Wie ändere ich meinen Namen und Geschlechts­ein­trag im univer­si­täts­in­ternen Netz­werk? Wen an der Univer­sität kann ich anspre­chen, wenn ich sexua­li­sierte Gewalt, Beläs­ti­gung bzw. Diskri­mi­nie­rung erlebe? Wie können Lehr­ver­an­stal­tungen trans­freund­li­cher gestaltet werden? Antworten auf diese und weitere Fragen des geschlech­ter­ge­rech­teren Studie­rens und Lehrens finden sich nun auf der Home­page des Fach­be­reichs II. Die Veröf­fent­li­chung dieser Ressourcen ist ein Projekt der AG trans­freund­li­cher Studieren am Fach­be­reich in Zusam­men­ar­beit mit Ronja Bak, Mitar­bei­tern für Studie­ren­de­mar­ke­ting im Dekanat.  In diesem Beitrag stelle ich die Ressourcen und meine studen­ti­sche Perspek­tive auf die Arbeit der AG vor, die sich stets über neue Mitglieder freut.

Die unter dem Titel „Geschlech­ter­ge­rechter Studieren und Lehren“ zusam­men­ge­tra­genen Ressourcen sind bislang haupt­säch­lich deutsch­spra­chig und nicht alle screen­read­er­freund­lich. Teil dieser Ressourcen sind eine Liste mit Ansprech­per­sonen an der Univer­sität und außer­halb bei Fällen von sexua­li­sierter Beläs­ti­gung, Diskri­mi­nie­rung und Gewalt Betrof­fene, Hinweise auf die psycho­lo­gi­sche Bera­tung des Studie­ren­den­werks Ost-Nieder­sachsen, sowie eine Broschüre mit Infor­ma­tionen für trans* bzw. nicht­bi­näre Studie­rende und Verbün­dete. In dieser Broschüre finden sich Infor­ma­tionen zur Ände­rung des Vorna­mens und Geschlechts­ein­trags im univer­si­täts­in­ternen Netz­werk und dem Uni-Mail­ac­count, zu gender­neu­tralen Toiletten, zur FLINTA* Umkleide und weiteren Kontakten und Tipps für trans* Studie­rende. Daneben enthält die Broschüre auch Empfeh­lungen für trans­freund­li­chere Lehre, die von der AG trans­freund­li­cheres Studieren am Fach­be­reich II entwi­ckelt wurden.

Entste­hung der AG trans­freund­li­cheres Studieren am Fach­be­reich II

Im Juni letzten Jahres initi­ierte die inzwi­schen aufge­löste Akti­ons­gruppe trans* einen Uni-Streiktag auf dem Kultur­campus. Im Rahmen des Streiks entwi­ckelten trans* bzw. nicht­bi­näre Studie­rende Forde­rungen für trans­freund­li­cheres Studieren und Lehren. Diese Forde­rungen betrafen unter anderem die Einrich­tung gender­neu­traler Toiletten und einen Stopp des Verle­sens von Namens­listen aus dem univer­si­täts­in­ternen Netz­werk. Gefor­dert wurde beispiels­weise auch, Namens­schilder in Lehr­ver­an­stal­tungen aufzu­stellen mit der Option dort Pronomen anzu­geben. Spontan präsen­tierten Studie­rende einige dieser Forde­rungen auf einer Sitzung des Fach­be­reichs­rats des Fach­be­reichs II. In der Sitzung entstand deshalb die Idee zur Grün­dung einer Arbeits­gruppe (AG). Ende letzten Jahres konsti­tu­ierten wir uns als AG. Insbe­son­dere nach einer Rund­mail mit Empfeh­lungen zu trans­freund­li­cherem Studieren gewann die AG an Zuwachs und wir freuen uns stets über neue Gesichter und insbe­son­dere weitere studen­ti­sche Mitglieder. Die Treffen finden derzeit mit jeweils neuer Termin­ab­stim­mung alle paar Wochen statt und die Arbeits­struk­turen sind gerade erst dabei, sich zu etablieren. Falls Du/Sie dabei sein möchtest/möchten, freue ich mich über eine Mail unter goldbeck@uni-hildesheim.de. Auch Mitglieder anderer Fach­be­reiche sind herz­lich zu Vernet­zung und Zusam­men­ar­beit einge­laden. Unlängst habe ich versucht, zur finan­zi­ellen und tech­ni­schen Unter­stüt­zung der AG eine Hoch­schul­in­itia­tive trans­freund­li­cheres Studieren zu gründen. Mein Antrag auf Aner­ken­nung dieser Hoch­schul­in­itia­tive vom 31.01.2024 fand im Studie­ren­den­par­la­ment keine Mehrheit.

Meine persön­liche Perspek­tive auf die Arbeit der AG

An der Arbeit der AG trans­freund­li­cheres Studieren am Fach­be­reich II möchte ich die beson­dere Zusam­men­set­zung der AG heraus­stellen. In der AG sind Studie­rende und Lehrende, cis und trans* bzw. nicht­bi­näre Personen betei­ligt. Das finde ich etwas ganz Beson­deres. Bei den so sensi­blen Themen trans­freund­li­cher bzw. geschlech­ter­ge­rechter Studieren können Posi­tionen sehr unter­schied­lich ausfallen, gerade auch durch unter­schied­liche Erfah­rungen mit (Cis)Sexismus. So entstehen meiner Wahr­neh­mung nach schnell Diffe­renzen. Ich meine mit Diffe­renzen nicht nur inhalt­lich unter­schied­liche Posi­tionen, sondern auch ihr emotio­nales Konflikt­po­ten­tial. Solche Diffe­renzen anzu­er­kennen und dennoch konstruktiv zusam­men­zu­ar­beiten, erlebe ich als eine Heraus­for­de­rung, mit der umzu­gehen in dieser AG gut gelingt. Die unter­schied­li­chen Perspek­tiven machen es möglich, Wissen über Anliegen von trans* bzw. nicht­bi­nären Studie­renden mit Wissen von Verant­wort­lich­keiten und Struk­turen an der Univer­sität produktiv in Dialog zu bringen.

An der Arbeit der AG trans­freund­li­cheres Studieren am Fach­be­reich II möchte ich die beson­dere Zusam­men­set­zung der AG heraus­stellen. In der AG sind Studie­rende und Lehrende, cis und trans* bzw. nicht­bi­näre Personen betei­ligt. Das finde ich etwas ganz Beson­deres. Bei den so sensi­blen Themen trans­freund­li­cher bzw. geschlech­ter­ge­rechter Studieren können Posi­tionen sehr unter­schied­lich ausfallen, gerade auch durch unter­schied­liche Erfah­rungen mit (Cis)Sexismus. So entstehen meiner Wahr­neh­mung nach schnell Diffe­renzen. Ich meine mit Diffe­renzen nicht nur inhalt­lich unter­schied­liche Posi­tionen, sondern auch ihr emotio­nales Konflikt­po­ten­tial. Solche Diffe­renzen anzu­er­kennen und dennoch konstruktiv zusam­men­zu­ar­beiten, erlebe ich als eine Heraus­for­de­rung, mit der umzu­gehen in dieser AG gut gelingt. Die unter­schied­li­chen Perspek­tiven machen es möglich, Wissen über Anliegen von trans* bzw. nicht­bi­nären Studie­renden mit Wissen von Verant­wort­lich­keiten und Struk­turen an der Univer­sität produktiv in Dialog zu bringen.

Über den Fach­be­reich II hinaus

Ich möchte an dieser Stelle die Möglich­keit nutzen, um auf drei hoch­schul­weite Verän­de­rungen hin zu trans­freund­li­cherem Studieren aufmerksam zu machen und einen wich­tigen Hinweis zum Selbst­be­stim­mungs­ge­setz zu geben.

  • Bis zum Winter­se­mester 2023/2024 mussten trans* bzw. nicht­bi­näre Personen, die ihren Vornamen im univer­si­täts­in­ternen Netz­werk geän­dert hatten, jedes Semester eine Rück­fra­ge­mail zum Stand des TSG-Verfah­rens beant­worten. Haben wir diese Mail nicht erhalten bzw. beant­wortet, wurden wir exma­tri­ku­liert. Die Rück­fra­ge­mail ist abgeschafft. 
  • Im ersten Stock des Sport­be­reichs wurde im Winter letzten Jahres eine FLINTA*-Umkleide eingerichtet.
  • Im Früh­jahr 2023 hat der Senat einen Leit­faden zu geschlech­ter­ge­rechter Sprache verab­schiedet. Auf der Grund­lage dieses Leit­fa­dens wurde der Geschlechts­ein­trag in Abschluss­zeug­nissen und vorläu­figen Tran­scripts of Records abge­schafft. Dies gilt bislang aller­dings nicht rück­wir­kend für vorläu­fige Tran­scripts of Records aus Semes­tern vor der Änderung.
  • Im November tritt das Selbst­be­stim­mungs­ge­setz zur recht­li­chen Ände­rung des Vorna­mens und Geschlechts­ein­trags in Kraft. Für Studie­rende, die in diesem Semester ihren Abschluss machen und ihren Namen ändern möchten, kommt das Selbst­be­stim­mungs­ge­setz zu spät. Abschluss­zeug­nisse werden nicht rück­wir­kend auf den rich­tigen Namen neu ausge­sellt, wie mir das Imma­tri­ku­la­ti­onsamt auf Anfrage mitteilte. Deut­lich einfa­cher als über ein TSG-Verfahren ist eine recht­liche Ände­rung des Vorna­mens und Geschlechts­ein­trags derzeit über §45B Perso­nen­stands­ge­setz. Dazu muss eine Ärztin*ein Arzt eine „Vari­ante der Geschlechts­ent­wick­lung“ attes­tieren und ein Termin beim Stan­desamt gemacht werden. In Hildes­heim werden Termine beim Stan­desamt zur Namen­än­de­rung nicht tele­fo­nisch, sondern per Mail gemacht. Die Bear­bei­tungs­zeit von Mails durch das Stan­desamt Hildes­heim beträgt derzeit bis zu vier Wochen.

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