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Hildesheimer Stimmen

  • 19. März 2021
  • Kulturpraxis

Ein Beitrag über den Roman „Erste Hilfe“ von Mariana Leky. 

In dem ersten Lockdown habe ich wieder mehr angefangen zu lesen. Nun konnte ich endlich in all den Büchern schmökern, die auf meinem Nachttisch schon zu lange nach Aufmerksamkeit gebettelt hatten. Ein Roman aus dem letzten Jahr ist im Nachhinein zu meinem Lieblingsbuch geworden. Beim Lesen wusste ich noch nicht, dass es sich zusätzlich um eine bei uns auf der Domäne studierte Schriftstellerin handelt. Nun möchte ich euch den Roman von ihr gerne vorstellen.

Wenn das Verrücktsein in Dich hineinrennt

„Kann ich wohl die nächsten Jahre bei euch bleiben?“, fragt sie dann. „Natürlich“, sage ich.“ „Warum eigentlich?“, fragt Sylvester. „Bist du sicher, dass du nicht verfolgt wirst?“, frage ich, obwohl keiner von uns jemals verfolgt worden ist. Wir werden nicht verfolgt und nicht bedroht, bei uns sind keine Maler, und eigentlich schickt auch nie jemand etwas, das schnell bei uns ankommen muss. „Ich würde einfach gerne bei euch bleiben“, sagt Matilda. „Aber du schläfst doch nie gerne woanders“, sagt Sylvester, und Matilda sagt: „Ich bin verrückt geworden.“ „Was?“, fragen wir, denn Matilda hat das ziemlich laut gesagt. „Gestern um kurz nach fünf“, sagt Matilda. „Was ist denn passiert?“, fragt Sylvester. „Eigentlich nicht viel“, sagt Matilda. S. 40-41, Erste Hilfe, Mariana Leky.

Mariana Leky beschreibt ein zaghaftes, erfinderisches und heldenhaftes Trio. Die Erzählerin, deren Namen wir nie erfahren, und ihr ‚Vielleicht-Freund‘ versuchen so gut sie es können und eben wissen, gemeinsam ihrer Freundin Matilda zu helfen. Matilda glaubt, verrückt zu werden. Sylvester hingegen sagt, wenn man nur glaubt, verrückt zu werden, dann sei man noch nicht verrückt. Die Menschen, die wirklich ‚verrückt‘ sind, die wären es einfach und würden nicht glauben, dass sie es werden könnten. Aber so richtig beruhigt Sylvesters Auffassung Matilda nicht. Denn Matilda kann auf einmal keine Straßen mehr überqueren. Es ist ihr unmöglich, da vielleicht mitten auf der Straße ein Verrücktsein auf sie wartet und dann schließlich in Gänze ausbrechen würde. Aber wie kommt man nach Hause, wenn auf den Straßen das Verrücktsein wartet? Was machst du dann? Matildas Angst zeigt uns, wie präsent und einschränkend Furcht ist. Vor allem, wenn andere sie nicht sehen können und sie in deinem eigenen Kopf versteckt ist.

Wir erleben Matilda als eine kluge, ruhige Frau. Obwohl wir, wie über alle Figuren, gar nicht viel über sie erfahren, schließe ich Matilda sofort in mein Herz. Es ist, wie die Erzählerin im Buch sagt: Wenn Matilda spricht, möchte man ihr zuhören, und wenn sie zu Besuch ist, hofft man, dass sie lange bleibt.

Mariana Leky schafft es, humorvolle und zugleich berührende Gespräche entstehen zu lassen, die zum einen die Hilflosigkeit ihrer Freund*innen widerspiegeln und zugleich Matildas Angst faszinierend greifbar für den/die Lesende*n werden lassen. Ihr Roman enttabuisiert den Umgang mit psychischen Krankheiten, insbesondere in Matildas Fall mit Angst- sowie Panikstörungen. Ihr Roman zeigt uns, wie real sich Ängste anfühlen können, und macht die Gedanken sichtbar, die die Betroffenen quälen und welche wir viel öfter mit anderen teilen sollten. Denn in einem kleinen Rahmen kennt schließlich jede*r Furcht, nur reden wir nicht über diese Gedanken, die wir selbst für etwas ‚verrückt‘ und  nicht ‚normal‘ halten.

Mariana Leky beschreibt in ihrem Roman eine wundervolle und sehr eigene Freundschaft zwischen den dreien. Auch wenn nicht alle Ratschläge und Ideen Matilda zu helfen glücken, werten die beiden nie. Sie sind für Matilda da, sagen ihr, dass sie nicht verrückter als andere ist, und hören einfach zu. Und vor allem helfen sie Matilda, sich ihrer Angst zu stellen. Denn die Angst verliert nur ihre enorme Kraft, wenn sie herausgefordert wird.

Ich habe das Buch sehr genossen beim Lesen – und ich habe sehr viel geschmunzelt und mitgefühlt. Mariana Leky fängt die Eigenheiten der Protagonist*innen hervorragend ein, die wir eigentlich nur mitbekommen würden, wenn es ein Film wäre. Durch ihre Wortwahl und ihre spielerischen Aneinanderreihungen zeichnet sie uns die Szenerien auf dem Papier und in unserer Fantasie.

„Wussten Sie, dass Menschen mit Angststörungen im Grunde potentielle Helden sind?“ „Nein“, sage ich. „Wenn es wo brennt“, sagt die Therapeutin, „sind Menschen mit Angststörungen die Ersten, die die Kinder aus dem brennenden Haus retten.“ […] „Sie sind nämlich gut in Extremsituationen“, sagt die Therapeutin, „weil ihr ganzes Leben eine Extremsituation ist.“ (S.168)

Mariana Leky studierte 1999 nach ihrer Buchhandelslehre kreatives Schreiben und Kulturjournalismus bei uns an der Universität Hildesheim. Bei DuMont erschienen der Erzählband „Liebesperlen“(2001), die Romane „Erste Hilfe“ (2004), „Die Herrenausstatterin“ (2010) sowie „Bis der Arzt kommt“ (2013). 2017 veröffentlichte sie den Spiegel-Bestsellerroman „Was man von hier aus sehen kann“. Dieser wurde in über zwanzig Sprachen übersetzt. Man munkelt, dass es davon bald zusätzlich eine Verfilmung geben wird.

 

 

Quellen:

Titelbild: Lucia Hasenburg
Portraitfoto Mariana Leky: Franziska Hauser
Literatur: Erste Hilfe (2004), Mariana Leky, DuMont Buchverlag Köln, fünfte Auflage 2020.

Ein Beitrag von Lucia Hasenburg

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