich empfangen, auch wenn wir ihre Arbeit in künstlerischer und inhaltlicher Hinsicht unter Umständen für fragwürdig halten?

[PERSPEKTIVITÄT]

Wir haben viele Leute kennengelernt, die indirekt oder direkt mit der Kulturhauptstadt 2018 in Verbindung standen: Bewohner*innen Leeuwardens, Künstler*innen der Einzelprojekte im ländlichen Raum, politische Vertreter*innen von Stadt und Region, Mitarbeiter*innen in Ausstellungen, die uns alle ihre Perspektive auf das Kulturhauptstadtjahr gezeigt haben, wenn auch aus stark organisatorischem Blickwinkel. Eine große Frage ohne Antwort nehmen wir mit nach Hause: Wie setzt sich das alles zu einem Bild zusammen? Wer profitiert auf welche Art von diesem Jahr? Wie kann man diesen sehr unterschiedlichen Perspektiven und Ansprüchen in diesem Jahr gerecht werden?

[PARTIZIPATION]

Wir lernen zwar viele Perspektiven der Organisator*innen kennen, dennoch bleibt kaum Zeit, Besucher*innen zu befragen oder in längeren Kontakt mit Bewohner*innen zu kommen. Denn uns interessiert natürlich vor allem: Wie viel Partizipation steckt tatsächlich in diesem Kulturhauptstadtjahr? Leider können wir darauf nur wenige Antworten finden und fragen uns deshalb umso mehr: Ja, für wen ist denn dieses Jahr? Nach Ansicht der Programmverantwortlichen ist Leeuwarden-Friesland ein gemeinschaftliches Projekt von allen und doch soll das Programm auch viele internationale Tourist*innen anziehen. In den vereinzelten Gesprächen mit Leeuwarder*innen verstärkt sich jedoch der Eindruck, dass es für sie persönlich in ihrem Leben in Leeuwarden einen geringen Unterschied macht, ob dieser Titel vergeben wurde oder eben auch nicht. Andere wiederum berichten von der positiven Stimmung, die überall in der Stadt durch das Kulturhauptstadtjahr zu spüren ist.

[PROZESSHAFTIGKEIT]

Rückblickend erkennen wir, dass der Titel als Kulturhauptstadt immer auch prozesshaft bleibt und die Entwicklungen in ihrer Gesamtheit gesehen werden müssen. Es geht nicht um ein einmaliges Ereignis und das Füllen eines Jahres, sondern um Impulse und langfristig angelegte Ideen, die zukünftig etwas bewirken sollen und um Möglichkeiten, mit Hilfe von künstlerischer Intervention, Kultur und Kultureller Bildung die Region zu verändern und neu zu denken – und das alles vor den Herausforderungen der Gegenwart, beispielsweise Klimawandel, Diversifizierung der Gesellschaft oder dem demografischen Wandel. Während unseres Besuches war bei Weitem nicht alles fertig, sondern vieles befand sich mitten im Prozess und hat uns die Energie spüren lassen, die durch das Kulturhauptstadtjahr freigesetzt wurde. Auch das hat für unsere Exkursion dazugehört: zu merken, dass der Kulturhauptstadtstitel im besten Fall für eine langfristige Entwicklung sorgen kann. Dabei bleibt auch der Gedanke hängen, dass Prozesshaftigkeit ihre eigene Qualität hat und Ergebnisoffenheit mehr Spielraum bietet.

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