Die Domäne als Text. Der Text als Domäne, in die man laufen kann.                Wir beobachten, wir zeichnen, wir skizzieren. Dieser Beitrag zeigt den Blick der verschiedenen Studierenden auf den Kulturcampus.

Übezelle 2

 

Das Saxophonblatt in meinem Mund, die Tasten in meinen Händen.
Das Klavier füllt die hälfe des Raumes und vor dem beschlagenen
Fenster stehen kahle Bäume, wie stummen Zuhörer. Ich fange an. Der
erste Ton klingt schrecklich, danach wird es besser. Ich spiele
ohne Noten. Lasse meine Finger gleiten und höre zu wie ich mich
heute fühle. Schwanke zwischen Moll und Dur. Im Raum neben mir
spielt jemand ein Jazzstück auf dem Klavier. Die Klänge
vermischen sich disharmonisch, aber daran gewöhnt man sich, wenn
man öfter hier ist.
Später beim Allegretto werde ich ungeduldig, weil die Töne schon
wieder so rauschen. Dann improvisiere ich im C-Blues und verlasse
mit wunden Lippen den kleinen Raum.

 

Liv Thastum, Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus

 

 

ist der wagen dauerhaft oder wird es noch eine domäne-mensa geben
das hofcafé ist unangenehm strukturiert
und wann ist die flut vorbei wird alles fertig sein
(und wann ich)

 

so erleuchtet
wie der blaue salon
so protzig
werde ich nie sein
(vielleicht könnte das literaturinstitut den leuchter teuer verkaufen und hätte dann wieder mehr geld)

 

die grabsteine
sind aus einem projektsemester
sie sind nicht echt
vielleicht stimmt das
aber ich glaube es nicht

 

dann wieder die frage des tages:
ausrutschen auf dem matschweg
oder außen rum
also: kuwi-style oder kskj
jeder trampelpfad ist ein fehler in der stadtplanung

 

liste der gebäude der domäne, die ich noch nie betreten habe:

1. weißes haus, hs. 46
2. hofmeisterhaus, hs. 3
3. steinscheune, hs. 31
4. füllenstall, hs. 28
5. querhaus, hs. 49

liste der räume: unvollständig

 

noch 2:

in der erstiwoche damals gab es eine schatzsuche auf dem gelände und der schatz war wohl beim hyper-strohhalm im domänengarten. aber eine andere gruppe kam uns zuvor, das war enttäuschend. wir waren nämlich richtig gut. leider weiß ich nicht mehr, mit wem ich da in eine gruppe war, aber trotzdem voll bonding für so eine stunde.

 

zwischen scheune und steinscheune stehen so container. einmal hab ich da so von einer theaterübung übriggebliebenes zeug reingeworfen nach einer ziemlich fiesen mündlichen theaterprüfung im ersten semester. das ist keine so gute erinnerung, aber es war ganz nice, den nicht unbegründeten frust daran auszulassen.

 

Lukas Friedland, Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus

 

 

Es gibt doch sehr viele Weisen

Zu warten.

Er, er steht seine Zeit ab.

Man kann ihn auch gar nicht wirklich sehen,

Wie er so kümmert im Geäst.

Im Gerüst der Bäume

Zwischen Schlosspark und Feldweg.

Vom Feldweg kann man hineinshen.

Ich frage mich worauf er dort wartet.

Der Turm.

Abseits vom Weg

Und kultivierter Wildnis

Und ohne Anmut und ohne Idylle.

Ob er wache steht,

Bis wir dann schlafen?

Ob er bloß Strom spannt,

umspannt,

Weg von hier und hinein in den Harz?

Worauf er wohl wartet frage ich mich,

auf Zeitenwende womöglich

Weg von den Welfen und  her zu mir.

 

Verortung: Der Turm zwischen Domänepark und Feldweg

 

Gwendolyn Krenkel,
Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Une branche dénuée de bourgeons,
Se dessine sur le ciel,
Ciel embrumé de nuages blancs.
Un oiseau noir s’y pose.
Ses plumes luisent sous la clarté d’un rayon de soleil.
Nos regards se croisent à travers la fenêtre.
Printemps, est-ce toi qui t’approche à petits pas?

 

Solèmne Philippe, Kulturvermittlung

 

 

Da fließt meine
Zukunft, da werden
Pelzmäntel aus Polyesther
untergehen, da steht Kälte am
Geländer, da steht stampfen an aus
dem Matsch heraus und in die Welt,die
Hildesheim ist, und vor dem Matsch, weit
hinter uns, die Domäne, Kurse, das Klo neben
dem blauen Salon mit umgedrehten Besetztchild
das immer auf Besetzt gedreht ist, Freude in den Seminaren,
Schlangen vor dem Mensacar, Texte auf dem Handy aufrufen, PDF,
Speicherplatz im Kopf füllen, dann Textschredder auf der Brücke, werft die Fahrräder weg, die Busse kommen jetzt öfter, stimmt nicht, werft die Busse weg und holt die Fahrräder aus dem Wasser,

los

los

in die Welt hinaus!

 

Nicole Collignon, Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus