Drei Geschichten rund um die Domäne

Das Jahr 2020 hat uns allen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Aufgrund von Covid-19 findet zumindest im Sommersemester dieses Jahres kein Präsenzunterricht auf der Domäne Marienburg statt. Bei dem regulären Studieren gerät leicht in den Hintergrund, was für ein schöner Ort die Marienburg eigentlich ist. Beim Studieren von Zuhause aus beginnt man jedoch schnell, die Domäne zu vermissen. In diesem Blockeintrag werden drei Geschichten rund um die Domäne erzählt, um die Sehnsucht zumindest ein bisschen zu lindern und die Zeit zurück zur Normalität zu überbrücken.

  1.Eintrag: Die Turmfalken

 

Die Domäne bietet für die Student*innen des Fachbereichs zwei einen schönen Ort zum Studieren. Sie ist jedoch auch Brutplatz für andere Bewohner. Im Trakt des Hohen Hauses leben einige Turmfalken, die Nischen in dem alten Gemäuer sind die Grundlage dafür. Turmfalken sind Felsenbrüter und bauen als solche keine Nester, sie brüten ihr Gelege direkt in den Felsnischen aus. Ab Mitte April legt das Weibchen meist drei bis sechs Eier, aus welchen etwa einen Monat später die Jungfalken schlüpfen. Im Frühsommer kann man also an der Marienburg ausgezeichnet die jungen Falken in dem Gemäuer der Burg beobachten.

Die Turmfalken machen Jagd auf Mäuse und andere kleine Nagetiere, teilweise auch auf kleine Singvögel und Insekten. Sie sind dabei gut an ihrem Rüttelflug zu erkennen, bei welchem sie über den Feldern um die Domäne herum in der Luft “stehen” und dabei Ausschau nach Beutetieren halten. Männliche und weibliche Turmfalken unterscheiden sich in ihrem Aussehen stark, die weiblichen Turmfalken sind am oberen Gefieder einheitlich rotbraun gefärbt, während die männlichen Turmfalken einen grauen Kopf und ein graues Schwanzgefieder besitzen. Am Bauch besitzen beide Geschlechter ein hell cremefarbenes Gefieder. Die Falken erreichen eine Körperlänge von etwa 35 cm und eine Flügelspannweite von etwa 75 cm, wobei die Weibchen etwas größer sind als die Männchen.  

Der Turmfalke ist die häufigste Falkenart in Deutschland. Ihr Bestand gilt als nicht gefährdet. An der Domäne hat man einen guten Einblick in ein Turmfalken Nest direkt neben der Eishalle am Hohen Haus. Hier leben in einer Nische in etwa drei Metern Höhe mindestens fünf Jungfalken, von denen zwei auch auf dem Foto links zu erkennen sind. Also, wer ganz arg Sehnsucht nach der Domäne hat kann gut mal einen Ausflug hierhin machen, im Hofcafé schmausen und anschließend neben der Eishalle die Jungvögel besuchen.

Apropos Eishalle…

 

2.Eintrag: Die Eishalle

 

Die Marienburg hat eine lange Geschichte hinter sich. Erbaut wurde sie zwischen 1346 und 1349 vom Hildesheimer Bischof Heinrich dem III. von Braunschweig-Lüneburg als Trutzburg gegen die aufständische Bürger. Seitdem hat die Domäne eine Reihe von Veränderungen durchgemacht, unter anderem wurde sie während des Dreißigjährigen Krieges 1632 erobert, wobei die oberen Stockwerke zerstört wurden und 1663 im Fachwerkstil wiederaufgebaut wurden.

Im Jahre 1913 wurde die Marienburg von Carl Graf gepachtet und als landwirtschaftlicher Betrieb verwendet. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde von 1945 bis 1981 ein großer Gemüseanbaubetrieb auf der Domäne ansässig, welcher vor allem auf die Produktion von Konserven spezialisiert war. Betreiber des Betriebes war Carl Grafs Sohn Helmut Graf. Von 1949 bis 1991 wurde zudem im Gewölbekeller der Burg unter dem Namen MUKU Eis hergestellt. Das Eis erlangte große regionale Bekanntheit und wurde mehrfach mit DLG-Preisen ausgezeichnet.

Heute bietet die Eishalle Raum für Kunststudenten des Fachbereichs zwei. Hier finden vor allem praktische Übungen statt, wobei die Räumlichkeiten mit den hohen Gewölbedecken ideal für die Ausstellung der entstandenen Kunstwerke geeignet sind. Außerhalb der Coronazeit wird die Eishalle auch gelegentlich zur Disko umfunktioniert, wenn zum Beispiel Partys im Rahmen des “State of the Art” hier stattfinden. Daran, dass hier früher mal wirklich Eis hergestellt wurde, erinnert heute nicht mehr viel, nur die hellblauen Kacheln, mit denen die Eishalle ausgeschmückt ist, erinnern noch an ein Kühlraum, oder an ein Schwimmbad.

Apropos Schwimmbad…

3.Eintrag: Das Schwimmbad

  Wer sich auf der Domäne umschaut, dem fallen so einige seltsame Dinge auf, die sicherlich irgendeine Geschichte mit sich tragen: Der Strohhalm auf der Wiese oder die Grabsteine hinter dem Theatergebäude zum Beispiel. Vorne neben dem Pferdestall ist aber noch eine weitere merkwürdige Sache zu beobachten: Ein Schwimmbad. Trotz Nachforschung verliert sich über die Ursprünge dieses Schwimmbads jede Spur. Doch der Reihe nach; wer von vorne durch den Durchgang auf die große Wiese hinter der Domäne geht, hat rechter Hand direkt ein stark zugewachsenes Gebäude mit sehr undurchsichtigem Wellblechwänden. Wer sich direkt vor diese Wellblechwände stellt und hindurch sieht erkennt, dass dort hinter ein Schwimmbecken liegt. Sehr verwahrlost zwar, ohne Wasser und größentechnisch eher ein großer Pool, doch definitiv ein Schwimmbecken. Das Erste was den meisten wahrscheinlich einfällt, wenn sie das Schwimmbecken durch das Wellblech sehen, ist: Cool, ein Schwimmbad. Doch unmittelbar danach drängt sich die Frage auf: Warum steht hier ein Schwimmbad?! Der überdimensionierte Strohhalm wurde vielleicht von irgendwelchen Kunststudenten*innen vor langer Zeit hergestellt und auf der großen Wiese installiert. Die Grabsteine hinter dem Theatergebäude stammen sicherlich von irgendwelchen Menschen, die mit der Domäne auf irgendeine Art und Weise in Verbindung standen. Zur Not könnten sie auch von irgendwelchen Kunststudent*innen angeschleppt worden sein. Aber ein Schwimmbad? Das stellt einen dann doch vor größere Erklärungsnöte. In der Geschichte der Domäne, die ich mir bei der Recherche dieses Eintrages grob zusammengelesen habe, taucht kein geschichtlicher Abschnitt auf, bei dem der Bau eines Schwimmbads auf dem Gelände der Marienburg auch nur ansatzweise logisch erscheint. Also: Spielraum für Spekulationen. Wurde das Schwimmbad in den 50ern gebaut, um als riesiger Bottich für das MUKU Eis zu fungieren? Oder wurde es im Spätmittelalter für die Rösser der Burgherren und Burgdamen als überdimensionierte Pferdetränke errichtet? Vielleicht wurde es auch erst vor kurzem als Reaktion auf das Hochwasser aus dem Sommer 2017 gebaut, weil man dachte: Jetzt wo wir schon Wasser haben können wir es ja eigentlich auch sinnvoll nutzen. Fakt ist: Neben dem Pferdestall steht in einem ziemlich ranzigen Zustand ein Schwimmbad. Was es da macht ist ein Mysterium. Es lädt auf jeden Fall zum Geschichtenerzählen ein und ist für alle Verschwörungstheoretiker ein gefundenes Fressen.

Ein Beitrag von Mattis Grotehusmann