KI macht Kunst

Künstliche Intelligenz ist aus unserem Alltag inzwischen kaum mehr wegzudenken. Sie begegnet uns z.B. in Form von Sprachassistent*innen wie Alexa, Siri und Co oder im Kundendienst eingesetzten Chatbots. Auch in den Künsten wird zunehmend mit KI experimentiert.

Mittels KI lassen sich z.B. Kunstwerke im Stil von berühmten Künstler*innen nachahmen oder bestehende literarische sowie musikalische Werke weiterschreiben.

Doch was bedeutet das für die Kunst und die Rolle der Künstler*innen? Das wollten wir auch gerne von unseren Expert*innen aus den Bereichen Musik, Literatur und Museumsarbeit wissen. Wir haben mit ihnen über den Einfluss von KI auf die Künste gesprochen, die Chancen und Grenzen der Technologie kritisch unter die Lupe genommen und einen Blick in die Zukunft geworfen.

KI und Literatur

Fabian Navarro (*1990 in Warstein) ist Autor, Slam Poet und Kulturveranstalter. Nach seinem Studium der deutschen Sprache und Literatur und Philosophie in Hamburg zog er nach Wien. Er tritt seit 2008 bei Lesebühnen und Poetry Slams auf, gewann mehrere Landesmeisterschaften und wurde bei den deutschsprachigen Poetry Slam Meisterschaften 2017 Vize-Meister. Er ist Teil des Wiener Kulturvereins FOMP, veröffentlichte Texte in Anthologien, der Titanic und der ZEIT. Er gibt Workshops in kreativem Schreiben, digitaler Literatur und Poetry Slam und war im Rahmen dieser Tätigkeit bereits in Projekten in Kapstadt, Yokohama und Tokio unterwegs. Sein letztes Buch Die Chroniken von Naja (2017) erschien bei Lektora. Sein aktuelles Projekt Eloquentron3000 – ein Bot, der Gedichte schreibt – lässt sich auf Instagram verfolgen. Im Herbst 2020 gab er die Anthologie poesie.exe im SATYR-Verlag in Berlin heraus.

KI und Musik

Sebastian Kunas wohnt in Hannover und arbeitet als Künstler und Vermittler in den Bereichen Musik, Sound Art, Theater und Academia. Als Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt „Automatisierte Kreativität in Literatur und Musik“ (TU Braunschweig) forscht er aktuell zur Interaktion von Mensch und Ding in der digitalisierten Musikpraxis. An der Universität Hildesheim ist er Lehrbeauftragter für elektronische Sound- und Beatpraxis und leitet das Tonstudio/Elektronische Studio. Als Musiker und Sound-Künstler für Theaterproduktionen arbeitete er u. a. mit vorschlag:hammer, musiktheater bruit! und Thermoboy FK sowie an Häusern wie Junges Theater Bremen, Schauspielhaus Hannover und Staatsschauspiel Oldenburg. 2018 produzierte er für den Bayerischen Rundfunk gemeinsam mit Norbert Lang das Hörspiel „ANNA“, welches sich mit mensch- maschinischen Zukunftsvisionen auseinandersetzt. Neben seiner Vorliebe für Klangsynthese, Elektroakustik und maschinische Repetition ist er semi- geschulter Bassist, Schlagzeuger und Gitarrist. Mit seinem Hintergrund in Pop- und DIY-Kultur sowie in den Cultural Studies und Sound Studies, interessiert er sich für die sozialen Verflechtungen von Musik und für künstlerische Reflexionen und spielerische Subversionen von Machtstrukturen. Er ist Mitglied des Kollektivs ARK, einer freien Assoziation von Musiker*innen, Produzent*innen, Schreiber*innen, Wissenschaftler*innen und elektronischen MusikmachDingen, die Heterochronizität und Mehrspurwissen performen, auf der Suche nach post-repräsentativen Soundformaten. Arbeiten des Kollektivs wurden bisher u. a. präsentiert im Haus der Kulturen der Welt Berlin, beim CTM Festival Berlin, im Museum für Kunst & Gewerbe Hamburg, im Museum am Rothenbaum Hamburg und im Johann Jacobs Museum Zürich.

Pit Noack arbeitet freiberuflich als Autor, Dozent, Kulturveranstalter und Soundkünstler. Er schreibt u.a. für die c’t, heise online und auf seinem Blog maschinennah.de über Softwareentwicklung und angrenzende Theoriethemen und bietet Kurse zu den Grundlagen der Programmierung an. Seine Projekte operieren oft an den Schnittstellen zwischen Wissenschaft, Technik und Kunst. 2016 leitete er die Veranstaltungsreihe Basis Zwei, die interdisziplinär nach dem Einfluss der Digitaltechnik auf die Kunst- und Wissensproduktion fragte.

Franziska Pohlmann hat sich als Komponistin auf Chöre und Orchester spezialisiert. Die Melodie als Erinnerungsträger ist ihr starkes Element. Ihre langjährige, musikalische Erfahrung bringt sie auch als Regisseurin in Filmproduktionen ein. Mit ihrem Musikfilm DIE KRONE VON ARKUS war sie nach dem Kinostart unter Anderem für den Metropolis Regiepreis nominiert. Aktuell komponierte sie den Soundtrack zu Radek Wegrzyns Kinodokumentarfilm MISS HOLOCAUST SURVIVOR.

Neben einer weitreichenden Vernetzung im In- und Ausland arbeitet sie regelmäßig mit musikalischen Klangkörpern wie dem Babelsberger Filmorchester, ist Mitgründerin von track15 – female composers collective, sowie als Regisseurin u.a. für Akteure wie das Süddeutsche Zeitung Magazin (Der NSU Prozess – Das Protokoll des Vierten Jahres) und den KIKA (Schloss Einstein) tätig.

KI und Kunst/Kulturvermittlung

 

Sonja Köster ist seit 2019 Volontärin am Nordwestdeutschen Museum für IndustrieKultur in Delmenhorst. Sie studierte Geschichte und Materielle Kultur an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und anschließend den Master Atlantic Studies in History, Culture and Society an der Leibniz Universität Hannover. Im Rahmen ihrer Tätigkeiten beim Nordwestdeutschen Museum für IndustrieKultur nahm Sonja Köster 2019/2020 an der LINK KI-Schule der Stiftung Niedersachsen teil.