woke:
„in hohem Maß politisch wach und engagiert gegen (insbesondere rassistische, sexistische, soziale) Diskriminierung „
Duden
Die Domäne ist eine Bubble. Das ist für viele kein Geheimnis mehr. Sie besteht aus unterschiedlichsten Menschen, die nicht nur für ihre Kreativität bekannt sind, sondern auch für ihre Toleranz und Wokeness. Aber ist es nun wirklich so?
Nun, um das herauszufinden startete ich eine Umfrage und führte zahlreiche Interviews mit Studierenden und Dozierenden vom Kulturcampus. Das Ergebnis – für die einen überraschend und für die anderen eher weniger- aber es scheint so, als ob an der Domäne, viele schon schlechte Erfahrungen mit ihren Kommilitonen*innen sowie Dozenten*innen gemacht haben. Ist das der Grund warum sich 1/3 (34,6 %) der befragten Studierenden sich oft bis immer unwohl beziehungsweise “dumm” fühlt? Oder liegt es an der Diskriminierung welche mehr als die Hälfte der Befragten selbst erfahren oder mitbekommen hat?
Als ich vor einem Jahr anfing hier zu studieren, hatte ich ein ganz anderes Bild vom Kulturcampus, als ich es jetzt habe. Während meiner Zeit an der Domäne erzählten mir viele meiner Komilitonen*innen von angenehmen aber auch von unangenehmen Situationen. Dabei trafen Akzeptanz, Willkommensein, Freundlichkeit und safe space auf diskriminierende Aussagen, komische Blicke, das Gefühl von fehlender Zugehörigkeit und Dumm sein aufeinander. Leider bleiben solche Erfahrungen oft im Privaten. Doch dies ändert sich nun…
Die Umfrage
Anfang Januar startete ich eine (anonyme) Umfrage mit dem Titel “Erfahrungen am Kulturcampus”, manchen von euch mag sie sogar bekannt vorkommen, vielleicht habt ihr ja sogar selbst daran teilgenommen. Zu Anfang muss ich aber gestehen, dass lediglich 52 Menschen bei der Umfrage mitgemacht haben, weshalb sie nicht als repräsentativ gilt. Dennoch gewährt sie einen kleinen Einblick in die Gesellschaft der Domäne.
Fast 50 Prozent der Teilnehmer*innen studieren Kulturwissenschaften. Die meisten sind dabei im 3.- 6. Semester, daneben stammen 30,8 % der Studierenden aus der mittleren Mittelschicht und jeweils 23,1% aus der unteren Mittelschicht sowie unteren Einkommensschicht. Zudem haben 23,1% einen Migrationshintergrund.


„Viele der Doziernden haben das beste Interesse für ihre Studierenden und sind sehr hilfsbereit.“
„Dass sie sich in ihrem jeweiligen Fachgebiet sehr gut auskennen und Spaß an ihrer Arbeit zu haben scheinen. Ihre Motivation überträgt sich auf die Studierenden und Interesse wird geweckt.“
„Ein grundsätzlich sehr offener Umgang miteinander und vor Allem auch von den Dozierenden zum Großteil ein verständnisvolles Entgegenkommen und ein Begegnen auf Augenhöhe, zudem wird nie künstlich Druck erzeugt (so wie ich es schon an anderen Unis erlebt habe)“
„Das „Du“ — Einfach die Nähe und die Lockerheit.“
Liebe Dozenten*innen?
Dozenten*innen sind zunächst Personen, die in der Hierarchie der Universität theoretisch gesehen über dem*der Student*in stehen. Man kennt es schon aus der Schule von den*der Lehrer*innen, manche mag man mehr und andere weniger.
Am Kulturcampus scheint es aber nicht der Regel zu entsprechen, denn durchschnittlich haben die Befragten ziemlich oft gute Erfahrungen mit Dozierenden gemacht. Die Gründe dafür waren hauptsächlich gleich. Besonders wertschätzend finden die Studierenden, die Begegnung auf Augenhöhe. Wodurch auch die Abflachung der hierarchischen Struktur gefördert wird. Außerdem schaffe dies ebenso eine familiäre und lockere Atmosphäre, wobei das Duzen der Dozenten*innen vielen ein Gefühl der Nahbarkeit vermittelt. Welches durch das mehrheitlich empathische, verständnisvolle, offene und respektvolle Auftreten nochmal verstärkt wird. Des Weiteren werden die Motivation und Hilfsbereitschaft der lehrenden Personen als sehr positiv von den befragten Studierenden aufgefasst. Wobei, das ehrliche Interesse an den Studenten*innen, von einigen ausdrücklich hervorgehoben wird.
Regelbruch von Dozierenden
Ausnahmen bestätigen die Regel – so die Theorie, doch was ist, wenn es zu viele gibt?
Denn mehr als die Hälfte der Teilnehmer*innen (57,7%) gaben an, schonmal schlechte Erfahrungen mit Dozenten*innen gehabt zu haben. Wichtig ist, bei den folgenden Kritikpunkten zu beachten, dass man diese nicht pauschalisieren kann.
Ein recht lautes und für die meisten wohl kein neues Problem ist die schlechte Erreichbarkeit. Dabei muss man natürlich den Fakt berücksichtigen, dass die Postfächer der Dozierenden oft sehr überfüllt sind. Dennoch freuen sich Studierende auch über eine verspätete Antwort, keine Antwort kommt hingegen nicht so gut an. Weshalb auch einige die schwierige Kontaktmöglichkeit mit Unzuverlässigkeit verbinden. Hinzukommen aber noch die diversen Formen der (bevorzugten) Ansprechbarkeit je nach Institut, was die Kommunikation zwischen Studierenden und Lehrenden nochmals komplizierter macht.
Was ebenso kompliziert ist für die befragten Studenten*innen sind die Seminare am Kulturcampus, in denen Wissen vorausgesetzt wird, zu mindestens lautet so der Vorwurf. Wobei insbesondere das kulturelle Vorwissen in der Kritik steht. Denn einige der Studierenden haben aufgrund ihrer sozialen Herkunft weniger Möglichkeiten und schlechteren Zugang zu kultureller Bildung gehabt. Darüber hinaus ist der Anschluss auch für Fachfremde in Seminaren dadurch stark eingeschränkt. Die Hauptproblematik liege aber eigentlich darin, dass Dozierende Begrifflichkeiten, Literaturtexte, Autorennamen etc. benutzen, diese aber nicht erklären, und wenn nur oberflächlich. Wodurch Studierende den Inhalt des Kurses nicht verstehen sowie erfassen können und somit keine Möglichkeit haben sich am Diskurs zu beteiligen. Dies führe automatisch zur spezifischen Ausgrenzung, zumeist von Personen aus benachteiligten sozialen Klassen oder fachfremden Personen.
Das könnte eine der Ursachen sein, warum einige Dozenten*innen und Doktor*innen nachgesagt wird, elitär zu sein. Außerdem berichten mehrere der Befragten über fehlende Reflektion einiger Dozierender, insbesondere wenn ihnen gegenüber Kritik geäußert wird. Wie zuvor erwähnt, treffe es aber nur auf einige Lehrende zu.
Im Gegensatz beim Thema “Seminaraufbau”, da landen viele Dozenten*innen leider keinen Volltreffer. Denn der Wunsch nach mehr Abwechslung ist groß. Eine Vielzahl an Teilnehmer*innen beschwerte sich über die “Immer gleiche Studienleistungen, immer gleiche Seminaraufbauten. Diskussionen immer im Plenum, ständige Referate oder Textpatenschaften”. Durch die wiederkehrenden Methodiken, soll des Öfteren die Vermittlung des Fachwissens nicht gelingen. Insbesondere seien die Musikseminare “arg verschult”.

„Manche Dozierenden sind recht elitär und haben nicht so ein Gefühl dafür, wie unverständlich Sachzusammenhänge sind, wenn man nicht im Thema ist“
„Manchmal habe ich den Eindruck, dass Privilegien und Machtgefälle und deren Mechanismen, die bei allem Wohlwollen da sind, nicht richtig reflektiert werden und dann z.B. manche Studierende (bestimmt oft unbewusst) bevorzugt werden“
„Kritikunfähigkeit — nicht mehr selbst auf die Suche danach gehen, was man verbessern könnte und dann ein Erstauntsein, wenn etwas bemängelt wird.“
„Immer gleiche Studienleistungen, immer gleiche Seminaraufbauten. Diskussionen immer im Plenum, ständige Referate oder Textpatenschaften. Wünsche mir mehr Abwechslung im Austausch. Späte Bereitstellung der Arbeitsmaterialien/ Texte“
„Einige scheinen im Elfenbeinturm zu leben. Wenig Selbstreflektion. Kein Interesse daran, Studierenden mit zB psychischen Krankheiten zu helfen bzw das Studium leichter zu machen. Oberflächlicher Feminismus“
„Z.T. Unzuverlässigkeit, schlechte Erreichbarkeit.“
„Unorganisiert sein, Mails unbeantwortet lassen“

„sind alle recht nett und offen und super kreativ, funky“
„Man kann eigentlich alle Leute ansprechen und bekommt zB Hilfe bei Fragen“
„Die Begeisterung auszuprobieren und zu experimentieren.“
„Dass auf einen respektvollen und toleranten Umgang geachtet wird“
„Das kann ich gar nicht verallgemeinern, aber ich habe an der Domäne tolle, warmherzige Freunde, die unendlich tolerant und einfach schöne Menschlich sind.“
„Über dieselben Leidenschaften abnerden, viele sind sehr wertschätzend“
Studierende einfach Zucker?
Die Gesellschaft der Domäne besteht hauptsächlich aus Studenten*innen, weshalb auch diese wohl den meisten Raum im Bild einnehmen. Da ist es doch schön zu wissen, wie die Kommilitonen*innen sich gegenseitig sehen. In der Umfrage haben Studierende eher oft gute Erfahrungen mit ihren Studienkollegen*innen gemacht.
Natürlich finden alle ihre Freund*innen toll. Dies wurde auch von zahlreichen Teilnehmer*innen in der Umfrage betont. Somit haben sich die aufgezählten positiven Eigenschaften oft nicht auf die Allgemeinheit bezogen.
Trotzdem kann man von einer relativen Allgemeinheit sprechen. Das heißt folgende Aussagen beziehen sich auf die grobe Mehrheit. Zunächst einmal wird die Kreativität der Menschen hier sehr bewundert. Genauso wie ihre Individualität sowie respektvollen und toleranten Umgang gegenüber anderen. Generell werden unsere Kommilitonen*innen als ungemein offen, nett beziehungsweise lieb und funky wahrgenommen. So wird beschrieben, dass die meisten sehr kommunikativ und hilfsbereit sind, heißt, dass man eigentlich jede*n ansprechen könnte und jede*r helfen würde. Immerhin scheinen die Leute sehr engagiert und motiviert zu sein in Bezug auf unterschiedliche Bereiche, darunter auch bei Gruppenprojekten. Wobei in dem Zusammenhang auch oft das Wort “experimentierfreudig” gefallen ist. Man kann es als die Aufgeschlossenheit gegenüber neuen Ideen begreifen.
Darüber hinaus finden zahlreiche Studierende hier Gleichgesinnung aufgrund ähnlicher Interessen, einige schwärmen nämlich über “das abnerden über gleiche Leidenschaften”. Leidenschaften, über die in der ‘normalen’ Alltagswelt nicht gesprochen wird. Die woke Bubble, in der wir uns angeblich befinden, wurde hervorgehoben, als etwas besonders positives, da “manche Sachen einfach Basics im Miteinander” sind. Sowie beispielsweise die “große Offenheit gegenüber Anderssein” oder die Sensibilität bei dem Umgang miteinander und zu Themen wie etwa Gender.
Allgemein doch ein bisschen salty
Unter dem ganzen Süßkram auf den ersten Blick, findet man dennoch viele salzige Snacks, die gleich zum heißen Tee ausgepackt werden.
Vorerst, haben 55,8 % der Befragten schonmal schlechte Erfahrungen mit ihren Kommilitonen*innen gemacht. Wobei diese Zahl eigentlich recht positiv zu sein scheint, denn im Umkehrschluss bedeutet es, dass fast die Hälfte bis jetzt eigentlich immer gute Erfahrungen gemacht haben.
Trotzdem bedeutet dies nicht automatisch, dass die Befragten persönlich nichts an seinen Mitstudierenden auszusetzen hat, wie die Umfrageergebnisse zeigen. Interessanterweise wurden häufig die gleichen Dinge genannt. Zufall?
Zuvor wurde die Sensibilität der woken Bubble an der Domäne als etwas positives dargestellt, doch kann es sein, dass diese sich zu einer Übersensibilität entwickelt hat? Laut den Aussagen der Teilnehmer*innen definitiv. Das Problem dabei mag für einige von euch zunächst nicht verständlich sein, wer es jedoch nachvollziehen kann der*die versteht, was es für Folgen haben kann.

„Teils elitär, sehr in der eigenen bubble verhaftet und nicht offen für Menschen von „außen“ —> Kultur für alle wird gepredigt, aber nicht gelebt“
„Dass Menschen mit anderer Meinung nicht respektiert werden und verurteilt werden ohne erst einmal einen Dialog zu suchen“
„Zu sensibel, wenig wissenschaftliche Aussagen aber viel Meinung in einigen Seminaren, Unproduktivität“
Aus den Aussagen aus der Umfrage lassen sich folgende anmutenden Auswirkungen zusammenfassen (!Wichtig!: Es ist eine Zusammenfassung von Meinungen und diese sind somit keinesfalls als Fakten wahrzunehmen!):
- Es führe zum Mangel an Fehlertoleranz. Das heißt, man traue sich nicht in den Seminaren offen seine Meinung zu sagen beziehungsweise einen Wortbeitrag zu leisten. Aus Angst sich nicht mit der angemessenen Wortwahl ausdrücken zu können (z.B. beim Thema Gendern), und deshalb (vor)verurteilt zu werden. Zumal oft Ausgrenzung statt Aufklärung stattfinde, warum man einen gewissen Begriff (nicht) verwenden sollte.
- Meinungsanpassung statt Meinungsvielfalt in Diskussionen. Nicht nur die Wortwahl müsse hier sensibel gewählt werden, sondern auch die Meinung. Durch die sehr linke Bubble, manche in der Umfrage bezeichnen diese sogar als “linksextrem”, scheine hier oft nur eine Sichtweise akzeptiert zu werden. Aufgrund der (angeblichen) übersensibelen Gemeinschaft führe dies bei anderen Ansichten zu großer Empörung im Raum, vergleichbar mit der cancel culture, oder sowas in der Art. Deshalb äußern sich viele nicht (oder sagen nicht ihre wahre Meinung) aus Angst gecancelt zu werden, so der Vorwurf. Dies verhindere dementsprechend einen offenen und direkten Austausch und Perspektivwechsel.
- Mehr Meinung als Wissenschaft. Eine weitere Folge sei zudem, dass gewisse Themen oft zu unwissenschaftlichen Diskursen führen. Der Grund dabei liege in der persönlichen Involviertheit mancher Studierender. Einerseits erlangt man durch die Betroffenen einen näheren Einblick in die jeweilige Problematik sowie neue Perspektiven, was auch förderlich ist. Andererseits bestehe gleichzeitig die Gefahr der Emotionalisierung des jeweiligen Themas.
Dabei liegt auch der folgender Vorwurf gegenüber Dozierenden im Raum:
„auch hier habe ich das gefühl, dass einige dozierende aus gemütlichkeit und vielleicht auch angst vor backlash mit der politischen bubble mit schwimmen statt einen diskurs für verschiedene perspektiven zu fördern (und nicht zu verurteilen!!)“
Umfrage: Erfahrungen am Kulturcampus, 2024
Besser als du
Fühlst du dich manchmal dumm in Seminaren, wenn Andere Begriffe benutzen die du nicht kennst? Wenn ja, keine Angst, du bist nicht alleine.
Die „intellektuelle Überheblichkeit“ wird in der Umfrage nämlich häufig kritisiert. Einige beschrieben ihre Mitstudierenden als (teils) “elitär”. Dabei vermitteln manche Personen ihren Kommilitonen*innen ein Gefühl der Überlegenheit oder, dass sie „sich für was besseres“ halten. Wobei diesbezüglich die Überlegung geäußert wurde, ob der*die belehrende Student*in nicht lediglich eine Selbstinszenierung wäre?
Möglicherweise aus eigener inneren Unsicherheit sowie dem menschlichen Grund dazugehören zu wollen und selbstbewusst zu wirken, wenn man es möglicherweise nicht tue. Denn abseits dessen wird ein gewisses “Cliquenverhalten” wahrgenommen, welches ausgrenzend wirke, wenn man in seiner eigenen Bubble verharre und nicht offen für Menschen von außen sei. Weshalb auch Studierende als „nah, aber irgendwie auch fern“ gesehen werden. Denn einerseits verstehe man sich gut mit Kommilitonen*innen, diese scheinen aber kein Interesse an einer näheren Bindung (im freundschaftlichen Sinne) zu haben, zu mindestens besteht bei einigen Teilnehmer*innen dieses Bild. Ein*e Student*in bezeichnet es auch als “oberflächliche Nahbarkeit” .
Der*Die woke Studierende sei laut mehreren Meinungen nur eine Fassade. Es wird nämlich der Vorwurf geäußert, dass gewisse Kommilitonen*innen wenig Reflexion über ihre eigenen Privilegien haben, obwohl diese es oft zu predigen scheinen.

„Z.T. intellektuelle Überheblichkeit, Exklusivität ggü. vom Konsens abweichenden Meinungen“
„Das Gruppengetue, die Unterteilung in cool/uncool“
„Auch oft wenig Reflexion über eigene Privilegien. Die künstlerische Auseinandersetzung ist oft sehr selbstbezogen“
„Ich habe oft das Gefühl, dass viele Menschen sich nicht so wohl fühlen an der Domäne und insecure sind und sich deshalb besonders selbstsicher geben, was sich dann reproduziert. Und alle sind sich irgendwie nah, aber irgendwie auch fern“
„Ich habe oft das Gefühl, dass eine gewisse Offenheit und Toleranz vorgegaukelt wird, auch von Studierendenseite„
„cancel culture is real“

„Manchmal wird mehr geredet über Diskriminierung, als daran gearbeitet, diskriminierendes Verhalten zu verändern“
„Wie vorhin in den Beispielen erwähnt, (Mädchenkind, Gesangsprüfung) fühle ich mich aufgrund von meiner Weiblichkeit weniger ernst genommen und erfahre von außen (internalisierten) Sexismus.“
„Klassismus, grob gesagt: nicht ernst genommen werden, wenn über Klassismuserfahrung gesprochen wird.Man kann in disem Zusammenhang nicht gut von Vorfällen reden, wie sexistische oder rassistische Übergriffe . Es ist eine immer anwesende Struktur, die man spürt“
Diskriminierung? Nicht bei uns…dachtet ihr
Leider doch, immerhin gibt es keine perfekte Gesellschaft, selbst wenn sie woke ist. Aber darum geht es ja, ist die Domäne woke oder scheint sie nur so?
Von den 52 Teilnehmenden haben 48,1% entweder selber Diskriminierung erfahren oder mitbekommen. Nur 21 gaben an welche Art von Diskriminierung es war, ganz oben ist Sexismus mit 42,9% und Klassismus mit 33,3%, darauf folgt Rassismus mit 14,3%. Da leider nur sehr wenige Fälle auch beschrieben wurden, kann ich demnach keine näheren Informationen, in diesem Artikel dazu geben. Der Klassismus wurde aber von denen, die es beschrieben haben, eher auf struktureller Ebene bemerkt. Wenn ihr selbst von jeglicher Art von Diskriminierung betroffen seid oder jemanden kennt, könnt ihr gerne euch an die Ideen- und Beschwerdestelle oder die Ansprechpersonen für von sexualisierter Belästigung, Diskriminierung und Gewalt Betroffene wenden, egal ob im Universitätskontext oder privat.
Meinungen zur Gesellschaft am Kulturcampus
„Manchmal ein bisschen distanziert und in der eigenen Bubble steckend, die ich aber auch ganz nice finde. Viele kreative Menschen zusammen und relativ offen miteinander. Ich mag dass die Leute so reflektiert sind. Manchmal wirken die Menschen ein bisschen zu verkopft nichts falsches zu machen/ sagen. Die Grundhaltung ist sehr rücksichtsvoll/ vorsichtig/ sanft miteinander zu sein kinda. Sehr viele liebe sweete Menschen :)“
„Ich wollte unbedingt an die Domäne kommen, weil ich den Ort als so wertschätzend wahrgenommen habe. Langsam erkenne ich die Probleme, die damit einhergehen [gezwungene oder aufgesetzte Offenheit, die Leute ausschließt, die nicht auf die exakt gleiche Art offen sind]. Leider ist für mich auch kein großes Interesse an Wissenschaft erkennbar bei den Ku-WIs, es geht viel um eigene/künstlerische Erfahrungen, auch im Bereich der Diskriminierung, obwohl grade hier detaillierte Analyse sinnvoll wäre.“
„Ich sage immer: Wir sind alle so divers, dass wir schon wieder nicht mehr divers sind. Wir sind so krass eine Bubble, dass der Tellerrand schon gar nicht mehr zu sehen ist.“
„Irgendwie wirken alle offen und tolerant, aber irgendwie auch nicht. Entweder du bist teil der linken Identitätspolitik oder halt nicht, und naja, da kriegt man wirklich Angst den Ruf von Intoleranz aufgestülpt zu bekommen. Ich wünschte, es gäbe mehr Möglichkeiten sich mit anderen zu vernetzen und Freunde zu finden, weil aktuell wirken alle sehr für sich bzw. entweder du hast dein Grüppchen schon gefunden oder stehst nach drei Semestern immer noch alle an der Bushalltestelle.“
„Ist ganz cool dann doch eigentlich. Aber auch schon eine inzestuöse Dorfgemeinschaft auf ne Art“
„Eine riesige Clique, aus der man sehr schnell ausgeschlossen werden kann/wird, wenn man sich nicht genauso verhält/anzieht/denkt wie alle anderen“
Umfrage: Erfahrungen am Kulturcampus, 2024
Was nun?
Wie man sieht, nehmen die Studierenden, welche an der Umfrage teilgenommen haben, ihre Kommilitonen*innen und Dozierenden als recht ambivalent wahr. Die Situation am Kulturcampus wird aber dadurch nicht viel klarer. Deshalb habe ich mehrere Personen von der Domäne zu den hier im Beitrag angesprochenen Themen interviewt. Darunter sind Mitglieder der QM-Kommission, eine Studentin die (internalisierten) Sexismus erfahren hat, ein Studienabbrecher und Viele mehr. Doch dieses erwartet euch im zweiten Teil meines Beitrages:)
Ein Beitrag von Jana Zimmermann, veröffentlicht am 07.03.2024
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