Eine Kurze GAMELAN Einführung
Gamelan Gender Wayang beschreibt ein Kammermusikensemble mit vier Spieler*innen. Das Instrument ist ein Metallophon. Die Klangplatten sind aus Metall und sie sind pentatonisch gestimmt. In der balinesischen Kultur ist das Instrument durch eine wichtige Rolle im religiösen Ritus verankert, da es das Schattenspiel wayang kulit musikalisch begleitet.
Das Instrument bringt ganz eigene Hörerlebnisse mit sich, denn für die Hörenden zerschmelzen die vier Instrumente oft zu einem Klangkörper und der/die Hörer*in kann die einzelnen musikalischen Motive nicht mehr einem einzelnen Instrument zuordnen. Dazu sind die traditionellen Stücke oft rhythmisch komplex und schnell.
Es klingt schillernd, vibrierend und warm – so würde ich es beschreiben. Auf jeden Fall hat es einen einzigartigen Klang und es lohnt sich, das Instrument und seine Spielweise mal auszuprobieren.
Einblick in die Spielpraxis
Wenn ihr bisher schon andere Musikinstrumente gespielt habt, kam im Unterricht sicherlich schnell der Zeitpunkt, an dem ihr nach einigen Fingerübungen und freiem Ausprobieren die ersten Stücke spielen durftet. Wenn ihr das Notenlesen schon beherrscht habt, konntet ihr nun das erste richtige Stück spielen – ganz einfach vom Blatt nach den Noten.
Die Gamelan Praxis ist hier anders. Am Anfang haben Andreas Herdy und ich kurz über die richtige Haltung der Schläger sowie über die Sitzhaltung gesprochen und dann ging es schon los. Wir saßen uns gegenüber und Andreas spielte einen Teil einer Melodie vor und ich versuchte sie nachzuspielen. Das ganze Spiel ging so lange, bis ich das Gleiche spielte wie er. Dann hatte ich die Melodie gelernt und lernte einen neuen Teil bis ich mir dadurch das gesamte Stück erarbeitet hatte. Das Sprichtwort „Learning by Doing“ könnte nicht passender sein.
Keine Notation
Eine Besonderheit in der Gender Wayang Kunst ist schließlich, dass es keine schriftliche Form der Notation für die Stücke gibt. Es ist demnach eine enorme Leistung, sich die langen Stücke zu merken und sie zu erhören. Das bedeutet ebenso, dass die Person, die das Stück neu erlernt, so lange Fehler beim Spielen machen muss, bis sie die Melodie im Kopf und in den Fingern gespeichert hat. Das kann manchmal fünf Minuten dauern und an anderen Tagen wesentlich länger. Aber diese Art der Spielpraxis ist sehr erfrischend. Sie bringt eine wichtige Haltung mit sich, die das Musizieren meiner Meinung nach braucht.
Musizieren und Perfektionismus
Da ich allerdings eine elendige Perfektionistin bin, fällt es mir oft nicht leicht, beim Musizieren Fehler auszuhalten. Die Gamelan Praxis ist in der Hinsicht eine wirklich gute Übung, sich selbst zu überwinden und sich nicht von den Fehlern einschüchtern und irritieren zu lassen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das Gamelan Spielen definitiv nicht mehr funktioniert, sobald ich verunsichert bin und beispielsweise daran zweifle, ob ich das Stück auswendig kann.
Hinzu kommt, dass es oft einer guten Koordination der Hände beim Spielen bedarf. Die Klangplatten sind aus Metall und müssen daher beim Spielen gedämpft werden, da sie sonst zu laut wären und die Klänge sich vermischen. Je nach Stück und Komposition variiert die Technik dafür.
Die Notwendigkeit der Fehler
Das bedeutet, dass Fehler essentiell sind, um Gamelan Stücke überhaupt zu erlernen. Das ist zwar eine Pädagogik, die sich auf nahezu alle Prozesse des Musizieren-Lernens übertragen lässt, aber in der Gamelan Praxis werden wir durch die fehlende Notation und die Art des Lehrens und Lernens noch mehr mit der Notwendigkeit der Fehler konfrontiert. Diese Gelassenheit in der Spielpraxis sorgt dafür, dass du dich – wenn du dich von deinem Anspruch nach Perfektion lösen kannst – ganz auf das Musizieren und das Instrument konzentrieren kannst. Das ist wirklich eine besondere Erfahrung.
In den folgenden Audio-Aufnahmen erzählen euch noch drei weitere Studierende, warum die Gamelan Praxis für sie persönlich besonders ist:
Summercamp 2020
Da die Spielpraxis im Sommersemester 2020 coronabedingt kaum stattfinden konnte, haben wir uns im Rahmen der Summerschool im September vier Tage getroffen, um zusammen zu musizieren. Wir waren ein kleines Ensemble von vier Leuten. In den vier Tagen haben wir unter anderem das Stück „Tulang Lindung“ erarbeitet. Eine Aufnahme des Stücks könnt ihr im Video unten anschauen. Es spielen Andreas Herdy, Andreas Bauhof und Lucia Hasenburg. Viel Freude beim Hören!
Hast Du jetzt auch Lust Gamelan zu spielen?
Andreas Herdy bietet jedes Semester eine Gamelan Übung an, die du dir auch im Profilmodul als nicht Musik-Kuwi anrechnen lassen kannst. Wenn du Musik als Haupt- oder Nebenfach studierst, kannst du es dir ganz einfach als Übung anrechnen lassen oder sogar als Haupt- oder Nebeninstrument wählen.
Andreas Herdy (Jahrgang 1962) studierte klassisches Schlagzeug in Hannover und Jazz-Vibraphon in Hamburg. Er absolvierte eine Fortbildung in lateinamerikanischer Percussion. Zwischen 1986 und 2002 studierte er, während zahlreicher Aufenthalte auf Bali, Gender Wayang bei I Wayan Loceng. Er unterrichtet seit 1990 an der Universität. Seine Schwerpunkte im Einzelunterricht sind Schlagzeug (auch Drumset), Mallets (Vibraphon, Marimbaphon), Percussion (Conga, Timbales) und Gender Wayang. Daneben unterrichtet er in mehreren Gruppen das Ensemble »Gender Wayang« der Universität und betreut die Percussiongruppe der Salsa-Band der Universität. Aktuell engagiert sich Andreas Herdy besonders im Bereich der musikalischen Förderung im Grundschulalter und erforscht Möglichkeiten der Einbindung von Instrumentalunterricht (Gender Wayang) in den Musikunterricht an Grundschulen.
Kontakt: herdy@uni-hildesheim.de
Ein Beitrag von Lucia Hasenburg