Kulturpraxis https://www.uni-hildesheim.de/kulturpraxis Der Blog des Fachbereichs Kulturwissenschaften und Ästhetische Kommunikation an der Universität Hildesheim Thu, 02 Jul 2020 16:22:13 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=5.4.2 https://www.uni-hildesheim.de/kulturpraxis/wp-content/uploads/2017/12/Kulturcampus_grafik_cut_white.png Kulturpraxis https://www.uni-hildesheim.de/kulturpraxis 32 32 Smart City Hildesheim https://www.uni-hildesheim.de/kulturpraxis/smart-city-hildesheim/ Thu, 02 Jul 2020 11:06:43 +0000 https://www.uni-hildesheim.de/kulturpraxis/?p=987493864

Smart City Hildesheim

Smart Economy. Smart People. Smart Governance. Smart Mobility. Smart Environment. Smart Living. *

Vielleicht ist den meisten noch gar nicht bewusst, dass fahrende Busse per Software eine grüne Welle bestellen können, wenn sie auf eine Ampel zufahren. Möglich macht es das „Allesnetz“. Ein Begriff, der unsere vielschichtige Vernetzung zwischen digitaler und materieller Welt beschreibt. Die Smart City ist ein Konzept, das sich darunter formiert hat. Es zielt darauf ab, alle Bereiche miteinander zu verbinden, um die Lebensqualität in den Städten grundsätzlich zu erhöhen. Dabei spielen soziale-, wirtschaftliche sowie Nachhaltigkeitsaspekte eine große Rolle. Interdisziplinäres Denken ist von hoher Bedeutung.

Berühmte Beispiele für Smart Cities sind der Stadtstaat Singapur oder die Planstadt Songdo City in Südkorea, die KI-basierte Technologien großflächig testen und einsetzen. Dort trägt man multifunktionale Chipkarten mit sich herum, die wortwörtlich Türen öffnen. Im Hintergrund schlägt sich das digitalisierte Leben in Big Data nieder. Auch in deutschen Städten arbeitet man an sogenannten smarten Lösungen. In den Kommunen werden Projekte getestet, die sich über alle möglichen Handlungsfelder strecken. In Hamburg heißt es „digital first“, in München „Smarter Together“.

Die Unternehmensberatung Haselhorst Associates hat im Rahmen der Studie „Digitales Deutschland: Smart-City-Ranking 2019“ 400 Städte und Kommunen auf ihre digitale Zukunftstauglichkeit geprüft. Hildesheim belegt dort den 175. Platz. Im Studienbericht von Bitkom ist Hildesheim sogar mit der Belegung des 73. Platzes von insgesamt 81 eher Schlusslicht. Das soll sich ändern. Die Stadt bewirbt sich gerade um Fördergelder, um in Sachen Digitalisierung aufzuholen.

Ein Oberziel festzulegen, die Rahmenstrategien zu formulieren und niemals die Schwachstellen einer Smart City außer Acht zu lassen ist bei der Stadtplanung essenziell. Folgende Probleme werden mit dem Themenkomplex Smart City in Verbindung gebracht:

 

 

  • Missbrauch

  • Überwachungskapitalismus

  • Interessenskonflikte

  • Ökonomisierung von Städten

  • Datenschutzprobleme

  • Störungsanfälligkeit

Dass kleinere Städte genauso anpacken können wie große, zeigen Jena, Ingolstadt oder Coburg. Wie sich die Entwicklung zur „Smart City“ hin vollzieht, ist individuell verschieden.

Intelligente Lösungen für Mülltransport, Hochwasserschutz oder Lärmbelästigung werden noch vornehmlich in der Metropole für die Metropole entwickelt. Hildesheim als kleinere Großstadt wird, wenn sie nicht eigene Lösungsansätze entwickelt, nur von fremden Systemen profitieren können. Das ist suboptimal. Denn jede Stadt steht vor anderen Herausforderungen. Ein mutiger Schritt wäre es, etwas zu wagen. Konzepte selbst auszutesten. Und eng im Austausch mit allen Bürger:innen zu arbeiten.

 

 

 

 

 

* Giffinger et al. 2007

Ein Beitrag von Laura Smail

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“Künstlern” in der Coronazeit: Bau einer Raumkamera https://www.uni-hildesheim.de/kulturpraxis/raumkamera/ Tue, 30 Jun 2020 12:41:25 +0000 https://www.uni-hildesheim.de/kulturpraxis/?p=987492934

„Künstlern“ in der Coronazeit:

Bau einer Raumkamera

 

In letzter Zeit wurde unser Leben vor allem durch eines geprägt: das Coronavirus. Es kam zu einem weltweiten Stillstand, viele Menschen können nicht mehr zur Arbeit, zur Schule oder zur Uni gehen (jedenfalls nicht außerhalb virtueller Räume). Es stellt sich die Frage, was man mit der ganzen neu gewonnenen Freizeit anfangen soll. Man beginnt, seinen Kleiderschrank auszumisten und versucht sich an kleinen Bastelarbeiten oder Projekten, für die man sonst nie Zeit fand. Auch wenn sich mittlerweile die Situation ein wenig zum Besseren verändert hat, Läden und Gastronomie wieder geöffnet sind und man sich wieder mit mehreren Leuten treffen darf, habt ihr vielleicht trotzdem in der Zwischenzeit gemerkt, dass sich zuhause tolle kreative Projekte verwirklichen lassen. Falls ihr bisher noch gar nicht dazu gekommen seid, wollen wir euch nun mit einer Idee inspirieren. 

Wir möchten euch hier im Folgenden eine Anleitung für ein mögliches kleines Kunstprojekt für zuhause vorstellen: der Bau einer Raumkamera.  

 

Was genau ist eine Raumkamera? 

 

Sie funktioniert nach dem Prinzip einer Camera Obscura, einer Lochkamera. Durch ein Loch fällt Licht in einen dunklen Raum. Der Ausblick, der normalerweise durch das Fenster zu sehen ist, wird im Raum “über Kopf” an die gegenüberliegende Wand projiziert. Dieser Effekt entsteht, da das Licht, das die Objekte anstrahlt, nur gradlinig zurückgeworfen wird und so z.B. das Bild der hohen Spitze eines Baumes nur an das untere Ende der Wand geworfen werden kann; das Bild seines Stammes nur auf die obere Wandhälfte. Dadurch wirkt das Bild der Raumkamera falsch herum. 

Eine kleine Lochkamera hat sicherlich schon der/die eine oder andere gebaut, das eigene WG-Zimmer selbst in eine Camera Obscura zu verwandeln, ist aber ein Erlebnis für sich. Es kommt einem so vor, als habe man eine riesige, sich bewegende Fototapete installiert. Interesse geweckt?

 

So wird eine Raumkamera gebaut:

 Schritt 1: Das richtige Fenster und das Material

Für die Raumkamera muss der gesamte Raum abgedunkelt werden, indem man alle Fenster verdeckt. Bei der Auswahl des Fensters, an dem später das Loch sein soll, ist es wichtig, dass zu dem Zeitraum, in dem die Raumkamera getestet werden soll, kein Gegenlicht hineinscheint. Ideal ist indirektes Licht an einem sonnigen Tag. Zum Abdecken des Fensters funktioniert am besten Pappkarton, welcher mit Klebeband am Fensterrahmen befestigt wird. Hierfür hat sich schwarzes Gewebeklebeband bewährt. Außerdem werden für den Bau der Raumkamera Alufolie, ein Cutter, eine Schere und gegebenenfalls eine Nadel benötigt.

Schritt 2: Die Fenster abdecken

Nachdem also das richtige Fenster ausgewählt wurde, geht es an das Verdunkeln mit Pappkarton. Hierfür kann ein großes Stück Pappe verwendet oder mehrere mit dem Gewebeklebeband zusammengefügt werden. In die Pappe für das eigentliche „Kamera-Fenster“ muss dann am besten mit einem Cutter ein Loch geschnitten werden. Hier ist das Loch quadratisch und hat etwa die Maße 7 x 7 cm. Nun können die Pappen mit Gewebeklebeband an den Fenstern angebracht und der Raum verdunkelt werden.

Schritt 3: Verschiedene Blenden

Im besten Fall lässt sich nun bereits ein unscharfes Bild der Außenwelt an der gegenüberliegenden Wand erkennen. Um die Projektion scharf zu stellen, werden verschieden große Blenden benötigt. Blenden lassen sich gut mit Alufolie herstellen. Hierzu wird zunächst mit Gewebeklebeband Alufolie mit einem nur geringfügig kleineren Loch auf das Loch in der Pappe geklebt. In weitere Stücke Alufolie werden dann verschieden große Löcher geschnitten. Es lohnt sich, auch eine Blende mit einem winzigen Loch herzustellen, bei der nur mit einer Nadel in die Alufolie gestochen wird. Die Blenden lassen sich dann gut an der Alufolie am Loch befestigen, indem man sie am Rand mit einem dünnen Film Wasser benetzt.

Schritt 4: Ausprobieren

Je kleiner das Loch in der Blende ist, desto schärfer ist das Bild. Allerdings fällt auch immer weniger Licht in den Raum. Daher kann man mit kleiner werdender Blendenöffnung die Projektion an der Wand immer weniger erkennen. Das Bild lässt sich aber auch mit einem Stück Papier oder weißer Pappe näher am Loch auffangen. Für diesen Fall ist die Blende mit der Öffnung in der Größe eines Nadelstichs geeignet, da hiermit eine größtmögliche Schärfe erreicht werden kann.

Am besten kommt die Projektion zur Geltung, indem man sie mit einer langen Belichtungszeit fotografiert. Hierfür sollte die Kamera möglichst ruhig gehalten oder ein Stativ verwendet werden, da das Bild sonst verwackelt.

Beitrag und Bilder von Lea Holst und Alina Tonn

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ParallelUniversen: Ferne Uni – Studierendenleben im digitalen Semester https://www.uni-hildesheim.de/kulturpraxis/paralleluniversen/ Mon, 29 Jun 2020 09:59:40 +0000 https://www.uni-hildesheim.de/kulturpraxis/?p=987492833

P A R A L L E L u ni V E R S E N

Ferne Uni: Studierendenalltag im digitalen Semester
– ein Beitrag von Isabell Zehnder

Noch letztes Semester saßen wir alle gemeinsam in Hildesheim, auf der Domäne, im Vorlesungssaal. Im Sommersemester ist plötzlich alles anders. Viele sind gar nicht in Hildesheim, ich selbst und die meisten meiner Freund*innen auch nicht. Jede*r hat sein eigenes Home Office, gewissermaßen ist die Uni nun ein über Deutschland verteilter Hörsaal. Während einer Zoom-Vorlesung breitet sich die berühmte Kuwi Bubble noch manchmal unsichtbar am Schreibtisch aus, doch nach eineinhalb Stunden ist diese Bubble wie eine Seifenblase auch wieder schnell zerplatzt.

Manchmal starre ich auf das Mosaik aus Webcam-Aufnahmen. Wo sie wohl alle sitzen und was sie wohl tun, wenn die Vorlesung vorbei ist? Das digitale Semester macht die anderen ungreifbar und unnahbar. Manchmal offenbart diese digitale Distanz aber auch intime Details über Menschen, die ich eigentlich kaum kenne, die sich mir analog nie offenbart hätten. Details, die an der Domäne wohl nie sichtbar geworden wären. Die Wohnsituation der Kommiliton*innen und Dozent*innen beispielsweise. Das Zimmer, der Einrichtungsstil oder gar Mitbewohner*innen, die ins Bild laufen oder nebendran frühstücken. Kinder, die im Hintergrund schreien. Alles Details, die mir aus dem Kontext gerissen präsentiert werden. Mir einen Einblick in den Uni- und Quarantänealltag der anderen geben, ohne mir zu verraten, wie es ihnen wirklich geht und was sich außerhalb dieser eineinhalb Stunden in ihrem Leben abspielt.

Um über den Zoom-Kasten hinaus und hinter die Webcam zu blicken habe ich hier Studierende zu ihrem momentanen Alltag, ihrer Lebenssituation und ihrem Lebensmittelpunkt während des digitalen Semesters befragt. Während sie sonst alle Kulturwissenschaften an der Domäne studieren, trennen sie nun viele Kilometer von einander. Sie haben mir durch Fotografien und Interviews einen Einblick in ihr persönliches Uni(-)versum gewährt. In der Entstehungsgeschichte dieses Beitrags verwandelt sich das anonyme Zoom-Mosaik nach und nach zu einem Mosaik aus persönlichen Homeoffice-Geschichten, Anekdoten, Fotos und einer Landkarte. In all diesen Elementen suche ich Anworten auf meine Frage, ob das digitale Semester wohl mehr digital-nomadic Freiheit oder Einsamkeit und schizophren anmutende Paralleluniversen mit sich bringt.

Deutschlandweiter Hörsaal

Die Homeoffices der interviewten Studierenden: fünf bis 200 km von der Uni entfernt

Leon

Elsa

Lillith

Klara

Leon in Hamburg
150 km von Hildesheim

Lillith in Meppen

200 km von Hildesheim
Elsa in Brünnighausen
40 km von Hildesheim
Klara in Hildesheim

5 km zur Domäne

Lilly

Lillith in Meppen

200 km von Hildesheim

Wo verbringst du das digitale Semester? Wie würdest du deine Wohnsituation beschreiben?

Offiziell bin ich in Hildesheim gemeldet und habe dort auch ein WG-Zimmer.  Hauptsächlich bin ich aber im Moment bei meinen Eltern in Meppen, weil ich in Hildesheim eher alleine wäre und es auf dem Land einfach schöner ist zum Rausgehen; vor allem jetzt im Sommer.  

Wo befindet sich dein Arbeitsplatz? Wie sieht er aus?

In Meppen draußen im Garten

Wie gestaltest du deinen Unialltag? Wie unterscheidet sich dein jetziges Studierendenleben von dem im Präsenzsemester?

In Hildesheim habe ich meinen eigenen Haushalt und in Meppen wohne ich bei meinen Eltern. Man kann sich die Vorlesungen von zuhause aus angucken. In Hildesheim ist man durch den Weg zur Domäne automatisch draußen und jetzt gehe ich eher bewusst mal spazieren oder fahre zum See.

Was bedeutet Heimat für dich?

Ich finde die Definition von Heimat schwierig. Seit ich in Meppen mein Abi gemacht habe, bin ich erst nach Johannesburg und dann nach Hildesheim gezogen. Primär natürlich Meppen, weil ich da aufgewachsen bin und auch viele meiner Freund*innen noch da sind. Irgendwann fühlt man sich aber einfach heimisch, wenn man ein festes Umfeld und Freund*innen an einem Ort hat. Das war in Johannesburg und jetzt eben auch in Hildesheim so. Bei Heimat geht es um Leute und ein vertrautes Umfeld, in dem man sich wohlfühlt.

Gefühlte Wahrheit während einer Online- Vorlesung:

c) Die Zoom-Hintergründe der anderen

  Fotos: Lillith Sievers

Elsas Portrait

Elsa in Brünnig-hausen

40km von Hildesheim

Wo verbringst du das digitale Semester? Wie würdest du deine Wohnsituation beschreiben?

Ich verbringe es an an verschiedenen Orten: Manchmal bin ich bei meinen Eltern zu Hause und zur Zeit bin ich entweder bei meinem Freund in Hildesheim oder in meiner eigenen Wohnung in Hildesheim. Ich wohne hier eigentlich recht privilegiert, würde ich sagen: Ich habe einen Wald zum Spazieren vor der Haustür und bin nicht in einer kleinen Wohnung eingesperrt.

Wo befindet sich dein Arbeitsplatz? Wie sieht er aus?

Mein Bett und meistens das Sofa ist zum Arbeitsplatz mutiert. Ich arbeite wenig am Schreibtisch sondern mach es mir mit einer Tasse Tee recht gemütlich, kuschel mich ein und mache meine Aufgaben.

Wie gestaltest du deinen Unialltag? Wie unterscheidet sich dein jetziges Studierendenleben von dem im Präsenzsemester?

Ich habe keinen wirklichen Unialltag, es ist alles sehr unstrukturiert. Man versucht einfach, mit den Aufgaben hinterherzukommen. Meistens finde ich es unglaublich anstrengend, die ganzen Texte zu lesen und Essays dazu zu schreiben. Gefühlt braucht man viel mehr Zeit für alles als für ein Präsenzseminar. Mir fehlt total die normale Struktur: morgens in die Uni gehen, Seminare besuchen und abends wieder nach Hause kommen. Der Arbeitsaufwand ist viel größer und ich freue mich, wenn die Präsenzuni wieder losgeht, wo man Menschen trifft und einen sozialen Austausch hat.   

Was bedeutet Heimat für dich?

Heimat ist ein sehr interessantes Konzept. Für mich bedeutet Heimat hauptsächlich Menschen und Freund*innen. Ein Stück weit natürlich auch der Ort selbst, weil man immer Erinnerungen mit verschiedenen Orten verbindet. Aber es sind dann eher immer die Erinnerungen und das Erlebte, als der Ort selbst.

Gefühlte Wahrheit während einer Online-Vorlesung:

Kommt auf die Sitzung drauf an. Wenn es eines meiner Lieblingsseminare ist e); sonst c).

Fotos: Elsa Vogels

Klara

Klara in Hildesheim

5km zur Domäne

Wo verbringst du das digitale Semester? Wie würdest du deine Wohnsituation beschreiben?

Das Online-Semester verbringe ich größtenteils in meiner WG in Hildesheim. Auf unsere drei Zimmer und drei Gesichter zurückgeworfen blieb uns fast gar nichts anderes übrig, als zu der kleinen Zweitfamilie zu werden, die wir jetzt sind.

Wo befindet sich dein Arbeitsplatz? Wie sieht er aus?

Mein Arbeitsplatz befindet sich meistens in der Küche, die zu jeder Tageszeit anders aussieht. Dort kann man gleichzeitig auf dem Sofa liegen und der Vorlesung zuhören, wenn nicht gerade der Smoothie-Mixer läuft oder jemand tatsächlich den Abwasch macht.

Wie gestaltest du deinen Unialltag? Wie unterscheidet sich dein jetziges Studierendenleben von dem im Präsenzsemester?

In diesem Semester vermischen sich Uni und sonstiger Alltag sehr viel mehr bei mir. So fallen z.B. Frühstück und Seminar oft zusammen. Das hat zwar etwas total Gemütliches, gibt mir jedoch manchmal das Gefühl, weder die Diskussion noch meine Haferflocken richtig wertschätzen zu können.

Was bedeutet Heimat für dich?

Heimat ist, wohin ich immer gehen kann, wenn mir hier die Tage zu lang, der Smoothie-Mixer zu laut, die Sofas zu weich werden.

Gefühlte Wahrheit während einer Online- Vorlesung:

a). Wenn die Tasse leer ist, dann b).

Fotos: Klara Prautzsch

Leon

Leon in Hamburg

100 km von Hildesheim

Wo verbringst du das digitale Semester? Wie würdest du deine Wohnsituation beschreiben?

In Hamburg bei meiner Mum. Sonst in einer WG in Hildesheim.

Wo befindet sich dein Arbeitsplatz? Wie sieht er aus?

In meinem Bett, relativ unspektakulär.

Wie gestaltest du deinen Unialltag? Wie unterscheidet sich dein jetziges Studierendenleben von dem im Präsenzsemester?

Ich muss insgesamt weniger Zeit in die Uni investieren, das ist vermutlich gleichzeitig das beste und schlechteste  

Was bedeutet Heimat für dich?

Ich würde behaupten, das ist sehr subjektiv, aber vermutlich schlichtweg der Ort, an dem man sich zuhause fühlt. Bei mir kommt das zum Beispiel sehr darauf an, wo sich die Menschen befinden, die mir wichtig sind.

Gefühlte Wahrheit während einer Online-Vorlesung:

a) Mein Kaffee und meine Kippe

Fotos: Leon Timme

Titelvideo: clideo.de

Hindergrundbild: pixabay.com

 

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Support ART Workers https://www.uni-hildesheim.de/kulturpraxis/support-art-workers/ Sat, 27 Jun 2020 12:46:17 +0000 https://www.uni-hildesheim.de/kulturpraxis/?p=987493121

 

Die unabhängige Initiative und Bewegung “Support Art Workers” wurde aufgrund der Covid-19 Pandemie Anfang Mai 2020 in Griechenland von einer Gruppe Kulturschaffenden in Athen ins Leben gerufen. So wie in vielen anderen Ländern ist die Zukunft von Kulturschaffenden ungewiss und die Folgen der Krise dramatisch. Da der Premierminister Griechenlands zu Beginn der Krise äußerte, dass es nicht sicher sei, ob in den kommenden Monaten kulturelle Veranstaltungen stattfinden könnten und Kulturschaffenden keinerlei Unterstützung vom Staat zugesichert wurde, begann die “Support Art Workers” Bewegung mit der Gründung einer Gruppe auf Facebook, um sich Gehör zu verschaffen. So verbreitete sie sich schnell über soziale Medien und erhielt innerhalb von drei Tagen eine Fülle an Unterstützung von Tausenden von Menschen.

Ihre Forderungen umfassen sowohl Maßnahmen, die sofort umgesetzt werden sollen, als auch solche, die Kulturschaffende in Griechenland schon seit Jahrzehnten beschäftigen: Eine gesetzliche Existenzsicherung und Anerkennung des Rechts auf Arbeit. Dies bewirkte zum ersten Mal seit Jahren eine öffentliche Debatte mit Kulturschaffenden aus vielen verschiedenen Sektoren, die sich jedoch an einer gemeinsamen Philosophie orientieren, um der Komplexität der Arbeitsverhältnisse im Kultursektor entgegen zu treten. In kürzester Zeit änderten viele Menschen ihre Profilfotos und wurden über die Initiative dazu aufgefordert, ein Foto eines Kulturraums oder einer Institution mit dem Logo der Initiative zu machen und dieses unter #supportartworkers zu veröffentlichen. Ziel war es, den reichen kulturellen Charakter der Stadt Athens und des gesamten Landes mit Theatern, Kinos, Galerien, Museen, Ateliers, Studios und jedem anderen Ort, an dem Kultur sich entfaltet, sichtbar zu machen. Auf diese Weise sollte auf die dringende Notwendigkeit aufmerksam gemacht werden, dass diese Räume und ihre Akteure und Akteurinnen weiterhin existieren müssen.

Ein beeindruckendes Ereignis war die Demonstration am 7. Mai in Athen, bei der 200 Kulturschaffende mit Schildern den Begriff “Support Art Workers / Support All Workers” formierten. Am selben Tag fanden in ganz Griechenland Mobilisierungen künstlerischer Vereinigungen statt, die den 7. Mai zum Tag des kulturellen Handelns erklärten. Am Syntagma Platz, vor dem griechischen Parlament in Athen, trugen Demonstranten und Demonstrantinnen eine riesige Marionette. Schätzungsweise 20.000 Menschen nahmen mit Transparenten und Bannern an dieser Demonstration teil und hielten sich dennoch an die Kontaktbeschränkungen und Abstandsregelungen. Die Zukunft Kulturschaffender ist weltweit ungewiss. Die Akteure und Akteurinnen der “Support Art Workers” Initiative in Griechenland zeigen mit beispielhaften, solidarischen Aktionen, dass Kunst und Kultur nur mit Hilfe des Staates geschützt werden und weiterleben kann. 

Ein Beitrag von Sarit Streicher 

         

Bilder der Demonstration am 07. Mai vor dem Syntagma-Platz in Athen. Quelle: Support ART Workers / Anastasia Giannaki

Das folgende Video zeigt die Aktion der “Support ART Workers” Bewegung unter der Akropolis.

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Die wirklich wahre Geschichte der Stadt Hildesheim – Teil I – Gründungssage https://www.uni-hildesheim.de/kulturpraxis/hildesheimer-geschichte-teil-i/ Thu, 25 Jun 2020 12:41:23 +0000 https://www.uni-hildesheim.de/kulturpraxis/?p=987494753

DIE WIRKLICH WAHRE GESCHICHTE DER STADT HILDESHEIM

VON DANIJEL SZEREDY

TEIL I:

GRÜNDUNGSSAGE

Von der Gründung der Stadt Hildesheim berichten drei Sagen.

Nach der ersten verirrte sich der Kaiser Ludwig der Fromme im Wald, während er nach einem weißen Hirsch jagte. Ludwig war Sohn von Karl dem Großen – was ihn, nebenbei bemerkt, einen ungeheuren Ödipus-Komplex entwickeln ließ – und Hildegard, Karls dritte und letzte Ehefrau, bekannt durch ihre Gewohnheit, die Männer, mit deren Leistungen im Bett sie unzufrieden war, eigenhändig zu kastrieren. Diese Eigenschaft erklärt die vielen kriegerischen Unternehmungen ihres Gatten, der – mit seinem fortschreitenden Alter – in der Gesellschaft seiner Frau sich zunehmend unwohler fühlte. Als Hildegard, gelangweilt von der Zurückgezogenheit und Abwesenheit ihres Gatten, Karl mitteilte, dass sie mehrere Liebhaber und Liebhaberinnen zu haben gedachte und dabei verschwieg, wie viele Liebhaber und Liebhaberinnen schon vor der Mitteilung gewesen waren, zeigte sich der große Kaiser von der Idee begeistert. Während der blutigen und langwierigen Kämpfe an den Grenzen des Reiches versäumte er es nie, ein paar Offiziere, die ihn dazu geeignet schienen, zu seiner Ehefrau zu schicken als Andenken – dabei ließ er auf der Haut der Männer Liebesbotschaften ritzen, die mit Zeichnungen versehen waren – eine Künstlerin aus seiner Gefolgschaft übernahm die Aufgabe und wurde somit zur ersten Tätowiererin Europas. Auch wird berichtet, dass Karl seinerseits die Vorzüge der offenen Beziehung nicht genießen wollte, was die Vermutung auftauchen ließ, dass er nach der letzten Nacht mit seiner Frau es gar nicht mehr konnte.

Ludwig, der von den Beziehungen und Abmachungen seiner Elternteile nichts wusste – auch weil Karl jedes Kind als sein eigenes ansah – hatte einen Zwillingsbruder namens Lothar. Ludwig und Lothar liebten sich nicht. Unterschiedliche Quellen weisen darauf hin, dass der Grund des fortdauernden Streits zwischen den Brüdern so einfach wie unüberwindbar war: Ludwig war nämlich ein sehr begeisterter Jäger, während Lothar sich strikt vegan ernährte und ein großer Tierfreund war.

So befand sich Ludwig im Jahre 815 im Hildesheimer Wald und jagte nach einem Hirsch, der eigentlich schwarz war, jedoch von den Sagen und Legenden der Zeit als weiß dargestellt wurde – eine der ersten Spuren von Whitewashing in der Geschichtsschreibung. Lothar war aber auch im Wald unterwegs, was Ludwig nicht wusste. Lothar schlich sich hinter seinen Bruder und bei der nächstbesten Gelegenheit – Ludwig musste eine kleine Pause machen, um sich hinter einem Rosenbusch zu entleeren – griff er Ludwig an und schlug ihn ohnmächtig.

Als Ludwig erwachte, sah er den Platz mit Schnee bedeckt, während sonst alles grünte. Das war nur die erste der vielen Visionen, die ihm seit dem Vorfall begleiteten – überall sah er Heilige und schneebedeckte Wiesen, was eine schwere Gehirnerschütterung vermuten lässt und die Bezeichnung des „Frommen“ ihm brachte – denn er entwickelte die Gewohnheit, oftmals mit weit aufgerissenen Augen in die Leere zu starren und unverständliche Worte auf Latein zu murmeln, was sein Gefolge als Gebet interpretierte. Auch verlor er jegliche Lust auf die Jagd. Diese überraschende Wendung erfreute Lothar sehr, der an dem genauen Ort der Prügel – oder, wie in der Geschichtsschreibung steht, des Wunders – eine Kirche erbauen ließ, die das Zentrum der Stadt Hildesheim wurde. Die Stadt wurde nach der Mutter von den Zwillingen genannt, denn es war bekannt, dass die Geschlechtsteile der vorschnellen Männer in den Wald um der Kirche begraben wurden – was zu sehr merkwürdigen Blumengewächsen führte. Die Verkürzung des Namens „Hildegard“ wird von Historikern weitgehend als Racheakt interpretiert, da es überliefert wurde, dass der Namensgeber und erster Bürgermeister der Stadt ein Verhältnis mit der Kaiserin hatte.

Nach der zweiten Sage, der wohl bekanntesten, wurde die Stadt Hildesheim durch Zufall erbaut. Ludwig der Fromme war nämlich ein leidenschaftlicher Spaziergänger – er verbrachte seine Tage, indem er durch unbekannte Wälder ging, die Natur beobachtete und die Bäume umarmte – auch sprach er unerlässlich von und mit den Geistern, die seiner Ansicht nach in allen Dingen wohnten. Seine angeborenen Neigungen wurden noch verstärkt durch die Begegnung mit asiatischen Handelsleuten, die ihn in die Geheimnisse der Esoterik und der östlichen Religionsphilosophie einweihten. Natürlich durfte er die orientalischen Lehren nicht offen praktizieren, sonst wäre er der Ketzerei und des Irrglaubens beschuldigt worden, er schickte sich also, beim Spazierengehen die Namen der Jungfrau Maria und des Jesu oftmals und zusammenhangslos zu wiederholen, während er seine innere Welt erkundete. Er ging wahrlich so weit in sich hinein, dass er sich verlor. Er schwieg nur noch und spazierte durch die Wälder, nur manchmal, in regelmäßigen Abständen, als letztes Zeichen der Rücksicht für die Christen, die ihm folgten, oder bloß aus Gewohnheit, brach er das Schweigen um die Namen irgendwelcher Heiligen herauszuschreien.

Nur war Ludwig in seiner Wanderungen niemals allein. Da er Kaiser war, schleppte er hinter sich ein vielköpfiges Gefolge an Ministern, Offizieren, Damen und Ärztinnen her. Sein Gefolge war verzweifelt: Die Wanderungen wollten kein Ende nehmen, der Kaiser aß nicht und schlief nicht, er meditierte nur gelegentlich, was aber bei der Gefolgschaft keineswegs Ruhe bedeutete, denn bei solcher Meditationen nahmen die Schreie des Kaisers zu. Auch verlangte er von den Ärztinnen ein Getränk, das der Kaiser „Tee“ nannte und in Europa noch nicht erfunden wurde. So sammelten die verwirrten Ärztinnen die Kräuter, die im Wald zu finden waren, und gossen diese mit heißem Wasser auf – sie leiteten damit die große Tee-Tradition Hildesheims ein und entwickelten sogar die berühmte „Hildesheimer Mischung“, die bis heute in den Läden der Innenstadt recht billig zu kaufen ist. Um das Wasser bei den langen Spaziergängen warm zu halten und somit das Anzünden von Feuerstellen zu vermeiden, brachten die Diener und Dienerinnen mit sich ein großes Metallfass, das mit Holz überzogen und hermetisch wiederverschließbar war – nach vertraulichen Quellen sollte diese Erfindung in späteren Zeiten als Vorbild für die Thermoskanne dienen.

Da der Kaiser, ungeachtet des Wetters, selbst im Regen und Sturm und Schnee auf seine Spaziergänge beharrte, begann sein Gefolge zu rätseln, wie man die eigenen Füße trocken halten könnte. So wurden Architekten und Bauleute eingeladen und bei schlechtem Wetter mit Gewalt gezwungen, an den Spaziergängen des Kaisers teilzunehmen. Zu dem Zeitpunkt war Ludwig der Fromme nicht mehr zurechnungsfähig und hatte sich vollkommen seiner Umwelt verschlossen. So begannen die Bauleuten, hinter dem Kaiser Straßen zu bauen, worauf dann das Gefolge angenehmer spazieren konnte. Die Geschwindigkeit des Straßenbaus, zusammen mit den technischen Entwicklungen, die damit einhergingen, ist wohl der beste Beweis, dass Notwendigkeit die Mutter der Erfindung ist. Am Rande der Straßen öffneten kluge Kaufleute Geschäfte und Kneipen, um die Gefolgschaft bei den endlosen Wanderungen zu unterhalten – auch wird erzählt, obwohl die Quellen in diesem Fall umstritten sind, dass die Gefolgschaft begann, sich kleine Wattebällchen in die Ohren zu stopfen, um von den Schreien des Kaisers nicht gestört zu werden. Diese Wattebällchen, die später von der Firma Ohropax™ seriell hergestellt wurden, verdanken ihre gelben und bunten Farben den armen Hygieneverhältnissen der Zeit.

Es wird erzählt, dass Ludwig der Fromme nach einer siebenjährigen Meditation starb. Es bleibt allerdings ungeklärt, wie lange der Kaiser vor seinem Tod tatsächlich meditiert hatte und ob er tatsächlich starb – lediglich bemerkte nach sieben Jahren ein Bauernmädchen, dass der Kaiser verschwunden war, was zu großem Erstaunen in der Bevölkerung führte: Die Menschen hatten ganz und gar vergessen, dass sie irgendeinem Kaiser folgten. So ließen sie sich nieder in der zufällig entstandenen Stadt, deren Straßenverläufe nach den Irrungen des Kaisers erbaut wurden, und nannten die Stadt nach dem Bauernmädchen, die durch ihre beiläufige Bemerkung die Augen der ehemaligen Gefolgschaft auf das Fehlen des Kaisers öffnete.

Am Ort, wo der Kaiser zuletzt gesehen wurde, wurde der Hildesheimer Dom gebaut. Spätere Nachforschungen zeigen allerdings, dass die Bevölkerung sich getäuscht hatte: Der Rosenbusch, unter dessen Schatten der Kaiser meditierte, blüht bis heute nicht an der Wand des Doms, sondern unter meinem Balkon.

Die dritte Sage ist viel älter, viel unbekannter und viel umstrittener als die ersten beiden: Nach dieser Sage existierte die Stadt schon im Jahre 577 unter dem Namen von Bennopolis. Der Name tauchte auf einer Pariser Zeitschrift zum ersten Mal auf, wobei Historiker und Historikerinnen behaupten, der Eintrag sei offensichtlich gefälscht. Von der Fälschung des Eintrags und von der Stadt Bennopolis ist folgende Geschichte überliefert: Im sechsten Jahrhundert war ganz Europa erschüttert von den Machtkriegen, die dem Zerfall des römischen Kaisertums folgten. In dieser Zeit gründete jeder Herrscher sein eigenes kleines Reich, wobei die arbeitende Bevölkerung und die Bauernleute oft nicht wussten, unter welchem Herrscher sie standen, da durch die ständigen Eroberungskämpfe mehrere Könige am Tag gekrönt wurden. Müde von dem nie endenden Krieg, entschloss sich ein Herrscher namens Benno, die Monarchie und die erstarrten Hierarchien der militärischen Institutionen zu beseitigen und eine Stadt im Zeichen des Friedens zu gründen. Benno vertrat nämlich die demokratischen Werte, die er in seinen Streifzügen durch Griechenland und Persien kennengelernt hatte, und glaubte fest und unerschütterlich an die Kraft des Kollektivs. Er war zudem ungewöhnlich belesen für einen Herrscher und hielt oftmals lange Ansprachen. Es wird sogar berichtet, er sei der Erfinder der Fußnote: Während er sprach, zitierte er gerne die Philosophen und Schreibende der Vergangenheit, da er aber seine Quellen sehr gewissenhaft benennen wollte, stampfte er mit dem Fuß nach jedem Zitat und ratterte Name, Vorname, Titel, Erscheinungsort, Erscheinungsjahr und Seite des zitierten Werkes herunter.

Der Hildesheimer Wald inmitten der niedersächsischen Ebene war zu der Zeit noch herrenlos. Aus unbekannten Gründen vermieden die Herrscher diesen Erdenfleck und fuhren lieber nach Hannover, um dort ihre kriegerischen oder feierlichen Unternehmungen fortzuführen. Aus diesem Grund ließ sich hier Benno im Jahre 577 nieder; sicher, dass der Bau der friedlichen Stadt nicht gestört werden würde. Ganz seinen Ansichten nach entschied Benno, dass die Planung der Stadt demokratisch und kollektiv erfolgen sollte. Dafür organisierte er die erste Vollstadtversammlung der Geschichte, in der jede Bürgerin und jeder Bürger das Wort ergreifen durfte.

Die Versammlung begann mit der Auflistung der Teilnehmer und Teilnehmerinnen. Sie waren 2057 an der Zahl. Jedem wurde das Recht auf Äußerung innerhalb der Versammlung eingeräumt, ohne Zeitbegrenzung. Als alle Mitglieder und Mitgliederinnen benannt wurden, begann die Diskussion. Benno sprach als Erster. Sein Beitrag dauerte drei Tage und drei Nächte. Als er endlich zu Ende sprach, wurde der nächste Redner von der Liste aufgerufen, keiner meldete sich aber zum Wort. Große Bestürzung erfasste die Versammlung. Drei Tage und drei Nächte lang wurde der fehlende Teilnehmer gesucht, bis er besoffen im Wald gefunden wurde. Mit Gewalt wurde er zur Stadtversammlung zurückgeschleppt, er lallte und roch schlecht, musste dennoch seinen Beitrag zu Ende führen, was alles andere als leicht war: Er stieß nur unzusammenhängende Wörter heraus und schlief gelegentlich ein, ohne das Wort weitergegeben zu haben, also musste die ganze Stadtgesellschaft warten, dass er wieder wach wurde und weiter sprach. Nach drei Tagen und drei Nächten beendete er endlich seinen Beitrag. Der dritte Name auf der Liste wurde aufgerufen. Auch in diesem Fall meldete sich keiner zu Wort: Die Frau, die als dritte Sprecherin eingetragen wurde, war nämlich tot. Hier wusste sogar der große gelehrte Benno nicht weiter. Eine Sonderdiskussionsrunde über eine Änderung der Regeln der Stadtversammlung wurde beantragt. Bis der Antrag genehmigt wurde, vergingen drei Tage und drei Nächte. Nach weiteren drei Tagen und drei Nächten wurde beschlossen, dass die Toten nicht reden durften.

So ging die Vollstadtversammlung weiter durch Anträge und Gegenanträge, Wortmeldungen und Sonderbeiträge. Alle Beschlüsse und Ergebnisse der Versammlung wurden gewissenhaft protokolliert, es wäre allerdings zu lang, sie hier aufzuführen. Ein paar Beispiele können der Forschung dennoch interessante Einsichten in die Diskussionskultur des frühen Mittelalters bieten: Der erste Antrag auf eine Essenspause brauchte fünfzehn Tage, um genehmigt zu werden. Erst ein volles Jahr später wurde durch eine Sonderkommission die Regel abgeschafft, die das Essen und Trinken während der Stadtversammlung verbot. Eine weitere Zusatzregelung gestattete den Geschlechtsverkehr während der Versammlung – es ist explizit aufgeführt, dass jede Form des Geschlechtsverkehrs zugelassen ist, mit beliebig vielen Teilnehmern und Teilnehmerinnen von beliebig vielen Geschlechtern – die Paarung mit Tieren wurde allerdings nachträglich verboten. Kinder ab dem sechsten Jahresalter konnten erfolgreich das Recht auf Wortmeldung erkämpfen, die Wartezeiten zwischen Wortmeldung und tatsächlichem Beitrag zogen sich aber so lange, dass keine Person vor ihrem dreißigsten Geburtstag je zum Sprechen kam. Eine letzte Merkwürdigkeit: Ein Antrag auf die Begrenzung der Zeit der einzelnen Wortbeiträge und Diskussionen scheiterte zuletzt, weil die Diskussion über den Antrag die Antragstellerin überlebte.

Die Vollstadtversammlung zog sich somit durch die Jahrhunderte, die Kinder erbten die Stimmrechte ihrer Eltern und diskutierten an ihrer Stelle über die Planung der friedlichen Stadt. Die Versammlung war aber keineswegs vom Rest der Welt isoliert: Die Bevölkerung schickte regelmäßig Versandte nach allen Kontinenten, um die neuesten Entwicklungen der Technologie und der Politik zu lernen, damit sie im Plenum diskutiert werden konnten. Leider waren diese Berichte der Außenwelt auch einer gewissen Verzögerung unterzogen. Die Nachricht zum Beispiel, dass nicht weit vom Ort der Vollversammlung mittlerweile eine Stadt namens Hildesheim gegründet worden war, erreichte die Versammlung erst im siebzehnten Jahrhundert, mit einer Verspätung von achthundert Jahren. Die Stadtversammlung beschloss demnach im Eilverfahren – das seinerseits zweihundert Jahren dauerte – eine Gesandte der Stadt nach Paris zu schicken, um bei dem französischen König die Rechte der Gefolgschaft von Benno (mittlerweile Benno XLII) auf das Stück niedersächsisches Land geltend zu machen – nach dem universalen und oft gebrochenen Gesetz, das besagte: Wir waren hier zuerst.

Als die Gesandte Paris des neunzehnten Jahrhunderts erreichte, staunte sie, wie weit der Stadtbau schon fortgeschritten war unter den vielen kriegerischen Königen und Königinnen. Sie sah aber auch das Elend der Bevölkerung, die Ungerechtigkeit und die Herrschsucht der Aristokratie und der Kirche, was sie in ihrer Überzeugung bestätigte, es sei besser eine Stadt gründlich zu planen, bevor man beginnt, sie aufzubauen. Die Gesandte trat in Kontakt mit den Enzyklopädisten, die das gesamte Wissen der Welt sammelten, und beantragte mit einem gewissen Stolz, dass die Stadt Hildesheim, 815 gegründet, eigentlich schon seit 577 unter anderem Namen bestand. Nach dem Namen der vorigen Siedlung gefragt, konnte aber die Gesandte nicht antworten: Über die Benennung der Stadt wurde in den ganzen tausendzweihundert Jahren der Stadtversammlung kein einziges Mal diskutiert. Schnell schickte sie ein Telegramm zur Stadtversammlung und wartete auf Antwort. Sie wusste, dass solch eine wichtige Angelegenheit eine gewisse Diskussionszeit brauchte, also ließ sie sich in Paris nieder und spielte sogar eine nicht geringe Rolle in der französischen Revolution. Als der Antwortbrief endlich Paris erreichte, war die Gesandte schon lange gestorben und ihr Auftrag war vergessen. Dennoch fühlte sich die Ur-Ur-Enkelin der Gesandten verpflichtet, den Anweisungen der Stadtversammlung zu folgen. Auf dem Brief stand geschrieben: In der ersten Enzyklopädie des menschlichen Wissens, eine Unternehmung, die die Vollstadtversammlung einstimmig unterstützt, soll eingetragen werden, dass am Ort, wo nun die Stadt Hildesheim ist, im Jahre 577 die Planung einer friedlichen Stadt begann. Diese Stadt soll Bennopolis heißen, nach dem Herrscher Benno, der die Vollstadtversammlung eröffnete.

Die Ur-Ur-Enkelin der Gesandten, nach einem langwierigen Streit mit den französischen Behörden – denn nicht nur die deutsche Bürokratie hat ihre Längen –, trug heimlich in die erste Ausgabe der Enzyklopädie die Botschaft mit einem Bleistift nach, woraus die Forschung schloss, dass der Nachtrag offensichtlich gefälscht sein musste. Die Ur-Ur-Enkelin lebte dann ihr Leben weiter und kümmerte sich nicht mehr um Hildesheim oder Bennopolis.

Was danach mit der Vollstadtversammlung passierte, ist ungewiss. Manche sagen, die Versammlung wurde irgendwann nach dem zweiten Weltkrieg aufgelöst und die Planung unterbrochen. Andere behaupten aber, dass irgendwo im Hildesheimer Wald oder auf den Wiesen der Marienburger Domäne weiterhin diskutiert wird über den Aufbau einer friedlichen Stadt, die radikal demokratisch und durch Kollektivarbeit entstehen und Bennopolis heißen soll.

Geschichte der Stadt Hildesheim - Ansichtskarte2
Bilderquellen und -rechte:

Titelbild: Otto Gerland: Was uns der Galgenberg erzählt, Alt-Hildesheim, Westermann 1920, Braunschweig, Heft 3, S. 17

Alle andere Bilder: Privatbesitzt H.-J. Brand – www.hildesheimer-geschichte.de

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Schwanger + Uni: Darf ich das? https://www.uni-hildesheim.de/kulturpraxis/schwanger-und-uni-darf-ich-das/ Wed, 24 Jun 2020 12:08:24 +0000 https://www.uni-hildesheim.de/kulturpraxis/?p=987493051

Schwanger + Uni: Darf ich das?

 

Ob du es geplant hast oder nicht; ob du es wolltest oder nicht; ob du darüber nachgedacht hast oder nicht: Das Baby ist jetzt irgendwie in deinem Bauch. Die Diagnose “schwanger” ist entweder Schock oder Überraschung, auf jeden Fall lässt sie niemanden kalt.

Auch ich war ziemlich positiv überrascht, als ich von meiner Schwangerschaft erfuhr: Mein Partner und ich hatten das schon so grundsätzlich grob geplant, nur dass es so plötzlich passiert, damit hab ich nicht gerechnet… Denn worüber ich nicht nachgedacht hatte: Irgendwie wollte ich doch erst noch mein Studium fertig machen. Geht das überhaupt?

 

Schwanger+Uni Bild 1

KEINE PANIK! Du bist nicht allein! Auch wenn du das gerade denkst, weil das Ganze vielleicht ein Unfall war oder du null Unterstützung von deinen Eltern oder deinem Partner bekommst: DU BIST NICHT ALLEIN!

Das Wichtigste bist erst einmal du. Was willst du? Wie fühlst du dich? Nimm dir Zeit, über deine Zukunft nachzudenken. Sei dir einer Sache aber gewiss: Dein Leben ist nicht vorbei, nur weil du jetzt ein Kind bekommst! Es gibt für alles eine Lösung und wenn du dich erst einmal dafür entschieden hast, dieses Kind zu bekommen und zu behalten – dann erwarten dich einige Optionen.

Falls du beschließt, dein Studium weiterzuführen, dann gibt es in Hildesheim viele Möglichkeiten, Unterstützung während der Schwangerschaft und als frisch gebackene Mama zu erhalten. Du könntest zum Beispiel problemlos ein Urlaubssemester beantragen oder in den Mutterschutz gehen, du könntest die Uni-eigene Kita nutzen und müsstest nicht so viel bezahlen wie andere Mütter. Die Universität Hildesheim ermöglicht sogar eine priorisierte Kursvergabe im LSF – im Rahmen des Projekts „audit familiengerechte hochschule“.

Des Weiteren gibt es zahlreiche hilfreiche Apps, Facebook-Gruppen und Instagram-Hashtags, unter denen du andere Schwangere oder junge Mütter finden kannst. Direkt nach diesem Text hier habe ich dir einige hilfreiche Seiten verlinkt, wo du nochmal ganz genau nachlesen kannst: Was kannst du beantragen? Wie hilft dir die Uni? Außerdem findest du am unteren Rand dieses Beitrages noch Hilfe-Telefonnummern, die du jederzeit anrufen kannst. Und wenn du den einfachsten Weg wählen möchtest: Schreib mir und wir vernetzen uns. Ich bin zwar auch zum ersten Mal schwanger, aber ich habe ein ganz tolles Netzwerk an Freundinnen, die bereits Kinder haben und mir sehr geholfen haben… Wenn du dieses Netzwerk nicht hast, möchte ich dir gerne helfen.

Schwangerschafts-beratung in Hildesheim
AWO | Osterstr. 39a | Tel.: 05121-179000 | schwangerenberatung@awo-hi.de

Diakonisches Werk Hildesheim | Klosterstr. 6 | Tel.: 05121/1675-0 | dw.hildesheim@evlka.de

Hilfetelefon des Landes
0800 40 40 020

2 + 5 =

mein Baby kommt...

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Sekunde(n)

text by Malu von Marschall
photo by Kkoki

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In der Hängematte zur Uni: Studieren während Corona https://www.uni-hildesheim.de/kulturpraxis/studierenwaehrendcorona/ Tue, 23 Jun 2020 10:25:23 +0000 https://www.uni-hildesheim.de/kulturpraxis/?p=987493553

In der Hängematte zur Uni

Studieren während Corona
von Clara Wiese
Ich bin zu spät. Mein Seminar hat vor fünf Minuten angefangen und ich finde den Raum nicht. Damit beginnt dieses Semester wie jedes andere auch.

Also, fast. Abgesehen davon, dass wir uns inmitten einer weltweiten Pandemie befinden, die alle Bereiche öffentlichen Lebens lahmlegt und der von mir gesuchte Raum deshalb nur virtuell existiert. Wäre ich jetzt auf dem Campus, würde ich einfach die nächste Person, die vorbeiläuft, um Rat fragen. Stattdessen sitze ich – wie alle anderen auch – alleine in meinem Zimmer vor dem Laptop. Erneut durchforste ich meine diversen Nachrichtenkanäle nach dem Zugangslink für das Online-Meeting per Webcam, doch auch diesmal vergebens. Ich bin völlig ratlos. So viel also zum Thema Schwerpunktfach Medien. Ohne allzu große Hoffnung schicke ich einen letzten Hilferuf via Instagram Story an meine digitale Community, über die ich gerade mehr denn je mit Menschen in Kontakt stehe. Es ist schon verrückt, wie wichtig soziale Medien als Tor zur Außenwelt plötzlich geworden sind. Doch auch dort weiß niemand etwas. Ich schaue ein Katzenvideo.

Studieren während Corona ist etwas völlig anderes. Zoom, Jitsi oder Big Blue Button lauten die verheißungsvollen Namen der Plattformen, die den Unterricht trotz Social Distancing ermöglichen sollen. Für uns Studierende am Kulturcampus Domäne Marienburg der Universität Hildesheim hat die Lehre auf Distanz einen besonders bitteren Beigeschmack. Diesen Sommer hätte das Projektsemester stattfinden sollen, in dem das praktische Arbeiten innerhalb der Künste und Medien noch einmal mehr als sonst im Fokus steht. Das alles ist jetzt auf den Sommer 2021 verschoben worden. Auch private Theater- oder Filmprojekte von Studierenden wurden Hals über Kopf auf Eis gelegt. Der Frust ist riesig.

Zum Haare raufen: Ganz so einfach wie gehofft, ist der Wechsel zur digitalen Lehre leider nicht. (© Foto: Nora Fischer)

Obwohl das Semester gerade erst begonnen hat, wird schon seit Wochen im Freundeskreis und im Netz diskutiert: Von Präsenz- zu Fernlehre – geht das überhaupt? Darf das als vollwertiges Semester gelten? Im Netz befindet sich eine Petition in Umlauf, die ein „Nicht-Semester“ oder „Fleximester“ fordert, damit gerade Studierenden in prekären Arbeitsverhältnissen, mit Kindern oder in Care-Berufen keine Nachteile entstehen. Auch in puncto technischer Umsetzung gibt es kritische Stimmen. Werden unsere Daten ausreichend geschützt? Können die erforderlichen Zugänge zu einem Computer und zum Internet als Bestandteil einer digitalisierten Gesellschaft einfach so vorausgesetzt werden? Wen schließen wir von akademischer Bildung aus? Warum werden diese Fragen erst jetzt gestellt? Parallel dazu kursieren panische Gesuche nach Literatur, um die letzten Hausarbeiten trotz der geschlossenen Bibliotheken noch fertigzustellen. Der Kampf um Ressourcen geht auch unter Akademiker*innen weiter. Nicht nur auf Netflix benehmen sich einige, als wären sie im Raubtiergehege.

Nach einer halben Stunde habe ich den Link zum Seminar tatsächlich gefunden. Aber sich jetzt mittendrin dazu schalten? Zu spät kommen ist online noch unangenehmer als offline. Schließlich richten sich etwa zwanzig Augenpaare permanent auf das Browserfenster, in dem man plötzlich erscheint. Das bis zur Perfektion eingeübte In-den-Raum-schleichen ist ab jetzt keine Option mehr. Dann lieber hoffen, dass man in der nächsten Woche noch Anschluss findet.

Bei dem Gedanken daran, was mir nun alles entgehen könnte, werde ich unruhig. Im Laufe des Tages besuche ich zwei weitere Seminare und kann mir endlich selbst einen Eindruck verschaffen. Zugegeben, ich habe Bademäntel und Menschen in Betten erwartet. Jemand liegt in einer Hängematte, ansonsten sehen aber alle sehr normal und aufnahmebereit aus. Es tut gut, in diese vertrauten Gesichter zu schauen.

Trotzdem wird schnell deutlich, dass unser Arbeiten hier auf Sparflamme läuft. Die Gespräche kommen nicht recht in Schwung, mal reden alle, mal niemand. Dabei habe ich unsere Gesprächskultur immer als sehr ausgereift empfunden. Die allgemeine Verunsicherung ist spürbar. Gerade in praxisbezogenen Veranstaltungen fühle ich mich ausgebremst. Räumlich getrennt einen Podcast zu produzieren und dabei frei auch über private Themen zu sprechen, mit Kommiliton*innen, die ich nie zuvor gesehen habe? Ich stelle mir das alles schwierig vor. Vieles an unserem Campus lernen wir durch wildes Ausprobieren. Wild ist hier gar nichts. Doch nicht nur wir Studierenden, auch die Dozierenden kämpfen mit der neuen Situation. Schließlich kennt Technik keine Hierarchien und macht allen das Leben schwer. Ständig sind Bild und Ton gestört, die Verbindung bricht ab oder man wird gar nicht erst zugeschaltet. Bereits an Tag eins ist der Server überlastet. Einige Dozierende schmeißen schon nach der ersten Sitzung das Handtuch und verteilen Aufgaben wieder ganz „oldschool“ per Mail. 

Daneben gibt es noch weitere Störquellen: Kinder, Haustiere und Mitbewohner*innen laufen durchs Bild und erinnern uns daran, warum Arbeit und Freizeit in unserer Gesellschaft normalerweise räumlich getrennt stattfinden. Aber auch daran, dass wir alle nur Menschen sind, die noch weitere Aufgaben im Leben haben und oft unterschiedliche Rollen erfüllen müssen. Dass wir gezwungen sind, unsere Privaträume – zumindest einen Ausschnitt davon – miteinander zu teilen, ist unangenehm. In der Großaufnahme erscheinen mir die Gesichter der anderen, wenn auch nur auf dem Bildschirm, näher als sonst. Es ist beinahe intim. Ich muss an die Abhandlungen des Filmkritikers Béla Balázs denken, in der er die Großaufnahme als revolutionäre Dimension der Filmkunst beschreibt. Laut Balázs eröffnet diese Einstellung einen Zugang zur Physiognomie des Menschen, die sogar die unbewussten inneren Dialoge und Facetten des menschlichen Wesens widerspiegelt. Also doch was gelernt, denke ich.

Am Ende des ersten Tages bin ich erschöpft. Meinem Umfeld ergeht es ähnlich. Alle haben den Eindruck, dass das Pensum an Hausaufgaben und zu lesenden Texten eher noch erhöht wurde, obwohl wir ja nicht weniger, nur eben anders präsent sind. Es mangelt an Motivation aufgrund des fehlenden Kontaktes zueinander. Das Wort „Selbststudium“ bekommt jetzt eine ganz neue Dimension und auch für mich ist dieser Einzelkämpfer*innenmodus nur zu ertragen, weil er eine Ausnahme ist. Denn das ist er, und es wird auch wieder anders sein: kollektiver, wilder, handgemachter. 

Vielleicht ist die Situation nicht so, wie wir uns diesen Sommer vorgestellt haben und für einige bedeutet die Isolation eine immense psychische Belastung. Für mich selbst ist sie zumindest erträglich. Angesichts vieler Menschen, deren wirtschaftliche Existenz gerade auf dem Spiel steht, die sich in Flüchtlingslagern aufgrund der katastrophalen Hygienebedingungen nicht vor einer Ansteckung schützen können oder die an allen Fronten von früh bis spät im Dauereinsatz sind, empfinde ich Demut als unerlässlich. Ich bin mir dessen bewusst, wie privilegiert meine Lage ist.

Obwohl hier gerade kein Unterricht stattfindet, zieht es die Studierenden der Domäne Marienburg bei gutem Wetter zu „ihrem“ Campus. (© Foto: Clara Wiese)

Bevor ich schlafen gehe, scrolle ich noch kurz durch die viralen Hits der Woche: zahlreiche Nähanleitungen für das Anfertigen einer Mund-Nasen-Atemschutzmaske, ein renommierter Theaterregisseur, der sich nicht die Hände waschen will, und ein Getränk aus Instant-Kaffee und Karies. Es sind wirklich merkwürdige Zeiten.

...und bei euch so?

Wie sieht euer Home-Office aus?

"Aufstehen, Frühstücken, an den Schreibtisch setzen..."

“Aufstehen, Frühstücken, an den Schreibtisch setzen, oh, die Straße vor meinem Haus ist ja gerade busy, ach, schau mal, mein Nachbar ist da, ich wink mal, vielleicht sieht er mich, ach, wenn ich jetzt schon im Fenster sitze, kann ich auch rauchen, hey, willst du mitrauchen, plötzlicher Deep Talk am Vormittag, ach, who are kidding, am späten Mittag, stimmt, ist ja schon Mittag, ich könnte eigentlich was essen, ich meine, man muss sich ja stärken, also erst mal kochen, noch eine Folge ‘Riverdale’ zum Essen, okay, ab zurück an den Schreibtisch, Buch aufklappen, feststellen, dass ich eigentlich ein anderes Buch aus der Bib brauche, okay, dann bis morgen warten, kann ich dann jetzt überhaupt was machen, hmm, erst mal rauchen, lange das Dokument anstarren, vielleicht hilft es, die Position zu wechseln, also aufs Sofa, ah, meine Pflanzen brauchen Wasser, wenn ich das nicht jetzt mache, vergess ich es, und ein Snack geht eigentlich auch, okay, zurück, im Liegen schreiben ist irgendwie unbequem, vielleicht gehts besser auf dem Sessel, ah, ja, top, könnte mal meine Mails zum dreißigsten Mal heute checken, was geht auf Twitter, Facebook, Instagram, das ist ja auch spannend, okay, back to work, hundert Wörter schreiben, puh, erst mal dieses 100 Wörter drei Mal überarbeiten, Mitbewohnerin kommt zum sechsten Mal random in mein Zimmer, wir waren heute noch nicht draußen, na, das ist wichtig, Laptop zu, denk an die Maske, erst Mal ne Runde spazieren gehen, plötzlicher Deep Talk am frühen Abend, nach zwei Stunden nach Hause weil wir richtig doll Hunger haben, also kochen, eine Folge ‘Riverdale’ noch, komm, noch eine, ach, ich schaff heute eh nichts mehr, mach ruhig den Wein auf, noch eine Folge ‘Riverdale’, okay, ich versuch jetzt noch mal was zu machen, aber ich setz mich schon mal ins Bett, ist beqeum, also, ach, naja, ich glaube, ich schlaf jetzt einfach eine Nacht drüber.”

© Foto & Text: Janina Laßmann (BA Szenische Künste)

„Konzentration be like…“

„Konzentration be like…“

© Foto & Text: Carina Isabelle Kluge (MA Inszenierung der Künste und Medien)

„Home Office / Uni. Das ist, wenn..."

„Home Office / Uni. Das ist, wenn die Versuchung viel zu groß ist im Schlafanzug vor dem PC zu sitzen und statt zuzuhören lieber Mandala-Malen passiert. Oder in der mündlichen Prüfung über Zoom mit den Dozierenden über die schönen alten Altbautüren im Hintergrund philosophieren. Oder die Mitbewohnerin in der Küche vor PC und Webcam sitzen sehen, während sie nebenher nen Teig in der Schüssel knetet. Oder wenn die beiden Mitbewohnerinnen im Nebenzimmer zusammen an einem Blockseminar teilnehmen und ein komisches, anderes räumliches Gefühl aufkommt. Physisch zu zweit im virtuellen Raum mit anderen. Nicht allein – vielleicht eine gute Strategie gegen die Einsamkeit vor dem eigenen PC.“

© Foto & Text: Marlene Richert (BA Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis)

"Vor der allerersten online-Sitzung..."

Vor der allerersten online-Sitzung habe ich meinen Schreibtisch so vor eine weiße Wand platziert, dass niemand mein Zimmer sehen kann. Dann hatte ich auch mehr Platz für Yoga. Die meisten Seminare sind aber ohne Kamera, ich liege also in meiner Hängematte und höre einfach zu.

© Foto & Text: Thomas Schmale (BA Szenische Künste)

Ich starre auf den Bildschirm
Ich starre auf den Bildschirm. 

Ich vermisse den Weg zur Uni. Ich vermisse das zufällige Treffen von Personen auf dem Unigelände. Ich vermisse es Blicke im Seminar auszutauschen. Ich vermisse es spät dran zu sein. Ich vermisse das gemeinsame Warten auf dem Boden vor einer Bürotür. Ich vermisse es den tuschelnden Kommiliton*innen im Seminar einen Blick zuzuwerfen. Ich vermisse es zur Uni zu fahren um dann zu merken, dass die Übung nur alle zwei Wochen stattfindet. Ich vermisse die kleine Wiese wo ganz selten mal eine kleine Maus zu sehen ist. Aber vor allem, wenn sich dort immer neue kleine Gruppen bilden um zusammen zu essen, zu quatschen und sich gegenseitig zu erzählen, dass sie noch schnell in den einen oder anderen Text rein schauen müssen. Ich vermisse es, wenn ich zum Essenswagen sprinte und als eine der ersten Essen 2 von Conni bekomme. Ich vermisse auch wenn im Hofcafé die Person vor mir den letzten Studierendenteller bekommt und ich deshalb mit einem Laugencroissant und einem Schokoriegel ganz langsam zum Seminarraum spaziere. Ich vermisse das immer wieder sagen müssen, dass ich jetzt eigentlich schnell weiter zur Sprechstunde muss. Ich vermisse zu fragen, ob die Institutsküche für dieses oder jenes mitgenutzt werden könnte. 

Ich vermisse das Gemeinsame. Einmal gemeinsam in 101 oder im Kartoffelwaschhaus sitzen und gemeinsam lachen. Nur ganz kurz. Das wäre es eigentlich. Das wäre perfekt. 

© Foto & Text: Sonja Schütte (MA Inszenierung der Künste und Medien)

"Studieren im digitalen Semester..."
Studieren im digitalen Semester – das ist das Gefühl von Muß im Kopf, wöchentlich und spürbar steigenden Dioptriewerten und von ausgiebigen Mahlzeiten als größtes Highlight am Tag.

© Collage & Text: Julia Zalewski (MA Kulturvermittlung) & Philipp Rösler

Titelbild: de.freepik.com

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Voll analog – die kreative Mitmachbox https://www.uni-hildesheim.de/kulturpraxis/kreative-mitmachbox/ Mon, 22 Jun 2020 11:43:33 +0000 https://www.uni-hildesheim.de/kulturpraxis/?p=987493140

Voll analog

Eine Einladung zur kreativen Mitmachbox inmitten der Natur

Selber machen statt berieseln lassen

Lust auf mehr Offline-Quality-Time?
Dann klapp deinen Laptop zu, zieh die Haustür ran und mach dich auf den Weg zur Tonkuhle. Von dort aus lade ich dich in diesem Beitrag auf einen Spaziergang ein. Das Ziel: eine alte Keksdose die viel verspricht – nämlich einen gemeinschaftlichen Kunstaustausch. Schöner Ausblick garantiert!
Begib dich auf den grünen Pfad der Kreativität, entlang der Grenze zwischen Realität und Fantasie. Ob dabei am Ende ein grauer Rabe oder ein schillernder Papagei herauskommt, liegt in deiner*unserer Hand: Modelliere, male, schreibe oder fotografiere deine Gedanken an einem ruhigen Ort inmitten der Natur. Alle dafür benötigten Materialen sowie moderierende Fragen findest du vor Ort in der kreativen Mitmachbox. So können wir individuell und doch mit Kraft der Gemeinschaft ein Gesamtkunstwerk erschaffen. Echtes Knuspergold eben.

 

Die Mitmachbox

Ideen

Schreiben

Fotografieren

Malen

Modellieren

So funktioniert’s:

Um das sagenumwobene Knuspergold zu finden, kannst du Google-Maps folgen. Oder dieser Schatzkarte. Klicke dafür auf das Video und folge den Hinweisen. Besonders Abzweigungen sind im Video hervorgehoben. Startpunkt ist die Tonkuhle. 

 

 

                                                                                                                                                                                                                                                                 Ein Beitrag von Jacqueline Est

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Flüssig bleiben: Wie finanziert ihr euer Studium? https://www.uni-hildesheim.de/kulturpraxis/wie-finanziert-ihr-euer-studium-juliamarx/ Fri, 05 Jun 2020 08:23:13 +0000 https://www.uni-hildesheim.de/kulturpraxis/?p=987493394

Flüssig bleiben: Wie finanziert ihr euer Studium?

Stipendien, BAföG, Studienkredite: Wer studiert, muss sich zwangsläufig mit der Studienfinanzierung auseinandersetzen. Wir haben drei Personen gefragt, wie sie ihr Studium finanzieren und wo dabei die Vor- und Nachteile liegen.

Julia Marx

Julia Marx studiert Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis im zehnten Semester. Neben dem Studium Praxiserfahrung in einem Job zu sammeln, kann sie jedem nur empfehlen – auch wenn es zuweilen anstrengend sein kann, Job und Studium miteinander zu vereinen.

Nitya Julia Pages

Nitya Pages studiert PKI im Master und befindet sich derzeit im zweiten Semester. Über die Möglichkeit, sich mit dem BAföG zu finanzieren, ist sie froh, obwohl die Antragsstellung zuweilen Probleme bereitet.

Annemarie Gareis

Anna studiert im vierten Semester Kulturvermittlung und befindet sich momentan in Portugal. Für die Möglichkeit, Auslands-BAföG in Anspruch zu nehmen, ist sie sehr dankbar.

Flüssig bleiben: Wie finanziert ihr euer Studium?

JULIA MARX

finanziert sich ihr Studium selbst

Julia Marx studiert Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis im zehnten Semester. Neben dem Studium Praxiserfahrung in einem Job zu sammeln, kann sie jedem nur empfehlen – auch wenn es zuweilen anstrengend sein kann, Job und Studium miteinander zu vereinen.

Wie finanzierst du dir dein Studium?

Ich habe vor meinem Studium viele Jahre gearbeitet und lebe derzeit vor allem von Rücklagen, die ich mir währenddessen schaffen konnte. Außerdem arbeite ich in unregelmäßigen Abständen weiter in meinem alten Job als freie Grafikerin, entwerfe Logos für Start-up Unternehmen, gestalte Flyer oder Package Design. Ich führe darüber nicht Buch, aber da kommen so etwa 30 Stunden im Monat zusammen.

Wie wirkt sich der Job auf dein Studium und deine Einstellung zum Studium aus?

Der Job ist eine willkommene Abwechslung. Doof ist es natürlich, wenn alles auf einmal kommt und die Zeit nicht reicht – das kann dann manchmal ganz schön stressig werden. Aber das kommt zum Glück nicht so häufig vor.

Welche Vor- und Nachteile ergeben sich für dich dadurch, dass du nebenbei jobbst?

Ich war immer froh über die Entscheidung, den Job nicht komplett an den Nagel zu hängen, weil er mir ein zweites Standbein ermöglicht. Außerdem ist der Praxiskontakt zuweilen gut, um aus dem Elfenbeinturm Domäne mal hinaus zu kommen. Die Kuwis sind ja doch eher “vergeistigt”. Manchmal war ich traurig, wenn ich ein größeres Projekt im Job absagen musste, weil die Zeit nicht reicht. Dabei schwang dann auch die Angst mit, zu oft “Nein” zum Kunden sagen zu müssen und ihn dadurch zu verlieren. Aber ich habe mich immer fürs Studium entschieden. Und es kommen auch immer neue Kunden.

Inwiefern können dein Job und dein Studium voneinander profitieren?

Ab und zu gab es schon einige Schnittmengen. Zum Beispiel habe ich mal an einem Seminar im Roemer- und Pelizaeus-Museum teilgenommen, bei dem wir die Ausstellung ergänzen sollten. Da hatte ich einen Vorteil, weil ich es aus meinem Job gewohnt bin, visuell zu denken. Umgekehrt habe ich im Studium viel geschrieben; das half mir bei manchen Kundenaufträgen, da man es als Grafikerin immer mit Bild und Text zu tun hat. Durch das Studium habe ich eine neue Sichtweise auf Texte erhalten, die letztendlich auch den Kunden zugutekommt.

Was würdest du anderen Studierenden raten, die sich in einer ähnlichen Situation befinden?

Neben dem Studium zu jobben ist immer ein Gewinn. Manchmal träumt man zwar davon, einfach frei von allen Belastungen studieren zu können, aber die Praxiserfahrung lohnt sich. Auch, wenn es ab und zu mühsam und anstrengend sein kann, würde ich es jedem empfehlen. Vieles kann man nicht in der Uni lernen und auch in der Bewerbung kann man später durch seine Praxiserfahrung profitieren. Deshalb: Macht es, auch auf die Gefahr hin, dass ihr dadurch ein Semester länger braucht.

Ein Beitrag von Kristel Döhring

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Das Mysterium Eignungsprüfung https://www.uni-hildesheim.de/kulturpraxis/das-mysterium-eignungspruefung/ Sat, 16 May 2020 14:48:29 +0000 https://www.uni-hildesheim.de/kulturpraxis/?p=987483750

Das Mysterium Eignungsprüfung

Was wir gerne vorher gewusst hätten

Wenn deine Einladung zur Eignungsprüfung endlich im Briefkasten auftaucht, hast du schon einen steilen Anstieg hinter dir. Orientierung, Anmeldung, eine Mappe erstellen, bearbeiten, verschicken, warten… Dann trennt dich nur noch dieser eine Tag von einem Studium an der Domäne. Auf den Seiten der Studiengänge gibt es ein paar Infos. Aber eigentlich hast du noch viel mehr Fragen und um ehrlich zu sein, auch Zweifel. Wir wollen dir Mut machen und Tipps geben, klick dich einfach durch das Menü.

Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus

Stella Essmann, 1. Semester

An zwei Tagen wurden 60 BewerberInnen geprüft, von denen dann die Hälfte zugelassen wurde. Um 08:30 ging es gemeinsam mit der Zuteilung der Prüfungszeiten los. Es gab vier Prüferduos in vier Räumen. Eine halbe Stunde vor der Prüfungszeit bekam ich einen Fremdtext zum Bearbeiten. Das Prüfungsgespräch in einem kleinen Büro, mit Bücherregalen bis zur Decke, dauerte eine halbe Stunde. Ich sagte, was ich an dem Fremdtext spannend fand, las einen meiner Texte vor und kam dann mit den beiden Prüfern ins Gespräch über Inspiration, Schreibmotivation und sprachliche Bilder. Alle Prüfungen waren um 13 Uhr vorbei, Toll war, dass die Studierenden uns während der Wartezeit mit Essen, Trinken und wichtigen Infos  versorgt haben. Ich war total nervös. Ich habe zum Beispiel erst nach meiner Prüfung frühstücken können. Ihr müsst auch nicht im Raum bleiben, sondern könnt (mit Blick auf die Uhr) auch in der grünen Umgebung spazieren können. Willkommen an der Domäne!  

Wie kann ich mich vorbereiten? Ich halte es für sinnvoll, vorher einmal seine Identität als Schreibende/r zu reflektieren. Was schreibe ich? Warum schreibe ich? Was ist Schreiben für mich? Was will ich von diesem Studium? Schaut auch einmal in euren Bücherschrank und fragt euch: Welche AutorInnen haben mich inspiriert? Außerdem solltet ihr euch am Tag vor der Prüfung noch einmal eure Texte gründlich durchlesen.

Wann bekomme ich das Ergebnis? Meine Prüfung war am Montag, am Mittwoch bekam ich eine Mail mit der Zulassung und dann ging auch schon der Papierkram mit der Uni los!

Keine Sorge, denn… Es ist keine Prüfung im klassischen Sinne, sondern eher ein Kennenlernen. Es wird kein Wissen abgefragt, sondern geschaut, ob ihr es mit diesem Studium ernst meint und wer ihr als Schreiber seid. Just come as you are.  

Good to know:

Die Bushaltestelle Itzum Scharfe Ecke gibt es zwei Mal. Einmal vor dem Gasthof, dort fährt nur die 42 in unregelmäßigen Abständen ab. Dann noch einmal um die Ecke, dort fahren die 1, 10 und 34 Richtung Innenstadt ab. Wer von weiter weg anreist kann auch gut im Gasthof übernachten. 

Kulturwissenschaften mit Hauptfach Theater

Jana Haberkern, 1. Semester

Vor der schriftlichen Prüfung war ich super aufgeregt. Ich sah keine Chance mich oder meine Wahrnehmung in dieser Prüfung vorzustellen, sondern war mir sicher, es gäbe ein richtig oder falsch. Meine Vermutung stimmte: Später im mündlichen Teil wurde ich für diese schriftliche Arbeit kritisiert. In der Wartezeit vor der zweiten Prüfung versammelten sich alle BewerberInnen im Foyer und fanden schnell Gesprächsstoff. Ich war begeistert, wie wenig konkurrierend alle dachten. Einige hatten mehrere Stunden Aufenthalt. Wer von sehr weit weg angereist kam, wurde bei uns zuerst zur mündlichen Prüfung herein gebeten.

Im Gegensatz zu Aufnahmeprüfungen an anderen Unis, konnte ich in Hildesheim die pure Wahrheit sagen – und bekam dazu noch die beste Kritik zurück. Das war für mich definitiv ein Zeichen, dass es dieser Studiengang werden sollte. Authentizität wird hier groß geschrieben. Und es passte! Bisher macht mir mein Studium sehr viel Spaß. Sei dir bewusst, dass die Prüfung in einem Büro stattfindet. Ich habe ein Festival, das ich 2018 gegründet und geleitet habe, vorgestellt. Ich hatte nur einige Papierunterlagen dabei – das Konzept, das Programm und Fotos des Festivals. Theatral war meine Präsentation also überhaupt nicht, sondern rein reflektierend. Andere haben Regiekonzepte vorgestellt oder Performances gezeigt – mach, worin dein Interesse liegt! 

Wie kann ich mich vorbereiten? 

Werde dir im Vorhinein bewusst: Wie ist der Studiengang strukturiert und möchte ich das? Was genau interessiert mich daran im Vergleich zu anderen Studiengängen? Mir zumindest hat diese Klarheit auch Souveränität im Gespräch gegeben – ich wusste, warum ich da bin und was ich will.

 Wann bekomme ich das Ergebnis? 

 Die Zusage habe ich zwei Minuten nach Ende meiner Prüfung als Brief in die Hand gedrückt bekommen. Für KuWi haben sie das in diesem Jahr so gemacht, weil alle, die bestanden hatten auch gleichzeitig einen Studienplatz sicher hatten – in den vorangegangen Jahren wurden Noten gegeben und diese wurden – meines Wissens nach – dann erst einige Tage später per Post an die BewerberInnen zugesandt.

 Keine Sorge, denn… es sind StudentInnen vor Ort, die dir helfen, bei allem was du wissen willst. Es sind viele andere BewerberInnen da, die mindestens so aufgeregt sind wie du. Wenn die PrüferInnen nicht überzeugt von dir sind, gibt es da draußen was Passenderes für dich.

 

Philosophie-Künste-Medien

Vassilios Michalakis, 12.Semester

 Ich würde Anwärtern allemal empfehlen, die Finger von Philosophie zu lassen, wenn sie keine Lust darauf haben, viel Text zu lesen und zu interpretieren.

Ist dieser Faktor aber gegeben, können sich Anwärter auf jeden Fall auf ein abwechslungsreiches Studium freuen, das auch zu außerschulischen Aktivitäten einlädt, wie beispielsweise  das legendäre Wochenendseminar der Philosophie in Goslar, das Projektsemester (für alle Studiengänge) und abwechslungsreiche Seminarangebote wie gemeinsame Meditation, fernöstliche Kunst oder ‘Peinlichkeit aussitzen’.

Wie kann ich mich vorbereiten? 

Die Vorbereitung auf Philosophie ist vermutlich ein Paradoxon: Es geht eher darum, das, was man schon meint zu wissen, loszulassen. Oder um Tilman Borsche, den Gründer des Philosophie Instituts zu zitieren: “den Studenten den Boden unter dem Füßen wegzuziehen“. (Zitat ohne Gewähr). Ansonsten: Ein gutes Motivationsschreiben ist eine gute Vision.

 Wann bekomme ich das Ergebnis? 

 Weiß ich nicht. Auch Geduld ist eine Tugend.

 Keine Sorge, denn… 

…mehr als abgelehnt werden, kannst du nicht. Und die Berufsfelder, die dir nach diesem Studium offener stehen, stehen dir auch in ähnlicher Weise offen, wenn du Kulturwissenschaften oder ähnliches studierst. Ist ja hella interdisziplinär der ganze Schmarn.

 

Ein Beitrag von Stella Essmann

Bilder: Stella Essmann

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