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I GO TO THERAPY

  • 4. Mai 2021
  • Kulturpraxis

I go to Therapy – Ein Call for Action gegen die Stigmatisierungen mentaler Gesundheit!  Ein Post, der andere dazu ermutigen soll, sich bei Bedarf Unterstützung zu suchen. Wir wollen empowern und ermutigen statt stigmatisieren! #endthestigmaofmentalhealth 

Stigma Psychotherapie

Eigentlich ist es doch ganz einfach: Wir wissen, dass wir uns sowohl um unser körperliches als auch unser psychisches Wohl kümmern müssen. Wir versuchen, uns gesund zu ernähren, treiben Sport, nehmen vielleicht sogar Vitamin D oder Magnesium. Wir tun all dies unter dem Vorsatz, dass es uns möglichst lange gut gehen soll und wir gesund bleiben. Und wenn wir das Gefühl haben, dass etwas nicht stimmt, gehen wir zu einer Ärztin oder einem Arzt. Selbst mal bei einer einfachen Erkältung. Und hast du dich dafür schon einmal geschämt? War es dir schon einmal unangenehm, zu erzählen, dass dir eine gesunde Ernährung wichtig ist? Vermutlich nicht.

Warum sieht all das bei der psychischen Gesundheit anders aus? Um diese zu pflegen, müssen wir schließlich auch einiges tun. Vor allem, wenn es gerade akut ist, aber auch, um ein gutes Gefühl und eine Ausgeglichenheit zu erhalten. Wenn es dir also nicht gut geht und du das Gefühl hast, dass dir eine Unterstützung guttun würde, dann solltest du genauso unkompliziert bei einer Psychologin oder einem Psychologen anrufen und ebenso anderen davon erzählen. Da gibt es keinen Grund zur Scham. Denn nur, weil du kein gebrochenes Bein hast, was für alle klar ersichtlich ist, heißt es nicht, dass du es nicht wert bist, dir Hilfe zu suchen. Und um diese Unterstützung in Anspruch zu nehmen, brauchst du keinen Beinbruch. Es liegt ganz bei dir, ob du dich dafür entscheidest – und das ist Grund genug.

Wer darf Unterstützung in Anspruch nehmen?

Wenn ich mit Menschen darüber rede, fällt mir auf, dass viele denken, es würde ihnen nicht schlecht genug gehen, damit sie sich Hilfe suchen dürfen. A hat früh die Eltern verloren, B eine schlimme Trennung erlebt. Ja, die letzten Wochen waren schlimm aber ich habe eigentlich keinen Grund und keine Berechtigung mich schlecht zu fühlen. Und deswegen steht es mir dann auch nicht zu, mir Unterstützung in Form einer Therapie zu suchen. Das ist viel zu verbreiteter Murks. Diese Gedanken sind es nicht wert, ihnen auch nur eine halbe Sekunde lang Aufmerksamkeit zu schenken. Du kannst Dir immer Unterstützung suchen und brauchst dafür keine für andere ersichtliche Legitimation. Viele Krankheitsbilder suggerieren uns, wir wären nicht krank. Es kann demnach sogar ein Warnsignal sein.

Therapien helfen dabei, uns wieder in ein Gleichgewicht zu bringen, wenn ein Ungleichgewicht entstanden ist – und schließlich kannst nur du selbst beurteilen, ob du gerade in einem Gleichgewicht oder Ungleichgewicht lebst. Und da ich weiß, dass wir dies leider meistens zweimal hören müssen, bevor wir es glauben, gebe ich nun das Wort an Niklas weiter:

Ich würde gerne allen, die zweifeln, Mut machen den ersten Schritt zu gehen. Ich habe selbst in den letzten Monaten oft überlegt, ob eine Therapie überhaupt sinnvoll ist, ob ich so etwas überhaupt brauche. Wenn euch Gedanken wie “aber mir geht’s doch schon viel besser” oder “aber so schlimm ist’s doch gar nicht, ich komm ja noch klar” bekannt vorkommen: Macht einfach mal ein psychotherapeutisches Erstgespräch oder nutzt ein niedrigschwelliges Beratungsangebot. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Einfach nur den ersten Schritt getan zu haben, tut unfassbar gut. Die ganzen Gedanken darum, ob man jetzt eine Therapie “braucht” oder nicht, waren für mich unterbewusst schon eine große Last – und die wird einem so genommen. Denn seien wir mal ehrlich: Die Einschätzung kann und sollte man ganz entspannt den Profis überlassen. – Niklas.

Ablauf bis zur Therapie

Du brauchst keine Überweisung, um ein Erstgespräch mit einer Therapeutin oder einem Therapeuten deiner Wahl zu vereinbaren. Der erste Schritt ist demnach bloß, dir ein paar Adressen rauszusuchen und die Praxis mit einer Form deiner Wahl zu kontaktieren. Ein Erstgespräch kann man sich übrigens ohne Telefonat über eterminservice.de vermitteln lassen. Du kannst dir im Vorfeld überlegen, welche Ansätze du für dich spannend findest – aber das ist kein Muss. Die Therapeutin wird dich im Erstgespräch beraten und dir gegebenfalls für dich passendere Methoden aufzeigen.

Das Wichtigste ist, dass du dich wohlfühlst und ein gutes Gefühl mit der Person hast. Studien nach Klaus Grawe belegen dazu, dass die aufgebaute Beziehung zu Therapeut*innen und die Aussicht auf Heilung elementar sind für die Genesung. Die Therapiemethode ist daher nicht immer ausschlaggebend.

Nach dem Erstgespräch stehen dir bis zu vier Sitzungen zu, danach kannst du dich immer noch entscheiden, ob Du eine Therapie machen möchtest – oder nicht. Bis zu dem Zeitpunkt wird dies nicht weiter bei deiner Krankenkasse vermerkt. Wenn du dich dann für eine Therapie entscheidest, beantragt die Therapeutin mit einer mit dir abgestimmten Diagnose Stunden bei deiner Krankenkasse (wenn du gesetzlich versichert bist und nicht als Selbstzahler*in kommst).

Leider können die Wartezeiten für ein Erstgespräch oft recht lang sein – daher ist es wichtig, sich ein paar mögliche Adressen heraus zu suchen. Wenn es dringend ist, gibt es aber für die Überbrückung der Wartezeiten genügend niedrigschwelligere Beratungsangebote, die ebenso hilfreich sind. Oder du wendest dich an ein Ausbildungsinstitut für Therapeut*innen – dort bekommst Du meistens schneller einen Therapieplatz. Die Therapeut*innen befinden sich in der Ausbildung und halten regelmäßig Superrevisionen über ihre Sitzungen ab – du bist dort in sehr guten Händen!

I GO TO THERAPY

Auf meinen Aufruf hin haben sich einige Menschen mit ihren Erfahrungen und ermutigenden Worten gemeldet. Diese Erfahrungen kommen von Menschen mit Therapieerfahrungen als Patient*in sowie von einer Therapeutin (Lisa). Die Texte, die ich in Schriftform bekommen habe, wurden von anderen Personen eingesprochen. Die vielen eingesprochenen Eindrücke sollen sichtbar machen, dass ihr nicht alleine seid, und euch Tipps geben und ermutigen.

Das Thema der psychischen Gesundheit ist noch oft stark mit Scham und Schweigen behaftet. Diesem sozialen Vakuum steht jedoch eine steigende Zahl von Studierenden gegenüber, die beispielsweise unter Depressionen, Panikattacken oder Angststörungen leiden; im Jahr 2018 war hiervon jede*r sechste Studierende hiervon betroffen, ein Großteil aus den Geistes- und Kunstwissenschaften (vgl. hierzu diverse Beiträge zu psychischer Gesundheit und Belastung im Studium in Forschung und Lehre sowie anderen einschlägigen Wissensmagazinen). Sich Hilfe zu suchen ist keine Form von Schwäche, sondern Selbstfürsorge. Höre gerne in ein paar Eindrücke herein!

 

Psychologische Beratungstelle  der Universität Hildesheim

Die Universtät Hildesheim bietet ebenfalls eine kostenlose psychologische Beratung. Hier kannst Du Sitzungen bei Therapeut*innen bekommen, ohne dass es über die Krankenkasse abgerechnet wird. Dort könnt ihr dann zusammen überlegen, wie dir am besten geholfen werden kann. Kurze Telefonsprechstunden sind ebenfalls möglich.

Termine kannst Du ganz einfach über das Servicecenter (05121) 15 02 – 00 vereinbaren.

In Notfällen wendet euch an:

Krisentelefon Hildesheim
täglich 18.00 – 22.00 Uhr
Tel. (05121) 588 28

Sozialpsychiatrischer Dienst
Schützenallee 35 – 37
31134 Hildesheim
Tel. (05121) 309 – 73 75

Ameos Klinikum
Psychiatrisches und psychotherapeutisches Fachzentrum
Goslarsche Landstraße 60
31135 Hildesheim
Tel. (05121) 103 – 1

 

 

Ein Beitrag von Lucia Hasenburg

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