IMITATOREN

Die Krise des Patriarchats an 5 Beispielen

Wer in der letzten Zeit aufgepasst hat, an der oder dem ist es nicht vorbei gegangen: Es gibt eine Krise, eine große, eine gefährliche, eine Bedrohung: Männer sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Jedoch: Der kluge Mann baut vor und hat sich längst was überlegt, um nicht zum „Lauch“ zu verkommen oder demnächst als Kundin mitgemeint zu sein (wokommadenndahin?). Hannes Siebert und Eduard Schreiber alias die „meeresfrüchtchen“ haben über 5 große Männer der Popkultur gegoogelt, was das Zeug hält und tragen uns 5 Antworten auf die Krise vor.

 

Der erste Weg: Der King sein.

 

Wir Publikum sitzen vor einem weißen, geschlossenen Vorhang im Theater. So weit, so sicher. Die beiden weißen cis-Männer lassen ihre Hüften kreisen, „um ihren Penis zu betonen“, shaken ihre Schultern und vollführen etwas, was wir später als die moves des King Elvis Presley identifizieren dürfen. Klar, der King hatte die Krise nun wirklich im Griff. Und die girls, Leute, die girls erst!

 

Der zweite Weg: Boss werden. 

 

Wir sehen ein Video, in dem sich irgendwo der Rapper Kollegah verstecken soll, ich versuche ihn eine Weile in dem Gewimmel aus Männern mit copy-paste-Frisuren und -Bärten auszumachen und kann weder ihn noch irgendeine andere Hauptfigur ausmachen. Dazu weiß ich zu wenig, wie Kollegah nochmal aussieht. Muskulös, weil so sehen sie in diesem Clip alle aus. Ich lehne mich nach vorne, um die meeresfrüchtchen zu sehen, wie sie Klamotten von einer Kleiderstange werfen, schließlich einen kuscheligen Musclesuit vor ihre Oberkörper halten, aber „statt das anzuziehen, wollen wir lieber damit kuscheln“. Auf dem Boden liegen sie nun und erzählen, dass man Kollegah eigentlich weder zitieren darf (menschen- und besonders frauenfeindliche Texte at it’s finest) und eigentlich auch nicht reproduzieren oder imitieren (!), sondern dass für sie lediglich der Weg der Kritik am Boss in Frage kommt. Ich lehne mich zurück, in den Semesterferien überrascht mich dieser Referatsduktus, und sexy ist er auch nicht. Ich erfahre, wie ich Boss werden kann (den Körper trainieren, die Psyche stärken und die Gefühle kontrollieren), welche Klamotten ich dann tragen sollte und gähne kurz, weil, äh, ich bin ja eine Frau und die werden kein Boss.

 

Der dritte Weg: Philipp – Poisel – Penis. – 

Poisels zerknautsches Gesicht erscheint auf dem Vorhang. Unter höchster Anspannung beantwortet er hochfrequent getaktete Interviewfragen und weiß zum Buchstaben P gerade mal seinen Vor-, Nachnamen und eben seinen Penis zu nennen. Mehr braucht’s nicht. Vor allem nicht, wenn man sonst eigentlich voll der süße, smarte, tiefsinnige Boy ist, wie uns Eduard zeigt: die langen blonden Haare mit akkurater Nachlässigkeit ins Gesicht gestrichen, gibt er alles, was die Emotionsskala nach oben zu bieten hat: „Du!“, ruft er sehnsüchtig ins Mikro während sein Kollege auf dem Harmonium rumdrückt. „Du rennst mit mir durch den Schnee. Und dann wirfst du einen Schneeball auf mich. Und ich werfe einen zu dir. Aber nur ganz leicht. Und dann hast du drei Tage nicht angerufen. Und dann ruf ich an und frag, wie es dir geht und ob du an mich denkst (…)“ Wie soll ein Mensch das ertragen?, fragen wir uns.

 

Der vierte und fünfte Weg: Eine Reise zum Nordpol auf Koks.

Auch Markus Lanz weiß und Falco wusste, wie man mit der Krise umzugehen hat. Lanz interviewt sich in seiner Freizeit selbst bis zur Fremdscham, Falco erkannte seine Lösung in Erfolg, Alkohol und Drogen – was jetzt auf der Bühne passiert macht Spaß, geht schnell, ist albern und ab und zu baumeln ein paar Hoden. Dann wird es dunkel.
200 behauptete Jahre später hat die Inszenierung „Imitatoren“ dazu geführt, alles Weiche und nicht-männliche aus der Welt verschwinden zu lassen. Ein kurzes Aufflackern von Taschenlampenlicht am Technikpult. Dort Berit Wilschnack und Laura Zielinski. Aus dem Schatten schaffen es die Frauen auch
hier nicht. Aber von einer Krise mag da wer anders sprechen.

 

Text: Lisa-Marie Krauß
Fotos: Berit Wilschnack

 

Nächste Termine:

  • 14.6.18
    KuFa 20:00 – 21:00
  • 15.6.18
    KuFa 20:00 – 21:00

Tickets 6€ / erm. 3€

Reservierung unter:
kultur.hi@stw-on.de

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