Ko-Organisator
Aaron Pohl über
Studium,
Musik und
das anstehende
Festival
Klangstärke°18

 LAUTER

 ALS DAS

 LICHT

Hallo Aaron. Als wir uns 2013 kennengelernt haben, hast du noch mit großem Enthusiasmus an der HAWK Lichtdesign studiert, inzwischen bist du im Master Kulturvermittlung an der Domäne eingeschrieben. Wie kam’s dazu?

Ehrlich gesagt, hab ich gemerkt, dass ich irgendwas mit Musik studieren muss, wenn ich für den Master nicht wie für den Bachelor fünf Jahre brauchen will. Außerdem war ich ein Semester lang Gasthörer in Musikgeschichte I. Da hab ich gemerkt, dass mir das ganze Uni-Ding mehr liegt als das Fachhochschulstudium. Ich gebe aber auch zu, dass ich mich in Hildesheim verliebt hatte und einfach noch ein paar Jahre hier bleiben wollte.

 AARON

Abgesehen vom Inhaltlichen, worin unterscheidet sich deiner Meinung nach das HAWK-Studium von dem an der Domäne, das ja auch als sehr praxisnah gilt?

Ich glaube, man muss das differenzieren: Ich habe Gestaltung studiert, das ist natürlich etwas völlig anderes, als Soziale Arbeit oder so. Beim Gestaltungsstudium kommt es immer darauf an, etwas zu entwerfen, das verkäuflich ist. In nahezu jedem Seminar mussten wir eigene Ideen entwerfen und im Schnitt zwei Mal präsentieren. So sahen auch unsere Prüfungsleistungen aus: Am Ende des Semesters Plakate zeigen, auf denen Lichtberechnungen und Visualisierungen zu sehen waren, und gegebenenfalls auch Modelle vorführen. Bei allen Plakaten, PDFs und sonstigen Präsentationen galt: So wenig Text wie möglich, ist immer noch fast zu viel. Mir wurde ständig gesagt: „Das will keiner lesen!“

Auf der Domäne ist das etwas völlig anderes. Hier zählt das Praktische ja eigentlich nur, wenn man darüber auch einen Text, eine Reflexion beispielsweise, schreibt.

Damals habt ihr auch angefangen, in der KUFA die Partyreihe Les Parties Modestes zu veranstalten, die in meinen Augen immer vergleichsweise opulent umrahmt war. Irgendwie schien ein ausgeklügeltes Raumkonzept dahinter zu stecken. Oder bilde ich mir das ein?

Richtig. Das war ein Ansatz, weil ich an der HAWK viel mit Innenarchitekturstudierenden zu tun hatte und toll fand, womit die sich beschäftigt haben. So was wollte ich auch machen.

Kannst du das näher erläutern?

Na ja, Raumgefühl, finde ich, ist etwas total Spannendes. Es braucht im Leben ja immer einen Raum, eine Definition davon, wo man sich im Verhältnis zum Raum befindet. Wenn es um soziale Interaktion geht, ist das noch viel wichtiger: Der Raum ist eine Art physikalische Kiste, in der alles abläuft. Dabei müssen die Raumgrenzen nicht aus Stein sein. Das können Lichtinseln sein oder einfach andere Menschen, die eine Begegnung rahmen. Für mich haben Partys immer etwas mit Begegnungen zu tun, und dafür braucht es einen Bezugsrahmen. Mit diesem Thema habe ich mich damals viel beschäftigt. Wie kann man das Raumgefühl beeinflussen? Wie kann man die Räume interessant gestalten? Welche Mittel kann man dazu benutzen?

Außerdem sollte die Party, zumindest zu Beginn, eine Plattform sein, auf der Künstler*Innen experimentieren. Wir haben allerdings ziemlich schnell gemerkt, dass freie Kunstprojekte für uns zu teuer werden.

Warum?

Ach, die Sachen waren einfach sehr experimentell, und das kam nicht immer gut an. Wir hatten zum Beispiel bis zur letzten Veranstaltung eine hitzige Auseinandersetzung über ein neongrünes Klo. Abgesehen davon waren diese Projekte, gemessen an dem, was für die Veranstaltung wichtig war, einfach zu kostspielig. Was nicht bedeutet, dass wir unser Budget nicht auch so bis zum letzten Euro ausgeschöpft hätten. Wir waren nach jeder Veranstaltung froh, wenn noch so viel Geld übrig war, dass wir alle zusammen noch ein Mal Essen gehen konnten. Trotzdem haben wir bis zum Schluss versucht, unseren experimentellen Charakter zu behalten und nicht nur schlicht die Deko von Sisyphos, Bar 25 und Co. zu kopieren. Das war immer ein Balanceakt zwischen Detailverliebtheit und Raumkonzept, an dem Theda, ich und all die anderen aus dem Team über die Jahre gewachsen sind. Ich hab unheimlich viel gelernt während des Projekts, vor allem wie ich mit Gruppenprozessen umgehe und wie Veranstaltungsdynamiken funktionieren.

Willst du dahingehend ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern? Gab’s Zoff?

Nö.

 PLAY

Mittlerweile arbeitest du in einem neuen Team daran, das Festival Klangstärke°18 zu organisieren. Worum geht’s euch?

Sehr knapp zusammengefasst: Einmal die experimentelle Praxis des Musikinstituts zu zeigen. Irgendwie haben die Musik-KuWis keine Plattform. Das wollen wir ändern. Klangstärke ist ein Festival, das neben der experimentellen musikalischen Ebene auch wichtige Themen unserer Zeit behandelt, Gender, Teilhabe, Inter- und Transkulturalität zum Beispiel. Das Ganze findet ja unter dem Motto UNSETTLING SETUPS statt, das heißt, wir wollen Konfigurationen und Anordnungen auf allen Ebenen untersuchen. Sei es in der Auswahl der Acts, die zum Teil über einen Open Call zusammengestellt wurden. Oder in der Auswahl unserer Räume: Eine Schmiede, ein Modekaufhaus und eine Sparkassenfiliale beheimaten unsere Künstler*innen genauso wie unser Festivalzentrum im ehemaligen BIZ oder der Kunstraum 53 oder die Bar Studio in der KUFA.

 KLANGSTÄRKE°18

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir übrigens Mareike Bautz, die regelmäßig auf den Modeste-Partys aufgelegt hat und der Hildesheimer Konkurrenz in Sachen Tanzbarkeit doch um einiges voraus war. Was machst du eigentlich momentan musikalisch?

Mareike war super! Das war ja das Schöne: Als wir die erste Modeste gemacht haben, hatte Mareike noch gar nicht so viel Erfahrung. Sie hatte beim Transeuropa 2012 aufgelegt, was mir gefallen hat, und sie gehörte zum erweiterten Freundeskreis. Das hat super gepasst. Sie ist dann sozusagen zur Resident-DJane bei uns geworden, war also immer im Line-Up. Ich glaube, da haben beide Seiten sehr von profitiert.

Und wie läuft’s bei Tappendoppler, deinem Alter Ego als DJ?

Ja, das ist auch so ein Modeste-Projekt. Als Mine und ich damals durch Zufall gleichzeitig angefangen haben, aufzulegen, also Musikstücke ineinander zu kleben übten, war Modeste für uns natürlich eine tolle Plattform, um uns auszuprobieren. Ich hatte vorher schon lange Musik am Computer gebastelt, sodass der Schritt jetzt auch nicht so weit war. Seit ein paar Jahren versuche ich allerdings den Computer nur noch dann zu nutzen, wenn es sich nicht vermeiden lässt. Musik mache ich inzwischen in meinem Stück für Stück zusammengebauten Studio. Trotzdem lässt sich der Computer erst mal noch nicht ersetzen, dafür muss ich wohl noch ein Weilchen arbeiten gehen.

Was fehlt dir denn noch? Und wie würdest du die Musik beschreiben, die du jetzt machst?

Ach, wenn man einmal angefangen hat, Synthesizer zu kaufen, wird man nie damit fertig. Ich habe gerade erst wieder einen neuen Synthie und einen Hardwarecontroller erstanden, die nächste Woche hier eintrudeln werden. Dafür gehe ich halt arbeiten. Und dann habe ich vor einem Jahr noch ein kleines Modularsystem angefangen. Das ist ein bisschen wie die Modelleisenbahn unter den Synthesizer-Nerds: Man kauft sich viele einzelne kleine Soundmodule, die man mit einem Wirrwarr aus bunten Kabeln verbindet, um völlig neue, eben experimentelle Klänge zu erzeugen. Speichermöglichkeiten für die Einstellungen gibt es keine, man kann nur aufnehmen, was man gemacht hat. Darin liegt in meinen Augen der Charme. Um etwas Neues zu kreieren, muss man das Alte löschen. Das erzwingt eine unfassbare Freiheit.

Meine Musik ist im Moment vor allem minimalistisch. Ich finde die Klänge an sich interessant und wie sie sich mit der Zeit verändern. Dafür braucht es aber Platz in der Musik. So was hat mich schon als kleines Kind interessiert und jetzt habe ich endlich ein Genre und eine Rechtfertigung dafür: Es macht mir einfach Spaß.

 PLAY

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