DIE WIRKLICH WAHRE GESCHICHTE DER STADT HILDESHEIM

VON DANIJEL SZEREDY

TEIL I:

GRÜNDUNGSSAGE

Von der Gründung der Stadt Hildesheim berichten drei Sagen.

Nach der ersten verirrte sich der Kaiser Ludwig der Fromme im Wald, während er nach einem weißen Hirsch jagte. Ludwig war Sohn von Karl dem Großen – was ihn, nebenbei bemerkt, einen ungeheuren Ödipus-Komplex entwickeln ließ – und Hildegard, Karls dritte und letzte Ehefrau, bekannt durch ihre Gewohnheit, die Männer, mit deren Leistungen im Bett sie unzufrieden war, eigenhändig zu kastrieren. Diese Eigenschaft erklärt die vielen kriegerischen Unternehmungen ihres Gatten, der – mit seinem fortschreitenden Alter – in der Gesellschaft seiner Frau sich zunehmend unwohler fühlte. Als Hildegard, gelangweilt von der Zurückgezogenheit und Abwesenheit ihres Gatten, Karl mitteilte, dass sie mehrere Liebhaber und Liebhaberinnen zu haben gedachte und dabei verschwieg, wie viele Liebhaber und Liebhaberinnen schon vor der Mitteilung gewesen waren, zeigte sich der große Kaiser von der Idee begeistert. Während der blutigen und langwierigen Kämpfe an den Grenzen des Reiches versäumte er es nie, ein paar Offiziere, die ihn dazu geeignet schienen, zu seiner Ehefrau zu schicken als Andenken – dabei ließ er auf der Haut der Männer Liebesbotschaften ritzen, die mit Zeichnungen versehen waren – eine Künstlerin aus seiner Gefolgschaft übernahm die Aufgabe und wurde somit zur ersten Tätowiererin Europas. Auch wird berichtet, dass Karl seinerseits die Vorzüge der offenen Beziehung nicht genießen wollte, was die Vermutung auftauchen ließ, dass er nach der letzten Nacht mit seiner Frau es gar nicht mehr konnte.

Ludwig, der von den Beziehungen und Abmachungen seiner Elternteile nichts wusste – auch weil Karl jedes Kind als sein eigenes ansah – hatte einen Zwillingsbruder namens Lothar. Ludwig und Lothar liebten sich nicht. Unterschiedliche Quellen weisen darauf hin, dass der Grund des fortdauernden Streits zwischen den Brüdern so einfach wie unüberwindbar war: Ludwig war nämlich ein sehr begeisterter Jäger, während Lothar sich strikt vegan ernährte und ein großer Tierfreund war.

So befand sich Ludwig im Jahre 815 im Hildesheimer Wald und jagte nach einem Hirsch, der eigentlich schwarz war, jedoch von den Sagen und Legenden der Zeit als weiß dargestellt wurde – eine der ersten Spuren von Whitewashing in der Geschichtsschreibung. Lothar war aber auch im Wald unterwegs, was Ludwig nicht wusste. Lothar schlich sich hinter seinen Bruder und bei der nächstbesten Gelegenheit – Ludwig musste eine kleine Pause machen, um sich hinter einem Rosenbusch zu entleeren – griff er Ludwig an und schlug ihn ohnmächtig.

Als Ludwig erwachte, sah er den Platz mit Schnee bedeckt, während sonst alles grünte. Das war nur die erste der vielen Visionen, die ihm seit dem Vorfall begleiteten – überall sah er Heilige und schneebedeckte Wiesen, was eine schwere Gehirnerschütterung vermuten lässt und die Bezeichnung des „Frommen“ ihm brachte – denn er entwickelte die Gewohnheit, oftmals mit weit aufgerissenen Augen in die Leere zu starren und unverständliche Worte auf Latein zu murmeln, was sein Gefolge als Gebet interpretierte. Auch verlor er jegliche Lust auf die Jagd. Diese überraschende Wendung erfreute Lothar sehr, der an dem genauen Ort der Prügel – oder, wie in der Geschichtsschreibung steht, des Wunders – eine Kirche erbauen ließ, die das Zentrum der Stadt Hildesheim wurde. Die Stadt wurde nach der Mutter von den Zwillingen genannt, denn es war bekannt, dass die Geschlechtsteile der vorschnellen Männer in den Wald um der Kirche begraben wurden – was zu sehr merkwürdigen Blumengewächsen führte. Die Verkürzung des Namens „Hildegard“ wird von Historikern weitgehend als Racheakt interpretiert, da es überliefert wurde, dass der Namensgeber und erster Bürgermeister der Stadt ein Verhältnis mit der Kaiserin hatte.

Nach der zweiten Sage, der wohl bekanntesten, wurde die Stadt Hildesheim durch Zufall erbaut. Ludwig der Fromme war nämlich ein leidenschaftlicher Spaziergänger – er verbrachte seine Tage, indem er durch unbekannte Wälder ging, die Natur beobachtete und die Bäume umarmte – auch sprach er unerlässlich von und mit den Geistern, die seiner Ansicht nach in allen Dingen wohnten. Seine angeborenen Neigungen wurden noch verstärkt durch die Begegnung mit asiatischen Handelsleuten, die ihn in die Geheimnisse der Esoterik und der östlichen Religionsphilosophie einweihten. Natürlich durfte er die orientalischen Lehren nicht offen praktizieren, sonst wäre er der Ketzerei und des Irrglaubens beschuldigt worden, er schickte sich also, beim Spazierengehen die Namen der Jungfrau Maria und des Jesu oftmals und zusammenhangslos zu wiederholen, während er seine innere Welt erkundete. Er ging wahrlich so weit in sich hinein, dass er sich verlor. Er schwieg nur noch und spazierte durch die Wälder, nur manchmal, in regelmäßigen Abständen, als letztes Zeichen der Rücksicht für die Christen, die ihm folgten, oder bloß aus Gewohnheit, brach er das Schweigen um die Namen irgendwelcher Heiligen herauszuschreien.

Nur war Ludwig in seiner Wanderungen niemals allein. Da er Kaiser war, schleppte er hinter sich ein vielköpfiges Gefolge an Ministern, Offizieren, Damen und Ärztinnen her. Sein Gefolge war verzweifelt: Die Wanderungen wollten kein Ende nehmen, der Kaiser aß nicht und schlief nicht, er meditierte nur gelegentlich, was aber bei der Gefolgschaft keineswegs Ruhe bedeutete, denn bei solcher Meditationen nahmen die Schreie des Kaisers zu. Auch verlangte er von den Ärztinnen ein Getränk, das der Kaiser „Tee“ nannte und in Europa noch nicht erfunden wurde. So sammelten die verwirrten Ärztinnen die Kräuter, die im Wald zu finden waren, und gossen diese mit heißem Wasser auf – sie leiteten damit die große Tee-Tradition Hildesheims ein und entwickelten sogar die berühmte „Hildesheimer Mischung“, die bis heute in den Läden der Innenstadt recht billig zu kaufen ist. Um das Wasser bei den langen Spaziergängen warm zu halten und somit das Anzünden von Feuerstellen zu vermeiden, brachten die Diener und Dienerinnen mit sich ein großes Metallfass, das mit Holz überzogen und hermetisch wiederverschließbar war – nach vertraulichen Quellen sollte diese Erfindung in späteren Zeiten als Vorbild für die Thermoskanne dienen.

Da der Kaiser, ungeachtet des Wetters, selbst im Regen und Sturm und Schnee auf seine Spaziergänge beharrte, begann sein Gefolge zu rätseln, wie man die eigenen Füße trocken halten könnte. So wurden Architekten und Bauleute eingeladen und bei schlechtem Wetter mit Gewalt gezwungen, an den Spaziergängen des Kaisers teilzunehmen. Zu dem Zeitpunkt war Ludwig der Fromme nicht mehr zurechnungsfähig und hatte sich vollkommen seiner Umwelt verschlossen. So begannen die Bauleuten, hinter dem Kaiser Straßen zu bauen, worauf dann das Gefolge angenehmer spazieren konnte. Die Geschwindigkeit des Straßenbaus, zusammen mit den technischen Entwicklungen, die damit einhergingen, ist wohl der beste Beweis, dass Notwendigkeit die Mutter der Erfindung ist. Am Rande der Straßen öffneten kluge Kaufleute Geschäfte und Kneipen, um die Gefolgschaft bei den endlosen Wanderungen zu unterhalten – auch wird erzählt, obwohl die Quellen in diesem Fall umstritten sind, dass die Gefolgschaft begann, sich kleine Wattebällchen in die Ohren zu stopfen, um von den Schreien des Kaisers nicht gestört zu werden. Diese Wattebällchen, die später von der Firma Ohropax™ seriell hergestellt wurden, verdanken ihre gelben und bunten Farben den armen Hygieneverhältnissen der Zeit.

Es wird erzählt, dass Ludwig der Fromme nach einer siebenjährigen Meditation starb. Es bleibt allerdings ungeklärt, wie lange der Kaiser vor seinem Tod tatsächlich meditiert hatte und ob er tatsächlich starb – lediglich bemerkte nach sieben Jahren ein Bauernmädchen, dass der Kaiser verschwunden war, was zu großem Erstaunen in der Bevölkerung führte: Die Menschen hatten ganz und gar vergessen, dass sie irgendeinem Kaiser folgten. So ließen sie sich nieder in der zufällig entstandenen Stadt, deren Straßenverläufe nach den Irrungen des Kaisers erbaut wurden, und nannten die Stadt nach dem Bauernmädchen, die durch ihre beiläufige Bemerkung die Augen der ehemaligen Gefolgschaft auf das Fehlen des Kaisers öffnete.

Am Ort, wo der Kaiser zuletzt gesehen wurde, wurde der Hildesheimer Dom gebaut. Spätere Nachforschungen zeigen allerdings, dass die Bevölkerung sich getäuscht hatte: Der Rosenbusch, unter dessen Schatten der Kaiser meditierte, blüht bis heute nicht an der Wand des Doms, sondern unter meinem Balkon.

Die dritte Sage ist viel älter, viel unbekannter und viel umstrittener als die ersten beiden: Nach dieser Sage existierte die Stadt schon im Jahre 577 unter dem Namen von Bennopolis. Der Name tauchte auf einer Pariser Zeitschrift zum ersten Mal auf, wobei Historiker und Historikerinnen behaupten, der Eintrag sei offensichtlich gefälscht. Von der Fälschung des Eintrags und von der Stadt Bennopolis ist folgende Geschichte überliefert: Im sechsten Jahrhundert war ganz Europa erschüttert von den Machtkriegen, die dem Zerfall des römischen Kaisertums folgten. In dieser Zeit gründete jeder Herrscher sein eigenes kleines Reich, wobei die arbeitende Bevölkerung und die Bauernleute oft nicht wussten, unter welchem Herrscher sie standen, da durch die ständigen Eroberungskämpfe mehrere Könige am Tag gekrönt wurden. Müde von dem nie endenden Krieg, entschloss sich ein Herrscher namens Benno, die Monarchie und die erstarrten Hierarchien der militärischen Institutionen zu beseitigen und eine Stadt im Zeichen des Friedens zu gründen. Benno vertrat nämlich die demokratischen Werte, die er in seinen Streifzügen durch Griechenland und Persien kennengelernt hatte, und glaubte fest und unerschütterlich an die Kraft des Kollektivs. Er war zudem ungewöhnlich belesen für einen Herrscher und hielt oftmals lange Ansprachen. Es wird sogar berichtet, er sei der Erfinder der Fußnote: Während er sprach, zitierte er gerne die Philosophen und Schreibende der Vergangenheit, da er aber seine Quellen sehr gewissenhaft benennen wollte, stampfte er mit dem Fuß nach jedem Zitat und ratterte Name, Vorname, Titel, Erscheinungsort, Erscheinungsjahr und Seite des zitierten Werkes herunter.

Der Hildesheimer Wald inmitten der niedersächsischen Ebene war zu der Zeit noch herrenlos. Aus unbekannten Gründen vermieden die Herrscher diesen Erdenfleck und fuhren lieber nach Hannover, um dort ihre kriegerischen oder feierlichen Unternehmungen fortzuführen. Aus diesem Grund ließ sich hier Benno im Jahre 577 nieder; sicher, dass der Bau der friedlichen Stadt nicht gestört werden würde. Ganz seinen Ansichten nach entschied Benno, dass die Planung der Stadt demokratisch und kollektiv erfolgen sollte. Dafür organisierte er die erste Vollstadtversammlung der Geschichte, in der jede Bürgerin und jeder Bürger das Wort ergreifen durfte.

Die Versammlung begann mit der Auflistung der Teilnehmer und Teilnehmerinnen. Sie waren 2057 an der Zahl. Jedem wurde das Recht auf Äußerung innerhalb der Versammlung eingeräumt, ohne Zeitbegrenzung. Als alle Mitglieder und Mitgliederinnen benannt wurden, begann die Diskussion. Benno sprach als Erster. Sein Beitrag dauerte drei Tage und drei Nächte. Als er endlich zu Ende sprach, wurde der nächste Redner von der Liste aufgerufen, keiner meldete sich aber zum Wort. Große Bestürzung erfasste die Versammlung. Drei Tage und drei Nächte lang wurde der fehlende Teilnehmer gesucht, bis er besoffen im Wald gefunden wurde. Mit Gewalt wurde er zur Stadtversammlung zurückgeschleppt, er lallte und roch schlecht, musste dennoch seinen Beitrag zu Ende führen, was alles andere als leicht war: Er stieß nur unzusammenhängende Wörter heraus und schlief gelegentlich ein, ohne das Wort weitergegeben zu haben, also musste die ganze Stadtgesellschaft warten, dass er wieder wach wurde und weiter sprach. Nach drei Tagen und drei Nächten beendete er endlich seinen Beitrag. Der dritte Name auf der Liste wurde aufgerufen. Auch in diesem Fall meldete sich keiner zu Wort: Die Frau, die als dritte Sprecherin eingetragen wurde, war nämlich tot. Hier wusste sogar der große gelehrte Benno nicht weiter. Eine Sonderdiskussionsrunde über eine Änderung der Regeln der Stadtversammlung wurde beantragt. Bis der Antrag genehmigt wurde, vergingen drei Tage und drei Nächte. Nach weiteren drei Tagen und drei Nächten wurde beschlossen, dass die Toten nicht reden durften.

So ging die Vollstadtversammlung weiter durch Anträge und Gegenanträge, Wortmeldungen und Sonderbeiträge. Alle Beschlüsse und Ergebnisse der Versammlung wurden gewissenhaft protokolliert, es wäre allerdings zu lang, sie hier aufzuführen. Ein paar Beispiele können der Forschung dennoch interessante Einsichten in die Diskussionskultur des frühen Mittelalters bieten: Der erste Antrag auf eine Essenspause brauchte fünfzehn Tage, um genehmigt zu werden. Erst ein volles Jahr später wurde durch eine Sonderkommission die Regel abgeschafft, die das Essen und Trinken während der Stadtversammlung verbot. Eine weitere Zusatzregelung gestattete den Geschlechtsverkehr während der Versammlung – es ist explizit aufgeführt, dass jede Form des Geschlechtsverkehrs zugelassen ist, mit beliebig vielen Teilnehmern und Teilnehmerinnen von beliebig vielen Geschlechtern – die Paarung mit Tieren wurde allerdings nachträglich verboten. Kinder ab dem sechsten Jahresalter konnten erfolgreich das Recht auf Wortmeldung erkämpfen, die Wartezeiten zwischen Wortmeldung und tatsächlichem Beitrag zogen sich aber so lange, dass keine Person vor ihrem dreißigsten Geburtstag je zum Sprechen kam. Eine letzte Merkwürdigkeit: Ein Antrag auf die Begrenzung der Zeit der einzelnen Wortbeiträge und Diskussionen scheiterte zuletzt, weil die Diskussion über den Antrag die Antragstellerin überlebte.

Die Vollstadtversammlung zog sich somit durch die Jahrhunderte, die Kinder erbten die Stimmrechte ihrer Eltern und diskutierten an ihrer Stelle über die Planung der friedlichen Stadt. Die Versammlung war aber keineswegs vom Rest der Welt isoliert: Die Bevölkerung schickte regelmäßig Versandte nach allen Kontinenten, um die neuesten Entwicklungen der Technologie und der Politik zu lernen, damit sie im Plenum diskutiert werden konnten. Leider waren diese Berichte der Außenwelt auch einer gewissen Verzögerung unterzogen. Die Nachricht zum Beispiel, dass nicht weit vom Ort der Vollversammlung mittlerweile eine Stadt namens Hildesheim gegründet worden war, erreichte die Versammlung erst im siebzehnten Jahrhundert, mit einer Verspätung von achthundert Jahren. Die Stadtversammlung beschloss demnach im Eilverfahren – das seinerseits zweihundert Jahren dauerte – eine Gesandte der Stadt nach Paris zu schicken, um bei dem französischen König die Rechte der Gefolgschaft von Benno (mittlerweile Benno XLII) auf das Stück niedersächsisches Land geltend zu machen – nach dem universalen und oft gebrochenen Gesetz, das besagte: Wir waren hier zuerst.

Als die Gesandte Paris des neunzehnten Jahrhunderts erreichte, staunte sie, wie weit der Stadtbau schon fortgeschritten war unter den vielen kriegerischen Königen und Königinnen. Sie sah aber auch das Elend der Bevölkerung, die Ungerechtigkeit und die Herrschsucht der Aristokratie und der Kirche, was sie in ihrer Überzeugung bestätigte, es sei besser eine Stadt gründlich zu planen, bevor man beginnt, sie aufzubauen. Die Gesandte trat in Kontakt mit den Enzyklopädisten, die das gesamte Wissen der Welt sammelten, und beantragte mit einem gewissen Stolz, dass die Stadt Hildesheim, 815 gegründet, eigentlich schon seit 577 unter anderem Namen bestand. Nach dem Namen der vorigen Siedlung gefragt, konnte aber die Gesandte nicht antworten: Über die Benennung der Stadt wurde in den ganzen tausendzweihundert Jahren der Stadtversammlung kein einziges Mal diskutiert. Schnell schickte sie ein Telegramm zur Stadtversammlung und wartete auf Antwort. Sie wusste, dass solch eine wichtige Angelegenheit eine gewisse Diskussionszeit brauchte, also ließ sie sich in Paris nieder und spielte sogar eine nicht geringe Rolle in der französischen Revolution. Als der Antwortbrief endlich Paris erreichte, war die Gesandte schon lange gestorben und ihr Auftrag war vergessen. Dennoch fühlte sich die Ur-Ur-Enkelin der Gesandten verpflichtet, den Anweisungen der Stadtversammlung zu folgen. Auf dem Brief stand geschrieben: In der ersten Enzyklopädie des menschlichen Wissens, eine Unternehmung, die die Vollstadtversammlung einstimmig unterstützt, soll eingetragen werden, dass am Ort, wo nun die Stadt Hildesheim ist, im Jahre 577 die Planung einer friedlichen Stadt begann. Diese Stadt soll Bennopolis heißen, nach dem Herrscher Benno, der die Vollstadtversammlung eröffnete.

Die Ur-Ur-Enkelin der Gesandten, nach einem langwierigen Streit mit den französischen Behörden – denn nicht nur die deutsche Bürokratie hat ihre Längen –, trug heimlich in die erste Ausgabe der Enzyklopädie die Botschaft mit einem Bleistift nach, woraus die Forschung schloss, dass der Nachtrag offensichtlich gefälscht sein musste. Die Ur-Ur-Enkelin lebte dann ihr Leben weiter und kümmerte sich nicht mehr um Hildesheim oder Bennopolis.

Was danach mit der Vollstadtversammlung passierte, ist ungewiss. Manche sagen, die Versammlung wurde irgendwann nach dem zweiten Weltkrieg aufgelöst und die Planung unterbrochen. Andere behaupten aber, dass irgendwo im Hildesheimer Wald oder auf den Wiesen der Marienburger Domäne weiterhin diskutiert wird über den Aufbau einer friedlichen Stadt, die radikal demokratisch und durch Kollektivarbeit entstehen und Bennopolis heißen soll.

Geschichte der Stadt Hildesheim - Ansichtskarte2
Bilderquellen und -rechte:

Titelbild: Otto Gerland: Was uns der Galgenberg erzählt, Alt-Hildesheim, Westermann 1920, Braunschweig, Heft 3, S. 17

Alle andere Bilder: Privatbesitzt H.-J. Brand – www.hildesheimer-geschichte.de

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