FACHFREMD

In dieser Reihe begeben wir uns in Disziplinen, die denen des Fachbereichs 2 fern sind.

Man muss ja nicht immer über Theater reden.

algorithmik

Digitales Semester!

Was meine Lehrkräfte denken, das ich tue:

Mit geradem Rücken und vollständig bekleidet aufmerksam der Online-Veranstaltung folgen.

Was ich wirklich tue: Im Morgenmantel zwischen der Zoomkonferenz und verschiedenen Tabs rumswitchen, maßgeschneiderten Content konsumieren und mich gleichzeitig darüber ärgern, wie maßgeschneidert er ja ist. Auf Algorithmus schieben und nicht so ganz genau wissen, worum es sich dabei handelt. Es ist mal wieder an der Zeit, den Blick in die Fachferne schweifen zu lassen.

Drei neue Tabs (Wikipedia, ein Youtubetutorial und HilKat) räume ich also der Klärung dieser Frage ein. Und zwar. Ein Algorithmus ist ein „Rezept“, bei dem mit bestimmten Eingaben und Abfolgen ein Ergebnis erzielt wird.

Eine Anleitung quasi, welche Schritte zum Ziel führen.

Handlungen, die einem strikten Muster folgen: Eine Bauanleitung für ein Ikearegal beispielsweise, ein Backrezept oder eine Wegbeschreibung. Genaue Handlungsanweisungen, wie in kleinen, eindeutigen Schritten Aufgaben zu bewältigen sind.

 

In der Informatik werden Algorithmen eingesetzt, um Entscheidungen herbeizuführen. „Maschine! Wenn dies und das und jenes vorliegt, führe Aktion X aus!“ – so oder so ähnlich wäre das Verhältnis eines Algorhithmus zum Computer.

Aktion X könnte dann zum Beispiel sein: Einen Artikel über das Paarungsverhalten von Spinnentieren in meine Facebook-Timeline spülen.

Unanständig! Also nicht die kopulierenden Spinnen, sondern vielmehr die unverhohlene Kenntnis meines schrulligen Spleens für Viecher.

Warum ganz genau Facebook jetzt mit Aktion X zugeschlagen hat, ist leider nicht so klar.

Die ganz großen Badasses unter den Algorithmen werden gegenüber der Öffentlichkeit, also quasi so gut wie allen User*innen, argwöhnisch unter Verschluss gehalten.

„Dies“, „das“ und „jenes“ scheinen jedenfalls vorgelegen zu haben, das Willy-Wonka-Badass-Geheimrezept führt zum Ergebnis X.

Youtube, Facebook und Konsorten sammeln über die Interaktionen im Netz und offline, zum Beispiel mittels Bewegungsdaten, um ihr „dies-das-jenes“-Sammelalbum für jede*n Nutzer*in anzulegen. Über die Speicherung meines individuellen Verhaltens hinaus werden auch Aussagen über mich getroffen, die einfach auf Wahrscheinlichkeiten basieren:

Unfassbar viele User*innen werden beobachtet, die Ergebnisse analysiert und Aussagen für einzelne daraus abgeleitet.

Und daraus speist sich der Algorithmus, der die Eva-Bode-Seite im Badass-Sammelalbum aufschlägt und mir meinen schrulligen Spleens entsprechend Tierchen serviert. So, dass ich nur noch zufriedenstellenden Content in meiner Timeline sehe.

Aaaaah, Krabbenspinnendokus!

Mein Gehirn schüttet solche Zufriedenheitsbotenstoffe aus, wenn ich sich selbst und mich bestätigenden Content immer und immer wieder konsumiere. Krabbenspinnen sind gut. Alle mögen Krabbenspinnen. Krabbenspinnen sind das wichtigste Thema der Menschheit.

Gruselig, die Gegenwart. Und altbekannt eigentlich, trotzdem gehe ich immer noch nicht wirklich dagegen vor. Als Ablenkungsmanöver konzentriere ich mich auf die Geschichte des Algorithmus. Ein bisschen Partywissen gefällig?

Das Wort „Algorithmus“ leitet sich vom Namen des Universalgelehrten Abu Dschaʿfar Muhammad ibn Musa al-Chwārizmī ab, der im achten und neunten Jahrhundert an einer der renommierten Akademien der arabischen Welt forschte. Diese Akademien waren multidisziplinär und interreligiös: christliche, muslimische und jüdische Gelehrte verschiedener Konfessionen widmeten sich den Natur- und Sprachwissenschaften, der Philosphie und Astrologie. Al-Chwārizmī hat sich zwar vornehmlich mit Algebra beschäftigt, trotdem hat sich die Latinisierung seines Namens zu „Algorithmus“ allmählich zur Definition ebenjenen Mathematikfelds entwickelt.

Es wurde erst 1843 für die Programmierung von Maschinen angedacht:

Die britische Mathematikerin Augusta Ada King-Noel, Countess of Lovelace (gern auch einfach Ada Lovelace) hat ein Programm für eine Maschine geschrieben, das dem Prinzip eines Algorithmus folgt.

Sie wird seitdem von einigen als die erste Programmierperson überhaupt bezeichnet. Es gibt Programmiersprachen und Informatikauszeichnungen, die nach ihr benannt sind.

Zurück zur ZOOMkonferenz.

Noch so ein Wicht, der Warnungen zufolge mein Verhältnis zu Krabbenspinnen und weiteren Dingen dieser Welt kennt und diese Informationen nicht gut genug schützt.

Werden sie in Algorithmen eingepflegt? ZOOM hat mittlerweile in Punkto Sicherheit etwas nachgebessert, weil die Warnungen laut wurden – aber welche Warnungen vor welchen Diensten gibt es noch und sind einfach noch nicht zu mir durchgedrungen? Ich wünschte, es gäbe apothekenmäßige Beipackzettel für Online-Dienste.

Texte und Bilder von Eva Bode

Fachfremd

In dieser Reihe begeben wir uns in Disziplinen, die denen des Fachbereichs 2 fern sind. Man muss ja nicht immer über Theater reden.

 

Illustration Kolumne FACHFREMD algorithmik

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Digitales Semester!

Was meine Lehrkräfte denken, das ich tue:

Mit geradem Rücken und vollständig bekleidet aufmerksam der Online-Veranstaltung folgen.

Was ich wirklich tue: Im Morgenmantel zwischen der Zoomkonferenz und verschiedenen Tabs rumswitchen, maßgeschneiderten Content konsumieren und mich gleichzeitig darüber ärgern, wie maßgeschneidert er ja ist. Auf Algorithmus schieben und nicht so ganz genau wissen, worum es sich dabei handelt. Es ist mal wieder an der Zeit, den Blick in die Fachferne schweifen zu lassen.

Drei neue Tabs (Wikipedia, ein Youtubetutorial und HilKat) räume ich also der Klärung dieser Frage ein. Und zwar. Ein Algorithmus ist ein „Rezept“, bei dem mit bestimmten Eingaben und Abfolgen ein Ergebnis erzielt wird.

Eine Anleitung quasi, welche Schritte zum Ziel führen.

Handlungen, die einem strikten Muster folgen: Eine Bauanleitung für ein Ikearegal beispielsweise, ein Backrezept oder eine Wegbeschreibung. Genaue Handlungsanweisungen, wie in kleinen, eindeutigen Schritten Aufgaben zu bewältigen sind.

In der Informatik werden Algorithmen eingesetzt, um Entscheidungen herbeizuführen. „Maschine! Wenn dies und das und jenes vorliegt, führe Aktion X aus!“ – so oder so ähnlich wäre das Verhältnis eines Algorhithmus zum Computer.

Aktion X könnte dann zum Beispiel sein: Einen Artikel über das Paarungsverhalten von Spinnentieren in meine Facebook-Timeline spülen.

Unanständig! Also nicht die kopulierenden Spinnen, sondern vielmehr die unverhohlene Kenntnis meines schrulligen Spleens für Viecher.

Warum ganz genau Facebook jetzt mit Aktion X zugeschlagen hat, ist leider nicht so klar.

Die ganz großen Badasses unter den Algorithmen werden gegenüber der Öffentlichkeit, also quasi so gut wie allen User*innen, argwöhnisch unter Verschluss gehalten.

„Dies“, „das“ und „jenes“ scheinen jedenfalls vorgelegen zu haben, das Willy-Wonka-Badass-Geheimrezept führt zum Ergebnis X.

Youtube, Facebook und Konsorten sammeln über die Interaktionen im Netz und offline, zum Beispiel mittels Bewegungsdaten, um ihr „dies-das-jenes“-Sammelalbum für jede*n Nutzer*in anzulegen. Über die Speicherung meines individuellen Verhaltens hinaus werden auch Aussagen über mich getroffen, die einfach auf Wahrscheinlichkeiten basieren:

Unfassbar viele User*innen werden beobachtet, die Ergebnisse analysiert und Aussagen für einzelne daraus abgeleitet.

Und daraus speist sich der Algorithmus, der die Eva-Bode-Seite im Badass-Sammelalbum aufschlägt und mir meinen schrulligen Spleens entsprechend Tierchen serviert. So, dass ich nur noch zufriedenstellenden Content in meiner Timeline sehe.

Aaaaah, Krabbenspinnendokus!

Mein Gehirn schüttet solche Zufriedenheitsbotenstoffe aus, wenn ich sich selbst und mich bestätigenden Content immer und immer wieder konsumiere. Krabbenspinnen sind gut. Alle mögen Krabbenspinnen. Krabbenspinnen sind das wichtigste Thema der Menschheit.

Gruselig, die Gegenwart. Und altbekannt eigentlich, trotzdem gehe ich immer noch nicht wirklich dagegen vor. Als Ablenkungsmanöver konzentriere ich mich auf die Geschichte des Algorithmus. Ein bisschen Partywissen gefällig?

Das Wort „Algorithmus“ leitet sich vom Namen des Universalgelehrten Abu Dschaʿfar Muhammad ibn Musa al-Chwārizmī ab, der im achten und neunten Jahrhundert an einer der renommierten Akademien der arabischen Welt forschte. Diese Akademien waren multidisziplinär und interreligiös: christliche, muslimische und jüdische Gelehrte verschiedener Konfessionen widmeten sich den Natur- und Sprachwissenschaften, der Philosphie und Astrologie. Al-Chwārizmī hat sich zwar vornehmlich mit Algebra beschäftigt, trotdem hat sich die Latinisierung seines Namens zu „Algorithmus“ allmählich zur Definition ebenjenen Mathematikfelds entwickelt.

Es wurde erst 1843 für die Programmierung von Maschinen angedacht:

Die britische Mathematikerin Augusta Ada King-Noel, Countess of Lovelace (gern auch einfach Ada Lovelace) hat ein Programm für eine Maschine geschrieben, das dem Prinzip eines Algorithmus folgt.

Sie wird seitdem von einigen als die erste Programmierperson überhaupt bezeichnet. Es gibt Programmiersprachen und Informatikauszeichnungen, die nach ihr benannt sind.

Zurück zur ZOOMkonferenz.

Noch so ein Wicht, der Warnungen zufolge mein Verhältnis zu Krabbenspinnen und weiteren Dingen dieser Welt kennt und diese Informationen nicht gut genug schützt.

Werden sie in Algorithmen eingepflegt? ZOOM hat mittlerweile in Punkto Sicherheit etwas nachgebessert, weil die Warnungen laut wurden – aber welche Warnungen vor welchen Diensten gibt es noch und sind einfach noch nicht zu mir durchgedrungen? Ich wünschte, es gäbe apothekenmäßige Beipackzettel für Online-Dienste.

Texte und Bilder von Eva Bode