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Die Geister, die ich online rief

  • 1. September 2023
  • Swantje Kautz

Die Online-Lehre liegt so weit zurück, dass man sie fast vergessen könnte. Doch haben ein oder gar zwei Jahre online die Studierenden nachhaltig beeinflusst? Ein Beitrag über nachhallende Nicht-Erfahrungen

In diesem Artikel versuche ich, die strukturell bedingte Einsamkeit der Lockdowns und der Online-Semester aufzuarbeiten.
Studierende dürfen wieder ohne Kontaktbeschränkungen an Tischen, in Fluren sitzen – und trotzdem zeichnet die Online-Lehre lange Schatten bis in den jetzigen Studienalltag. Zumindest für mich und andere, die ebenso im Herbst 2020 ihr Studium begannen und nun im sechsten Semester studieren.
Obwohl die Online-Lehre für mich nach drei Semestern vorbei war, bestimmte sie den weiteren Verlauf meines Studiums: Weshalb fühle ich mich manchmal noch so fremd am Campus, als wären wir erst kürzlich in die Präsenz-Lehre gestartet? Ich taste mich an diese Frage heran – indem ich andere Studierende vom Kulturcampus befragte, ob es ihnen ähnlich geht.
Und ich denke zurück an Momente der Online-Semester, die ich schon teilweise verdrängt hatte.

Drei Tage Ersti-Woche, dann Lockdown

Ich erinnere mich, wie wir mit unserer Ersti-Tutorin und vielleicht fünf weiteren Kuwi-Erstis durch die Innenstadt zogen und schließlich uns auf eine Bank vor einem Dönerladen setzten. Es war eine angenehme Runde. Von diesen Menschen, die mit mir an diesem Abend zusammen waren, habe ich viele erst zwei Jahre später wieder gesehen.
Durch meine Umfrage erfuhr ich, dass sich die Ersti-Angebote je nach Studiengang stark voneinander unterschieden. Ein Szenische Künste-Student erzählte mir, er habe durch die Ersti-Angebote schon viele aus seinem Studiengang kennengelernt. In meiner Erinnerung fühlt es sich so an: Wir waren zu fünft vor dem Dönerladen, am nächsten Tag habe ich einige bekannte Gesichter wiedergesehen beim Stundenplan-Picknick, zwei Tage später war Lockdown.

Für mich waren die Präsenz-Angebote losgelöst vom ersten Semester. Ich war aufgeregt, diese Menschen kennenzulernen, wenn es bald die Chance geben würde, sie wiederzusehen. Aber mit den folgenden Wochen schien es immer unrealistischer, den anderen Erstis noch einmal zu begegnen.
Ich schrieb während der Seminar-Webkonferenzen alle an, in dessen Zoom-Kacheln ich die gleichförmigen Einheitsmöbel des Wohnheims erkannte – Hey, ich wohne auch im Wohnheim! Ich schrieb als ein fremdes Kachelgesicht an die anderen.
Hätten die Ersti-Tutor*innen gleich nach dem Winter-Lockdown sagen sollen – liebe Noch-Erstis, wir kaufen jetzt ein paar Kästen Bier und ziehen damit durch die leere Innenstadt! Besser als nichts!
Aber ich erinnere mich, so eine Art Tour wäre verboten gewesen.

Während des ersten Semesters fühlte sich die Online-Lehre meistens gar nicht so schlimm an. Es wurde normal, nur von drei Menschen zu wissen, wie sie außerhalb ihres Webcam-Ausschnitts aussehen, und ich atmete glücklich auf, wenn ich mal eine Freundin besuchen konnte.

Erst danach wurde mir radikal bewusst, wie einschneidend diese Online-Lehre war: Ich hatte ein Jahr in Hildesheim ein oder zwei soziale Kontakte.

Das zweite Wintersemester – hybrid, das Grauen in der light-Variante

Das Wintersemester 2021/22 ging los ohne Online-Lehre! Alles war neu, mit dem Fahrrad zur Domäne fahren, auf dem Weg dorthin sich mit jemandem unterhalten, die Dozierenden in echt zu sehen. Zu Beginn des dritten Semesters hielt ich immer kurz die Luft an, wenn ich eine dozierende Person an mir vorbei rauschen sah – sie war real! Ich kannte diesen Menschen, der mich für ein Jahr so gut wie möglich an den Laptop gefesselt hatte. Und nun sah ich ihn leibhaftig. Aber dieses taumelnde Hochgefühl verließ mich im Stress der Abgaben und Alltäglichkeit der Seminarsitzungen. Selbst in der Präsenz verliefen diese manchmal online. Manche Teilnehmer*innen waren online, manche saßen im Seminarraum – ein ewiger Nachhall aus Mikrofonen, die nicht ausgeschaltet wurden und so hörte ich die Stimme im Raum in echt, dann wieder online über Kopfhörer, dann über die Mikrofone der anderen – ich glaube, ich bin dann nicht mehr zu den Sitzungen hingegangen.

Wenn ich drei Leute bei einer Kulturveranstaltung neu kennenlernte, dachte ich: Das sind aber viele Leute! Es geht voran. Schleppend. Drei Leute waren viele, weil ich davor nur meine beiden Mitbewohner*innen und einen aus dem Studiengang kannte. Ich glaubte, ich würde mir ein soziales Netzwerk aufbauen. Währenddessen erlebten wir eine Präsenzlehre, in der alle vor Seminarbeginn mit FFP2-Maske vor ihrem Laptop saßen und niemand miteinander redete. Ich kannte vielleicht fünf Gesichter ohne Maske und traute mich nicht, fremde Maskengesichter im Seminarraum anzusprechen.

Was hätten wir besser machen können? Hätten die Ersti-Tutor*innen uns mit an die Hand nehmen sollen, als wir schon im dritten Semester waren? Gefühlt waren wir Erstis. Wir kannten uns nicht. Wir kannten den Campus nicht. Wir hätten die Partys und Campusführungen nochmal gebraucht, um dieses benommene Gefühl, dieses „Wir kennen unsere Gesichter, aber irgendwie auch nicht“, loszuwerden. Wie wir in digitalen Räumen saßen für Gruppenarbeiten, ohne Bild, mit dem Timer im Blick: die Black Box. Namen waren nur rauschende Stimmen – mein Internet ist schlecht, mein Mikro kaputt, meine Kamera defekt.

Wie knüpft man an, nach einem Jahr Stille? Mit Partys. Mit Eigeninitiative – mit ganz viel davon.
Was, wenn man keine Kraft für Eigeninitiative hatte?

Meine Eigeninitiative bestand daraus, eine Minute zum nächsten Hausaufgang zu laufen zu Küchenpartys und Erasmus-Studierende zum Kochen einzuladen. Mit den Kuwi-Menschen, die ich aus Zoom-Kacheln kannte, wäre mir das komisch vorgekommen. Meine Erasmus-Studis lernte ich kennen, weil meine neue Mitbewohnerin mich einschleuste zu der Erasmus-Kneipentour. Ohne diesen Abend hätte ich fast meinen gesamten temporären Hildesheimer Freundeskreis nicht kennengelernt.

Fünf Leute beim Namen zu kennen, und mit ihnen mehr als fünf Minuten geredet zu haben, kam mir viel vor. Aber es reicht nicht, um ein soziales Netz aufzubauen, das dich auffängt – mit dem du Theaterkollektive gründen kannst, Lesungen organisieren kannst, die du um Rat fragen kannst.

Hätte es für alle Drittis eine eigene Domäneparty geben sollen, als es wieder möglich war? Einen großen Spaziergang im Pulk, um die Ansteckungsgefahr gering zu halten?
Die Online-Lehre zog Grenzen. Eigeninitiative war gefragt, viele Partys, Fachschaften, Kollektive, Uni-Orchester, viel einbringen und ausprobieren und rausgehen.

Wie geht es anderen nach der Online-Lehre?

Die Nachwirkungen der Online-Lehre ziehen sich durch mein Studium bis ins Jetzt. Und das scheint anderen aus meinem Semester ähnlich zu gehen, ohne dass wir uns darüber austauschen können, ohne dass wir uns alle kennen: Ich habe das Gefühl, ich kenne die Studierenden aus meinem Semester mit am wenigsten.

Von neunzehn Befragten aus dem sechsten Semester gaben mehr als die Hälfte an, dass die Online-Lehre noch negative Auswirkungen auf ihre mentale Gesundheit hat.

Acht stimmten dieser Aussage voll zu, fünf kreuzten die Aussage „eher ja“ an. Die Umfrage sah bei den Studierenden aus dem vierten Semester besser aus. Sie starteten mit einem Präsenz-Semester, welches um die Weihnachtszeit 2021 zurück in die Online-Version geführt wurde. Drei stimmten der Aussage eher zu, dass die Online-Lehre noch negative Folgen hat in Bezug auf ihre Psyche.

Vier der Befragten aus dem sechsten Semester gaben an, sie fühlen sich nicht gut vernetzt in Bezug auf einen Freundes– oder Bekanntenkreis.

Zwei beantworteten die Frage mit „eher nicht“, zwei verneinten komplett. Von den Befragten des vierten Semesters gaben drei an, dass sie sich eher nicht gut vernetzt fühlen in Bezug auf einen Freundeskreis.

Wahrscheinlich konnte sich niemand ausmalen, wie sehr die Online-Lehre folgende Kennlernsituationen beeinflussen sollte. Vielleicht waren wir deshalb als Drittsemestler auf uns allein gestellt und schleusten uns vereinzelt heimlich in andere Kneipentouren ein, die nicht für uns bestimmt waren. Eigeninitiative rettete einen von der einsamen Online-Lehre in die Präsenz. Denn es gab kaum Angebote, die geholfen hätten, ein Jahr online mit besonders vielen Kennlern-Möglichkeiten auszugleichen.

Die Online-Lehre ermöglicht logischerweise nicht das Kennenlernen wie in der Präsenz-Lehre. Mit keinem digitalen Tool wird es möglich sein, so ungezwungene, schöne und bereichernde Gespräche herzustellen. Diese Gespräche und Freundschaften entstehen, wenn man jemanden im Seminarraum schätzt durch seine offene Art, wenn man auf dem Fahrradweg gemeinsam den Tag auswertet. Wenn man sich zigmal zufällig in der Innenstadt trifft, denn Hildesheim ist klein genug, um gefühlt ständig die gesamte Domäne außerhalb der Domäne zu treffen.

Online-Formate werden von manchen Dozierenden immer noch angeboten am Kulturcampus, weil die Strukturen dafür während der Pandemie geschaffen worden sind. Aber es ist keine Alternative, mit der Studierende sich gegenseitig kennenlernen können und einen vertieften Austausch innerhalb der Seminarzeit haben. Dies sollten alle Entscheidungsträger*innen im Kopf behalten, wenn die Präsenz-Lehre pandemiebedingt oder aufgrund von Energiepreisen wieder eingeschränkt werden sollte. Immerhin: Dr. Christian Dittmann, der Referent der Uni-Präsidentin, versicherte mir – momentan gäbe es keine Debatte darüber, ob das kommende Wintersemester wieder ein digitales werden könnte.

Bildmaterial: Charlotte Uber

Ein Beitrag von: Swantje Kautz, veröffentlicht am 01.09.2023

Swantje Kautz

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